Wurzeln der Städte

Geschichte von Kırklareli und Herkunft des Namens

Kırklarelis Geschichte reicht von Bauerndörfern aus der Zeit ab 6200 v. Chr. über die byzantinische und osmanische Epoche bis in die frühe Republik. Am 20. Dezember 1924 wurde Kırkkilise per Gesetz in Kırklareli umbenannt; die Herkunft des älteren Namens ist bis heute umstritten.

9 Min. Lesezeit18 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Geschichte von Kırklareli und Herkunft des Namens
Kırklareli Atatürk Monument 1930s.tif

Kırklareli liegt im äußersten Nordwesten der Türkei, in Thrakien (Trakya). Seine Geschichte hat zwei Ebenen. Die eine erzählt von der Region: von frühen Bauern bis zu osmanischen Bauherren. Die andere handelt vom Stadtnamen, der vor etwas mehr als einem Jahrhundert per Gesetz geändert wurde.

Hier erfährst du beides. Du lernst den Namen vor 1924 und die konkurrierenden Erklärungen kennen. Außerdem siehst du, an welchen Orten der Provinz die Vergangenheit noch sichtbar ist.

Die Namen der Stadt: Saranta Ekklesies, Lozengrad und Kırkkilise

Die Stadt trug mehrere Namen. In byzantinischer Zeit hieß sie Saranta Ekklesies. Die Bulgaren nannten sie Lozengrad. Unter osmanischer Herrschaft war sie als Kırkkilise bekannt.

Kırkkilise blieb bis in die frühe Republik der amtliche Name. Dann wurde er per Gesetz geändert.

Wie Kırkkilise 1924 zu Kırklareli wurde

Die Umbenennung erfolgte durch das Gesetz Nr. 537, verabschiedet am 20. Dezember 1924. Den Vorschlag brachte der Arzt Fuad Umay in die Große Nationalversammlung der Türkei (TBMM) ein. Er war Abgeordneter für Kırkkilise.

In den Debatten von 1924 machte Umay auf einen wichtigen Punkt aufmerksam. Nach seinen Angaben verwendete die örtliche Bevölkerung bereits die Namen Kırklareli und Kırklarili. Das Gesetz schuf also kein völlig neues Wort. Es machte eine im Alltag gebräuchliche Form amtlich.

Vielleicht kennst du aus deinem eigenen Viertel einen Namen, den alle beim Einkaufen benutzen, der aber auf keiner Karte steht. Hier stimmten der alltägliche und der amtliche Name schließlich überein.

Was bedeutet der alte Name? Drei Erklärungen

Für die Herkunft des Namens Kırkkilise gibt es keine allgemein anerkannte Erklärung. Drei Deutungen sind im Umlauf. Jede hat ihre Grenzen.

  1. Vierzig Kirchen. Einer Erklärung zufolge verweist der alte Name Kırkkilise auf vierzig Kirchen in der Umgebung.
  2. Die Kirche der Vierzig Heiligen. Eine andere Theorie deutet den Namen nicht als Hinweis auf vierzig einzelne Kirchen. Sie führt ihn auf ein einziges Gebäude zurück: die Kirche der Vierzig Heiligen (Kırk Azizler Kilisesi).
  3. Vierzig gefallene Gazis. Eine Erzählung verbindet den Namen Kırklareli mit vierzig osmanischen Gazis, also Grenzkriegern, die bei der Eroberung starben.

Der englischsprachige Wikipedia-Artikel über die Provinz nennt die vierzig Kirchen und die vierzig Gazis als alternative Erklärungen. Der Strategieplan der Stadtverwaltung für 2020–2024 erwähnt die Theorie der Vierzig Heiligen. Er hält zugleich fest, dass keine Erklärung als sicher gilt.

Wenn dir also jemand eine eindeutige Bedeutung des Namens nennt, solltest du vorsichtig sein. Die ehrliche Antwort lautet: Seine Herkunft ist weiterhin umstritten.

Vor der Stadt: Aşağı Pınar und Kanlıgeçit

Hier lebten Menschen, lange bevor es Kirchen oder Moscheen gab. Aşağı Pınar liegt südlich des Stadtzentrums. Eine wissenschaftliche Studie von 2023 datiert die Siedlung auf 6200–4700 v. Chr.

Die Forschungen in Aşağı Pınar und Kanlıgeçit begannen 1993. Sie gehörten zu einem internationalen Vorhaben unter Beteiligung der Universität Istanbul (İstanbul Üniversitesi) und des Deutschen Archäologischen Instituts.

Kanlıgeçit liegt etwa 300 Meter westlich von Aşağı Pınar. Gegen Ende der Frühbronzezeit II entstanden dort vier Megaronbauten. Diese Gebäude bestanden aus Lehmziegeln auf Steinfundamenten. Sie folgten dem anatolischen Stadtmodell. Daran erkennst du, dass Thrakien im 3. Jahrtausend v. Chr. nicht von anatolischen Ideen abgeschnitten war.

Weiter außerhalb, beim Dorf Kayalı, belegen Terrakottafunde in der Bedre-Höhle (Bedre Mağarası) eine Nutzung als Wohnort bis zum Ende des 2. Jahrtausends v. Chr.

Das osmanische Zentrum: der Hızır-Bey-Komplex

Die osmanische Eroberung der Gegend lässt sich nicht sicher datieren. Laut der TDV-Enzyklopädie des Islam liefern frühe Quellen keine gesicherten Angaben. Sie nennt 1366 und 1368–1369 als mögliche Datierungen.

Ein verlässlicheres Datum ist in Stein überliefert. Die Inschrift zur Instandsetzung der Hızır-Bey-Moschee (Hızır Bey Camii) nennt 1383 als Baujahr. Als Bauherrn nennt sie Kösemihalzâde Hızır Bey, einen der Befehlshaber der Streifzugtruppen Murads I. (I. Murad).

Der Hızır-Bey-Komplex (Hızır Bey Külliyesi) steht am Marktplatz im Zentrum von Kırklareli. Er umfasst eine Moschee, ein Bad, eine Arasta, also eine Ladenzeile, und einen Friedhof. Wenn du schon einmal ein modernes Einkaufszentrum mit einem Wellnessbereich besucht hast, kennst du eine ähnliche Idee. Hier lagen Orte zum Beten, Waschen und Handeln beieinander.

Die Mauern der Moschee bestehen aus behauenem Kalkstein, dem sogenannten Küfeki-Stein. Sie sind 1,5 Meter dick. Die Kuppel hat einen Durchmesser von 13,5 Metern.

Am Cumhuriyet-Platz (Cumhuriyet Meydanı) steht das Hızırbey-Doppelbad (Hızırbey Hamamı). Das Inventar des Kulturministeriums datiert es auf 1383. Es entstand zusammen mit der benachbarten Arasta.

Ein weiteres markantes Bauwerk im Zentrum ist die Kadı-Moschee (Kadı Camii). Emin Ali Çelebi ließ sie 1577 errichten. Ihren Namen erhielt sie vom nahe gelegenen Gericht. Kadı bedeutet Richter.

In der Provinz: Sinan, Sokullu und die Felsen am Schwarzen Meer

Die Provinz bietet mehr als die Stadt allein. Drei Orte zeigen ihre Vielfalt.

  • Babaeski. Das Ministerium für Kultur und Tourismus führt die Cedit-Ali-Paşa-Moschee (Cedit Ali Paşa Camii) als Werk von Mimar Sinan auf. Sie wurde zwischen 1561 und 1565 erbaut.
  • Lüleburgaz. Der Sokullu-Mehmet-Paşa-Komplex (Sokullu Mehmet Paşa Külliyesi) stammt von 1570. Er umfasst eine Moschee, ein Bad, eine Medrese und eine Karawanserei.
  • Kıyıköy. Das Aya-Nikola-Kloster (Aya Nikola Manastırı) ist in den Fels gehauen. Es umfasst eine Kirche, eine heilige Quelle, eine sogenannte Ayazma, und weitere Räume. Das amtliche Inventar datiert es ins 6. Jahrhundert.

Im Landesinneren, bei Demirköy, erstreckt sich die Große Gießerei (Demirköy Büyük Dökümhane) über etwa 10.000 Quadratmeter. Ihre Produktionsbereiche liegen ungefähr 10 Meter unterhalb der Wohn- und Versorgungsbereiche.

Krieg und Besatzung, 1912–1922

Das 20. Jahrhundert traf die Stadt hart. Bulgarische Truppen besetzten Kırkkilise am 24. Oktober 1912. Am 21. Juli 1913 kehrte die Stadt unter osmanische Herrschaft zurück.

Dann folgte eine weitere Besatzung. Griechische Truppen rückten am 26. Juli 1920 in die Stadt ein. Am 10. November 1922 wurde wieder eine türkische Verwaltung eingesetzt.

Zwei Jahre später erhielt die Stadt ihren neuen Namen.

Zeittafel

  1. 6200–4700 v. Chr. Prähistorische Siedlung in Aşağı Pınar.
  2. 3. Jahrtausend v. Chr.: Frühbronzezeitliche Siedlung mit Architektur nach anatolischem Vorbild in Kanlıgeçit.
  3. 6. Jahrhundert: Bauzeit des Aya-Nikola-Klosters laut amtlichem Inventar.
  4. 1366 oder 1368–1369 Alternative Datierungen der osmanischen Eroberung. Der genaue Zeitpunkt ist umstritten.
  5. 1383 Bau der Hızır-Bey-Moschee laut ihrer Inschrift.
  6. 1561–1565 Bau der Cedit-Ali-Paşa-Moschee in Babaeski.
  7. 1570 Sokullu-Mehmet-Paşa-Komplex in Lüleburgaz.
  8. 1577 Emin Ali Çelebi lässt die Kadı-Moschee errichten.
  9. 1894 Bau des kommunalen Gebäudes, das später zum Museum wird.
  10. 24. Oktober 1912 Bulgarische Truppen besetzen Kırkkilise.
  11. 21. Juli 1913 Die Stadt kehrt unter osmanische Herrschaft zurück.
  12. 26. Juli 1920 Beginn der griechischen Besatzung.
  13. 10. November 1922 Rückkehr der türkischen Verwaltung.
  14. 20. Dezember 1924 Das Gesetz Nr. 537 benennt Kırkkilise in Kırklareli um.
  15. 1937 Das im Krieg beschädigte Minarett der Hızır-Bey-Moschee wird instand gesetzt.
  16. 1993 Beginn der Forschungen in Aşağı Pınar und Kanlıgeçit.
  17. 14. Januar 1994 Das Museum Kırklareli öffnet für Besucher.

Details, die du in Reiseführern nicht findest

  • Die Fundamente in Kanlıgeçit sind Nachbildungen. Die Gebäudefundamente, die Besucher in Kanlıgeçit sehen, sind exakte Nachbildungen. Die Originalfundamente wurden nach der Ausgrabung zu ihrem Schutz wieder abgedeckt.
  • Ein Minarett wird auf Anordnung repariert. Das Minarett der Hızır-Bey-Moschee wurde im Balkankrieg durch Kanonenbeschuss zerstört. 1937 wurde es auf Anordnung Atatürks instand gesetzt.
  • Der hölzerne Eingang ist verschwunden. Im 19. Jahrhundert errichteten Griechen einen hölzernen Eingang vor den Felsgalerien von Aya Nikola. Er ist nicht erhalten.
  • Schäden durch Raubgrabungen. Der amtliche Eintrag zu Aya Nikola nennt Schäden durch illegale Grabungen an den Felsblöcken im Inneren.
  • Das Museum war früher das Rathaus. Das Gebäude des Museums Kırklareli (Kırklareli Müzesi) wurde 1894 als kommunales Verwaltungsgebäude errichtet. Die Stadtverwaltung nutzte es bis 1962. Am 14. Januar 1994 öffnete es als Museum.
  • Vermisste Münzen. Das Kulturministerium hat zwei Münzen aus dem Museum als vermisst gemeldet. Die eine ist eine 2,9 cm große griechische Silbermünze mit der Inventarnummer 2126. Die andere ist eine 3,3 cm große Bronzemünze aus römischer Zeit aus Bizye mit der Inventarnummer 2001/29.

Selbst auf Spurensuche: das Museum

Beginne im Museum Kırklareli. Es zeigt Funde aus den Ausgrabungen von Aşağıpınar, Kanlıgeçit und Tilkiburnu. Hinzu kommen Fundstücke aus regionalen Grabhügeln und den Ausgrabungen der Fatih-Gießerei in Demirköy (Demirköy Fatih Dökümhanesi).

Geh anschließend zum Marktplatz. Dort kannst du die Moschee von 1383, das Doppelbad und die Arasta sehen. Das Museum zeigt, was die Menschen herstellten und benutzten. Der Platz zeigt, wo sie zusammenkamen.

FAQ

Wann wurde Kırkkilise in Kırklareli umbenannt?

Die Umbenennung erfolgte durch das Gesetz Nr. 537, verabschiedet am 20. Dezember 1924. Der Arzt Fuad Umay, Abgeordneter für Kırkkilise, brachte den Vorschlag in die Große Nationalversammlung ein.

Wie lauteten die byzantinischen und bulgarischen Namen der Stadt?

Der byzantinische Name war Saranta Ekklesies. Die Bulgaren verwendeten den Namen Lozengrad.

Bedeutet der Name wirklich vierzig Kirchen?

Das ist eine Erklärung, aber sie ist nicht gesichert. Eine zweite Theorie verweist auf die Kirche der Vierzig Heiligen. Eine dritte Erzählung verbindet den Namen mit vierzig gefallenen osmanischen Gazis. Laut dem Strategieplan der Stadtverwaltung gilt keine Erklärung als sicher.

Wann eroberten die Osmanen die Stadt?

Der genaue Zeitpunkt ist umstritten. Die TDV-Enzyklopädie des Islam nennt 1366 und 1368–1369 als mögliche Datierungen.

Was ist die älteste Siedlung hier?

Aşağı Pınar südlich des Stadtzentrums wird in einer wissenschaftlichen Studie von 2023 auf 6200–4700 v. Chr. datiert.

Quellen

  1. TDV-Enzyklopädie des Islam — Kırklareli islamansiklopedisi.org.tr
  2. Wikipedia — Kırklareli tr.wikipedia.org
  3. Veysi Akın — Geschichte des Namens Kırklareli dergipark.org.tr
  4. Wikipedia — Provinz Kırklareli en.wikipedia.org
  5. Stadtverwaltung Kırklareli — Strategieplan 2020–2024 api.kirklarelibelediyesi.com
  6. Universität Istanbul AVESİS — Analyse des Lebensumfelds von Aşağı Pınar avesis.istanbul.edu.tr
  7. Kulturportal — Die prähistorischen Kulturen Kırklarelis beta.kulturportali.gov.tr
  8. Ministerium für Kultur und Tourismus — Schutzgebietsinventar der Siedlung Kanlıgeçit korumakurullari.ktb.gov.tr
  9. Kulturgüterinventar Kırklareli — Siedlungshügel Kanlıgeçit kirklarelienvanteri.gov.tr
  10. TDV-Enzyklopädie des Islam — Hızır-Bey-Komplex islamansiklopedisi.org.tr
  11. Kulturportal — Hızırbey-Bad kulturportali.gov.tr
  12. Ministerium für Land- und Forstwirtschaft — Masterplan für Naturtourismus in Kırklareli bolge1.tarimorman.gov.tr
  13. Ministerium für Kultur und Tourismus — Kırklareli ktb.gov.tr
  14. Kulturgüterinventar Kırklareli — Aya-Nikola-Kloster kirklarelienvanteri.gov.tr
  15. Kulturportal — Aya-Nikola-Kloster in Kıyıköy kulturportali.gov.tr
  16. Kulturgüterinventar Kırklareli — Große Gießerei Demirköy kirklarelienvanteri.gov.tr
  17. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Kırklareli — Höhlentourismus kirklareli.ktb.gov.tr
  18. Generaldirektion für Kulturgüter und Museen — Museumsdirektion Kırklareli kvmgm.ktb.gov.tr

FAQ

Wann wurde Kırkkilise in Kırklareli umbenannt?

Die Umbenennung erfolgte durch das Gesetz Nr. 537, das am 20. Dezember 1924 verabschiedet wurde. Den Vorschlag brachte der Arzt Fuad Umay, Abgeordneter für Kırkkilise, in die Große Nationalversammlung der Türkei ein.

Wie hieß Kırklareli bei Byzantinern und Bulgaren?

Der byzantinische Name lautete Saranta Ekklesies. Die Bulgaren verwendeten den Namen Lozengrad.

Bedeutet Kırklarelis Name wirklich vierzig Kirchen?

Das ist eine Erklärung für den alten Namen Kırkkilise, aber sie ist nicht gesichert. Eine andere Theorie verweist auf eine einzelne Kirche der Vierzig Heiligen. Im Strategieplan der Stadtverwaltung steht, dass keine Erklärung als sicher gilt.

Wann eroberten die Osmanen Kırklareli?

Der genaue Zeitpunkt ist umstritten. Laut der TDV-Enzyklopädie des Islam liefern frühe Quellen keine gesicherten Angaben. Sie nennt 1366 und 1368–1369 als mögliche Datierungen.

Was ist die älteste Siedlung bei Kırklareli?

Aşağı Pınar südlich des Stadtzentrums wird in einer wissenschaftlichen Studie von 2023 auf 6200–4700 v. Chr. datiert.

Image: Kırklareli Atatürk Monument 1930s.tif — Unknown authorUnknown author, Public domain

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt. Jede Angabe wurde mit den Quellen abgeglichen; Sätze ohne Quelle wurden nicht veröffentlicht. Wenn Sie einen Fehler finden, schreiben Sie uns. Unsere Quellengrundsätze · Schreib uns →