Wurzeln der Städte

Geschichte von Iğdır: Herkunft des Namens erklärt

Der Name Iğdır geht auf den Stamm Igdir der Oghusen zurück, während die schriftlich belegte Geschichte mit urartäischen Inschriften im Aras-Becken beginnt. Die Stadt stand unter seldschukischer, akkoyunlischer, osmanischer und russischer Herrschaft, bevor sie 1992 zur Provinz der Türkei wurde.

7 Min. Lesezeit16 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Geschichte von Iğdır: Herkunft des Namens erklärt
Iğdır kervansaray – panoramio.jpg

Wenn du nach der Geschichte von Iğdır suchst, stößt du auf einen Ort an einer wichtigen Wegkreuzung. Die Stadt liegt im Sürmeli-Becken, einer Ebene am Aras. Seit Jahrtausenden durchqueren Heere, Händler und Kartografen dieses Gebiet. Hier erfährst du, wie sich der Ort entwickelte und woher sein Name stammt.

Die Geschichte von Iğdır im Überblick

Die frühesten schriftlichen Zeugnisse stammen aus Urartu. Die Forschungen von Kemalettin Köroğlu zeigen: Die Inschriften von Çölegert und Başbulak bei Taşburun berichten von den Eroberungen König Menuas in der Ebene von Iğdır. Dieselben Texte nennen eine Festung namens Menuahinili, die er dort errichten ließ.

Der nächste wichtige Schritt folgte 1232. Kemâleddin Kâmyâr brachte das Sürmeli-Becken unter seldschukische Herrschaft. Er handelte im Auftrag des anatolischen Seldschukensultans Alâeddin Keykubad.

Am 30. Mai 1404 kam der spanische Gesandte Clavijo durch die Gegend. Er hielt den Namen einer Burg auf einem Felsen fest: Iğdır. 1469 fiel die Burg an die Akkoyunlu. Die Ebene wurde zum Winterweidegebiet von Uzun Hasan. 1583 kamen Burg und Becken während des Eriwan-Feldzugs (Revan) von Sultan Murad III. unter osmanische Herrschaft.

Das 19. Jahrhundert brachte eine neue Grenze. Der nach dem Russisch-Persischen Krieg von 1826–1828 geschlossene Vertrag von Turkmantschai sprach die Region dem Russischen Reich zu. Iğdır wurde zum Verwaltungssitz des Bezirks Surmalu, der später zum Gouvernement Eriwan gehörte.

Das türkische Kapitel begann am 14. November 1920. Truppen unter Kâzım Karabekir nahmen das Stadtzentrum ein. Der Vertrag von Kars von 1921 war Teil der Grenzregelung, durch die Iğdır innerhalb der Türkei blieb. 1934 wechselte Iğdır aus der Provinz Bayazıt als Landkreis zur Provinz Kars. 1992 wurde Iğdır schließlich selbst eine Provinz.

Woher stammt der Name Iğdır?

Die übliche Erklärung führt zu den Oghusen. Nach der Überlieferung, die die türkischsprachige Wikipedia wiedergibt, war Igdir Bey ein Sohn von Deniz Khan. Ein oghusischer Stamm trug seinen Namen.

Auch der Stammesname Igdir hat eine Bedeutung. Faruk Sümer berichtet, dass Raschid ad-Din ihn als Yikdir festhielt. Er erklärte ihn mit Güte, Größe und Tapferkeit. Hinter dem Stadtnamen steht also ein lobender Name.

Der Stamm erscheint auch in einer frühen Quelle. In der Liste von Mahmud al-Kaschgari aus dem 11. Jahrhundert steht Igdir an vierzehnter Stelle. Sein Werk zeigt außerdem das Brandzeichen des Stammes.

Ein Verkehrsknotenpunkt am Aras

Die geografische Lage erklärt, warum so viele Mächte diese Ebene beherrschen wollten. Das Sürmeli-Becken ist ein Verkehrsknotenpunkt. Der Aras durchquert es. Straßen aus Erzurum verzweigen sich hier. Eine führt nach Nachitschewan, eine andere nach Doğubayazıt und weiter in Richtung Iran.

Stell dir ein heutiges Autobahnkreuz mit Raststätte vor. Autofahrer halten dort, weil alle Routen vorbeiführen. Auf ähnliche Weise entstanden an dieser Wegkreuzung eine Burg, eine Herberge und später eine Stadt.

Vom Berghang in die Ebene

Das alte Iğdır lag nicht immer am Standort der heutigen Stadt. Metin Tuncel bringt die Verlagerung von den Hängen des Ararat in die heutige Siedlung in der Ebene mit dem Erdbeben von 1664 in Verbindung.

Das Beben hinterließ auch andernorts Spuren. Nach Angaben der Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Iğdır wurden die Mauern von Karakale an der armenischen Grenze bei den Erdbeben von 1664 und 1840 beschädigt.

Die Karawanserei mit umstrittener Datierung

Das bekannteste Bauwerk in dieser Debatte ist die Karawanserei von Iğdır. Der rechteckige Bau misst 22 mal 52 Meter und hat keinen Innenhof. Es gibt weder eine Inschrift noch eine Stiftungsurkunde.

Haluk Kargı datiert das Gebäude anhand seiner Architektur auf das späte 13. oder frühe 14. Jahrhundert. Er ordnet es als seldschukisches Bauwerk ein. Hasan Buyruk widerspricht in seiner Studie von 2021. Nach seiner Einschätzung passt die seldschukische Zuordnung nicht zum historischen Zeitablauf. Er schlägt eine ilkhanidische Entstehung zwischen dem dritten Viertel und dem Ende des 13. Jahrhunderts vor. Der Stifter bleibt unbekannt.

Wie das Gebäude eingeordnet wird, hängt also davon ab, welchen Forscher du liest.

Grabbauten, Moscheen und Steine

Kleinere Denkmäler ergänzen das Bild der späteren Jahrhunderte.

  • Kul-Yusuf-Grabmal im Dorf Çakırtaş: Laut der Inschrift am Eingang wurde es 890 nach der Hidschra, also 1485 n. Chr., für Kul Yusuf errichtet.
  • Hacı-İbrahim-Grabmal in Aralık: Der Grabbau mit quadratischem Grundriss wurde 1907 im Namen von Hacı İbrahim errichtet.
  • Ortaköy-Moschee: Sie steht etwa 8,5 Kilometer nordöstlich von Aralık. Hacı Muharrem ließ sie bauen. Auf einem ihrer Holzpfosten kannst du die Jahreszahl 1329 nach der Hidschra beziehungsweise 1911 n. Chr. lesen.
  • Moschee im Dorf Asma: Sie hat keine Inschrift. Daher sind weder ihre Bauzeit noch ihr Bauherr bekannt.

Wenn du alte Grabsteine sehen möchtest, besuche das Freilichtmuseum Karakoyunlu Koçbaşlı. Es liegt etwa 15 Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums und zeigt historische Grabsteine.

Details, die du nicht im Reiseführer findest

  • In seinem Bericht von 1404 beschreibt Clavijo die Burg Iğdır als Herrschaftssitz einer Witwe. Sie zahlte Timur Tribut.
  • Die Steinmetzzeichen auf den Steinen der Karawanserei wurden als Spuren von 16 verschiedenen Steinmetzen gedeutet.
  • Die Karawanserei hat weitere Namen. Buyruk nennt Ejder, Harmandöven und Zor. Einheimische nennen sie außerdem Aynalı Han.
  • Die widderförmigen Grabsteine, die das Kulturportal der Karakoyunlu-Zeit zuordnet, bestehen aus schwarzem Basalt vom Ararat.
  • Im Februar 2021 meldete die Gendarmerie von Iğdır die Festnahme von sechs Verdächtigen. Sie hatten an einer geschützten Stätte im Dorf Karakoyun im Landkreis Tuzluca illegal nach Altertümern gegraben.

Archäologie heute

Die Vergangenheit wird weiterhin kartiert. Am 29. Januar 2025 erweiterte der Regionalrat zum Schutz von Kulturgütern in Kars die Grenzen der archäologischen Stätte Karakale im Dorf Sürmeli. Sein Beschluss Nr. 4286 umfasst nun auch neu festgestellte Siedlungsreste und Grabhügel, sogenannte Kurgane.

Zeitleiste

  • Regierungszeit des urartäischen Königs Menua: Inschriften dokumentieren Eroberungen in der Ebene von Iğdır und die Festung Menuahinili.
  • 1232: Das Sürmeli-Becken kommt unter die Herrschaft der anatolischen Seldschuken.
  • 13. bis frühes 14. Jahrhundert: Die Forschung datiert die Karawanserei von Iğdır in diesen Zeitraum. Sie wird entweder den Seldschuken oder den Ilkhanen zugeschrieben.
  • 1404: Clavijo verzeichnet die Burg namens Iğdır.
  • 1469: Die Burg fällt an die Akkoyunlu.
  • 1485: Das Kul-Yusuf-Grabmal wird errichtet.
  • 1583: Burg und Becken kommen unter osmanische Herrschaft.
  • 1664: Nach einem Erdbeben soll die alte Siedlung in die Ebene verlegt worden sein.
  • 1828: Durch den Vertrag von Turkmantschai fällt die Region an das Russische Reich.
  • 1907: Das Hacı-İbrahim-Grabmal wird errichtet.
  • 14. November 1920: Türkische Truppen nehmen das Stadtzentrum ein.
  • 1921: Der Vertrag von Kars regelt die Zugehörigkeit Iğdırs zur Türkei.
  • 1934: Iğdır wird ein Landkreis der Provinz Kars.
  • 3. Juni 1992: Das Gesetz Nr. 3806 macht Iğdır zur Provinz.
  • 29. Januar 2025: Die Grenzen der archäologischen Stätte Karakale werden erweitert.

Was du daraus mitnehmen kannst

Drei Dinge prägen die Geschichte von Iğdır. Der Name gehört zu einem oghusischen Stamm und bedeutet sinngemäß Güte und Tapferkeit. Seine Verkehrswege machen den Ort bedeutsam. Seine Bauwerke werfen weiterhin offene Fragen auf. Wenn du vor der Karawanserei stehst, denk daran: Wer sie errichten ließ, ist in der Forschung noch nicht geklärt.

FAQ

Was bedeutet der Name Iğdır?

Er wird mit dem oghusischen Stamm Igdir verbunden. Nach Faruk Sümer schrieb Raschid ad-Din den Namen als Yikdir und erklärte ihn mit Güte, Größe und Tapferkeit.

Wann wurde Iğdır osmanisch?

1583, während des Eriwan-Feldzugs von Murad III.

Wann wurde Iğdır eine Provinz?

Am 3. Juni 1992 durch das Gesetz Nr. 3806. Seit 1934 war Iğdır ein Landkreis der Provinz Kars gewesen.

Stand Iğdır unter russischer Herrschaft?

Ja. Nach dem Krieg von 1826–1828 fiel die Region durch den Vertrag von Turkmantschai an Russland. Iğdır war Verwaltungssitz des Bezirks Surmalu.

Wer ließ die Karawanserei von Iğdır bauen?

Der Bauherr ist unbekannt. Das Gebäude könnte seldschukisch oder ilkhanidisch sein. Die Forschung ist sich darüber uneinig.

Quellen

  1. Türkischsprachige Wikipedia — Iğdır tr.wikipedia.org
  2. TDV-Enzyklopädie des Islam — İgdir (oghusischer Stamm) islamansiklopedisi.org.tr
  3. TDV-Enzyklopädie des Islam — Iğdır (Stadt) islamansiklopedisi.org.tr
  4. Belleten — Die Nordexpansion des Königreichs Urartu und die historische Geografie des Landes Qulha belleten.gov.tr
  5. Wikipedia — Provinz Iğdır en.wikipedia.org
  6. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Iğdır — Burgen igdir.ktb.gov.tr
  7. TDV-Enzyklopädie des Islam — Karawanserei von Iğdır islamansiklopedisi.org.tr
  8. Hasan Buyruk — Neue Bewertungen der Karawanserei von Iğdır und des Karawanenwegs dergipark.org.tr
  9. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Iğdır — Karawansereien und Herbergen igdir.ktb.gov.tr
  10. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Iğdır — Grabbauten igdir.ktb.gov.tr
  11. Kulturportal — Hacı-İbrahim-Grabmal kulturportali.gov.tr
  12. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Iğdır — Moscheen igdir.ktb.gov.tr
  13. Kulturportal — Freilichtmuseum Karakoyunlu Koçbaşlı kulturportali.gov.tr
  14. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Iğdır — Archäologische Stätte Karakale igdir.ktb.gov.tr
  15. Regionalrat zum Schutz von Kulturgütern in Kars — Beschluss Nr. 4286 korumakurullari.ktb.gov.tr
  16. Entwicklungsagentur Serhat — Geschichte von Iğdır serka.gov.tr

Image: Iğdır kervansaray – panoramio.jpg — mhasras, CC BY 3.0

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