Denizlis Geschichte im Überblick
Denizli liegt in einem Becken im westlichen Anatolien. Seine Geschichte ist viel älter als sein Name. In der weiteren Umgebung lebten bereits Menschen, Jahrtausende bevor jemand das Wort „Denizli“ aufschrieb.
Die Geschichte lässt sich in vier große Abschnitte gliedern. Am Anfang stehen vorgeschichtliche Siedlungshügel wie Beycesultan. Danach folgen die hellenistischen und römischen Städte Laodikeia, Hierapolis und Tripolis. Es schließen sich die seldschukische und die osmanische Zeit an. Den letzten Abschnitt bildet die moderne Stadt der Republik.
Wenn du Denizli besuchst, behalte diese Reihenfolge im Kopf. Sie erklärt, warum dich eine kurze Fahrt von einem römischen Theater zu einem osmanischen Basar führen kann.
Vor den Städten: Beycesultan
Beginne etwa 5 Kilometer südwestlich von Çivril am Siedlungshügel Beycesultan. Ausgrabungen zwischen 1954 und 1959 legten dort 40 Kulturschichten frei. Sie reichen von der späten Kupfersteinzeit bis zum Ende der Spätbronzezeit.
Der Hügel ist nach Beyce Sultan benannt. Dieser anatolische Derwisch hat sein Grab auf der Hügelkuppe. Die vorgeschichtliche Stätte trägt also den Namen eines heiligen Mannes und nicht den eines antiken Volkes.
Laodikeia: Die Vorgängerin des heutigen Denizli
Der Seleukidenkönig Antiochos II. Theos gründete Laodikeia zwischen 261 und 253 v. Chr. Er benannte die Stadt nach seiner Frau, Königin Laodike.
Wenige Jahrzehnte später wurde sie zum Schauplatz eines politischen Machtanspruchs. 220 v. Chr. rief sich Achaios in Laodikeia zum König aus. Er ließ Münzen in seinem eigenen Namen prägen.
Die Ruinen liegen nördlich des Stadtzentrums von Denizli. Von der Siedlung Eskihisar sind sie etwa 1 Kilometer nach Norden entfernt. Das heutige Denizli entstand nahe dem antiken Laodikeia und trat dessen Nachfolge an. Türkische Quellen verwendeten den antiken Namen in den Formen Lâdik und Lâdıkıye.
Dieser alte Name verschwand nicht so schnell. Das osmanische Staatshandbuch von 1856 führte den Bezirk als „Denizli, auch bekannt als Lâdikıye“. Mehr als zweitausend Jahre nach der Stadtgründung verwendeten die Behörden also noch den antiken Namen.
Woher kommt der Name Denizli?
Der Name nahm seine heutige Form nicht auf einmal an. Syrische und georgische Quellen von 1291 nennen Tangazlu und Thongouzalo. In Quellen des 14. Jahrhunderts erscheinen Toguzlu, Donguzlu und Tonguzlu.
Nach Angaben des Fachbereichs Geschichte der Universität Pamukkale kam die heutige Namensform erst nach der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Gebrauch.
Zwei Erklärungen stehen einander gegenüber.
Die Erklärung über das Wort „Meer“
Die Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Denizli erläutert einen Zusammenhang zwischen Tengüzlü und Denizli. Ausgangspunkt ist das alttürkische Wort tengiz. Es bedeutet Meer. Nach dieser Lesart bezeichnet der Name einen wasserreichen Ort.
Dieselbe Behörde schränkt die Erklärung jedoch ein. Eine abschließende Aussage über den Namensursprung sei nicht möglich.
Die Erklärung über das Wort „Schwein“
Tuncer Baykara widerspricht. Nach seiner Auffassung beeinflusste das Wort für Schwein, domuz, die Namensformen des 13. und 14. Jahrhunderts. Er verweist außerdem auf eine Besonderheit der alten Schrift. Die Wörter für Schwein und Meer sahen darin ähnlich aus. Das könnte erklären, wie sich der Name in Richtung Denizli wandelte.
Die Frage bleibt damit offen. Beide Erklärungen gehen von denselben frühen Schreibweisen aus. Sie deuten diese jedoch unterschiedlich.
Seldschukische Handelswege und die osmanische Übernahme
In seldschukischer Zeit prägte der Handel die Region. Seyfettin Karasungur bin Abdullah ließ während der Herrschaft von Kai-Kaus II. die Karawanserei Akhan (Akhan Kervansarayı) errichten. Der überdachte Teil wurde 1253 fertiggestellt, der Innenhof 1254.
Die osmanische Herrschaft in Denizli begann unter Bayezid I. (I. Bayezid). Nach der Schlacht bei Ankara 1402 wurde sie unterbrochen. 1429 kamen die Stadt und ihr Umland dauerhaft zum Osmanischen Reich.
Alte Märkte und Moscheen, die du heute besuchen kannst
Im Kaleiçi-Basar (Kaleiçi Çarşısı) kannst du noch heute durch die Vergangenheit spazieren. Er ist der älteste Markt Denizlis. Hier werden weiterhin Textilien, Schuhe sowie kunsthandwerkliche Waren aus Kupfer und Eisen gekauft. Stell ihn dir als alltägliche Einkaufsstraße der Stadt vor, hinter der Jahrhunderte Geschichte liegen.
Ein französischer Topograf zeichnete zwischen 1926 und 1930 einen Plan im Maßstab 1/200. Darauf ist die Festung Kaleiçi etwa 280 Meter lang und 160 Meter breit.
Im Basar steht die Arasta-Moschee (Arasta Camii). An ihrer Eingangsfassade befindet sich eine osmanisch-türkische Inschrift auf Marmor. Sie nennt die Jahreszahlen 1323 und 1325 nach dem Hidschra-Kalender.
Dort steht auch die Mehlmarkt-Moschee (Un Pazarı Camii). Sie hat zwei Geschosse. Im Erdgeschoss befinden sich Geschäfte. Das Obergeschoss dient als Gebetsraum.
In den Landkreisen findest du weitere Moscheen. Die Çarşı-Moschee (Çarşı Camii) im Ortszentrum von Çal wurde 1716 erbaut. Im Viertel Yazır von Acıpayam steht die Yazır-Moschee (Yazır Camii). Zehn Holzstützen teilen sie in drei Schiffe. Ihre Innenwände sind mit farbigen Bildtafeln geschmückt.
In Buldan stehen alte Holzhäuser mit Erkern unter städtebaulichem Ensembleschutz.
Hierapolis, Pamukkale und Tripolis
Etwa 18 Kilometer nördlich des Zentrums von Denizli liegt Hierapolis. Nach einem schweren Erdbeben um 60 n. Chr. wurde die Stadt wiederaufgebaut. Sie erhielt das Erscheinungsbild einer römischen Stadt und ein rechtwinkliges Straßenraster.
Die weißen Terrassen von Pamukkale bestehen aus Travertin. Kalzitreiches Quellwasser lagerte die Mineralien an einem Hang ab. Dieser erhebt sich etwa 200 Meter über die Ebene.
Hierapolis-Pamukkale wurde 1988 wegen seiner Kultur- und Naturwerte in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Das eingetragene Gebiet umfasst 1.077 Hektar.
Auch die Geschichte des antiken Beckens (Antik Havuz) in Hierapolis hängt mit einem Erdbeben zusammen. Laut dem Kulturinventar Denizli riss ein Beben im 7. Jahrhundert den Boden auf. Das Gelände der städtischen Agora stürzte in den Riss. Quellwasser füllte die entstandene Vertiefung.
Tripolis ist eine ruhigere Ausgrabungsstätte. Sie liegt bei Yenicekent im Landkreis Buldan. Die Arbeiten dort haben seit 2012 eine Agora, eine Säulenstraße, einen Monumentalbrunnen und ein Wohnviertel freigelegt.
Zeittafel
- Späte Kupfersteinzeit–Spätbronzezeit: die 40 in Beycesultan dokumentierten Schichten
- 261–253 v. Chr.: Antiochos II. Theos gründet Laodikeia und benennt die Stadt nach Königin Laodike
- 220 v. Chr.: Achaios ruft sich in Laodikeia zum König aus
- Um 60 n. Chr.: Hierapolis wird nach einem schweren Erdbeben nach römischem Plan wiederaufgebaut
- 7. Jahrhundert n. Chr.: das Erdbeben, das das Kulturinventar Denizli mit dem antiken Becken verbindet
- 1253–1254: die Karawanserei Akhan wird fertiggestellt
- 1291: die Namen Tangazlu und Thongouzalo erscheinen in Quellen
- 1429: Denizli und sein Umland kommen dauerhaft zum Osmanischen Reich
- Zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts: der Name kommt als „Denizli“ in Gebrauch
- 1716: die Çarşı-Moschee in Çal wird erbaut
- 1876: die erste Stadtverwaltung wird gegründet
- 1883: der Sandschak Denizli wird geschaffen
- 1915: in Denizli wird erstmals Strom erzeugt
- 15. Mai 1919: eine große Protestkundgebung gegen die Besetzung von İzmir findet statt
- 1924: Denizli wird eine Provinz
- 1948: das Wasserkraftwerk Gökpınar I nimmt den Betrieb auf
- 1954–1959: Ausgrabungen in Beycesultan
- 1988: Hierapolis-Pamukkale wird in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen
Von der Stadtverwaltung zur Provinz
Die moderne Verwaltungsgeschichte beginnt spät. Denizlis erste Stadtverwaltung wurde 1876 gegründet. 1883 entstand ein Sandschak. Ihm wurden die Bezirke Sarayköy, Buldan und Tavas zugeordnet.
Am 15. Mai 1919 erreichte die Nachricht von der Besetzung İzmirs Denizli. Es folgte eine große Protestkundgebung. Der nationale Widerstand begann sich zu organisieren. 1924 wurde Denizli eine Provinz.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
- Der Name eines Derwischs auf einem vorgeschichtlichen Hügel. Beycesultan ist nach Beyce Sultan benannt. Das Grab dieses Derwischs steht auf dem Hügel.
- Die eigenen Münzen eines Königs. Achaios erklärte sich 220 v. Chr. in Laodikeia zum König. Er ließ Münzen in seinem eigenen Namen prägen.
- Ein antiker Name in einer osmanischen Quelle. Das Staatshandbuch von 1856 führt den Bezirk als „Denizli, auch bekannt als Lâdikıye“.
- Unten Geschäfte, oben Gebete. Die Mehlmarkt-Moschee in Kaleiçi nutzt ihr Erdgeschoss für Geschäfte und das Obergeschoss als Gebetsraum.
- Elektrisches Licht kam früh. Denizli erzeugte 1915 seinen ersten Strom. Das Kraftwerk Gökpınar I folgte 1948.
FAQ
Die Antworten auf die häufigsten Fragen findest du im FAQ-Bereich der Seitendaten. Die wichtigsten Punkte: Der Namensursprung ist umstritten. Laodikeia ist die antike Vorgängerstadt. Denizli wurde 1924 zur Provinz und gehört seit 1429 dauerhaft zum Osmanischen Reich.
Quellen
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Denizli — Siedlungshügel mit Ausgrabungen denizli.ktb.gov.tr
- Universität Pamukkale — Ausgrabung Laodikeia laodikeia.pau.edu.tr
- Wikipedia — Provinz Denizli en.wikipedia.org
- TDV-Enzyklopädie des Islam — Denizli islamansiklopedisi.org.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Denizli — Geschichte denizli.ktb.gov.tr
- Fachbereich Geschichte der Universität Pamukkale — Der historische Weg der Stadt pau.edu.tr
- Landratsamt Merkezefendi — Historischer Kaleiçi-Basar merkezefendi.gov.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Denizli — Historische Marktplätze denizli.ktb.gov.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Denizli — Moscheen denizli.ktb.gov.tr
- Kulturportal — Çarşı-Moschee in Çal kulturportali.gov.tr
- Kulturportal — Yazır-Moschee kulturportali.gov.tr
- Kulturportal — Karawanserei Akhan kulturportali.gov.tr
- Landratsamt Buldan — Häuser von Buldan buldan.gov.tr
- Ministerium für Kultur und Tourismus — Ruinen von Hierapolis muze.gov.tr
- UNESCO — Hierapolis-Pamukkale whc.unesco.org
- Kulturinventar Denizli 2014 — Antikes Becken, S. 124 geka.gov.tr
- Ministerium für Kultur und Tourismus — Ruinen von Tripolis in Denizli muze.gov.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Denizli — Chronologie denizli.ktb.gov.tr
- Türkische Akademie der Wissenschaften — Denizli während des Nationalen Befreiungskampfes tuba.gov.tr
- Provinzdirektion für Umwelt, Stadtentwicklung und Klimawandel Denizli — Geschichte denizli.csb.gov.tr
- Ercan Haytoğlu — Ein Blick auf die Geschichte der Elektrizität in Denizli, Zeitschrift Belgi dergipark.org.tr
FAQ
Woher kommt der Name Denizli?
Das lässt sich nicht sicher sagen. Die Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Denizli stellt einen Zusammenhang mit dem alttürkischen Wort tengiz für Meer her. Sie betont aber, dass keine abschließende Aussage möglich ist. Tuncer Baykara vertritt dagegen die Auffassung, dass das Wort für Schwein die Namensformen des 13. und 14. Jahrhunderts prägte.
Welche antike Stadt lag bei der heutigen Stadt Denizli?
Laodikeia. Der Seleukidenkönig Antiochos II. Theos gründete die Stadt zwischen 261 und 253 v. Chr. und benannte sie nach seiner Frau, Königin Laodike. Die Ruinen liegen nördlich des heutigen Stadtzentrums.
Seit wann ist Denizli eine Provinz?
Denizli wurde 1924 zur Provinz, einem Vilâyet. Bereits 1883 war ein Sandschak gebildet worden. Die erste Stadtverwaltung entstand 1876.
Wann kam Denizli dauerhaft zum Osmanischen Reich?
1429. Die osmanische Herrschaft hatte unter Bayezid I. begonnen. Nach der Schlacht bei Ankara 1402 wurde sie unterbrochen. Seit 1429 gehörte Denizli dauerhaft zum Osmanischen Reich.
Image: Laodicea Temple-A 20240929 090307.jpg — Rigorius, CC BY-SA 4.0
