Wurzeln der Städte

Geschichte von Bilecik: Woher kommt der Name der Stadt?

Bileciks Geschichte beginnt mit einer jungsteinzeitlichen Siedlung aus der Zeit um 7100–6000 v. Chr. und führt über das byzantinische Belokome und die osmanische Eroberung von 1299 bis zum Treffen von Bilecik 1920. Die Herkunft des Namens ist ungeklärt; wissenschaftliche Deutungen und örtliche Überlieferungen bieten mehrere konkurrierende Erklärungen.

7 Min. Lesezeit14 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Geschichte von Bilecik: Woher kommt der Name der Stadt?
Bilecik – Şeyh Edebali türbesi.jpg

Wenn du nach der Geschichte von Bilecik suchst, entdeckst du eine kleine Stadt mit einem langen Gedächtnis. Schon vor mehr als neuntausend Jahren lebten hier Menschen. Die Byzantiner hielten eine Festung auf ihrem Felsen. Osmanische Quellen verbinden den Ort mit den ersten Eroberungen des frühen osmanischen Staates. Dieser Artikel führt dich durch diese Geschichte. Danach geht es um die schwierigere Frage: Woher stammt der Name?

Bileciks Platz in der türkischen Geschichte

Bilecik liegt im Nordwesten Anatoliens. Zur Provinz gehört auch Söğüt. Es zählt zu den Siedlungen, in denen unter Osman I. (Osman Gazi) das osmanische Fürstentum entstand.

Doch die Geschichte der Stadt beginnt lange vor den Osmanen. Andere ihrer Kapitel reichen bis ins 20. Jahrhundert. Damals erlebte die Stadt zwei Besetzungen und ein bekanntes diplomatisches Treffen. All diesen Zeitschichten begegnest du im Folgenden.

Die ersten Siedler: Bahçelievler

Das älteste Kapitel liegt mitten in der heutigen Stadt. Radiokarbondatierungen zeigen, dass die Siedlung Bahçelievler im Zentrum von Bilecik ungefähr von 7100 bis 6000 v. Chr. bewohnt war. Diese jungsteinzeitliche Siedlung liegt in einem heutigen Stadtviertel.

2019 fand in Bahçelievler eine Rettungsgrabung unter der Leitung des Archäologischen Museums Bilecik statt. Sie brachte Funde der Fikirtepe-Kultur und aus der Zeit davor ans Licht. Erkan Fidan veröffentlichte die ersten Ergebnisse unter dem Titel „Fikirtepe-Kultur und die Zeit davor“.

Auch die Datierung des Fundplatzes ist gut abgesichert. Eine Studie der Universität Bilecik Şeyh Edebali veröffentlichte 2022 erstmals 20 Kohlenstoff-14-Datierungen für Bahçelievler.

Agrilion und Belokome: die antike und byzantinische Stadt

Schriftliche Quellen überliefern weitere Namen. Etwa 4 Kilometer südwestlich des heutigen Bilecik ist eine antike Siedlung namens Agrilion oder Agrillum belegt.

In byzantinischer Zeit bildete die Burg Belokome das Zentrum der Gegend. Sie stand auf einem Felssporn zwischen den Bächen Hamsu und Debbağhâne. Dieser Felssporn war der historische Kern von Bilecik. Wenn du durch die Altstadt gehst und siehst, wie das Gelände zwischen zwei Bachtälern ansteigt, verstehst du, warum hier eine Festung stand.

Woher kommt der Name Bilecik?

Die ehrliche Antwort lautet: Die Herkunft des Namens ist ungeklärt. Das sind die wichtigsten Erklärungen.

Die Verbindung zu Belokome

Einige Autoren leiten Bilecik von Belokome ab. Ramsay vertrat die umgekehrte Richtung. Seiner Ansicht nach war Belokome die gräzisierte Form des Namens Bilecik.

Eine bithynische oder phrygische Wurzel

Bilge Umar lehnte Ramsays Erklärung ab. Nach seiner Deutung entwickelte sich der Name Bele zunächst zu Vile-cik und dann zu Bilecik. Die Wurzel könnte seiner Ansicht nach aus dem Bithynischen oder Phrygischen stammen.

Volkserzählungen

Das Kulturportal des Ministeriums für Kultur und Tourismus gibt zwei verbreitete Erzählungen als Hörensagen wieder. In der ersten geht der Name auf das Wort bileydik zurück, das bei der Stadtgründung gefallen sein soll. Es bedeutet etwa „wenn wir doch … gewesen wären“. Die zweite führt den Namen auf Osmans I. Befehl zurück, die Schwerter zu schärfen: auf Türkisch bileyleme.

Diese Geschichten sind unterhaltsam. Du solltest sie aber als Legenden verstehen.

Eine Grenzstadt im 13. Jahrhundert

Im 13. Jahrhundert lag Bilecik im Grenzgebiet zwischen Seldschuken und Byzantinern. In dieser Grenzregion kam es zu turkmenischen Überfällen.

1299: Osman I. erobert Bilecik

Osmanischen Quellen zufolge eroberten die Truppen Osmans I. Bilecik und Yarhisar im Jahr 1299. Die Quellen schildern überraschende Überfälle.

Sowohl die Jahreszahl als auch die Art der Eroberung stammen somit aus der osmanischen Überlieferung. Behalte das im Hinterkopf, wenn du die Jahreszahl in einem Reiseführer liest. Es ist das Datum, das diese Chroniken nennen.

Edebali und die frühen osmanischen Bauten

In Bilecik befinden sich das Grabmal von Scheich Edebali und eine benachbarte Derwischloge, eine Ahi-Zaviye. Orhan I. (Orhan Gazi) ließ beide errichten. Auf Anordnung von Sultan Abdülhamid II. wurde die Loge im islamischen Jahr 1307 instand gesetzt. Das entspricht 1889–1890.

Die Datierung der Orhan-Gazi-Moschee (Orhan Gazi Camii) ist umstritten. Einige Aufzeichnungen bringen sie mit der Regierungszeit Murads I. in Verbindung. Die Enzyklopädie der Türkischen Religionsstiftung (TDV) hält weiterhin an der Auffassung fest, dass sie 1331 unter Orhan Bey errichtet wurde.

Ebenfalls in Bilecik liegt die Osman-Gazi-Moschee (Osman Gazi Camii) aus dem 14. Jahrhundert. Orhan I. ließ sie im Namen seines Vaters bauen. Heute sind nur noch Überreste erhalten. Vom 3. bis 22. November 2008 fand dort eine vom Museum beaufsichtigte Ausgrabung statt.

Den ersten Bau der Çelebi-Mehmet-Moschee (Çelebi Mehmet Camii) in Söğüt datiert das Kulturportal auf 1414–1420, in die Regierungszeit von Sultan Mehmed I.

Das osmanische Bilecik: eine kleine Stadt mit zehn Vierteln

Bilecik blieb überschaubar. Im 16. Jahrhundert hatte die Stadt ungefähr 700 Einwohner. Jeder Zehnte war Christ.

Für 1649 weisen Steuerregister (avârız) Bilecik als eine Stadt aus, die zu den frommen Stiftungen von Ertuğrul Gazi gehörte. Sie hatte neun muslimische Viertel und ein christliches Viertel. Im 17. Jahrhundert brachten Eisenbergbau und Seidenweberei der Stadt Wohlstand.

Unter den Osmanen war Bilecik das Verwaltungszentrum des Sandschaks Ertuğrul. Diese Funktion bestand bis 1924. Damals wurde Bilecik zur Provinz.

Die Kriegsjahre: 1920–1922

Am 5. Dezember 1920 traf Mustafa Kemal Pascha im Bahnhofsgebäude von Bilecik mit Vertretern der Istanbuler Regierung zusammen. Ihre Delegation leitete Ahmet İzzet Pascha. Das Ereignis ist als Treffen von Bilecik bekannt. Ein Bahnhof wurde zur Bühne der nationalen Politik.

Danach kam der Krieg. Griechische Truppen besetzten Bilecik am 8. Januar 1921. Nach der Ersten Schlacht bei İnönü zogen die Besatzungstruppen ab. Eine zweite Besetzung begann am 22. Juli 1921 und dauerte bis zum 6. September 1922.

Zeitleiste

  • Etwa 7100–6000 v. Chr.: Menschen bewohnen die jungsteinzeitliche Siedlung Bahçelievler.
  • 13. Jahrhundert: Bilecik liegt im seldschukisch-byzantinischen Grenzgebiet.
  • 1299: Osmanischen Quellen zufolge erobert Osman I. Bilecik und Yarhisar.
  • 1331: Das von der TDV anerkannte Baudatum der Orhan-Gazi-Moschee.
  • 1414–1420: Erste Bauphase der Çelebi-Mehmet-Moschee in Söğüt laut Kulturportal.
  • 1649: Steuerregister verzeichnen neun muslimische Viertel und ein christliches Viertel.
  • 1889–1890: Abdülhamid II. lässt die Edebali-Loge instand setzen.
  • 5. Dezember 1920: Das Treffen von Bilecik findet am Bahnhof statt.
  • 8. Januar 1921: Griechische Truppen besetzen Bilecik.
  • 6. September 1922: Die griechische Besetzung endet.
  • 1924: Bilecik wird zur Provinz.
  • 20. April 2007: Das Museum Bilecik öffnet für Besucher.
  • 2019: In Bahçelievler findet eine Rettungsgrabung statt.

Details, die du nicht im Reiseführer findest

  • Der Glasmarkt. Vor der osmanischen Eroberung handelten Griechen und Turkmenen auf einem Markt in Bilecik miteinander. Zu den beliebten Waren gehörten Gläser aus Bilecik.
  • Ein Minarett auf einem Felsen. Das ursprüngliche Minarett der Orhan-Gazi-Moschee steht auf einem Felsen etwa 30 Meter vom Hauptgebäude entfernt.
  • Knochenwerkzeuge. Von 114 bearbeiteten Knochen aus Bahçelievler untersuchte Hazal Azeri 78 auf ihre Bearbeitungstechnik und gesellschaftliche Bedeutung. Die Untersuchung erschien 2023.
  • Vom Gefängnis zum Museum. Das Gebäude des Museums Bilecik diente bis 1995 als Gefängnis. Das Museum wurde am 20. April 2007 als Einrichtung der Museumsdirektion Söğüt eröffnet.
  • Schmuggel bleibt ein Thema. ANKA berichtete am 28. Dezember 2021, dass bei einem Einsatz in Bilecik 2.754 Münzen, drei Medaillons und eine Statue beschlagnahmt wurden. Fünf Verdächtige wurden festgenommen.

Was du bei einem Besuch anschauen kannst

Wenn du Bilecik besuchst, nutze die Geschichte als Wegweiser. Beginne am Felssporn der Altstadt. Besichtige danach das Edebali-Grabmal und die Loge sowie die Orhan-Gazi-Moschee mit ihrem Minarett auf dem Felsen. Den Abschluss bildet das Museum im ehemaligen Gefängnis.

Häufige Fragen

Was bedeutet der Name Bilecik?

Das weiß niemand mit Sicherheit. In den Quellen finden sich Belokome, eine bithynische oder phrygische Wurzel und zwei Volkserzählungen als Erklärungen. Nur die ersten beiden Ansätze stammen aus der Wissenschaft.

Wann eroberten die Osmanen Bilecik?

Osmanische Quellen nennen das Jahr 1299. Ihnen zufolge nahmen die Truppen Osmans I. Bilecik und Yarhisar durch überraschende Überfälle ein.

Wie alt ist die älteste Siedlung?

Radiokarbondatierungen datieren Bahçelievler im Zentrum von Bilecik auf ungefähr 7100–6000 v. Chr.

Wann wurde Bilecik zur Provinz?

  1. Zuvor war es das Verwaltungszentrum des Sandschaks Ertuğrul.

Was war das Treffen von Bilecik?

Es war das Gespräch vom 5. Dezember 1920 zwischen Mustafa Kemal Pascha und Vertretern der Istanbuler Regierung unter der Leitung von Ahmet İzzet Pascha. Es fand im Bahnhof statt.

Quellen

  1. Feridun Emecen, „Bilecik“, TDV-Enzyklopädie des Islam islamansiklopedisi.org.tr
  2. Ministerium für Kultur und Tourismus, Kulturportal, „Geschichte von Bilecik“ kulturportali.gov.tr
  3. Universität Bilecik Şeyh Edebali, Radiokarbonchronologie von Bahçelievler, 2022 acikkaynak.bilecik.edu.tr
  4. Erkan Fidan, „Fikirtepe-Kultur und die Zeit davor: Erste Ergebnisse der Rettungsgrabung in Bilecik Bahçelievler“ acikkaynak.bilecik.edu.tr
  5. Hazal Azeri, „Knochenfunde aus Bahçelievler“, Anadolu 49 dergipark.org.tr
  6. Vikipedi, „Bilecik“ tr.wikipedia.org
  7. Wikipedia, „Provinz Bilecik“ en.wikipedia.org
  8. M. Baha Tanman, „Edebali-Loge“, TDV-Enzyklopädie des Islam islamansiklopedisi.org.tr
  9. Enis Karakaya, „Orhan-Gazi-Moschee und ihre Imaret“, TDV-Enzyklopädie des Islam islamansiklopedisi.org.tr
  10. Kulturportal, „Orhangazi-Moschee“ kulturportali.gov.tr
  11. Kulturportal, „Osman-Gazi-Moschee“ kulturportali.gov.tr
  12. Kulturportal, „Çelebi-Mehmet-Moschee“ kulturportali.gov.tr
  13. DÖSİMM, „Museum Bilecik“ dosim.ktb.gov.tr
  14. Gouverneursamt Bilecik, Jahrestag des Treffens von Bilecik bilecik.gov.tr

FAQ

Was bedeutet der Name Bilecik?

Das weiß niemand mit Sicherheit. Einige Wissenschaftler leiten ihn vom byzantinischen Namen Belokome ab. Ramsay versteht dagegen Belokome als gräzisierte Form von Bilecik. Bilge Umar vermutet eine bithynische oder phrygische Wurzel. Volkserzählungen über „bileydik“ und das Schärfen von Schwertern werden als Hörensagen überliefert.

Wann eroberten die Osmanen Bilecik?

Osmanischen Quellen zufolge nahmen die Truppen von Osman I. (Osman Gazi) Bilecik und Yarhisar 1299 durch überraschende Überfälle ein.

Wie alt ist die älteste Siedlung in Bilecik?

Radiokarbondatierungen ordnen die Siedlung Bahçelievler im heutigen Stadtzentrum ungefähr der Zeit von 7100–6000 v. Chr. zu.

Wann wurde Bilecik zur Provinz?

Bilecik erhielt 1924 den Provinzstatus. Unter den Osmanen war es das Verwaltungszentrum des Sandschaks Ertuğrul gewesen.

Was geschah 1920 am Bahnhof von Bilecik?

Am 5. Dezember 1920 traf Mustafa Kemal Pascha im Bahnhofsgebäude von Bilecik mit Vertretern der Istanbuler Regierung unter der Leitung von Ahmet İzzet Pascha zusammen.

Image: Bilecik – Şeyh Edebali türbesi.jpg — Samet Berber, CC BY-SA 4.0

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt. Jede Angabe wurde mit den Quellen abgeglichen; Sätze ohne Quelle wurden nicht veröffentlicht. Wenn Sie einen Fehler finden, schreiben Sie uns. Unsere Quellengrundsätze · Schreib uns →