Wenn du eine Reise nach Kappadokien (Kapadokya) planst, lässt sich die christliche Vergangenheit der Region im Freilichtmuseum Göreme (Göreme Açık Hava Müzesi) besonders gut nachvollziehen. Mönche schlugen Kirchen, Kapellen und Speisesäle direkt in den Fels. Anschließend bemalten sie die Wände. Dieser Guide zeigt dir, was dich dort erwartet, was die Bilder darstellen und wo sich die Fachleute uneinig sind.
Wo liegt das Freilichtmuseum Göreme?
Göreme ist ein Ort in der türkischen Region Zentralanatolien. Er gehört zum zentralen Landkreis der Provinz Nevşehir.
Das Museum liegt außerhalb des Ortes. Nach Angaben der Generaldirektion für Kulturerbe und Museen ist es 13 Kilometer von Nevşehir entfernt. Vom Ort Göreme selbst liegt es etwa 2 Kilometer östlich. Die Stätte wurde 1967 für Besucher geöffnet.
Die vielen Namen von Göreme
Der Ort hieß nicht immer Göreme. Im Laufe seiner Geschichte trug er unter anderem die Namen Korama, Matiana, Macan und Avcılar. 1975 änderte die Gemeinde Avcılar ihren Namen in Göreme.
Wenn dir in einem alten Text Korama oder Matiana begegnet, kann damit also dasselbe Tal gemeint sein, durch das du heute gehst.
Wie die Landschaft entstand
Die Feenkamine rund um Göreme entstanden aus vulkanischem Gelände auf dem zentralanatolischen Hochland. Erosion trug dieses Gelände ab. Zurück blieben Kegel und Felsblöcke, die Menschen später aushöhlten.
Stell dir einen Block Hartkäse vor, den du mit einem Löffel ausschabst. Die Mönche machten etwas Ähnliches. Nur arbeiteten sie mit vulkanischem Gestein – und das über Jahrhunderte.
Ein Tal der Klöster
Das Ministerium beschreibt für Göreme ein intensives Klosterleben vom 4. Jahrhundert n. Chr. bis zum 13. Jahrhundert. Die Felsblöcke beherbergen mehr als Kirchen und Kapellen. Auch Speisesäle und Wohnräume wurden hineingehauen.
Deshalb wirkt die Stätte wie eine Gemeinschaft und nicht wie ein einzelnes Denkmal. Die Menschen aßen, wohnten und beteten im selben Stein.
Was zum Museumskomplex gehört
Das Ministerium für Kultur und Tourismus führt folgende Bauten im Komplex auf:
- das Mädchen- und das Jungenkloster
- die Kirchen St. Basilius, Elmalı (Apfelkirche), St. Barbara, Yılanlı (Schlangenkirche), Karanlık (Dunkle Kirche), Çarıklı (Sandalenkirche) und Tokalı (Schnallenkirche)
Bei deinem Rundgang kannst du jede Kirche einzeln auf dich wirken lassen. Jede hat ihren eigenen Grundriss und ihr eigenes Bildprogramm.
Wie die Wände bemalt wurden
In den Kirchen finden sich mehrere Maltechniken. Manche Bilder wurden direkt auf die geglättete Felsoberfläche aufgetragen. Andere Wandmalereien entstanden in Secco-, Tempera- oder Freskotechnik.
Die frühen Schichten zeigen geometrischen Schmuck. Die späteren Wandbilder erzählen Geschichten. Dazu gehören Szenen aus den Evangelien und aus dem Leben Christi. Die historische Einordnung der UNESCO ergänzt: Nach 842 entstanden in Kappadokien viele Felsenkirchen, die mit farbigen figürlichen Malereien ausgestattet wurden.
Tokalı-Kirche
Die Tokalı-Kirche besteht aus vier Räumen:
- der Alten Kirche
- der Neuen Kirche
- der Kirche unterhalb der Alten Kirche
- einer Seitenkapelle nördlich der Neuen Kirche
Das Ministerium datiert die Alte Tokalı-Kirche auf das frühe 10. Jahrhundert. Sie ist einschiffig und hat ein Tonnengewölbe.
Die Neue Kirche wurde nach Osten angebaut. Dabei wurde die Apsis der Alten Kirche vollständig abgerissen. Der ältere Bau wurde anschließend zum Eingangsraum des neuen. Du gehst also durch die ältere Kirche, um die jüngere zu erreichen.
Elmalı-Kirche
Die Elmalı-Kirche ist eine Felsenkirche mit neun Kuppeln, vier Säulen und dem Grundriss einer Kreuzkuppelkirche. Sie hat drei Apsiden.
Ihre erste Ausmalung ist schlicht. Sie besteht aus Kreuzen und geometrischen Motiven in roter Farbe, die direkt auf die Wand aufgetragen wurden. Vergleiche sie mit den erzählenden Szenen in späteren Kirchen. So kannst du den Stilwandel innerhalb desselben Tals erkennen.
Karanlık-Kirche
Die Karanlık-Kirche hat eine zentrale Kuppel, vier Säulen, drei Apsiden und Kreuzgewölbe. Ihr Bildprogramm umfasst das Letzte Abendmahl und die Auferweckung des Lazarus. Hinzu kommen zwei Szenen aus dem Alten Testament: die Gastfreundschaft Abrahams und die drei Hebräer im Feuerofen.
Der Name geht auf den Narthex zurück, die Vorhalle der Kirche. Nur ein kleines Fenster lässt Licht hinein. Die Museumsseite bringt diesen geringen Lichteinfall mit der Erhaltung der Freskenfarben in Verbindung. Denk an ein Handy, das in einer dunklen Schublade liegt. Es behält seine Ladung. Auch Farbe hält sich tendenziell länger, wenn sie vor starkem Licht geschützt ist.
Wann wurden die Kirchen ausgemalt?
Offizielle Quellen stimmen nicht immer überein. Die Museumsseite des Ministeriums ordnet die Karanlık-Kirche dem späten 11. bis frühen 12. Jahrhundert zu. Die UNESCO nennt dagegen das späte 12. bis frühe 13. Jahrhundert.
Zwischen diesen beiden Zeiträumen liegt ungefähr ein Jahrhundert. Deshalb können eine Besuchertafel und ein Reiseführer für dieselbe Kirche unterschiedliche Datierungen nennen. Keine der beiden Angaben ist ein Druckfehler.
Schutz der Fresken
1972 erarbeitete ICCROM einen Konservierungsplan für die Felsenkirchen von Göreme. Er behandelte die bauliche Sicherung, die Wandmalereien, die Erosion des Gesteins und Schäden durch Besucher.
1993 veranstalteten ICCROM, das türkische Kulturministerium und die UNESCO in Göreme ein Seminar zur Erhaltung der Felsenkirchen.
Der Plan benannte Besucherschäden als Problem. Das ist ein guter Grund, die Wände nicht anzufassen.
UNESCO-Status
1985 nahm die UNESCO Göreme und die Felsstätten Kappadokiens wegen ihrer kulturellen und natürlichen Werte in die Welterbeliste auf. Die Eintragung umfasst auch das Gebiet zwischen Nevşehir, Ürgüp und Avanos. Dazu gehören separate Bestandteile wie Karain, Karlık, Yeşilöz, Soğanlı, Kaymaklı und Derinkuyu.
Zeitleiste
- 4.–13. Jahrhundert n. Chr.: Das Ministerium beschreibt ein intensives Klosterleben in der Felssiedlung Göreme.
- Nach 842: Nach der historischen Einordnung der UNESCO erhalten viele Felsenkirchen in Kappadokien figürliche Malereien.
- Frühes 10. Jahrhundert: Datierung der Alten Tokalı-Kirche durch das Ministerium.
- 1967: Die Stätte Göreme öffnet für Besucher.
- 1972: ICCROM erarbeitet einen Konservierungsplan für die Felsenkirchen von Göreme.
- 1975: Die Gemeinde Avcılar wird in Göreme umbenannt.
- 1985: Göreme und die Felsstätten Kappadokiens werden in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
- 1993: ICCROM, das Kulturministerium und die UNESCO veranstalten ein Seminar zur Erhaltung der Felsenkirchen.
Details, die du nicht im Reiseführer findest
- Die Apsis der Alten Tokalı-Kirche ist verschwunden. Beim Anbau der Neuen Kirche im Osten wurde sie vollständig abgerissen. Die alte Kirche wurde zur Eingangshalle.
- Elmalı hat einen Hintereingang. Der Haupteingang liegt im Süden. Du kannst aber auch durch einen von Norden angelegten Tunnel hineingelangen.
- Karanlık verdankt ihren Namen dem Lichteinfall. Das kleine Fenster im Narthex lässt nur sehr wenig Licht hinein. Die Museumsseite stellt einen Zusammenhang mit den erhaltenen Freskenfarben her.
- In der Dunklen Kirche gibt es ein Grab. Es liegt südlich des Narthex mit seinem Tonnengewölbe.
- Fragmente aus Tokalı werden in einem Archiv aufbewahrt. Kleine Stücke ihrer Wandmalereien befinden sich in der Mora-Mustersammlung des ICCROM-Archivs.
FAQ
Wo liegt das Freilichtmuseum Göreme?
Nach Angaben der Generaldirektion für Kulturerbe und Museen liegt es 13 Kilometer von Nevşehir entfernt und etwa 2 Kilometer östlich des Ortes Göreme.
Seit wann ist die Stätte Göreme für Besucher geöffnet?
Sie wurde 1967 geöffnet. Seit 1985 steht sie auf der UNESCO-Welterbeliste.
Welche Kirchen gehören zum Museumskomplex?
Das Ministerium nennt das Mädchen- und das Jungenkloster sowie die Kirchen St. Basilius, Elmalı, St. Barbara, Yılanlı, Karanlık, Çarıklı und Tokalı.
Warum heißt sie Dunkle Kirche?
Der Narthex hat nur ein kleines Fenster. Deshalb gelangt wenig Licht hinein. Die Museumsseite bringt dies mit der Erhaltung der Freskenfarben in Verbindung.
Wie alt sind die Kirchen von Göreme?
Das Klosterleben in Göreme reicht vom 4. bis zum 13. Jahrhundert n. Chr. Jede Kirche hat ihre eigene Datierung. Die Alte Tokalı-Kirche wird auf das frühe 10. Jahrhundert datiert. Bei der Dunklen Kirche widersprechen sich die Quellen.
Quellen
- Generaldirektion für Kulturerbe und Museen, Museumsdirektion Nevşehir kvmgm.ktb.gov.tr
- Ministerium für Kultur und Tourismus, Archäologische Stätte Göreme muze.gov.tr
- Ministerium für Kultur und Tourismus, Karanlık-Kirche muze.gov.tr
- Ministerium für Kultur und Tourismus, Tokalı-Kirche engelsiz.ktb.gov.tr
- Kültür Portalı, Elmalı-Kirche kulturportali.gov.tr
- UNESCO-Welterbezentrum, Nationalpark Göreme und die Felsstätten Kappadokiens whc.unesco.org
- ICCROM, Restaurierung von Fresken byzantinischer Höhlenkirchen, Türkiye 1977 iccrom.org
- Englische Wikipedia, Göreme en.wikipedia.org
- Türkische Wikipedia, Göreme tr.wikipedia.org
FAQ
Wo liegt das Freilichtmuseum Göreme?
Nach Angaben der Generaldirektion für Kulturerbe und Museen liegt es 13 Kilometer von Nevşehir entfernt und etwa 2 Kilometer östlich des Ortes Göreme.
Seit wann ist die Stätte Göreme für Besucher geöffnet?
Die Stätte Göreme wurde 1967 für Besucher geöffnet. Seit 1985 steht sie auf der UNESCO-Welterbeliste.
Welche Kirchen gehören zum Museumskomplex?
Das Ministerium für Kultur und Tourismus nennt das Mädchen- und das Jungenkloster sowie die Kirchen St. Basilius, Elmalı (Apfelkirche), St. Barbara, Yılanlı (Schlangenkirche), Karanlık (Dunkle Kirche), Çarıklı (Sandalenkirche) und Tokalı (Schnallenkirche).
Warum heißt sie Dunkle Kirche?
Die Kirche verdankt ihren Namen dem kleinen Fenster im Narthex, ihrer Vorhalle. Es lässt nur sehr wenig Licht hinein. Die Museumsseite führt die gut erhaltenen Farben der Fresken auf diesen geringen Lichteinfall zurück.
Wie alt sind die Kirchen von Göreme?
Das Klosterleben in Göreme reicht vom 4. bis zum 13. Jahrhundert n. Chr. Für die einzelnen Kirchen gelten eigene Datierungen. Die Alte Tokalı-Kirche wird beispielsweise auf das frühe 10. Jahrhundert datiert. Bei der Dunklen Kirche widersprechen sich die Quellen.
Image: Tokalı Church Apse Crucifixion Fresco.jpg — Kate Reading, CC BY 4.0

