Weltgeschichte

Die Opiumkriege: Wie Großbritannien für Drogen Krieg führte

Großbritannien führte zwischen 1839 und 1860 zwei Kriege gegen das Qing-Reich in China. Geschmuggeltes Opium aus Indien, Schulden aus dem Teehandel und der Zugang zu chinesischen Häfen trieben den Konflikt an, der mit der Abtretung Hongkongs, Entschädigungszahlungen und der Legalisierung der Opiumeinfuhr endete.

In der Geschichtsforschung gibt es unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema. Der Artikel unterscheidet belegte Fakten von Interpretationen und nennt seine Quellen. Unsere Quellengrundsätze →

7 Min. Lesezeit9 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Die Opiumkriege: Wie Großbritannien für Drogen Krieg führte
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Die Opiumkriege kurz erklärt

Die Opiumkriege waren zwei Kriege zwischen dem chinesischen Qing-Reich und westlichen Mächten im 19. Jahrhundert. Großbritannien führte beide an. Der Erste Opiumkrieg dauerte von 1839 bis 1842 und endete mit einem britischen Sieg. Der Zweite Opiumkrieg von 1856 bis 1860 heißt auch Arrow-Krieg. Großbritannien führte ihn gemeinsam mit Frankreich (Fransa).

Der Name verweist auf die Ursache. Britische Kaufleute und die Britische Ostindien-Kompanie verkauften Opium aus Indien (Hindistan) nach China. Chinesische Beamte versuchten, diesen Handel zu stoppen. Darauf folgte Krieg.

Das ist die kurze Antwort. Die längere beginnt mit Tee.

Warum verkaufte Großbritannien Opium nach China?

Vielleicht hast du heute schon eine Tasse Tee getrunken. Im 18. Jahrhundert war die Nachfrage nach Tee in Großbritannien groß. Das Land kaufte außerdem chinesische Seide und Porzellan.

China wollte im Gegenzug nur wenige Waren aus Großbritannien. So entstand ein Handelsdefizit. Silber floss aus Großbritannien ab, um chinesische Waren zu bezahlen.

Die Ostindien-Kompanie und britische Kaufleute fanden einen Ausweg. Sie schmuggelten indisches Opium nach China und verkauften es gegen Silber. Mit diesem Silber bezahlten sie anschließend Tee, Seide und Porzellan.

1839 finanzierten die Opiumverkäufe in China laut dem National Army Museum sämtliche britischen Teekäufe dort. Die Tasse auf deinem Tisch war also mit einem Drogenhandel verbunden.

Das Kanton-System: Chinas Regeln für den Handel

China ließ den Außenhandel nicht uneingeschränkt zu. Im 18. Jahrhundert galt das Kanton-System. Westliche Kaufleute mussten ihren Handel über den Hafen von Guangzhou abwickeln. Außerdem mussten sie mit dem Cohong handeln, einer Gilde zugelassener chinesischer Kaufleute.

Großbritannien missfiel diese Ordnung. Ein Hafen, eine Gilde und chinesische Bedingungen. Behalte das im Kopf. Es erklärt, welche Forderungen Großbritannien am Ende des Krieges stellte.

Opiumkriege und Indien: Woher die Droge kam

Indien spielt in dieser Geschichte eine zentrale Rolle. Die Ostindien-Kompanie errichtete ihr wichtigstes Zentrum für die Opiumproduktion in Patna im Gebiet Bihar. Das Opium gelangte den Ganges (Ganj) hinab nach Kalkutta. Von dort wurde es nach China verschifft.

Die Droge stammte aus dem britisch kontrollierten Indien. Später kämpften auch indische Soldaten in den Kriegen. 1860 führte General James Hope Grant 11.000 britische und indische Soldaten im neuen Feldzug an.

Wie der Erste Opiumkrieg begann

Kaiser Daoguang beauftragte Lin Zexu damit, den Opiumhandel zu stoppen. Lin erreichte Guangzhou im März 1839.

Der britische Handelsbeauftragte Charles Elliot übergab etwa 20.000 Kisten Opium. Auf Lins Befehl wurde das Opium in Humen bei Guangzhou vernichtet.

Im Mai 1840 beschloss die britische Regierung, eine Militärexpedition nach China zu entsenden. Als Ziele nannte sie die Entschädigung der Opiumhändler und die künftige Sicherheit des Handels. Die Regierung verteidigte kein Gesetz. Sie verteidigte die Warenbestände ihrer Kaufleute.

Wo fanden die Opiumkriege statt?

Die Kämpfe fanden in China statt. Der erste Krieg begann um Guangzhou und am Perlfluss. Anschließend breitete er sich an Chinas Ostküste aus. Britische Truppen rückten den Jangtse (Yangtze) hinauf bis in die Nähe von Nanking (Nankin) vor.

Der zweite Krieg erreichte weiter nördlich gelegene Gebiete. Britisch-französische Truppen kämpften an den Taku-Forts bei Tianjin und rückten anschließend auf Peking (Pekin) vor. Wenn du die Kriege auf einer Karte nachvollziehen möchtest, folge den Flüssen und der Küste von Guangzhou bis Peking.

Der Vertrag von Nanking, 1842

Der Erste Opiumkrieg endete mit dem Vertrag von Nanking. Er wurde am 29. August 1842 an Bord des britischen Kriegsschiffs Cornwallis unterzeichnet. Die Bedingungen waren hart.

  • Artikel 2: Britische Untertanen und ihre Familien durften in Guangzhou, Xiamen, Fuzhou, Ningbo und Shanghai leben und Handel treiben.
  • Artikel 3: Die Insel Hongkong (Hong Kong) wurde auf ewige Zeiten an die britische Krone abgetreten.
  • Geldzahlungen: China schuldete 21 Millionen Dollar. Davon entfielen 6 Millionen auf das beschlagnahmte Opium, 3 Millionen auf Schulden von Kaufleuten und 12 Millionen auf Kriegskosten.
  • Artikel 5: Britische Kaufleute mussten ihren Handel nicht länger ausschließlich über den Cohong abwickeln.

Ein Jahr später folgte der Zusatzvertrag von Humen, auch Vertrag von Bogue genannt, vom 8. Oktober 1843. Er gehörte zu den Nachkriegsabkommen, die britischen Untertanen das Vorrecht einräumten, sich vor ihren eigenen Behörden statt vor chinesischen Gerichten zu verantworten.

Achte darauf, was der Vertrag nicht festlegt. Er legalisiert Opium nicht. Das geschah erst später.

Der Zweite Opiumkrieg, 1856–1860

Im Oktober 1856 beschlagnahmten chinesische Beamte das Schiff Arrow, das eine chinesische Besatzung hatte. Großbritannien nahm den Vorfall zum Anlass für einen zweiten Krieg. Frankreich schloss sich Großbritannien an. Als Grund führte es die Tötung eines französischen Missionars in China an.

Die Verträge von Tianjin von 1858 brachten neue Vorrechte. Ausländische Vertreter durften in Peking wohnen. Ausländer durften ins chinesische Landesinnere reisen. Bei den Verhandlungen in Shanghai nach den Verträgen von Tianjin wurde die Opiumeinfuhr legalisiert. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Drogenhandel legal. Nicht 1842.

Damit endete der Krieg jedoch nicht. Die chinesische Verteidigung schlug den Angriff auf die Taku-Forts am 25. Juni 1859 zurück. 1860 begann ein neuer Feldzug. Zu den 11.000 britischen und indischen Soldaten unter Hope Grant kamen etwa 6.000 französische Soldaten hinzu.

Der Brand des Sommerpalasts

Im Oktober 1860 wurde der kaiserliche Sommerpalast bei Peking geplündert. Am 18. Oktober wurde er niedergebrannt. Den Befehl gab Lord Elgin. Er bezeichnete dies als Vergeltung für die Folter und den Tod von Gefangenen.

1860 folgte die Pekinger Konvention. Sie bestätigte die Bestimmungen der Verträge von Tianjin. Außerdem trat China den südlichen Teil der Halbinsel Kowloon an Großbritannien ab. Damit endete der Zweite Opiumkrieg.

Zeitleiste

  • 1839: Lin Zexu geht in Guangzhou gegen den Opiumhandel vor. Die übergebenen Bestände werden in Humen vernichtet. Der Erste Opiumkrieg beginnt.
  • Mai 1840: Die britische Regierung beschließt, eine Militärexpedition nach China zu entsenden.
  • 29. August 1842: Der Vertrag von Nanking wird unterzeichnet. Die Insel Hongkong geht an Großbritannien, und fünf Häfen werden für den britischen Handel geöffnet.
  • 8. Oktober 1843: Der Zusatzvertrag von Humen wird unterzeichnet.
  • Oktober 1856: Der Arrow-Zwischenfall löst den Zweiten Opiumkrieg aus.
  • 1858: Die Verträge von Tianjin werden unterzeichnet. Bei den anschließenden Verhandlungen in Shanghai wird die Opiumeinfuhr legalisiert.
  • 25. Juni 1859: Chinesische Truppen schlagen den Angriff auf die Taku-Forts zurück.
  • 1860: Britische, indische und französische Truppen rücken auf Peking vor.
  • 18. Oktober 1860: Der Sommerpalast wird niedergebrannt.
  • 1860: Die Pekinger Konvention bestätigt die Verträge von Tianjin und beendet den Krieg.

Details, die du in Reiseführern nicht findest

  • Die Werkstatt in Patna. Von einem Facharbeiter wurde dort erwartet, täglich mindestens 100 Opiumkugeln herzustellen. Das Opium wurde in Kisten aus nepalesischem Holz verpackt.
  • Die Verbindung zum Tee. 1839 bezahlten die Opiumverkäufe in China sämtliche britischen Teekäufe aus China.
  • Artikel 9 des Vertrags von Nanking. Er versprach Chinesen, die mit den Briten gehandelt oder ihnen gedient hatten, eine Amnestie. Wer deshalb verhaftet worden war, sollte freigelassen werden.
  • Taku, 1859. Die angreifenden Truppen zogen sich zurück, nachdem 91 Männer getötet und 355 verwundet worden waren. Die chinesische Verteidigung hielt stand.
  • Ein Drachenabzeichen. Das 6. Madras-Infanterieregiment kämpfte im ersten Krieg. Ihm wurde ein Abzeichen in Form eines chinesischen Drachen verliehen.

Ging es nur um Drogen? Historiker sind sich uneinig

Der Titel dieses Artikels ist zugespitzt. Historiker streiten darüber, wie weit diese Zuspitzung gehen sollte.

Eine Deutung stammt vom Projekt Visualizing Cultures des MIT. Es betont, dass hinter den Kriegen Großbritanniens Forderung nach einem uneingeschränkten Drogenhandel stand.

Eine andere Deutung bietet Richard S. Horowitz in einer wissenschaftlichen Untersuchung von 2020. Die Legalisierung von Opium war demnach eines der britischen Ziele. Weitere Ziele waren der Zugang zu zahlreichen Häfen und diplomatische Beziehungen nach europäischem Vorbild.

Die Verträge stützen beide Deutungen. Sie legalisierten Opium. Zugleich öffneten sie Häfen, ermöglichten die Anwesenheit von Gesandten in Peking und gaben Ausländern das Recht, ins Landesinnere zu reisen.

Opiumkriege: Definition und Bedeutung

Einfach gesagt waren die Opiumkriege die beiden Kriege, die Großbritannien zwischen 1839 und 1860 gegen das chinesische Qing-Reich führte. Im zweiten Krieg kämpfte Frankreich an seiner Seite. Es ging um Handel, einschließlich des Opiumhandels. Die Kriege endeten mit Verträgen, die die westlichen Mächte begünstigten.

Die Folgen waren dauerhaft. Großbritannien erhielt die Insel Hongkong und einen Teil von Kowloon. China zahlte Entschädigungen und öffnete Häfen. Die Opiumeinfuhr wurde legal.

Weiterlesen: Ein Buch über die Opiumkriege

Beginne mit Peter Ward Fays The Opium War, 1840–1842. Das Buch erschien erstmals 1975. Es verfolgt den Handel von der Opiumproduktion in Indien bis zum Konsum in China und untersucht anschließend den Ersten Opiumkrieg. Für die breitere Debatte kannst du Horowitz’ Kapitel bei Cambridge University Press lesen, das unten aufgeführt ist.

FAQ

Wann waren die Opiumkriege?

1839–1842 und 1856–1860.

Wo fanden sie statt?

Im chinesischen Qing-Reich: von Guangzhou und dem Perlfluss bis zum Jangtse sowie nach Nanking, Tianjin und Peking.

Was gewann Großbritannien?

Die Insel Hongkong, einen Teil von Kowloon, Handelsmöglichkeiten in mehreren Häfen, eine Zahlung von 21 Millionen Dollar und die legale Opiumeinfuhr nach 1858.

War Indien wichtig?

Ja. Gehandelt wurde indisches Opium, und Patna war das Zentrum seiner Produktion.

Quellen

  1. Wikipedia — Opiumkriege en.wikipedia.org
  2. MIT Visualizing Cultures — Der Opiumhandel visualizingcultures.mit.edu
  3. MIT Visualizing Cultures — Produktion und Konsum visualizingcultures.mit.edu
  4. National Army Museum — Erster Chinakrieg nam.ac.uk
  5. National Army Museum — Zweiter Chinakrieg nam.ac.uk
  6. USC US-China Institute — Vertrag von Nanking (Nanjing), 1842 china.usc.edu
  7. Columbia University — Auszüge aus dem Vertrag von Nanking, August 1842 afe.easia.columbia.edu
  8. Cambridge University Press — Die Opiumkriege von 1839–1860 cambridge.org
  9. University of North Carolina Press — Der Opiumkrieg, 1840–1842 uncpress.org

Image: Opium Wars.jpg — Upendra Bhojani, CC BY 4.0

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