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Çatalhöyük bei Konya: Die erste Stadt der Welt?

Çatalhöyük ist eine jungsteinzeitliche Siedlung in der türkischen Provinz Konya mit Dachzugängen, bemalten Wänden und Bestattungen unter den Hausböden. Sie dokumentiert den Übergang zum städtischen Leben, gilt aber weder als zweifelsfrei erste Stadt noch als erste sesshafte Gemeinschaft.

In der Geschichtsforschung gibt es unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema. Der Artikel unterscheidet belegte Fakten von Interpretationen und nennt seine Quellen. Unsere Quellengrundsätze →

7 Min. Lesezeit13 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Çatalhöyük bei Konya: Die erste Stadt der Welt?
Çatalhöyük, 7400 BC, Konya, Turkey – UNESCO World Heritage Site, 08.jpg

Wo liegt Çatalhöyük? Çatalhöyük bei Konya in der Türkei

Çatalhöyük ist eine prähistorische Siedlung im Kreis Çumra der Provinz Konya in der Türkei, nahe Küçükköy. Sie liegt südöstlich der heutigen Stadt Konya in der Konya-Ebene.

Die Besuchsseite des Grabungsprojekts nennt eine Entfernung von etwa 60 Kilometern zu Konya. Wenn du mit dem Auto anreist, folgst du der Straße Konya–Karaman in Richtung Çumra.

Die kurze Antwort auf die Suchanfrage „Çatalhöyük Konya“ lautet also: ja. Die Fundstätte liegt in der Provinz Konya, aber nicht im Stadtzentrum. Plane dafür einen Tagesausflug ein.

Was bedeutet Çatalhöyük?

Der Name setzt sich aus zwei türkischen Wörtern zusammen. Das eine ist çatal. Das andere ist höyük: ein Hügel, der entsteht, wenn sich die Überreste einer Siedlung im Laufe der Zeit übereinanderschichten.

Das zweite Wort beschreibt den Ort treffend. Der heutige Hügel entstand, weil die Menschen alte Häuser verfüllten und neue darauf bauten. Das wiederholten sie während der gesamten Siedlungsgeschichte immer wieder.

War Çatalhöyük die erste Stadt der Welt?

Diese Frage geben die meisten Menschen bei Google ein. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, was du als Stadt bezeichnest.

Die englischsprachige Wikipedia ordnet Çatalhöyük als große „Protostadt“ der Jungsteinzeit und Kupfersteinzeit ein. Die UNESCO beschreibt den Ort als Zeugnis des Übergangs von Dörfern zu städtischen Siedlungen. Damit erklärt sie ihn nicht zur unbestritten ersten Stadt.

Hinzu kommt ein zweites Problem. Archäologen hielten Çatalhöyük früher für die erste sesshafte Gemeinschaft. Laut dem Führer des Grabungsprojekts wissen wir heute, dass das sesshafte Leben im Nahen Osten mehrere Tausend Jahre früher begann.

Çatalhöyük ist also nicht das erste Dorf. Auch die Bezeichnung „erste Stadt“ ist nicht belegt. Die Bedeutung des Ortes liegt anderswo. Er zeigt ungewöhnlich genau, wie eine große frühe Bauerngemeinschaft lebte und sich organisierte.

Auch die Einwohnerzahl ist nur eine grobe Schätzung. Der Projektführer nennt etwa 3.500 bis 8.000 Menschen. Eine Zählung ist das nicht.

Warum ist Çatalhöyük wichtig?

Die UNESCO führt zwei Siedlungshügel auf. Der Osthügel umfasst 18 jungsteinzeitliche Siedlungsschichten aus der Zeit von 7400–6200 v. Chr. Der Westhügel enthält kupfersteinzeitliche Siedlungsphasen aus der Zeit von 6200–5200 v. Chr.

Das entspricht einer Zeitspanne von etwa 2.200 Jahren. Das Welterbegebiet umfasst 37 Hektar und schließt beide Hügel ein. Die UNESCO nahm es 2012 unter der Nummer 1405 in die Welterbeliste auf.

Entscheidend ist die lange Überlieferung. Schicht für Schicht kannst du die Geschichte einer Gemeinschaft über viele Generationen verfolgen.

Häuser ohne Straßen

Die Häuser von Çatalhöyük bestanden aus Lehmziegeln. Sie waren rechteckig und standen dicht an dicht. Straßen zwischen den Häusern gab es nicht.

Wie bewegten sich die Menschen durch die Siedlung? Über die Dächer. Über Holzleitern stiegen sie in die einzelnen Häuser hinab.

Stell dir vor, deine Haustür wäre eine Luke in der Decke. Für jeden Besuch bei den Nachbarn müsstest du über die Dächer laufen. So sah hier der Alltag aus.

Die Architekturseite des Projekts beschreibt einen Ofen unterhalb der Leiter im Hauptraum. Außerdem nennt sie erhöhte Plattformen und Vorratsräume, die vom Hauptraum abgingen.

Wände und Böden waren weiß verputzt. Sie waren mit Jagdszenen und geometrischen Mustern verziert.

Wandmalereien

Die Wandmalereien gehören zu den bekanntesten Merkmalen der Fundstätte. Auf den verputzten Flächen finden sich Jagdszenen und geometrische Muster.

Eine bekannte Deutung besagt, dass eine Malerei den Siedlungsplan neben dem ausbrechenden Hasan Dağı zeigt. Falls das zutrifft, wäre sie eine frühe Karte.

Diese Deutung ist umstritten. Stephanie Meece hielt in einem Artikel von 2006 eine andere Lesart für plausibler. Sie erkannte in den geometrischen Mustern ein Leopardenfell. Die Karteninterpretation ist eine Theorie, keine gesicherte Tatsache.

Religion und Bestattungen

Die Toten wurden unter den Hausböden bestattet. Ihre Körper waren häufig angewinkelt und eng verschnürt.

In dieser Siedlung gehörte der Tod zum Haus.

Weibliche Figurinen nährten jahrelang die Vorstellung eines Muttergöttinnenkults. Das Grabungsprojekt stellt diese Deutung infrage. Es betont, dass auch männliche Figuren und Tierfiguren häufig vorkommen.

Eine „Muttergöttinnenreligion“ ist somit eine mögliche Interpretation. Sie ist keine gesicherte Beschreibung des damaligen Glaubens.

Zivilisation und Alltag

Die Menschen in Çatalhöyük ernährten sich von Pflanzen wie Gerste und Weizen. Sie aßen außerdem Fisch und Rindfleisch.

Für Werkzeuge verwendeten sie Obsidian, ein vulkanisches Glas. Ein Teil davon stammte aus Kappadokien (Kapadokya) und Ostanatolien. Material für den Alltag wurde über weite Strecken transportiert.

Eine 2025 in Science veröffentlichte Studie untersuchte 131 Paläogenome. Sie stellte fest, dass die genetischen Verbindungen zwischen Menschen, die in denselben Gebäuden bestattet waren, überwiegend über mütterliche Abstammungslinien verliefen.

Die Studie zeigte auch einen Wandel im Laufe der Zeit. In den frühen Phasen waren Menschen, die im selben Gebäude bestattet wurden, häufig eng miteinander verwandt. In späteren Phasen waren die dort gemeinsam Bestatteten oft nicht genetisch verwandt.

Beweist das eine matriarchale Gesellschaft? Die Forscherin Merve Nur Güler ist sich nicht sicher, ob dieser Begriff allein auf Grundlage dieser Daten passt. Die Ergebnisse zeigen Praktiken, bei denen Frauen im Mittelpunkt standen. Die Bezeichnung „Matriarchat“ geht jedoch über die Belege hinaus.

Fotos und Rekonstruktionen

Wenn du dir vorstellen möchtest, wie die Siedlung zu ihrer bewohnten Zeit aussah, helfen dir Rekonstruktionen.

Die Architekturseite des Grabungsprojekts bietet drei hilfreiche Darstellungen:

  • John Swoggers Illustration der Siedlung zeigt die Wege über die Dächer.
  • Kathryn Killackeys Zeichnung stellt ein Haus dar.
  • Grant Cox zeigt einen Eingang als dreidimensionales Modell.

Diese Darstellungen sind Interpretationen von Fachleuten. Sie machen anschaulich, wie die Siedlung mit ihren Dachwegen funktionierte.

Zeitleiste

  • 7400–6200 v. Chr.: Jungsteinzeitliche Siedlungsphasen des Osthügels nach der Datierung der UNESCO.
  • 6200–5200 v. Chr.: Kupfersteinzeitliche Siedlungsphasen des Westhügels nach der Datierung der UNESCO.
  • 1958: David French, Alan Hall und James Mellaart machen die Archäologie auf den Ort aufmerksam. Die örtliche Bevölkerung kannte ihn bereits.
  • 1961: Mellaart leitet die erste Grabungskampagne.
  • 1993: Ian Hodder nimmt die Forschung nach einer langen Pause wieder auf.
  • 2006: Stephanie Meece veröffentlicht ihren Artikel gegen die Deutung der Wandmalerei als Karte.
  • 2012: Çatalhöyük wird in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
  • 21. November 2023: Das Informations- und Empfangszentrum Çatalhöyük wird eröffnet.
  • 2025: Die Paläogenomstudie in Science über mütterliche Abstammungslinien und veränderte Verwandtschaftsbeziehungen erscheint.

Details, die du in keinem Reiseführer findest

Manche Wände wurden bis zu 450-mal neu verputzt. Die Befunde zeigen, dass einige Hausinnenräume bis zu 450-mal einen neuen Putz erhielten. Vergleiche das damit, wie oft du dein Wohnzimmer neu streichst. Die wenigsten Menschen machen das im Laufe ihres Lebens mehr als eine Handvoll Mal.

Häuser ließen sich abtragen, ohne die Nachbarhäuser anzutasten. Nebeneinanderstehende Häuser hatten jeweils eigene Außenwände. So konnten die Menschen ein Haus abbauen und neu errichten, ohne die angrenzenden Gebäude zu beeinträchtigen.

Die erste Grabung war kurz. Mellaarts erste Kampagne im Jahr 1961 dauerte 39 Tage. In dieser Zeit wurden 40 Häuser freigelegt.

Obsidian kam aus großer Entfernung. Der am Ort verwendete Obsidian stammte unter anderem aus Kappadokien und Ostanatolien.

Verwandtschaftsbeziehungen veränderten sich. Anfangs waren gemeinsam bestattete Menschen häufig eng miteinander verwandt. Später waren sie oft nicht blutsverwandt.

Çatalhöyük besuchen

Das Informations- und Empfangszentrum wurde am 21. November 2023 eröffnet. Seine Ausstellungsfläche in Innenräumen umfasst 4.500 Quadratmeter. Die Ausstellung erläutert die Umgebung von Çatalhöyük, die Ausgrabungen, die Häuser, den Alltag und die Bestattungspraktiken.

Die Funde befinden sich in zwei Museen. Objekte aus Mellaarts Zeit liegen im Museum für anatolische Zivilisationen (Anadolu Medeniyetleri Müzesi) in Ankara. Objekte aus Hodders Zeit befinden sich im Archäologischen Museum Konya (Konya Arkeoloji Müzesi).

Wenn du neben dem Siedlungshügel auch die Fundstücke sehen möchtest, musst du möglicherweise mehrere Orte besuchen.

FAQ

Die oben behandelten Fragen werden im FAQ-Bereich dieser Seite noch einmal kurz beantwortet.

Quellen

  1. Türkischsprachige Wikipedia — Çatalhöyük tr.wikipedia.org
  2. Englischsprachige Wikipedia — Çatalhöyük en.wikipedia.org
  3. UNESCO — Jungsteinzeitliche Stätte Çatalhöyük whc.unesco.org
  4. Çatalhöyük-Forschungsprojekt — Führer durch die Fundstätte catalhoyuk.com
  5. Çatalhöyük-Forschungsprojekt — Architektur catalhoyuk.com
  6. Çatalhöyük-Forschungsprojekt — Leben in Çatalhöyük catalhoyuk.com
  7. Çatalhöyük-Forschungsprojekt — Grabungsgeschichte catalhoyuk.com
  8. Çatalhöyük-Forschungsprojekt — Besuchsinformationen catalhoyuk.com
  9. Stephanie Meece, Aus der Vogelperspektive (Repositorium der Universität Cambridge) repository.cam.ac.uk
  10. Stadtverwaltung der Großstadt Konya — Informations- und Empfangszentrum Çatalhöyük konya.bel.tr
  11. Ministerium für Kultur und Tourismus — Eröffnung des Informations- und Empfangszentrums Çatalhöyük basin.ktb.gov.tr
  12. Hacettepe-Universität — Weibliche Abstammungslinien und sich wandelnde Verwandtschaftsmuster im jungsteinzeitlichen Çatalhöyük avesis.hacettepe.edu.tr
  13. METU-Nachrichten — Frauenzentriert und gemeinschaftlich haber.metu.edu.tr

FAQ

Wo liegt Çatalhöyük?

Çatalhöyük liegt im Kreis Çumra der Provinz Konya, nahe Küçükköy in der Konya-Ebene. Das Grabungsprojekt gibt die Entfernung zur Stadt Konya mit etwa 60 Kilometern an.

War Çatalhöyük die erste Stadt der Welt?

Das ist nicht geklärt. Die UNESCO beschreibt Çatalhöyük als Zeugnis des Übergangs von Dörfern zu städtischen Siedlungen. Das bedeutet nicht, dass es die erste Stadt war. Die englischsprachige Wikipedia ordnet den Ort als große Protostadt ein.

Wie viele Menschen lebten in Çatalhöyük?

Eine genaue Zahl gibt es nicht. Der Führer des Grabungsprojekts nennt eine Schätzung von etwa 3.500 bis 8.000 Menschen.

Zeigen die Wandmalereien von Çatalhöyük eine Karte?

Einer Deutung zufolge zeigt eine Malerei den Siedlungsplan mit dem ausbrechenden Hasan Dağı. Stephanie Meece hielt in einem Artikel von 2006 eine andere Lesart für plausibler: Die geometrischen Muster könnten ein Leopardenfell darstellen.

Wo werden die Funde aus Çatalhöyük aufbewahrt?

Funde aus der Zeit von James Mellaart befinden sich im Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara. Funde aus der Zeit von Ian Hodder liegen im Archäologischen Museum Konya.

Image: Çatalhöyük, 7400 BC, Konya, Turkey – UNESCO World Heritage Site, 08.jpg — Murat Özsoy 1958, CC BY-SA 4.0

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt. Jede Angabe wurde mit den Quellen abgeglichen; Sätze ohne Quelle wurden nicht veröffentlicht. Wenn Sie einen Fehler finden, schreiben Sie uns. Unsere Quellengrundsätze · Schreib uns →

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