Ardahan liegt an der Kura im äußersten Nordosten der Türkei. Die Stadt hat eine lange, wechselvolle Geschichte. Bronzezeitliche Dorfbewohner, ein urartäischer König, georgische Fürsten, mongolische Eroberer, osmanische Statthalter und russische Beamte hinterließen hier ihre Spuren. Hier erfährst du, wie diese Epochen aufeinanderfolgten. Außerdem geht es um den umstrittenen Ursprung des Stadtnamens. Er ist weniger eindeutig geklärt, als die meisten Tourismusbroschüren vermuten lassen.
Ardahans Geschichte im Überblick
Die Kurzfassung lässt sich in sechs Stationen erzählen. Schon in der frühen Bronzezeit lebten Menschen nahe dem heutigen Burgstandort. Im 8. Jahrhundert v. Chr. stieß Urartu nach Norden in das Gebiet vor. Zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert herrschten georgische Bagratidenfürsten über die Region. 1555 übernahmen die Osmanen die Herrschaft. Nach dem Krieg von 1877–1878 gehörte das Gebiet zu Russland. Am 23. Februar 1921 rückten türkische Truppen in die Stadt ein.
Aus jeder dieser Epochen ist etwas geblieben, das du heute noch sehen oder nachlesen kannst. Manches wurde in Fels gemeißelt. Anderes steht an Moscheeeingängen. Wieder anderes begegnet dir als steinerne Festung über dem Fluss.
Die ältesten Spuren: bronzezeitliche Siedler und ein urartäischer König
Untersuchungen im Umfeld der Burg Ardahan (Ardahan Kalesi) belegen Siedlungsspuren aus der frühen Bronzezeit. Sie werden auf die Zeit zwischen 3500 und 2000 v. Chr. datiert. Dieser Zeitraum umfasst 1.500 Jahre. Menschen wählten dieses Flusstal also schon lange, bevor die Stadt schriftlich erwähnt wurde.
Die ersten schriftlichen Zeugnisse sind in Stein erhalten. Die Felsinschrift von Hanak/Ortakent stammt vom urartäischen König Argischti I. Sie wird ins 8. Jahrhundert v. Chr. datiert. In der Forschung gilt sie als einer der schriftlichen Belege für Urartus Feldzüge nach Norden in die Region Ardahan. Wenn du vor einer solchen Inschrift stehst, liest du die eigenen Prahlereien eines Königs über Gebiete, die er für sich beanspruchte.
Woher kommt der Name Ardahan?
Der Name gibt tatsächlich Rätsel auf. Es gibt drei Erklärungsansätze mit unterschiedlichen Belegen. Sie stimmen nicht vollständig überein.
Die georgische Chronik. Der Forscher Mehmet Kıldıroğlu veröffentlichte 2018 eine Untersuchung zur georgischen Chronik Kartlis Tskhovreba. Darin nennt er die Namen, die die Chronik mit Ardahan verbindet: Kachta-Kalak, Hura, Artan, Artani und Artaan. Drei davon beginnen deutlich mit derselben Silbe „Art-“, die dem heutigen Namen zugrunde liegt. Das ist die stärkste schriftliche Spur, die uns vorliegt.
Die Arda-Türken. Die Geschichtsseite der Stadtverwaltung Ardahan bietet eine andere Erklärung. Demnach erhielt die Stadt ihren heutigen Namen von den Arda-Türken. Diese hätten 628 die Region beherrscht.
Arda plus Han. Häufig wird erzählt, der Name setze sich aus den Wörtern „Arda“ und „Han“ zusammen. Kıldıroğlu weist diese Erklärung in seinem Artikel von 2018 zurück. Er bezeichnet sie als Volksetymologie, die nicht zu den historischen Namensformen passt. Die eingängige Geschichte verträgt sich also nicht mit den alten Schreibweisen.
Was kannst du daraus mitnehmen? Der Name ist alt und erscheint in georgischen Quellen in mehreren Formen. Die beliebte Erklärung „Arda plus Han“ ist die schwächste der drei. Stell dir einen Straßennamen vor, den Einheimische mit einer lustigen Geschichte erklären. Die Geschichte bleibt im Gedächtnis. Die historischen Namensformen erzählen jedoch etwas anderes.
Georgische Fürsten und eine Handelsstraße
Zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert herrschten die Bagratidenfürsten von Tao-Klardscheti über die Region Ardahan. Im Mittelalter war das Gebiet auch für den Handel wichtig. Ardahan bildete eine bedeutende Durchgangsstation für Waren, die aus den Gebieten der Abbasiden in Richtung Schwarzmeerregion transportiert wurden.
Daran erkennst du die Bedeutung des Ortes. Ardahan lag an einem Verkehrsknotenpunkt. Hier verlief eine Route, auf der Waren zwischen zwei sehr unterschiedlichen Welten unterwegs waren. Als moderner Vergleich bietet sich eine Autobahnraststätte an. Niemand plant seinen Urlaub ihretwegen, aber der Verkehr auf der Strecke kommt an ihr vorbei.
Dann kamen die Mongolen. Sie eroberten die Region Ardahan in den 1230er-Jahren. 1266 brachten die georgischen Fürsten von Samzche das Gebiet wieder unter ihre Kontrolle.
Die osmanischen Jahrhunderte
Mit dem Frieden von Amasya von 1555 kam Ardahan unter osmanische Herrschaft. Die Burg im Herzen der Stadt trägt Spuren dieser Epoche. Ihr genauer Ursprung ist allerdings ungewiss.
Nach Angaben des Kulturportals ist das ursprüngliche Baudatum der Burg unbekannt. Dort heißt es, sie sei unter Süleyman dem Prächtigen instand gesetzt worden. Außerdem wird eine Inschrift am Westtor auf 1544 datiert. Eine Studie von Esma Karakoyun Yaşar und Emriye Kazaz aus dem Jahr 2023 ordnet die Inschrift am Haupteingangstor dem Jahr 1556 zu. Die beiden Quellen nennen unterschiedliche Tore und unterschiedliche Jahre. Verstehe beide Datierungen als Angaben verschiedener Veröffentlichungen. Eine abschließend geklärte Datierung liegt damit nicht vor.
Andere Bauten dieser Jahrhunderte lassen sich leichter datieren. Die Mevlit-Efendi-Moschee (Mevlit Efendi Camii) im Viertel Halil Efendi wurde laut ihrer Eingangsinschrift 1701 erbaut. An der Derviş-Bey-Moschee (Derviş Bey Camii) zeigen Tafeln am Eingang das Jahr 1285 der islamischen Zeitrechnung. Die Kulturbehörde der Provinz rechnet dieses Datum in das Jahr 1869 um.
Russische Herrschaft und der Weg ins Jahr 1921
Nach dem Russisch-Osmanischen Krieg von 1877–1878 wurde die Region Ardahan dem Russischen Reich angegliedert. Sie gehörte verwaltungsmäßig zur Oblast Kars.
Dieser Zustand bestand bis zu den Umbrüchen des frühen 20. Jahrhunderts. Am 23. Februar 1921 übernahmen türkische Truppen die Kontrolle über das Stadtzentrum von Ardahan. Später im selben Jahr bestätigte der Vertrag von Kars, dass Ardahan innerhalb der Grenzen der Türkei bleiben sollte. Er gehört zu den Verträgen, die diese Frage regelten.
Von der Provinz zum Landkreis und zurück
Auf der Verwaltungskarte der Republik wechselte Ardahans Stellung. Die Veröffentlichung des Staatsarchivs über osmanische Ortsnamen führt Ardahan für die Zeit von 1924 bis 1926 als Provinz. Nach 1926 erscheint es als Landkreis der Provinz Kars.
Dabei blieb es jahrzehntelang. Am 27. Mai 1992 erhielt Ardahan durch das Gesetz Nr. 3806 wieder den Provinzstatus. Wenn du schon einmal erlebt hast, wie eine Stadt auf der Karte ihren Status verliert und später zurückerhält, weißt du, wie viel örtlicher Stolz an einer solchen Entscheidung hängt.
Was du heute sehen kannst
Burg Ardahan. Sie steht im Stadtzentrum am Ufer der Kura. Die Verteidigungsanlage hat einen rechteckigen Grundriss. Nach Angaben der Kulturbehörde der Provinz sind ihre Mauern insgesamt 745 Meter lang.
Historische Moscheen. Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme der historischen Architektur Ardahans dokumentierte 32 historische Moscheen im Zentrum sowie in Posof, Hanak und Çıldır. Die Zentralmoschee von Posof (Posof Merkez Camii) besitzt eine Kanzelinschrift mit der Jahreszahl 1868. Der Bau besteht aus behauenem Stein und hat einen rechteckigen Grundriss.
Teufelsburg (Şeytan Kalesi). Sie erhebt sich auf einer steilen Anhöhe in der Karaçay-Schlucht, nahe dem Dorf Yıldırımtepe im Landkreis Çıldır. In verschiedenen Epochen wurde sie instand gesetzt und erweitert. Erhalten sind Reste einer Wasserzisterne, eines Lebensmittellagers und einer Kapelle.
Ramazan-Bastion (Ramazan Tabyası). Sie erstreckt sich über etwa 3.000 Quadratmeter. Beim Bau wurden Chorasan-Mörtel, Ziegel und Bruchstein verwendet.
Çıldır-See (Çıldır Gölü). Der See bedeckt 123 Quadratkilometer und liegt in den Provinzen Ardahan und Kars. Seine größte Insel befindet sich neben den Ruinen von Akçakale.
Zeittafel
- 3500–2000 v. Chr.: Siedlungsspuren aus der frühen Bronzezeit nahe der Burg Ardahan.
- 8. Jahrhundert v. Chr.: Die Inschrift von Hanak/Ortakent unter Argischti I. entsteht.
- 8.–10. Jahrhundert: Bagratidenfürsten von Tao-Klardscheti herrschen über die Region.
- 1230er-Jahre: Die Mongolen erobern die Region Ardahan.
- 1266: Georgische Fürsten von Samzche erlangen die Kontrolle zurück.
- 1555: Der Frieden von Amasya bringt Ardahan unter osmanische Herrschaft.
- 1701: Die Mevlit-Efendi-Moschee wird erbaut; dieses Datum nennt ihre Inschrift.
- 1868: Jahreszahl auf der Kanzelinschrift der Zentralmoschee von Posof.
- 1878: Ardahan kommt unter die Herrschaft des Russischen Reiches.
- 23. Februar 1921: Türkische Truppen übernehmen das Stadtzentrum.
- 1921: Der Vertrag von Kars bestätigt Ardahans Zugehörigkeit zur Türkei.
- 1926: Ardahan wird ein Landkreis der Provinz Kars.
- 1992: Das Gesetz Nr. 3806 macht Ardahan wieder zur Provinz.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Ein Fluch über das Sonnenlicht. Die Inschrift von Hanak/Ortakent endet mit einer Warnung. Sie bittet die Götter Haldi und Quera, jedem das Sonnenlicht zu entziehen, der die Inschrift zerstört. Das ist eine sehr alte Form des Denkmalschutzes.
Eine Moschee ohne bekannten Stifter. Die Eingangstafeln der Derviş-Bey-Moschee tragen einen Spruch, nach dem es keine höhere Ehre als den Islam gibt. Dennoch enthalten die Unterlagen keine biografischen Angaben über Derviş Bey, den Namensgeber der Moschee.
Ein Grabmal, das älter ist als die Moschee. Auf dem Friedhof östlich der Zentralmoschee von Posof steht ein Sarkophag aus dem Jahr 1771. Er ist damit älter als die Jahreszahl 1868 auf der Kanzel der Moschee. Der Begräbnisplatz könnte folglich älter sein als das Gebäude, das du heute siehst.
32 Moscheen. Die wissenschaftliche Erfassung von 32 historischen Moscheen in vier Gebieten zeigt, wie viel von Ardahans Vergangenheit in alltäglich genutzten religiösen Bauten erhalten ist. Auch die Festungen bewahren diese Vergangenheit.
FAQ
Wie alt ist die Siedlung Ardahan?
Untersuchungen im Umfeld der Burg Ardahan weisen auf Siedlungsspuren aus der frühen Bronzezeit hin. Sie werden auf die Zeit zwischen 3500 und 2000 v. Chr. datiert.
Woher kommt der Name Ardahan?
Eine allgemein anerkannte Antwort gibt es nicht. Nach Angaben der Stadtverwaltung stammt der Name von den Arda-Türken, die demnach 628 die Region beherrschten. Die georgische Chronik Kartlis Tskhovreba überliefert verwandte Namen wie Artan, Artani und Artaan. Kıldıroğlu bezeichnet die Erklärung „Arda plus Han“ als Volksetymologie.
Wann wurde Ardahan Teil des Osmanischen Reiches?
Ardahan kam infolge des Friedens von Amasya von 1555 unter osmanische Herrschaft.
Wann wurde Ardahan Teil der Türkei?
Türkische Truppen übernahmen am 23. Februar 1921 das Stadtzentrum. Der Vertrag von Kars von 1921 bestätigte, dass Ardahan innerhalb der türkischen Grenzen bleiben sollte.
Wann wurde Ardahan wieder eine Provinz?
Das am 27. Mai 1992 verabschiedete Gesetz Nr. 3806 stellte den Provinzstatus wieder her.
Quellen
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Ardahan — Burgen ardahan.ktb.gov.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Ardahan — Moscheen ardahan.ktb.gov.tr
- Belleten — Die Nordexpansion des Königreichs Urartu und die historische Geografie des Landes Qulha belleten.gov.tr
- Mehmet Kıldıroğlu — Der Name Ardahan und Angaben zu Ardahan in der georgischen Quelle Kartlis Çhovreba dergipark.org.tr
- Stadtverwaltung Ardahan — Geschichte der Stadtverwaltung ardahan.bel.tr
- Wikipedia — Provinz Ardahan en.wikipedia.org
- Türkisches Staatsarchiv — Osmanische Ortsnamen devletarsivleri.gov.tr
- Kulturportal der Türkei — Burg Ardahan kulturportali.gov.tr
- Esma Karakoyun Yaşar und Emriye Kazaz — Probleme bei der Erhaltung der Burg Ardahan und Lösungsvorschläge researchgate.net
- Die historische Architektur Ardahans: Ein Gesamtüberblick über Bauten aus türkischer und zaristisch-russischer Zeit dergipark.org.tr
- Kulturportal der Türkei — Teufelsburg kulturportali.gov.tr
- Kulturportal der Türkei — Ramazan-Bastion kulturportali.gov.tr
- Landratsamt Çıldır — Çıldır-See cildir.gov.tr
Image: Ardahan 2011 Ardahan Kalesi über der Kura 084.jpg — Volker Höhfeld, CC BY-SA 4.0
