Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara: der Einstieg
Das Museum für anatolische Zivilisationen (Anadolu Medeniyetleri Müzesi) liegt nahe der Burg von Ankara, in der Gözcü Sokak No:2 in Altındağ. Seine Sammlung führt chronologisch durch die Archäologie Anatoliens: von der Altsteinzeit bis zur osmanischen Epoche. Du kannst dieser Abfolge anhand von Steinwerkzeugen, bemalten Flächen, Metallarbeiten, Schriftzeugnissen und Holzmöbeln folgen.
Das Museum nutzt zwei osmanische Gebäude: den Mahmut Paşa Bedesteni und den Kurşunlu Han. Zu den wichtigsten Exponaten zählen das umstrittene Wandbild aus Çatalhöyük, die Sonnenscheiben aus Alacahöyük, die Tafeln aus Kültepe, die İnandık-Vase und Möbel aus Gordion. Sie eröffnen unterschiedliche Zugänge zur Sammlung, von vorgeschichtlichen Bildern bis zur königlichen Korrespondenz.
Exponate im Museum für anatolische Zivilisationen: die frühesten Objekte
Die Abteilung zur Altsteinzeit zeigt Stein- und Knochenwerkzeuge aus der Karain-Höhle bei Antalya. Beginne mit diesen Materialien, bevor du dich den bemalten Flächen und Schriftzeugnissen in anderen Sammlungsteilen zuwendest. Die Werkzeuge bieten einen anschaulichen Einstieg in die lange chronologische Darstellung des Museums.
Çatalhöyük steht für eine andere Art archäologischer Zeugnisse. Das Museum bewahrt das Original einer umstrittenen Wandmalerei von etwa drei Metern Breite. Sie stammt aus Gebäude 14 der Schicht VII der Siedlung. Wegen ihrer Größe lohnt es sich, zunächst die gesamte Komposition zu betrachten und erst danach einzelne Formen genauer anzusehen.
Die Malerei entstand um 6600 v. Chr. Eine Deutung erkennt darin einen Siedlungsplan unter dem ausbrechenden Hasan Dağı. Die 2014 von Schmitt und Kollegen veröffentlichten Datierungen vulkanischen Gesteins stützten diese Lesart. Der vermutete Zusammenhang zwischen dem Bild und einem Vulkanausbruch bleibt jedoch eine Interpretation.
Stephanie Meece schlägt eine andere Deutung vor. Ihrer Ansicht nach zeigt das Bild ein Leopardenfell über geometrischen Mustern statt einer Karte mit Vulkan. Behalte beim Betrachten beide Erklärungen im Blick. Der Streit dreht sich darum, was die gemalten Formen darstellen – und ob überhaupt eine Landschaft zu sehen ist.
Sonnenscheiben aus Alacahöyük und Tafeln aus Kültepe
Die Sammlung zur frühen Bronzezeit umfasst Funde aus den Königsgräbern von Alacahöyük. Achte auf Sonnenscheiben, hirschförmige Statuetten und Goldschmuck. Gemeinsam ermöglichen diese Grabfunde einen Vergleich verschiedener Materialien und Formen. Es lohnt sich, die Gruppe als Ganzes zu betrachten und sich nicht auf ein einzelnes berühmtes Objekt zu beschränken.
In der Abteilung zu den assyrischen Handelskolonien rücken Schriftzeugnisse in den Mittelpunkt. Die dortigen Tafeln aus Kültepe zählen zu den frühesten schriftlichen Dokumenten Anatoliens. Nach der Debatte um die Malerei aus Çatalhöyük begegnest du hier einer anderen Art antiker Zeugnisse: Gegenständen mit Schrift statt Bildern, deren Bedeutung umstritten bleibt.
Auch tiergestaltige zeremonielle Trinkgefäße gehören zu dieser Abteilung. Ihre Formen bilden ein visuelles Gegenstück zu den Tafeln. Schriftstücke und Gefäße für zeremonielles Trinken stehen hier im selben historischen Zusammenhang. So kannst du Objekte mit unterschiedlichen Funktionen und Erscheinungsformen vergleichen.
Ein weiteres wichtiges Exponat ist der Bronzedolch Anittas, des Königs von Kaniš. Er trägt eine Keilschriftinschrift. Sieh ihn dir zusammen mit den Tafeln aus Kültepe an: Hier erscheint Schrift auf einer bronzenen Waffe. Damit kommen in diesem Sammlungsteil ein weiteres Material und eine weitere Objektgattung hinzu.
Die İnandık-Vase und hethitische Schriftzeugnisse
Die offizielle Museumsbroschüre datiert die İnandık-Vase ungefähr in die Zeit von 1700 bis 1601 v. Chr. Sie deutet die Szenen auf dem Gefäß als hethitische Zeremonie der heiligen Hochzeit. Diese Interpretation gibt dir einen konkreten Ausgangspunkt für die Betrachtung der Bilder. Die Verzierung lässt sich damit als mehr als eine unerklärte Abfolge von Figuren betrachten.
Die hethitische Abteilung enthält außerdem Tontafeln mit Keilschrift, eine Bronzetafel und Siegelabdrücke hethitischer Könige und Königinnen. Achte auf die unterschiedlichen Schriftträger. Schriftzeugnisse erscheinen auf Ton und Bronze. Die Siegelabdrücke ergänzen sie um eine weitere Form von Belegen, die mit namentlich bekannten königlichen Herrschern verbunden ist.
Zu den bemerkenswerten Schriftstücken gehört ein Freundschaftsbrief der ägyptischen Königin Naptera an die hethitische Königin Puduhepa. Die namentlich bekannte Absenderin und Empfängerin geben der Sammlung einen persönlichen Bezug. Neben Tafeln und königlichen Siegelabdrücken begegnet dir hier die Korrespondenz zweier Königinnen.
Steinerne Objekte haben einen weiteren wichtigen Ausstellungsort. Die Halle der Steinartefakte liegt im zentralen Raum des Bedestens unter zehn Kuppeln. Sie zeigt Werke aus dem hethitischen Reich und den späthethitischen Königreichen. Hier prägt auch das Museumsgebäude die Begegnung mit der Sammlung: Ein osmanischer Handelsbau bildet den Rahmen für die steinernen Exponate.
Möbel aus Gordion: eine Verbindung zum Alltag
Die Möbel aus Gordion stellen einen unmittelbaren Bezug zum Alltag her. Tische, Serviergestelle und Hocker sind vertraute Einrichtungsformen. Das Museum zeigt einen Tisch mit Einlegearbeiten und zwei Serviergestelle aus Tumulus MM. Hinzu kommt ein Hocker aus Tumulus P, der mit Einlegearbeiten und Metallstiften verziert ist.
Diese vertrauten Formen erleichtern dir den genauen Blick. Vergleiche zunächst die Grundformen von Tisch, Gestellen und Hocker. Untersuche danach die dekorativen Einzelheiten. Die Objekte verbinden die Sammlung mit Tätigkeiten rund um Möbel und das Servieren. Ihre dokumentierten Herkunftsorte bleiben dabei die Grabhügel von Gordion.
Die vier großen Möbelstücke wurden wieder zusammengesetzt und auf Stützen aus Plexiglas ausgestellt. Die Konservierungsarbeiten an den Hölzern aus Gordion begannen 1981 im Museum. Mehr als vierzig Restauratoren, Wissenschaftler, Künstler und Praktikanten im weiterführenden Studium wirkten an dem Projekt mit. Die Stützen und die Rekonstruktion gehören damit zur modernen Konservierungsgeschichte der Objekte.
Details, die du nicht in Reiseführern findest
Der Mahmut Paşa Bedesteni besaß ursprünglich 102 Läden rund um seinen zentralen Raum mit zehn Kuppeln. Seine Bauzeit wird auf 1464–1471 geschätzt. Das Gebäude, das heute archäologische Exponate beherbergt, war also als Handelsbau angelegt. Einzelne Läden umgaben den zentralen Bereich.
Der Kurşunlu Han hatte eine andere wirtschaftliche Aufgabe. Als Stiftungsgebäude erwirtschaftete er Einnahmen für Mehmet Paşas Imaret in Üsküdar. Beide osmanischen Bauten wurden nach dem Brand von 1881 aufgegeben. Ihrer späteren Umwandlung in ein Museum ging eine Zeit voraus, in der keines der Gebäude seinem heutigen Zweck diente.
Das Museum verwendet das Siegel des hethitischen Königs Tuthaliya IV. als Emblem. Damit begegnest du hethitischen Zeugnissen auch außerhalb der Vitrinen. Königliche Siegelabdrücke sind Teil der Sammlung, während das Siegel eines Königs zugleich das Emblem der Institution bildet.
Zeitleiste
- Um 6600 v. Chr.: Das Wandbild aus Çatalhöyük entsteht. Seine Deutung als Karte bleibt umstritten.
- 1700–1601 v. Chr.: Geschätzte Entstehungszeit der İnandık-Vase laut offizieller Museumsbroschüre.
- 1464–1471: Geschätzte Bauzeit des Mahmut Paşa Bedesteni.
- 1881: Die beiden heute vom Museum genutzten Gebäude werden nach einem Brand aufgegeben.
- 1921: Mübarek Galip Bey gründet den Vorläufer des Museums in Akkale in der Burg von Ankara.
- 1938: Die Restaurierung zur Umwandlung von Bedesten und Han in Museumsgebäude beginnt.
- 1943: Der zentrale Teil des Bedestens öffnet für Besucher, während die Instandsetzung weiterläuft.
- 1968: Das Restaurierungsprogramm wird abgeschlossen.
- 1981: Die Konservierungsarbeiten an den Holzmöbeln aus Gordion beginnen im Museum.
- 19. April 1997: Das Museum gewinnt in Lausanne den Preis als Europäisches Museum des Jahres. Es wird aus 68 Museen ausgewählt.
- 14. September 2026–2. März 2027: Angekündigte Schließung des Ankara-Saals und des Saals der klassischen Antike wegen Wartungsarbeiten.
Wie sich das Museum für anatolische Zivilisationen entwickelte
Die Institution geht auf das Museum zurück, das Kulturdirektor Mübarek Galip Bey 1921 im Akkale-Turm der Burg von Ankara gründete. Atatürks Idee eines Eti-Museums in Ankara führte dazu, dass hethitische Funde aus anderen Regionen dorthin geschickt wurden. Diese Neuzugänge machten größere Räume erforderlich.
Die Restaurierung des Mahmut Paşa Bedesteni und des Kurşunlu Han begann 1938 und dauerte bis 1968. Der zentrale Bereich öffnete 1943, noch bevor die übrigen Arbeiten abgeschlossen waren. Zur Entwicklung des Museums gehörten somit sowohl das Sammeln archäologischer Objekte als auch die erneute Nutzung aufgegebener osmanischer Gebäude.
Museum für anatolische Zivilisationen: Tickets und Eintrittspreise
Stand 25. Oktober 2026 nennt die offizielle Preisliste für ausländische Besucher einen Eintrittspreis von 12 €. Für Inhaber eines türkischen Personalausweises ist der Eintritt mit MüzeKart angegeben. Nutze für deine Kostenplanung die offizielle Preisliste, die unter den Quellen verlinkt ist.
Die offiziellen Besucherinformationen nennen tägliche Öffnungszeiten von 08:30–17:30 Uhr. Die Kasse schließt um 16:45 Uhr. Für den Ankara-Saal und den Saal der klassischen Antike ist eine Schließung wegen Wartungsarbeiten vom 14. September 2026 bis zum 2. März 2027 angekündigt. Berücksichtige diese Schließungen bei deiner Besuchsplanung.
Museum für anatolische Zivilisationen: Fotos und Bewertungen
Die Galerie der englischsprachigen Wikipedia zeigt Stierköpfe aus Çatalhöyük, einen phrygischen Tisch, späthethitische Reliefs und urartäische Objekte. Das Ministerium für Kultur und Tourismus bietet außerdem einen virtuellen Rundgang an. Mit diesen beiden Angeboten kannst du dich vor deiner Reise nach Ankara mit den Objekten und Innenräumen vertraut machen.
Wenn du bei deiner Planung Bewertungen berücksichtigst, bietet die dokumentierte Auszeichnung des Museums einen weiteren Anhaltspunkt. Am 19. April 1997 gewann es in Lausanne den Preis als Europäisches Museum des Jahres unter 68 teilnehmenden Museen. Ziehe für die konkrete Besuchsplanung neben dieser historischen Anerkennung auch die oben genannten Öffnungszeiten und datierten Schließungsangaben heran.
FAQ
Wo liegt das Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara?
Es liegt in der Gözcü Sokak No:2 in Altındağ, nahe der Burg von Ankara. Seine Gebäude sind der Mahmut Paşa Bedesteni und der Kurşunlu Han.
Wie viel kostet der Eintritt?
Stand 25. Oktober 2026 beträgt der offizielle Eintrittspreis für ausländische Besucher 12 €. Für Inhaber eines türkischen Personalausweises ist der Eintritt mit MüzeKart angegeben.
Welche Exponate solltest du dir ansehen?
Achte auf das Wandbild aus Çatalhöyük, die Sonnenscheiben aus Alacahöyük, die Tafeln aus Kültepe, Anittas Dolch, die İnandık-Vase, hethitische Korrespondenz und Möbel aus Gordion.
Wo findest du Fotos?
Die Galerie der englischsprachigen Wikipedia enthält Fotos der Exponate. Die Plattform für virtuelle Museen des Ministeriums für Kultur und Tourismus bietet einen Online-Rundgang an.
Quellen
- Generaldirektion für Kulturerbe und Museen — Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara kvmgm.ktb.gov.tr
- Kulturportal Türkiye — Museum für anatolische Zivilisationen kulturportali.gov.tr
- Ministerium für Kultur und Tourismus — Besucherinformationen zum Museum muze.gov.tr
- DÖSİMM — Eintrittspreise für Museen und archäologische Stätten dosim.ktb.gov.tr
- Ministerium für Kultur und Tourismus — Virtueller Museumsrundgang sanalmuze.gov.tr
- Englischsprachige Wikipedia — Museum für anatolische Zivilisationen en.wikipedia.org
- Schmitt und Kollegen, 2014 — PLOS ONE journals.plos.org
- Stephanie Meece — Deutung der Malerei aus Çatalhöyük, Anatolian Studies cambridge.org
- Ministerium für Kultur und Tourismus — Museumsbroschüre muze.gov.tr
- Penn Museum — Möbelprojekt Gordion penn.museum
- Türkischsprachige Wikipedia — Anadolu Medeniyetleri Müzesi tr.wikipedia.org
FAQ
Wo liegt das Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara?
Das Museum liegt in der Gözcü Sokak No:2 im Bezirk Altındağ von Ankara, nahe der Burg von Ankara. Es nutzt den Mahmut Paşa Bedesteni und den Kurşunlu Han.
Wie viel kostet der Eintritt ins Museum für anatolische Zivilisationen?
Stand 25. Oktober 2026 nennt die offizielle Preisliste für ausländische Besucher einen Eintrittspreis von 12 €. Für Inhaber eines türkischen Personalausweises ist der Eintritt mit MüzeKart angegeben.
Welche wichtigen Exponate solltest du dir ansehen?
Zu den Höhepunkten gehören das Wandbild aus Çatalhöyük, die Sonnenscheiben aus Alacahöyük, die Tafeln aus Kültepe, Anittas Bronzedolch, die İnandık-Vase, hethitische Korrespondenz und Holzmöbel aus Gordion.
Wo findest du Fotos des Museums für anatolische Zivilisationen?
Die Galerie der englischsprachigen Wikipedia zeigt Stierköpfe aus Çatalhöyük, einen phrygischen Tisch, späthethitische Reliefs und urartäische Objekte. Das Ministerium für Kultur und Tourismus bietet außerdem einen virtuellen Rundgang an.
Image: Museum of Anatolian Civilizations Phrygian Small table fom tomb of Midas in 2014 04.jpg — Dosseman, CC BY-SA 4.0






