Frühe türkische Geschichte · MÖ 220 – 1040

Kül Tigin: Göktürk-Krieger der Orchon-Inschriften

Kül Tigin war Prinz und Heerführer des Zweiten Göktürk-Kaganats, Sohn von Ilterisch Kagan und jüngerer Bruder von Bilge Kagan. Sein Bruder ließ ihm 732 ein Denkmal mit einer Inschrift errichten, das noch heute in Khoshoo-Tsaidam im mongolischen Orchon-Tal steht.

6 Min. Lesezeit9 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Kül Tigin: Göktürk-Krieger der Orchon-Inschriften
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Wer war Kül Tigin?

Kül Tigin (Kul Tigin) war Prinz und Heerführer des Zweiten Göktürk-Kaganats. Er gehörte zur Aschina-Dynastie. Sein Vater Ilterisch Kutlug Kagan hatte dieses Kaganat gegründet. Seine Mutter war İlbilge Hatun. Sein älterer Bruder war Bilge Kagan (Bilge Khagan).

Schon der Name verrät etwas über seine Stellung. Tigin ist ein alttürkischer Titel. Er bezeichnete einen Prinzen oder einen Sohn des Kagans. Wenn du also nach „Wer war Kül Tigin?“ suchst, lautet die kurze Antwort: ein Herrschersohn, der zum Heerführer wurde. Auf Türkisch lauten entsprechende Suchanfragen „Kul Tigin kimdir?“ oder „Kul Tigin kim?“.

Beim ersten Namensteil ist die Lesung weniger sicher. Forschende lesen ihn als Kül oder Köl. Thomsen und Radloff entschieden sich für Kül. Andere Forschende haben die Lesung Köl vertreten. Zur Bedeutung des Wortes gibt es mehrere Theorien. In Büchern wirst du beide Schreibweisen finden. Sie bezeichnen denselben Mann.

Auch sein Geburtsjahr ist umstritten. Die türkische und die englische Wikipedia nennen 684. Erhan Aydın rechnet dagegen von der Angabe in der Inschrift zurück, dass Kül Tigin beim Tod seines Vaters sieben Jahre alt war. So kommt er auf 685.

Der Krieger: Was wir über seine Feldzüge wissen

Die Inschrift schildert sein Leben als Krieger. Zeile 31 der Ostseite behandelt seine militärischen Aktivitäten im Alter von sechzehn Jahren. Sie beschreibt auch eine Schlacht bei Idok Bash gegen das Heer eines chinesischen Befehlshabers namens Ong Totok.

Eine zweite Quelle liefert ein weiteres Detail. Im Jahr 705 führte Kül Tigin eine Einheit im Krieg gegen Shazha Chongyi. Während der Kämpfe verlor er drei Pferde. Drei verlorene Pferde in einem einzigen Gefecht zeigen ganz konkret, wie hart gekämpft wurde.

Er griff auch in einen Thronfolgestreit ein. Nach dem Tod von Kapgan Kagan (Kapgan Khagan) brach ein Machtkampf aus. Kül Tigin tötete dabei İnel. Damit machte er seinem älteren Bruder Bilge Kagan den Weg auf den Thron frei.

Die Kül-Tigin-Inschrift

Die Kül-Tigin-Inschrift ist ein Gedenktext. Bilge Kagan ließ sie 732 zur Erinnerung an seinen Bruder aufstellen. Der türkische Bericht ist aus der Perspektive von Bilge Kagan verfasst. Yollug Tigin brachte ihn auf dem Stein an.

Das Denkmal trägt Texte in zwei Sprachen. Auf der Süd-, Ost- und Nordseite stehen türkische Texte in Göktürk-Schrift. Die Westseite trägt einen chinesischen Text, den der Tang-Kaiser Xuanzong herausgeben ließ. Ein einziger Stein vereint damit die Stimmen zweier Staaten.

Stell dir vor, jemand schreibt eine Trauerrede für einen Bruder oder eine Schwester. Ähnlich funktioniert der Text von Bilge Kagan. Er ist persönlich und voller Stolz. Zugleich ist er öffentlich: Alle, die an diesen Ort kamen, sollten ihn lesen können.

Kül Tigins Tod und die Trauerzeremonie

Die Inschrift berichtet, dass Kül Tigin mit 47 Jahren starb. Warum er starb, sagt sie nicht. Das Datum ergibt sich aus der Angabe „Jahr des Schafes“ im Text. Nach der allgemein anerkannten Kalenderumrechnung errechnen Forschende den 27. Februar 731.

Die für ihn abgehaltene Trauerzeremonie, der yuğ, fand nach derselben Umrechnung am 1. November 731 statt. Der Gedenkstein folgte ein Jahr später, 732.

Kül Tigin und die Religion

Menschen suchen nach „Kül Tigin Religion“, weil die Inschrift heilige Gestalten erwähnt. Sie ist keine religiöse Abhandlung. Dennoch enthält sie deutliche Spuren der traditionellen Glaubensvorstellungen der Turkvölker. In Zeile 31 der Ostseite wird Kül Tigins Mutter mit Umay verglichen. Das ist ein konkretes Beispiel für die ältere Glaubenswelt, die auf dem Denkmal sichtbar wird.

Eine Stelle bleibt umstritten. In Zeile 10 der Nordseite lässt sich das Verb als aysar oder yasar lesen. Davon hängt die Bedeutung ab. Bei der einen Lesung handelt der Satz vom Befehl Tengris, des Himmels. Bei der anderen geht es darum, die einem zugemessene Lebenszeit zu durchleben. Der Text auf dem Denkmal ist an den meisten Stellen eindeutig, aber nicht in jeder Zeile.

Das Kül-Tigin-Denkmal: Was im Orchon-Tal steht

Die Anlage liegt in Khoshoo-Tsaidam im Orchon-Tal, in der mongolischen Region Archangai (Arhangay). Die Stele ist nur ein Teil davon. Zur Anlage gehören außerdem ein Grabbau, ein Zeremonialweg, menschliche Statuen, ein Altarstein und Balbals, also aufgerichtete Steine.

Ganz in der Nähe liegt ein zweites Denkmal. Die Inschriften für Kül Tigin und Bilge Kagan stehen etwa einen Kilometer voneinander entfernt. Anders liegt der Fall bei der Tonyukuk-Inschrift. Sie befindet sich etwa 360 Kilometer östlich des Flusses Orchon.

Die originale Kül-Tigin-Stele wurde in das Orchon-Museum in Khoshoo-Tsaidam gebracht. Dort fügte man ihre Bruchstücke zusammen und stellte den Stein erneut auf.

Zeitleiste

  • 684–685: Unterschiedliche Geburtsjahre in den Quellen.
  • 705: Kül Tigin führt eine Einheit im Krieg gegen Shazha Chongyi.
  • 27. Februar 731: Todesdatum nach der allgemein anerkannten Kalenderumrechnung.
  • 1. November 731: Die Trauerzeremonie yuğ findet statt.
  • 732: Bilge Kagan lässt die Inschrift aufstellen.
  • 1889: Jadrinzew macht die Inschrift in der Wissenschaft bekannt.
  • 1893: Thomsen entziffert die Göktürk-Schrift.
  • 1958: Bei Ausgrabungen werden Statuenköpfe gefunden, die Kül Tigin und seiner Frau zugeschrieben werden.
  • 2004: Die Kulturlandschaft des Orchon-Tals wird in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Details, die du in Reiseführern nicht findest

  • Zwanzig Tage. Yollug Tigin hielt fest, dass er die Kül-Tigin-Inschrift in zwanzig Tagen schrieb.
  • Sechs Künstler aus China. Für die Errichtung des Denkmals wurden sechs Künstler aus China geholt, die für die Ausschmückung zuständig waren.
  • Ein ersetzter Sockel. Ursprünglich stand die Stele auf einem schildkrötenförmigen Sockel. Dieser wurde zerschlagen. Deshalb stellte man den Stein 1911 auf einen Granitblock, der aus dem Altarstein herausgeschnitten worden war.
  • Ein fast verlorener Text. Der Schildkrötensockel trägt einen eigenen türkischen Text mit acht Zeilen. Nur sieben oder acht Wörter lassen sich noch lesen.
  • 1958 entdeckte Köpfe. Bei Ausgrabungen im Jahr 1958 wurden Statuenköpfe gefunden, die Kül Tigin und seiner Frau zugeschrieben werden.

Wie der Stein wieder lesbar wurde

Bevor jemand die Inschrift lesen konnte, musste ihre Schrift entziffert werden. Nikolai Jadrinzew (Nikolay Yadrintsev) machte 1889 die Entdeckung, durch die die Kül-Tigin-Inschrift in der Wissenschaft bekannt wurde. Im Jahr 1893 entzifferte der dänische Sprachwissenschaftler Vilhelm Thomsen die Schrift, die sowohl auf der Kül-Tigin-Inschrift als auch auf der Bilge-Kagan-Inschrift verwendet wird.

Forschende arbeiten bis heute an dem Text. Von Talât Tekins Untersuchung der Orchon-Inschriften gibt es eine koreanische Ausgabe. Darin steht die Transkription der Kül-Tigin-Inschrift auf den Seiten 527–542. Der Text in Göktürk-Schrift steht auf den Seiten 575–587. Wenn du selbst eine Zeile überprüfen möchtest, ist eine solche Ausgabe ein geeigneter Ausgangspunkt.

Auch die umgebende Landschaft steht unter Schutz. Die Kulturlandschaft des Orchon-Tals, zu der die Kül-Tigin-Stätte gehört, wurde 2004 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

FAQ

Wer war Kül Tigin?

Er war Prinz und Heerführer des Zweiten Göktürk-Kaganats. Er war der Sohn von Ilterisch Kutlug Kagan und der jüngere Bruder von Bilge Kagan.

Wo steht das Kül-Tigin-Denkmal?

Es liegt in Khoshoo-Tsaidam im Orchon-Tal, in der mongolischen Region Archangai. Die originale Stele befindet sich im dortigen Orchon-Museum.

Wer schrieb die Inschrift?

Der türkische Text ist aus der Perspektive von Bilge Kagan verfasst. Yollug Tigin schrieb ihn auf den Stein. Nach seiner eigenen Angabe benötigte er dafür zwanzig Tage.

Wie starb Kül Tigin?

Die Inschrift nennt sein Alter von 47 Jahren, aber keine Todesursache. Als Todesdatum wird der 27. Februar 731 errechnet.

Wer entzifferte die Schrift?

Vilhelm Thomsen entzifferte sie 1893. Jadrinzew hatte die Inschrift 1889 in der Wissenschaft bekannt gemacht.

Quellen

  1. Wikipedia — Kul Tigin en.wikipedia.org
  2. Enzyklopädie der türkischen Welt — Köl Tigin turkdunyasiansiklopedisi.gov.tr
  3. Lexikon der Werke der türkischen Literatur — Köl-Tegin-Inschrift tees.yesevi.edu.tr
  4. Nurdin Useev — Der Personenname Köl Tigin und das Epitheton Ayköl des Manas dergipark.org.tr
  5. Tuba Yalınkılıç — Der chinesische Text der Kül-Tigin-Inschrift und seine Übersetzung dergipark.org.tr
  6. UNESCO — Nominierungsdossier zur Kulturlandschaft des Orchon-Tals whc.unesco.org
  7. TDV-Enzyklopädie des Islam — Orchon-Inschriften islamansiklopedisi.org.tr
  8. Mahsun Atsız — Zum Wort Y1S1R1 auf der Nordseite der Kül-Tégin-Inschrift dergipark.org.tr
  9. Mehmet Ölmez — Rezension der koreanischen Ausgabe von Talât Tekins Untersuchung der Orchon-Inschriften tdkbelleten.gov.tr

Image: Kul-tegin head (2023-03-07) 02.jpg — Vyacheslav Kirillin, CC BY-SA 4.0

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