Der Goldbär aus Almaty (Almatı) zeigt, wie goldene Tierornamente in die Gräber der Saken (Sakalar) gelangten. Möglicherweise war er als Schmuck auf eine Kopfbedeckung aufgenäht. Die Figur wurde 2026 auf dem Gräberfeld Karagaily entdeckt. Sie stammt aus einem Hügel, der vorläufig in das 4.–3. Jahrhundert v. Chr. datiert wird. Dort stellten Forschende auch Hinweise auf eine mögliche Bestattung von vier Erwachsenen und drei Kindern fest.
Wie hilft dir ein kleines Goldtier, einen viel größeren Grabhügel zu verstehen? In Karagaily liefern das Gussverfahren, Befestigungslöcher, Keramik, menschliche Knochen und ein antiker Raubschacht wichtige Anhaltspunkte. Zusammen verbinden sie das Schmuckstück mit der Kleidung und den Bestattungspraktiken der Saken. Zugleich lassen sie Raum für eine vorsichtige Deutung der Bedeutung des Bären.
Wo wurde der Goldbär in Almaty gefunden?
Die Figur kam auf dem Gräberfeld Karagaily im Stadtbezirk Nauryzbay von Almaty in Kasachstan (Kazakistan) ans Licht. Der Museumsverband Almaty führte die Rettungsgrabung mit Unterstützung der Stadtverwaltung durch. Der Fundzusammenhang ist wichtig: Der Bär wurde bei Arbeiten an einem Grabhügel geborgen, zusammen mit menschlichen Überresten und Fragmenten sakenzeitlicher Keramik.
Der ausgegrabene Kurgan misst 25–26 Meter im Durchmesser und ist etwa 2,5 Meter hoch. Seine vorläufige Datierung fällt in die frühe Eisenzeit, in das 4.–3. Jahrhundert v. Chr. Du musst deshalb zwischen dem Entdeckungsjahr 2026 und der vorgeschlagenen Datierung der Bestattung selbst unterscheiden.
Karagaily war bereits in der Antike gestört worden. Grabräuber hinterließen einen etwa drei Meter großen Raubschacht. Diese Störung gehört ebenso zum archäologischen Befund wie die erhaltene Goldfigur, die Keramikfragmente und die Knochen. Die Ausgrabung untersucht eine Bestattung, in die schon zuvor erheblich eingegriffen worden war.
Was verrät das Grab über die dort Bestatteten?
Die Forschenden halten es derzeit für möglich, dass vier Erwachsene und drei Kinder in dem Hügel bestattet wurden. Die Zahl der Personen ist noch nicht bestätigt. Diese mögliche Gruppenbestattung gehört zu den bedeutendsten Merkmalen von Karagaily. Sie wirft die Frage auf, wie mehrere Menschen dasselbe Grabmonument genutzt haben könnten.
Der Archäologe Marat Nurpeisov erklärte, dass Kurgane vergleichbarer Größe gewöhnlich eine oder zwei Personen enthielten. Vor diesem Hintergrund verdient die mögliche Anwesenheit von sieben Personen besondere Aufmerksamkeit. Die Maße des Hügels allein erklären die Anordnung der Bestattungen nicht. Auch die menschlichen Überreste müssen untersucht werden.
Weitere Untersuchungen unter Beteiligung von Anthropologen sind geplant. Sie sollen die Bestattungsverhältnisse und die Zahl der Personen klären. Vorerst bleibt die Angabe von vier Erwachsenen und drei Kindern eine vorläufige Einschätzung. Wenn du Karagaily im Unterricht oder in einer Geschichtsdiskussion vorstellst, verhindert diese Unterscheidung, dass aus einer vielversprechenden Deutung eine feststehende Behauptung wird.
Das Goldobjekt wurde zusammen mit menschlichen Knochen und Fragmenten sakenzeitlicher Keramik gefunden. Diese Funde ordnen das Schmuckstück in einen größeren Grabfund ein. Wer Karagaily deutet, muss neben dem Edelmetall auch die Keramik und die Menschen berücksichtigen. Das gilt besonders, weil die antike Plünderung den Hügel gestört hat.
Warum könnte der Goldbär eine Kopfbedeckung geschmückt haben?
Die kleine, als Bär gedeutete Figur wurde gegossen. Kleine Löcher in ihrer Platte bilden die materielle Grundlage für die Annahme, dass sie auf eine Kopfbedeckung aufgenäht gewesen sein könnte. Die vermutete Funktion ergibt sich aus diesen Befestigungsmerkmalen und nicht allein aus dem Aussehen des Tieres.
Die Verbindung zum Alltag ist das Nähen: Wenn du eine Verzierung an Kleidung befestigst, zeigen die Stellen, an denen der Faden hindurchläuft, wie sie an ihrem Platz bleibt. In Karagaily lenken die kleinen Löcher den Blick ebenfalls auf die Befestigung. Sie stützen eine mögliche Verwendung an einer Kopfbedeckung. Wie diese vollständig aussah, lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Stadtverwaltung Almaty zog einen Vergleich mit der Kopfbedeckung des Goldenen Mannes (Altın Elbiseli Adam). Diese trägt einen goldenen Aufsatz in Gestalt eines Argali, eines wilden Bergschafs. Damit wird Karagailys mögliches Bärenornament einem weiteren goldenen Tierelement gegenübergestellt, das mit einer Kopfbedeckung verbunden ist.
Einen breiteren Einblick in den Kleidungsschmuck gibt das Archäologische Museum Gylym Ordasy. Es beschreibt goldene Schmuckstücke der Saken aus den Gräberfeldern Issyk, Talgar und Tenlik als Verzierungen für Gewänder, Kopfbedeckungen, Gürtel und Pferdegeschirr. Die vermutete Befestigung des Karagaily-Fundes an einer Kopfbedeckung passt in dieses größere Spektrum verzierter Gegenstände.
Wie passt der Bär zur Tierkunst der Saken?
Die Saken waren historische Gemeinschaften der eurasischen Steppen und des Tarimbeckens (Tarım Havzası). Ihre Sprachen werden der ostiranischen Sprachgruppe zugeordnet. Das Fitzwilliam Museum erläutert, dass die Bezeichnung Saken heute gewöhnlich für Gemeinschaften im östlichen Teil der Großen Steppe verwendet wird.
Das Fitzwilliam Museum beschreibt den Tierstil anhand von Darstellungen von Hirschen, Bären, Wildschafen und Vertretern der Katzenfamilie. Fließende Linien und abstrakte Formen kennzeichnen diese Steppenkunst. Der Bär von Karagaily lässt sich somit innerhalb einer etablierten Bildsprache betrachten, die mehrere Tierarten umfasste.
Goldene Tiere kamen auch an anderen Orten in Almaty vor. Laut Lyazzat Sagyndykova, der Direktorin des Museumsverbands Almaty, wurden bei Ausgrabungen in Kok-Kainar im Jahr 2014 Schmuckstücke in Gestalt von Leoparden und Greifvögeln gefunden. Diese Funde bieten einen lokalen Vergleich für Schmuck in Tiergestalt, auch wenn sie andere Tiere darstellen.
Sagyndykova erklärte, eine Bärenfigur dieser Art sei zuvor in Kasachstan noch nicht gefunden worden. Ihre Einschätzung bezieht sich auf diesen besonderen Objekttyp. Zur umfassenderen Kunsttradition gehörten Bären bereits, wie die Beschreibung des Tierstils durch das Fitzwilliam Museum deutlich macht.
Was verrät der Bär über Glaubensvorstellungen und kulturelle Verbindungen?
Das Fitzwilliam Museum stellt den Tierstil als mögliche Bildsprache mit Bezügen zu Mythologie und Religion vor. Es bietet auch eine weitere Erklärung: Die anhaltende Beobachtung der Natur könnte dazu beigetragen haben, diese Tierformen zu bewahren. Beide Ansätze helfen dir, über die Bildwelt nachzudenken, ohne dem Bären eine festgelegte Botschaft zuzuschreiben.
Die genaue Bedeutung der Tiermotive der Saken bleibt unklar. Den Bären von Karagaily als bestimmte Gottheit zu bezeichnen oder ihm eine eindeutige Schutzfunktion zuzuschreiben, würde über das hinausgehen, was seine Form belegt. Die Befestigungslöcher liefern belastbarere Hinweise auf eine mögliche praktische Verwendung als die Tiergestalt auf eine bestimmte religiöse Identität.
Sagyndykova deutete die Entdeckung von Karagaily als nützliches Beispiel, um kulturelle Gemeinsamkeiten in Eurasien zu untersuchen. Diese reichen vom Schwarzmeerraum (Karadeniz) bis zum Altai (Altay). Damit erhält die Figur einen größeren geografischen Zusammenhang. Ihre Bedeutung geht über die Bestimmung des dargestellten Tieres hinaus. Sie liegt auch im Vergleich künstlerischer Formen in diesem weiten Gebiet.
Für Leser, die den türkischen Begriff Sakalar kennen, bietet die türkischsprachige Darstellung einen Anknüpfungspunkt. Sie beschreibt Saken und Skythen (İskitler) als eng verwandte Gemeinschaften innerhalb einer gemeinsamen skythisch-sibirischen Kultur. Das verbindet die vertraute Bezeichnung mit dem Fund von Karagaily. Die konkrete Ausgrabung bleibt jedoch ein sakenzeitlicher Bestattungskontext in Almaty.
Zeitleiste
- 4.–3. Jahrhundert v. Chr.: Die vorläufige Datierung ordnet den ausgegrabenen Hügel von Karagaily diesem Zeitraum zu.
- Antike: Karagaily wurde geplündert. Dabei entstand ein etwa drei Meter großer Raubschacht.
- 2014: Ausgrabungen in Kok-Kainar in Almaty brachten Schmuckstücke in Gestalt von Leoparden und Greifvögeln zutage.
- 2026: Bei einer Rettungsgrabung in Karagaily wurde die gegossene Goldfigur entdeckt, die als Bär gedeutet wird.
- 5. November 2026: Eine Mitteilung berichtete von Plänen, wertvolle Funde nach Abschluss der wissenschaftlichen Arbeiten im Almaty-Museum auszustellen.
Details, die du in keinem Reiseführer findest
Nurpeisov sagte gegenüber Khabar, dass die Goldfigur 7–8 Gramm wiegt. Dieses geringe Gewicht macht das Objekt im Vergleich zum viel größeren Hügel anschaulich. Die Ausgrabung betrifft ein etwa 2,5 Meter hohes Monument. Einer ihrer zentralen Funde ist dennoch ein leichtes Schmuckstück mit winzigen Befestigungslöchern.
Das Fitzwilliam Museum beschreibt, wie sakenzeitliche Handwerker Hunderte oder Tausende ähnlicher Tierornamente von Hand fertigten. Ösen auf deren Rückseiten weisen darauf hin, dass sie auf Kleidung genäht wurden. Diese Ösen bieten einen breiteren Vergleich für das Verständnis der Befestigung. Die Deutung des Karagaily-Fundes beruht dagegen konkret auf Löchern in der Platte der Figur.
Der Vergleich mit Kok-Kainar betrifft auch die Auswahl der Tiere. Zu den Funden von 2014 gehörten laut Sagyndykova Leoparden und Greifvögel. Neben diese Formen tritt in Karagaily eine Figur, die als Bär gedeutet wird. Der Vergleich der Tiere hilft, die Entdeckung in die übrigen Funde von Schmuck in Tiergestalt aus Almaty einzuordnen.
FAQ
Was verrät der Goldbär aus Almaty über die Bestattungskultur der Saken?
Er verbindet eine sakenzeitliche Bestattung mit gegossenem Goldschmuck in Tiergestalt und einer möglicherweise verzierten Kopfbedeckung. Der Hügel könnte außerdem vier Erwachsene und drei Kinder enthalten. Zusammen werfen das Schmuckstück und die menschlichen Überreste Fragen zur Kleidung der Bestatteten und zur Anordnung der Menschen innerhalb eines gemeinsamen Grabmonuments auf.
Wie alt ist der Goldbär?
Der Kurgan mit der Figur wurde vorläufig in das 4.–3. Jahrhundert v. Chr. datiert. Diese erste Einschätzung ordnet den Bestattungskontext der frühen Eisenzeit zu. Entdeckt wurde die Figur bei der Rettungsgrabung von 2026 auf dem Gräberfeld Karagaily.
War der Bär ein religiöses Symbol?
Laut Fitzwilliam Museum könnte die Tierkunst der Saken mit Mythologie und Religion verbunden gewesen sein. Ihre genaue Bedeutung bleibt unklar. Der Bär von Karagaily lässt sich deshalb weder sicher als bestimmte Gottheit identifizieren noch mit einer eindeutigen Schutzfunktion verbinden.
Kannst du den Fund im Almaty-Museum sehen?
Die Mitteilung vom 5. November 2026 berichtete von Plänen, wertvolle Funde nach Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen im Almaty-Museum auszustellen. Die Ausstellung wurde als zukünftiger Schritt angekündigt. Außerdem waren weitere Arbeiten unter Beteiligung von Anthropologen geplant, um die Bestattungsverhältnisse und die Zahl der Personen zu klären.
Quellen
- Qazinform — Seltene goldene Bärenfigur aus der Sakenzeit an einer archäologischen Fundstätte in Almaty ausgegraben qazinform.com
- Stadtverwaltung Almaty — Mitteilung zur Ausgrabung in Karagaily gov.kz
- Khabar — Goldene Bärenfigur in Almaty gefunden khabar.kz
- Wikipedia — Saken en.wikipedia.org
- Vikipedi — Saken tr.wikipedia.org
- Fitzwilliam Museum — Ausstellungstexte zu „Gold der Großen Steppe“ steppe-gold.fitzmuseum.cam.ac.uk
- Archäologisches Museum Gylym Ordasy — Goldener Saal gylymordasy.gov.kz
FAQ
Was verrät der Goldbär aus Almaty über die Bestattungskultur der Saken?
Der Fund verbindet eine sakenzeitliche Bestattung mit gegossenem Goldschmuck in Tiergestalt und einer möglicherweise verzierten Kopfbedeckung. Der Hügel könnte außerdem vier Erwachsene und drei Kinder enthalten. Das macht die Anordnung der Bestattungen besonders bedeutsam.
Wie alt ist der Goldbär von Karagaily?
Der Grabhügel mit der Figur wurde vorläufig in das 4.–3. Jahrhundert v. Chr. datiert. Dabei handelt es sich um eine erste archäologische Einschätzung.
War der Goldbär an einer Kopfbedeckung befestigt?
Kleine Löcher in der Platte der Figur stützen die Deutung, dass sie auf eine Kopfbedeckung aufgenäht gewesen sein könnte. Diese Annahme beruht auf den Merkmalen ihrer Befestigung.
Wo soll der Goldbär ausgestellt werden?
Eine Mitteilung vom 5. November 2026 berichtete von Plänen, wertvolle Funde nach Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen im Almaty-Museum auszustellen.
Image: Saka gold.png — Yan Liu, Rui Li, Junchang Yang, Ruiliang Liu, Guoxing Zhao &, CC BY-SA 4.0





