Die Walachei (türkisch: Eflak) war eine historische Region im Süden des heutigen Rumäniens. Sie lag zwischen der Donau im Süden und den Südkarpaten im Norden. Sie wurde zu einem tributpflichtigen Fürstentum unter osmanischer Oberhoheit und vereinigte sich 1859 unter Alexandru Ioan Cuza mit der Moldau. Eine gemeinsame Regierung und ein gemeinsames Parlament folgten 1862.
Wie konnte ein Fürstentum dem osmanischen Herrscher Tribut zahlen und zugleich seine eigene Regierung behalten? Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Geschichte der Walachei. Wenn du ihre wechselnden Beziehungen zur osmanischen Macht, die russischen Eingriffe und ihr Verhältnis zur Moldau verfolgst, kannst du die Schritte zur Vereinigung Rumäniens leichter auseinanderhalten.
Wo im heutigen Rumänien lag die Walachei?
Die Walachei umfasste den südlichen Teil des heutigen Rumäniens. Ihre beiden Hauptgebiete lagen beiderseits des Flusses Olt: Muntenien im Osten und Oltenien im Westen. Donau und Südkarpaten bilden den deutlichsten geografischen Rahmen, um die Region einzuordnen.
Bukarest, Târgoviște, Curtea de Argeș und Câmpulung gehören zu den Städten der historischen Walachei. Wenn du Bukarest auf einer Karte suchst, findest du damit auch eine Stadt innerhalb dieser historischen Region. Der Name Walachei bezeichnet also einen bestimmten Teil Rumäniens, nicht das gesamte Land.
Der einheimische Name Țara Românească bedeutet „rumänisches Land“ oder „Land der Rumänen“. Im türkischen historischen Sprachgebrauch heißt die Region Eflak. Diese Namen verbinden die rumänische Geografie mit den Begriffen, denen du bei der Beschäftigung mit osmanischer Geschichte in der Türkei begegnen kannst.
Wie entstand das Fürstentum, und wie geriet es unter osmanische Oberhoheit?
Bei der Entstehung der Walachei musst du zwischen der Gründungslegende und der belegten politischen Entwicklung unterscheiden. Einer Legende zufolge überquerte Radu Negru 1290 die Karpaten und gründete die Walachei. Die auf Dokumenten beruhende Erklärung stellt dagegen Basarabs politische Einigungsbestrebungen in den Mittelpunkt. Eine ungarische Urkunde von 1324 nennt ihn namentlich.
Basarab I. stärkte die Unabhängigkeit des Staates durch seinen Sieg bei Posada im Jahr 1330. Er besiegte den ungarischen König Karl I. Dieser Sieg festigte die Unabhängigkeit der Walachei von Ungarn. Er bietet einen verlässlicheren historischen Bezugspunkt als die Gründungslegende.
Die Beziehungen zur osmanischen Macht entwickelten sich später. Im Jahr 1417 erklärte sich Mircea bereit, Mehmed I. jährlich Tribut zu zahlen und Gebiete abzutreten. Die Walachei durfte ihren Status als Fürstentum und ihren orthodoxen Glauben bewahren. Die osmanische Oberhoheit ging somit mit dem Fortbestand eigener politischer und religiöser Institutionen einher.
Die Vereinbarung von 1417 verdeutlicht, was „Oberhoheit“ oder „Suzeränität“ bedeutet. Die Walachei erkannte eine übergeordnete Macht und Verpflichtungen ihr gegenüber an. Zugleich behielt sie einen eigenen Herrscher und eine eigene Verwaltung. Ihre Geschichte unter osmanischer Herrschaft lässt sich deshalb nicht einfach als Ablösung der örtlichen Regierung durch eine direkte Provinzverwaltung verstehen.
Was unterschied ein tributpflichtiges Fürstentum von einer direkt verwalteten osmanischen Provinz?
Als autonomes, tributpflichtiges Fürstentum behielt die Walachei ihren Herrscher und ihre örtliche Verwaltung. Ihre Abhängigkeit vom Osmanischen Reich beruhte auf Tributzahlungen und politischen Verpflichtungen. Eine direkt verwaltete osmanische Provinz stand in einem anderen administrativen Verhältnis zur osmanischen Staatsgewalt.
In der Walachei bestanden Autonomie und Unterordnung nebeneinander. Eigene Institutionen hoben die Pflicht zur Tributzahlung nicht auf. Umgekehrt bedeutete Tributpflicht nicht, dass jeder Teil ihrer Regierung zu einer direkt verwalteten osmanischen Einrichtung wurde. Du brauchst beide Seiten dieser Ordnung, um ihren Status zu verstehen.
Innerhalb der Region gab es auch Ausnahmen. Die Hafenstädte Brăila und Giurgiu standen zeitweise unter direkter osmanischer Verwaltung. Ihr Status unterschied sich von dem des umliegenden Fürstentums. Das geografische Gebiet der historischen Walachei entsprach daher nicht immer einer einheitlichen Verwaltungsform.
Auch die osmanische Begriffswelt verband die Walachei mit der Moldau (türkisch: Boğdan). Die Bezeichnung Memleketeyn bedeutete „die beiden Länder“. Dieser gemeinsame Name verknüpfte die Fürstentümer im osmanischen Sprachgebrauch. Ihre politische Vereinigung unter demselben Herrscher erfolgte jedoch erst 1859.
Wie veränderten Phanarioten und russische Eingriffe die Regierung?
Angesichts der Bedrohungen durch Russland und Österreich begannen die osmanischen Behörden, griechische Phanarioten anstelle einheimischer Fürsten einzusetzen. In der Walachei dauerte diese Epoche von 1716 bis 1821. Das Fürstentum behielt seinen eigenständigen Status. Die Auswahl des Herrschers wurde jedoch zu einem Mittel, um auf äußeren Druck zu reagieren.
Der Frieden von Küçük Kaynarca gewährte Russland 1774 das Recht, in der Walachei Konsulate einzurichten und frei Handel zu treiben.
Die Phanariotenzeit endete nach dem Aufstand Tudor Vladimirescus und der Eteria-Bewegung von 1821. Die osmanischen Behörden gaben die Ernennung von Phanarioten auf und kehrten zu einheimischen Herrschern zurück. Damit änderte sich, wer die Walachei regierte. Die osmanische Oberhoheit endete dadurch nicht.
Der Frieden von Adrianopel (Edirne) vom 14. September 1829 bestätigte die Walachei und die Moldau als autonome Fürstentümer unter osmanischer Oberhoheit. Zugleich stärkte er den russischen Einfluss in der Region. Autonomie, osmanische Oberhoheit und russische Eingriffe blieben Bestandteile derselben politischen Ordnung.
Der Vertrag veränderte auch den Handel. Die Walachei musste dem osmanischen Staat Lebensmittel nicht länger zu vorgeschriebenen Preisen verkaufen und konnte sich ausländischen Märkten öffnen. Einen Bezug zum Alltag findest du beim Verhältnis zwischen Lebensmitteln und Preisen: Die bisherige Verpflichtung betraf sowohl die gelieferten Waren als auch die dafür festgesetzten Preise.
Unter russischer Verwaltung führte das Regulamentul Organic Bojarenversammlungen, eine Justizreform und Regelungen für das öffentliche Bildungswesen ein. Zugleich bewahrte es die Steuerprivilegien der Bojaren. Verwaltungsreformen gingen somit mit dem Fortbestand ihrer Vorrechte einher.
Der Pariser Frieden von 1856 veränderte den äußeren Rahmen erneut. Eine gemeinsame Garantie der Großmächte ersetzte die auf Russland ausgerichtete Protektoratsordnung über die Walachei und die Moldau. Die Zukunft der Fürstentümer war nun in eine andere internationale Ordnung eingebunden.
Wie kam es 1859 zur Vereinigung mit der Moldau?
Die Pariser Konvention von 1858 sah für die Walachei und die Moldau getrennte politische und administrative Strukturen vor. Sie schrieb jedoch nicht vor, dass die beiden Throne mit unterschiedlichen Personen besetzt werden mussten. Dieser Spielraum ermöglichte es, in beiden Fürstentümern denselben Herrscher zu wählen. Der vorgesehene Rahmen ging weiterhin von getrennten Institutionen aus.
Alexandru Ioan Cuza wurde am 5. Januar 1859 zum Herrscher der Moldau und am 24. Januar zum Herrscher der Walachei gewählt. Diese Angaben folgen dem julianischen Kalender. Im gregorianischen Kalender entsprechen sie dem 17. Januar und dem 5. Februar 1859. Beide Datumsreihen bezeichnen dieselben zwei Wahlen.
Cuzas Doppelwahl schuf eine Personalunion. Zwei getrennte Staaten hatten einen gemeinsamen Herrscher. Die osmanische Oberhoheit bestand fort. Wenn du den gemeinsamen Herrscher von 1859 von den gemeinsamen Institutionen von 1862 unterscheidest, wird der Ablauf klarer: Die politische Vereinigung und die Zusammenführung der Verwaltung waren getrennte Schritte.
Die erste gemeinsame Regierung wurde am 22. Januar 1862 unter Barbu Catargiu gebildet. Am 24. Januar trat ein gemeinsames Parlament in Bukarest zusammen. Diese Institutionen führten die Vereinigung über die bisherige Verbindung zweier Staaten unter derselben Person hinaus.
Die Unabhängigkeit Rumäniens folgte später. Rumänien erklärte 1877 seine Unabhängigkeit. Der Berliner Vertrag erkannte sie 1878 international an. Die Ausrufung des Königreichs folgte 1881. Vereinigung, Unabhängigkeit und die Erhebung zum Königreich waren unterschiedliche Etappen bei der Entstehung des rumänischen Staates.
Zeitleiste
- 1324: Eine ungarische Urkunde nannte Basarab.
- 1330: Der Sieg bei Posada festigte die Unabhängigkeit der Walachei von Ungarn.
- 1417: Mircea erkannte die osmanische Oberhoheit und die Pflicht zu jährlichen Tributzahlungen an.
- 1716–1821: Griechische Phanarioten regierten die Walachei.
- 1774: Der Frieden von Küçük Kaynarca gewährte Russland das Recht, in der Walachei Konsulate einzurichten und frei Handel zu treiben.
- 1821: Vladimirescus Aufstand und die Eteria-Bewegung gingen dem Ende der Phanariotenherrschaft voraus.
- 1829: Der Frieden von Adrianopel veränderte die Regelungen zu Autonomie, Handel und russischem Einfluss.
- 1856: Der Pariser Frieden stellte die Fürstentümer unter die gemeinsame Garantie der Großmächte.
- 1858: Die Pariser Konvention sah getrennte politische und administrative Strukturen vor.
- 1859: Cuza gewann am 5. und 24. Januar nach dem julianischen Kalender beide Throne.
- 1862: Eine gemeinsame Regierung und ein gemeinsames Parlament begründeten die administrative Vereinigung.
- 1877–1878: Rumänien erklärte seine Unabhängigkeit und erhielt durch den Berliner Vertrag deren Anerkennung.
- 1881: Rumänien wurde ein Königreich.
- 1918: Bessarabien, die Bukowina und Siebenbürgen schlossen sich Rumänien an.
Details, die du nicht in Reiseführern findest
Die militärische Abstimmung begann schon vor der gemeinsamen Regierung von 1862. Im März 1859 trat in Focșani eine Kommission unter Carol Davila zusammen. Ihr gehörten drei walachische und drei moldauische Offiziere an. Sie sollten eine gemeinsame Uniform für die beiden Armeen ausarbeiten.
Diese Uniformkommission macht die administrative Arbeit an der Vereinigung greifbar. Cuzas Wahlen verbanden die Throne. Gleichzeitig arbeiteten Offiziere beider Fürstentümer an einem gemeinsamen militärischen Erscheinungsbild. Der Auftrag vom März 1859 gehörte zur praktischen Zusammenführung der beiden Staaten.
Die territoriale Erweiterung von 1918 war ein anderes Ereignis als die Vereinigung der Walachei mit der Moldau. Bessarabien, die Bukowina und Siebenbürgen schlossen sich 1918 Rumänien an. Wenn du diese Erweiterung von der Vereinigung von 1859 trennst, bleiben zwei unterschiedliche Etappen der rumänischen Staatsbildung klar erkennbar.
FAQ
Gehörte die Walachei zum Gebiet des heutigen Rumäniens?
Ja. Sie lag im Süden des heutigen Rumäniens zwischen Donau und Südkarpaten. Muntenien und Oltenien waren ihre Hauptgebiete.
Wurde die Walachei direkt vom Osmanischen Reich regiert?
In der Regel behielt sie als autonomes, tributpflichtiges Fürstentum ihren Herrscher und ihre Verwaltung. Brăila und Giurgiu standen zeitweise unter direkter osmanischer Herrschaft.
Warum unterscheiden sich die Angaben zu Cuzas Wahldaten?
Die Angaben folgen unterschiedlichen Kalendern. Der 5. und 24. Januar 1859 im julianischen Kalender entsprechen dem 17. Januar und dem 5. Februar im gregorianischen Kalender.
Brachte die Vereinigung von 1859 die Unabhängigkeit?
Nein. Die osmanische Oberhoheit bestand nach der Personalunion fort. Rumänien erklärte 1877 seine Unabhängigkeit. Die internationale Anerkennung durch einen Vertrag folgte 1878.
Quellen
- Wikipedia — Eflak tr.wikipedia.org
- YIVO-Enzyklopädie — Walachei encyclopedia.yivo.org
- TDV-Enzyklopädie des Islam — Eflak islamansiklopedisi.org.tr
- Wikipedia — Walachei en.wikipedia.org
- Library of Congress — Rumänien: Eine Länderstudie tile.loc.gov
- Mensure Kızıl — Der Status der Donauufer und -inseln im Frieden von Adrianopel (1829) dergipark.org.tr
- Rumänisches Nationales Militärarchiv — Die Vereinigung der Armeen der Vereinigten Fürstentümer amnr.defense.ro
- Rumänischer Generalstab — 1859 defense.ro
- Nationalmuseum für die Geschichte Rumäniens — 125 Jahre seit der Ausrufung der Unabhängigkeit mnir.ro
- Radio Rumänien International — Die Vereinigung der Rumänen rri.ro
- Rumänisches Nationalinstitut für Kulturerbe — Rumänien: Dokumente der Vereinigung von 1918 biblioteca-digitala.ro
FAQ
Gehörte die Walachei zum Gebiet des heutigen Rumäniens?
Ja. Die Walachei lag im Süden des heutigen Rumäniens, nördlich der Donau und südlich der Südkarpaten. Ihre beiden Hauptgebiete waren Muntenien und Oltenien.
Wurde die Walachei direkt vom Osmanischen Reich regiert?
Die Walachei behielt in der Regel ihren Fürsten und ihre örtliche Verwaltung. Sie war ein autonomes, tributpflichtiges Fürstentum unter osmanischer Oberhoheit. Ausnahmen waren Brăila und Giurgiu, die zeitweise direkt osmanisch verwaltet wurden.
Warum werden für Cuzas Wahlen unterschiedliche Daten genannt?
Die Angaben beruhen auf verschiedenen Kalendern. Seine Wahlen in der Moldau und der Walachei fanden nach dem julianischen Kalender am 5. und 24. Januar 1859 statt. Im gregorianischen Kalender entspricht das dem 17. Januar und dem 5. Februar 1859.
Wurde Rumänien durch die Vereinigung von 1859 unabhängig?
Nein. Die Vereinigung verband zunächst zwei getrennte Staaten unter einem Herrscher. Die osmanische Oberhoheit bestand fort. Rumänien erklärte 1877 seine Unabhängigkeit, die 1878 im Berliner Vertrag anerkannt wurde.
Image: Wallachia si Moldova in anul 1405.png — Joyfulmapper, CC0






