Die Nürnberger Prozesse (türkisch: Nürnberg Mahkemeleri) brachten NS-Führer vor Gericht, damit sie sich für ihre Taten verantworteten. Der Hauptprozess dauerte vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946. Die vier Anklagepunkte umfassten Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Zwölf Angeklagte erhielten Todesurteile, sieben Haftstrafen. Drei wurden freigesprochen.
Wenn du verstehen möchtest, wie NS-Führer zur Rechenschaft gezogen wurden, beginne bei den Regeln des Gerichtshofs. Ein Regierungsamt hob die strafrechtliche Verantwortung nicht auf. Auch das Handeln auf Befehl entlastete einen Angeklagten nicht automatisch. Zugleich hatten die Angeklagten das Recht auf anwaltliche Vertretung, die Vorlage von Beweisen, Kreuzverhöre und ein Verfahren, das sie verstehen konnten.
Wo fanden die Nürnberger Prozesse statt?
Der Hauptprozess fand im Saal 600 des Nürnberger Justizpalasts statt. Das Gebäude war vergleichsweise wenig beschädigt. Es bot genügend Platz für das Verfahren. Direkt daneben lag ein Gefängnis. Diese praktischen Voraussetzungen gaben bei der Wahl des Verhandlungsorts den Ausschlag.
Nürnbergs Verbindung mit den NS-Reichsparteitagen verlieh dem Ort zusätzliche symbolische Bedeutung. Der offizielle ständige Sitz des Gerichtshofs war jedoch Berlin. Wenn du zwischen dem festgelegten Sitz der Institution und ihrem Verhandlungssaal unterscheidest, kannst du die beiden Städtenamen leichter einordnen.
Wie arbeitete der Internationale Militärgerichtshof?
Die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, die Sowjetunion und Frankreich vereinbarten am 8. August 1945 in London die Gründung des Internationalen Militärgerichtshofs. Jeder Staat ernannte einen Richter und einen Stellvertreter. Den Vorsitz führte der britische Richter Geoffrey Lawrence. Für einen Schuldspruch und die Festsetzung der Strafe mussten mindestens drei der vier Richter zustimmen.
Die Hauptankläger vertraten dieselben vier Staaten. Robert H. Jackson trat für die Vereinigten Staaten auf, Hartley Shawcross für das Vereinigte Königreich und Roman Rudenko für die Sowjetunion. Frankreichs Hauptankläger war zunächst François de Menthon. Im Januar 1946 löste ihn Auguste Champetier de Ribes ab.
Die Anklageschrift nannte 24 Personen. Robert Ley nahm sich vor Verfahrensbeginn das Leben. Gustav Krupp war zu krank, um vor Gericht zu stehen. Deshalb wurde das Verfahren gegen 22 Angeklagte geführt. Zu ihnen gehörte Martin Bormann, gegen den in Abwesenheit verhandelt wurde. Adolf Hitler, Heinrich Himmler und Joseph Goebbels wurden in Nürnberg nicht angeklagt, weil sie sich 1945 das Leben genommen hatten.
Welche Verbrechen wurden angeklagt?
Die vier Anklagepunkte lauteten Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Artikel 6 des Statuts des Gerichtshofs zählte die Planung, Vorbereitung, Einleitung oder Führung eines Angriffskriegs zu den Verbrechen gegen den Frieden. Damit fielen Entscheidungen über den Beginn eines Kriegs in die strafrechtliche Zuständigkeit des Gerichtshofs.
Artikel 7 regelte die Bedeutung der amtlichen Stellung. Weder die Stellung als Staatsoberhaupt noch ein Regierungsamt konnten einen Angeklagten von seiner Verantwortung befreien oder seine Strafe mindern. Artikel 8 behandelte Befehle einer Regierung oder eines Vorgesetzten. Solche Befehle hoben die Verantwortung nicht auf. Der Gerichtshof konnte sie jedoch bei einer Strafmilderung berücksichtigen.
Artikel 16 des Statuts legte außerdem die Rechte der Verteidigung fest. Die Angeklagten konnten sich anwaltlich vertreten lassen, Beweise vorlegen und Zeugen der Anklage im Kreuzverhör befragen. Sie hatten Anspruch auf ein Verfahren in einer Sprache, die sie verstanden, oder auf eine Übersetzung. An diesen Bestimmungen erkennst du sowohl die persönliche Verantwortlichkeit als auch die Verfahrensrechte.
Wie wurden die Beweise vor Gericht vorgelegt?
Die Ankläger legten Zehntausende Dokumente vor, die das NS-Regime selbst erstellt hatte. Fotografien und Filmaufnahmen ergänzten diese schriftlichen Beweise. So präsentierte die Anklage den Richtern die eigenen Unterlagen des Regimes zusammen mit Bildmaterial.
Am 29. November 1945 zeigten die Ankläger den etwa einstündigen Film The Nazi Concentration Camps. Er war aus Aufnahmen zusammengestellt worden, die bei der Befreiung von Konzentrationslagern entstanden waren. Die Vorführung gehörte zur Beweisführung im Gerichtssaal.
Wer wurde nach den Nürnberger Prozessen hingerichtet?
Der Gerichtshof verkündete seine Urteile am 30. September und am 1. Oktober 1946. Zwölf Angeklagte erhielten Todesurteile. Drei wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, vier zu zeitlich begrenzten Haftstrafen. Drei wurden freigesprochen. Die Unterscheidung zwischen Todesurteilen und vollstreckten Hinrichtungen erklärt, warum letztlich zehn Menschen hingerichtet wurden.
Hans Frank, Wilhelm Frick, Alfred Jodl, Ernst Kaltenbrunner und Wilhelm Keitel wurden am 16. Oktober 1946 gehängt. Auch Joachim von Ribbentrop, Alfred Rosenberg, Fritz Sauckel, Arthur Seyss-Inquart und Julius Streicher wurden an diesem Tag gehängt.
Hermann Göring hatte ein Todesurteil erhalten, nahm sich aber wenige Stunden vor seiner Hinrichtung das Leben. Martin Bormann war in Abwesenheit verurteilt worden. Ihre Fälle erklären den Unterschied zwischen den zwölf Todesurteilen und den zehn Hinrichtungen.
Rudolf Heß, Walther Funk und Erich Raeder erhielten lebenslange Haftstrafen. Karl Dönitz wurde zu zehn Jahren verurteilt, Konstantin von Neurath zu fünfzehn Jahren. Baldur von Schirach und Albert Speer erhielten jeweils zwanzig Jahre. Hjalmar Schacht, Franz von Papen und Hans Fritzsche wurden im Hauptprozess freigesprochen.
Was geschah bei den Nürnberger Prozessen 1947?
Der internationale Hauptprozess endete 1946. Die Verfahren in Nürnberg gingen jedoch weiter. Zwischen 1946 und 1949 fanden zwölf Nachfolgeprozesse ausschließlich vor amerikanischen Militärgerichten statt. In diesen Verfahren standen 177 Angeklagte vor Gericht. Sie kamen aus der Ärzteschaft, aus juristischen Berufen, der Industrie und weiteren Führungsgruppen.
Den Anfang machte der Ärzteprozess. Er begann am 9. Dezember 1946 gegen 23 deutsche Ärzte und Verwaltungsverantwortliche. Das Urteil folgte im August 1947. Der Ärzteprozess gehörte damit zu den späteren amerikanischen Verfahren. Er war ein eigenes Verfahren neben dem Viermächte-Gerichtshof, der über die Hauptangeklagten geurteilt hatte.
Während des Ärzteprozesses entstand 1947 der Nürnberger Kodex. Seine zehn Grundsätze machten die freiwillige Einwilligung zu einer grundlegenden Voraussetzung für Versuche am Menschen. Für einen Bezug zu deinem Alltag kannst du daran denken, was es bedeutet, wenn dich jemand um Erlaubnis bittet: Der Kodex machte die freiwillige Einwilligung zur Grundlage von Versuchen am Menschen.
Zeitleiste
- 8. August 1945: Die vier alliierten Staaten vereinbarten in London die Gründung des Internationalen Militärgerichtshofs.
- 20. November 1945: Der Hauptprozess begann im Saal 600 in Nürnberg.
- 29. November 1945: Aufnahmen aus Konzentrationslagern wurden vor Gericht gezeigt.
- 30. September–1. Oktober 1946: Der Gerichtshof verkündete seine Urteile.
- 16. Oktober 1946: Zehn Angeklagte wurden hingerichtet.
- 9. Dezember 1946: Der Ärzteprozess begann.
- August 1947: Im Ärzteprozess erging das Urteil.
- 1946–1949: Zwölf Nachfolgeprozesse fanden vor amerikanischen Militärgerichten statt.
- 21. November 2010: Das Museum Memorium Nürnberger Prozesse wurde eröffnet.
- März 2020: Saal 600 wurde nicht mehr für Gerichtsverhandlungen genutzt.
Details, die du nicht in Reiseführern findest
Ein hölzerner Verbindungsgang verband das Nürnberger Gefängnis mit dem Ostbau des Justizpalasts. Er wurde gebaut, damit die Angeklagten sicher zwischen den beiden Gebäuden bewegt werden konnten. Das angrenzende Gefängnis gehörte damit zur praktischen Organisation des Verfahrens.
Im Prozess von 1945–1946 wurde zwischen Englisch, Französisch, Russisch und Deutsch simultan gedolmetscht. Das ermöglichte die Verständigung in vier Sprachen. Zugleich setzte es die Vorgabe des Statuts praktisch um: Die Angeklagten mussten das Verfahren verstehen oder eine Übersetzung erhalten.
Nach den Hinrichtungen am 16. Oktober 1946 wurden die Leichen zum Krematorium auf dem Münchner Ostfriedhof gebracht. Dort wurden sie eingeäschert. Die Asche wurde in einem Nebenfluss der Isar verstreut.
Wo befindet sich das Museum zu den Nürnberger Prozessen?
Das Museum Memorium Nürnberger Prozesse wurde am 21. November 2010 im Justizpalast eröffnet, in dem der Hauptprozess stattgefunden hatte. Seit März 2020 wurde Saal 600 nicht mehr für Gerichtsverhandlungen genutzt. Anschließend wurde er Teil der Dauerausstellung des Museums.
Wenn du die Geschichte des Prozesses mit seinem Schauplatz verbinden möchtest, ist Saal 600 der zentrale Ort. Dort lief das Hauptverfahren von November 1945 bis Oktober 1946. Das Museum befindet sich im selben Justizpalast. So verbindet es die Ausstellung mit dem Gebäude, in dem der Prozess geführt wurde.
Welches Buch zu den Nürnberger Prozessen enthält die offiziellen Akten?
Trial of the Major War Criminals before the International Military Tribunal ist die offizielle englischsprachige Veröffentlichung der Protokolle und Dokumente des Hauptprozesses. Sie umfasst 42 Bände. Studierenden, die das Verfahren im Detail nachvollziehen möchten, bietet diese Sammlung die offiziell veröffentlichten Prozessakten.
FAQ
Waren Hitler, Himmler und Goebbels angeklagt?
Nein. Adolf Hitler, Heinrich Himmler und Joseph Goebbels nahmen sich 1945 das Leben. Keiner von ihnen stand in Nürnberg vor Gericht.
Wurden alle Angeklagten schuldig gesprochen?
Nein. Hjalmar Schacht, Franz von Papen und Hans Fritzsche wurden freigesprochen. Die übrigen Urteile lauteten auf zwölf Todesstrafen, drei lebenslange Haftstrafen und vier zeitlich begrenzte Haftstrafen.
Konnten sich die Angeklagten auf Befehle von Vorgesetzten berufen?
Artikel 8 bestimmte, dass Befehle einer Regierung oder eines Vorgesetzten die Verantwortung nicht aufhoben. Der Gerichtshof konnte solche Befehle jedoch als Grund für eine Strafmilderung berücksichtigen.
War der Ärzteprozess Teil des Hauptprozesses?
Der Ärzteprozess war das erste der amerikanischen Nachfolgeverfahren. Er begann am 9. Dezember 1946, nachdem der internationale Hauptprozess beendet war. Das Urteil erging im August 1947.
Quellen
- Memorium Nürnberger Prozesse — Der Internationale Militärgerichtshof museums.nuernberg.de
- Memorium Nürnberger Prozesse — Saal 600 museums.nuernberg.de
- Wikipedia — Nürnberger Prozesse en.wikipedia.org
- Memorium Nürnberger Prozesse — Richter und Ankläger des IMT museums.nuernberg.de
- United States Holocaust Memorial Museum — Nürnberger Prozesse encyclopedia.ushmm.org
- Yale Law School, Avalon Project — Statut des Internationalen Militärgerichtshofs avalon.law.yale.edu
- United States Holocaust Memorial Museum — Was waren die Nürnberger Prozesse? ushmm.org
- United States Holocaust Memorial Museum — Film beim Nürnberger Prozess encyclopedia.ushmm.org
- Memorium Nürnberger Prozesse — Urteile museums.nuernberg.de
- Memorium Nürnberger Prozesse — Die Wahl Nürnbergs als Verhandlungsort museums.nuernberg.de
- Memorium Nürnberger Prozesse — Die Nürnberger Nachfolgeprozesse museums.nuernberg.de
- United States Holocaust Memorial Museum — Der Ärzteprozess encyclopedia.ushmm.org
- United States Holocaust Memorial Museum — Der Nürnberger Kodex encyclopedia.ushmm.org
- US-Nationalarchiv — Sammlung des Nationalarchivs zu Kriegsverbrechensakten des Zweiten Weltkriegs archives.gov
- Wikipedia — Memorium Nürnberger Prozesse en.wikipedia.org
FAQ
Wo fanden die Nürnberger Prozesse statt?
Der Hauptprozess fand vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 im Saal 600 des Nürnberger Justizpalasts statt.
Wie viele Angeklagte wurden nach dem Hauptprozess hingerichtet?
Zehn Angeklagte wurden am 16. Oktober 1946 gehängt. Zwölf hatten Todesurteile erhalten. Hermann Göring nahm sich jedoch vor seiner Hinrichtung das Leben, und Martin Bormann war in Abwesenheit verurteilt worden.
Was geschah 1947 in Nürnberg?
Im Nürnberger Ärzteprozess erging im August 1947 das Urteil. Während dieses Verfahrens entstand der Nürnberger Kodex. Er formulierte zehn Grundsätze für Versuche am Menschen, darunter die freiwillige Einwilligung.
Welches Buch enthält die offiziellen Prozessakten?
Trial of the Major War Criminals before the International Military Tribunal enthält die offiziellen englischsprachigen Protokolle und Dokumente in 42 Bänden.
Image: Defendants in the dock at nuremberg trials.jpg — Raymond D’Addario, Public domain






