Weltgeschichte

Hat Anastasia Romanowa überlebt? Zarentochter und DNA

Großfürstin Anastasia Nikolajewna wurde am 17. Juli 1918 im Alter von 17 Jahren mit ihrer Familie in Jekaterinburg erschossen. DNA-Untersuchungen von 1994 und 2009 wiesen sämtliche Familienmitglieder nach und entlarvten die Hochstaplerinnen, die sich als Anastasia ausgaben.

In der Geschichtsforschung gibt es unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema. Der Artikel unterscheidet belegte Fakten von Interpretationen und nennt seine Quellen. Unsere Quellengrundsätze →

7 Min. Lesezeit8 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Hat Anastasia Romanowa überlebt? Zarentochter und DNA
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Anastasia Nikolajewna Romanowa (Anastasiya Nikolayevna Romanova) wurde am 18. Juni 1901 in Peterhof geboren. Siebzehn Jahre später, am 17. Juli 1918, wurde sie mit ihrer Familie im Ipatjew-Haus in Jekaterinburg erschossen. Die Geschichte von ihrer Flucht hielt sich fast ein Jahrhundert. Ihr Ende fand sie im Labor. Hier erfährst du die Fakten: von Anastasias Kindheit bis zur DNA-Studie von 2009, die sämtliche Familienmitglieder nachwies.

Wer war Großfürstin Anastasia Nikolajewna von Russland?

Anastasia war die vierte Tochter von Nikolaus II., dem letzten Zaren Russlands, und seiner Frau Alexandra Fjodorowna. Nach dem gregorianischen Kalender wurde sie am 18. Juni 1901 geboren. Im damals in Russland geltenden Kalender war es der 5. Juni. Ihr Geburtsort war Peterhof.

Sie war die jüngste der vier Schwestern. Ihr jüngerer Bruder Alexei war der Thronfolger. Wenn du Anastasia nur aus der Überlebenslegende kennst, ist ihre belegte Lebensgeschichte kürzer und härter: eine Kindheit am Hof, Gefangenschaft und der Tod mit 17.

Anastasias Geschwister: Olga, Tatjana, Maria und Alexei

Anastasia hatte drei ältere Schwestern: Olga, Tatjana und Maria. Die vier Mädchen wurden so oft als Einheit behandelt, dass sie eine gemeinsame Unterschrift verwendeten. Sie setzten die Anfangsbuchstaben ihrer Namen zu OTMA zusammen.

Das fünfte Kind war Alexei, der einzige Sohn und Thronfolger. Alle fünf Kinder teilten nach 1917 die Gefangenschaft ihrer Eltern. Alle fünf starben mit ihnen.

Was für einen Charakter hatte Anastasia?

Die Historikerin Helen Rappaport beschreibt Anastasia als sprunghaft, schlagfertig und zu respektlosen Scherzen aufgelegt. Dieses Bild haben Menschen überliefert, die die Familie kannten. Wenn du auf den Fotos eine ernste Prinzessin erwartest, musst du dieses Bild korrigieren. Die jüngste Tochter war der Spaßvogel der Familie.

Rappaports 2014 erschienenes Buch Four Sisters betrachtet das Leben von Anastasia und ihren drei älteren Schwestern gemeinsam. Es ist das Standardwerk, wenn du die Schwestern als Menschen kennenlernen möchtest und nicht nur als Opfer.

Das Spiegelfoto von 1914: ein Selfie, bevor es das Wort gab

Im Oktober 1914 war Anastasia 13 Jahre alt. Sie stellte sich mit einer Kodak Brownie vor einen Spiegel und fotografierte sich selbst. Das Bild ist heute auf Wikimedia Commons zu finden.

Die Geste ist vertraut. Du hast mit deinem Handy vor einem Badezimmerspiegel fast sicher schon dasselbe gemacht. Anastasia brauchte dafür eine Boxkamera, einen Rollfilm und einen Spiegel. Außerdem musste das Foto entwickelt werden, bevor es jemand sehen konnte.

Von Tobolsk nach Jekaterinburg

Nach dem Sturz der Monarchie brachte die Provisorische Regierung die Familie Romanow im August 1917 nach Tobolsk in Sibirien. Anastasia kam mit.

Im Mai 1918 wurden die Kinder nach Jekaterinburg verlegt. Auf dieser Reise entstanden die letzten bekannten Fotos der Romanow-Kinder. Danach gibt es keine weiteren Bilder.

Wie starb Anastasia, und wer tötete sie?

Am 17. Juli 1918 töteten die Bolschewiki Anastasia zusammen mit ihrer Familie im Ipatjew-Haus in Jekaterinburg. Sie war 17 Jahre alt. Ihre Todesursache waren Schussverletzungen, die sie bei der Massentötung erlitt.

In dieser Nacht wurden 11 Menschen getötet: der Zar, die Zarin, ihre fünf Kinder und vier Angehörige des Haushalts. Das Wort Attentat lässt an eine einzelne Zielperson denken. Hier wurden eine ganze Familie und die Menschen ermordet, die bei ihr geblieben waren.

Hat Anastasia Romanowa überlebt? Das erste Grab

Die Legende nährte sich aus einer Lücke in der Beweislage. Im Juli 1991 öffneten Ermittler ein Massengrab bei Jekaterinburg. Es enthielt neun Skelette. Erste Untersuchungen zeigten, dass zwei Kinder der Familie fehlten.

Die 1994 veröffentlichten DNA-Untersuchungen bestätigten, dass im Grab von 1991 eine Familiengruppe lag: eine Mutter, ein Vater und drei Kinder. Die mitochondriale DNA, die Zarin Alexandra und drei Töchtern zugeordnet wurde, stimmte mit der von Prinz Philip überein. Er war über die mütterliche Linie mit ihnen verwandt. Die Eltern und drei Töchter waren damit nachgewiesen. Zwei Kinder fehlten weiterhin.

Das zweite Grab von 2007

Im Sommer 2007 fanden Hobbyarchäologen die Überreste zweier Menschen etwa 70 Meter vom ersten Grab entfernt. Bei einer offiziellen Ausgrabung unter der Leitung von Sergei Pogorelow wurden an dieser zweiten Fundstelle 44 Knochen- und Zahnfragmente geborgen.

Das Forschungsteam um Michael Coble untersuchte die Fragmente anhand mitochondrialer DNA sowie mit autosomalen STR- und Y-STR-Analysen. Die Studie von 2009 identifizierte die beiden Toten als Alexei und eine seiner Schwestern. Das Ergebnis war eindeutig: Beide Gräber zusammen enthalten die gesamte Familie. Kein Familienmitglied überlebte 1918.

Eine Frage blieb offen. Russische Fachleute hielten das Mädchen im zweiten Grab für Maria. Amerikanische Fachleute hielten es für Anastasia. Die Studie von 2009 erklärte, dass sich diese Unterscheidung anhand der DNA nicht treffen ließ. Die Ergebnisse erschienen 2009 in PLOS ONE.

Die Hochstaplerinnen: Anna Anderson und andere

Die bekannteste Frau, die sich als Anastasia ausgab, war Anna Anderson. Ihre Behauptung wurde 1994 widerlegt. Eine Gewebeprobe von ihr wurde untersucht und zeigte keine Verwandtschaft mit den Romanows. Ihre mitochondriale DNA stimmte mit der eines Verwandten mütterlicherseits von Franziska Schanzkowska überein. Schanzkowska war eine polnische Fabrikarbeiterin, die verschwunden war.

Auch Nadeschda Wassiljewa und Eugenia Smith behaupteten, Anastasia zu sein. Mit der Identifizierung der Überreste sämtlicher Familienmitglieder waren alle Überlebensbehauptungen auf einmal widerlegt. Es gab keine vermisste Tochter mehr, als die sich jemand ausgeben konnte.

Wo ist Anastasias Grab?

Die sterblichen Überreste aus dem Grab von 1991 wurden am 17. Juli 1998 in der Peter-und-Paul-Kathedrale in Sankt Petersburg beigesetzt. Es war der 80. Jahrestag der Morde. Wenn du die Kathedrale besuchst, stehst du an der Grabstätte des Zaren, der Zarin und dreier ihrer Töchter.

Ob Anastasia zu diesen drei Töchtern gehört oder die 2007 gefundene Schwester war, ist der eine Punkt, den die DNA offenließ.

Zeittafel

  1. 18. Juni 1901 Anastasia wird in Peterhof geboren; nach dem julianischen Kalender ist es der 5. Juni.
  2. Oktober 1914 Sie fotografiert sich mit einer Kodak Brownie im Spiegel.
  3. August 1917 Die Familie wird nach Tobolsk gebracht.
  4. Mai 1918 Auf der Reise nach Jekaterinburg entstehen die letzten Fotos der Kinder.
  5. 17. Juli 1918 Anastasia, ihre Familie und vier Angehörige des Haushalts werden getötet.
  6. Juli 1991 Neun Skelette werden aus dem ersten Massengrab geborgen.
  7. 1994 Die DNA-Ergebnisse zum ersten Grab werden veröffentlicht; Anna Anderson wird als vermeintliche Romanow widerlegt.
  8. 17. Juli 1998 Die Überreste aus dem ersten Grab werden in Sankt Petersburg beigesetzt.
  9. Sommer 2007 Das zweite Grab wird entdeckt.
  10. 2009 Die PLOS-ONE-Studie zur Identifizierung der beiden vermissten Kinder erscheint.

Details, die du in keinem Reiseführer findest

  • Harte Betten und kaltes Wasser. Anastasia und ihre Geschwister schliefen auf harten Betten ohne Kopfkissen und nahmen morgens kalte Bäder. Ausnahmen gab es nur, wenn sie krank waren.
  • Die Unterschrift OTMA. Die vier Schwestern verwendeten die Anfangsbuchstaben von Olga, Tatjana, Maria und Anastasia als gemeinsamen Namen.
  • Der Backenzahn, den sie nicht zermahlen wollten. In der Studie von 2009 ließen die Forschenden ein Backenzahnfragment aus dem zweiten Grab unversehrt. Es hätte DNA liefern können. Sie entschieden sich jedoch dagegen, es zu zerstören.
  • Das blutbefleckte Hemd. Aus einem Hemd, das Nikolaus II. bei einem Angriff auf ihn im Jahr 1891 getragen hatte, wurde DNA gewonnen. Sie stimmte mit einer Zahnprobe aus dem Grab überein. Diese Übereinstimmung stützte die Identifizierung.

Bücher und Filme über Anastasia

Helen Rappaports 2014 erschienenes Buch Four Sisters behandelt das Leben von Anastasia und ihren drei älteren Schwestern. Der Film Anastasia von 1956 und der gleichnamige Zeichentrickfilm von 1997 machten die Überlebenslegende einem breiten Publikum bekannt.

FAQ

Hat Anastasia Romanowa die Ermordung von 1918 überlebt?

Nein. Die DNA-Studie von 2009 zum zweiten Grab kam zu dem Schluss, dass beide Gräber zusammen die gesamte Familie enthalten. Kein Familienmitglied überlebte den 17. Juli 1918.

War Anna Anderson wirklich Anastasia?

Nein. Eine 1994 untersuchte Gewebeprobe von Anderson zeigte keine Verwandtschaft mit den Romanows. Ihre mitochondriale DNA stimmte mit der eines Verwandten mütterlicherseits von Franziska Schanzkowska überein, einer vermissten polnischen Fabrikarbeiterin.

Wo ist Anastasia begraben?

Die sterblichen Überreste aus dem Grab von 1991 wurden am 17. Juli 1998 in der Peter-und-Paul-Kathedrale in Sankt Petersburg beigesetzt. Ob Anastasia oder Maria in diesem Grab lag und welche der beiden Schwestern im Grab von 2007 gefunden wurde, ließ sich anhand der DNA nicht klären.

Wie alt war Anastasia bei ihrem Tod?

Sie war 17 Jahre alt. Sie wurde am 18. Juni 1901 geboren und am 17. Juli 1918 getötet.

Wer waren Anastasias Geschwister?

Sie hatte drei ältere Schwestern, Olga, Tatjana und Maria, sowie einen jüngeren Bruder, Alexei, den Thronfolger.

Quellen

  1. Wikipedia — Großfürstin Anastasia Nikolajewna von Russland en.wikipedia.org
  2. Vikipedi — Anastasiya Nikolayevna Romanova tr.wikipedia.org
  3. Smithsonian Magazine — Tausende private Fotografien zeigen den Alltag der Romanows smithsonianmag.com
  4. Wikimedia Commons — Fotografisches Selbstporträt der Großfürstin Anastasia Nikolajewna (1914) commons.wikimedia.org
  5. PubMed — Gill et al., 1994, Identifizierung der sterblichen Überreste der Romanows pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  6. PubMed — Coble et al., 2009, Rätsel gelöst: die Identifizierung der beiden vermissten Romanow-Kinder pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  7. PLOS ONE — Coble et al., 2009, Volltext journals.plos.org
  8. Investigative Genetics — Coble, 2011, Die Identifizierung der Romanows pmc.ncbi.nlm.nih.gov

Image: Grand Duchess Anastasia Nikolaevna Crisco edit letters removed.jpg — Boissonnas et Eggler, St. Petersburg, Nevsky 24. – Bain News, Public domain

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