Wurzeln der Städte

Geschichte von Siirt: Herkunft des Namens und Erbe

Für den Namen Siirt gibt es mehrere Herkunftstheorien, während historische Schreibweisen unterschiedliche Formen des Stadtnamens überliefern. Başur Höyük, die Große Moschee, traditionelle Cas-Häuser und das Grabmal in Tillo erschließen verschiedene Epochen der Stadt und ihrer Umgebung.

9 Min. Lesezeit9 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Geschichte von Siirt: Herkunft des Namens und Erbe
Siirt Ulu Camii 1543.jpg

Was bedeutet der Name Siirt?

Zur Geschichte von Siirt und zur Herkunft des Stadtnamens gehören mehrere Erklärungen. Eine davon verbindet den Namen mit dem chaldäischen Wort Keert oder Kaa’rat für „Stadt“. Die Provinzdirektion für Kultur und Tourismus von Siirt stellt dies als Herkunftstheorie vor. Sie verzeichnet auch Erklärungen zu „drei Orten“ und zum türkischen Wort sırt.

Wenn du auf unterschiedliche Deutungen des Namens Siirt stößt, erklären diese Alternativen den Hintergrund. Die Verbindung zum Chaldäischen ist einer von mehreren Vorschlägen, die dieselbe Institution aufführt. Jede Erklärung sollte als Theorie dargestellt werden. Keine davon ist als abschließend gesicherte Übersetzung des heutigen Namens zu behandeln.

Historische Schreibweisen liefern für diese Diskussion festere Belege. Die Provinzdirektion nennt die syrische Form Se’erd. Für das neunzehnte Jahrhundert führt sie außerdem Sert, Seerd, Sört und Sairt auf. Osmanische Steuerregister enthalten Siird und İs‘ird. Diese belegten Namensformen sind von den Erklärungen zur Bedeutung zu unterscheiden.

Für dich als Leser ist dieser Unterschied entscheidend. Eine Schreibweise wie Siird in einem osmanischen Register zeigt, wie der Name in einer bestimmten Quelle erschien. Die vermutete Verbindung zu Keert oder Kaa’rat betrifft eine andere Frage: Woher stammt der Name? Die belegten Schreibweisen und die Herkunftstheorien sind deshalb getrennt zu betrachten.

Wie weit reicht die Besiedlung rund um Siirt zurück?

Başur Höyük belegt eine wesentlich ältere Vergangenheit im Umland. Der Hügel liegt westlich von Siirt, im Weiler Bakır des Dorfes Aktaş. Nach Einschätzung der Grabungsleitung reichen die Siedlungsnachweise dort bis ins siebte Jahrtausend v. Chr. zurück. Diese Datierung bezieht sich auf den Hügel bei Siirt.

Das Siedlungsareal misst ungefähr 250 mal 150 Meter. Die angesammelten Kulturschichten erreichen eine Höhe von etwa 15 Metern. Diese Maße beschreiben die Ausdehnung des Fundplatzes und die Mächtigkeit der durch die Besiedlung entstandenen Ablagerungen. So kannst du dir den archäologischen Zusammenhang hinter den frühen Datierungen konkret vorstellen.

Das Gräberfeld liefert einen weiteren zeitlichen Anhaltspunkt. Das Natural History Museum datiert die untersuchten Bestattungen von Başur Höyük auf 3100–2800 v. Chr. Diese Gräber stammen aus einer späteren Zeit als die frühesten für den Hügel genannten Siedlungsnachweise. Die getrennte Betrachtung der Daten bewahrt die zeitliche Abfolge von Besiedlung und Bestattung.

Auch die moderne Erforschung hat ihre eigene Geschichte. Die türkische Wikipedia verbindet die Geländebegehungen von 1963 in Siirt mit dem gemeinsamen Projekt zur Erforschung der Vorgeschichte Südostanatoliens unter Halet Çambel und R. J. Braidwood. Diese Untersuchungen gehören zur Geschichte der Erforschung der vorgeschichtlichen Hinterlassenschaften in der Region.

Wie wechselte Siirt zwischen mittelalterlichen und osmanischen Herrschern?

Siirt kam 639 während der Eroberungen von İyâz b. Ganm unter islamische Herrschaft. Ein weiterer Wechsel folgte 1085. Fahrüddevle İbn Cehîr nahm den Marwaniden die Stadt ab. Er ließ die Freitagspredigt im Namen der Großseldschuken halten. Die Darstellung verzeichnet damit sowohl die Machtübernahme als auch deren öffentliche Bekundung.

1231 verwüsteten mongolische Truppen Siirt bei der Verfolgung von Celâleddin Hârizmşah. Diese Zerstörung liegt zeitlich zwischen der seldschukischen Machtübernahme von 1085 und der überlieferten Erweiterung der Großen Moschee von 1260. Die Daten ordnen politische Gewalt und Bautätigkeit in dieselbe mittelalterliche Abfolge ein.

Im Zuge der Entwicklungen nach dem Sieg Sultan Selims I. (Yavuz Sultan Selim) bei Tschaldiran 1514 wurde Siirt Teil des Osmanischen Reiches. Spätere osmanische Quellen überliefern den Stadtnamen als Siird oder İs‘ird. In der schriftlichen Überlieferung zum osmanischen Siirt treffen somit politische Geschichte und historische Namensformen zusammen.

1884 folgte eine Verwaltungsänderung. Siirt wurde von der Provinz Diyarbekir an die Provinz Bitlis übertragen. Die Volkszählung von 1927 verzeichnete 14.830 Menschen im Stadtzentrum. Diese Zahl bezieht sich ausdrücklich auf den städtischen Kern. Das ist für dich wichtig, wenn du die Stadt mit der gesamten Provinz vergleichst.

Was verraten die Jahreszahlen zur Großen Moschee von Siirt?

Bei den Datierungen zur Großen Moschee (Ulu Cami) ist genaues Lesen nötig. Die ausführliche Baugeschichte der Provinzdirektion nennt für 1129 eine Instandsetzung durch Mugīsüddin Mahmûd. Das Jahr ist daher als belegtes Instandsetzungsdatum zu beschreiben. Es als Baujahr der Moschee anzugeben, würde die Aussage dieser Darstellung verändern.

1260 ließ Mücâhid İshak die Moschee instand setzen und erweitern. Daneben entstand eine Medrese. Dadurch wurde der Standort zu einem religiösen Gebäudekomplex. Die Baugeschichte der Moschee umfasst somit mehrere Maßnahmen. Die Instandsetzung von 1129 und die Erweiterung von 1260 waren getrennte Eingriffe.

Auffällig ist auch die Lage des Bauwerks zum umliegenden Gelände. Es liegt durchschnittlich 3,5 Meter unter dem benachbarten Bodenniveau. Eine breite Treppe im Norden führt hinunter in den Hof. Bei einem Besuch kannst du diesen Abstieg unmittelbar mit der Architekturgeschichte der Moschee verbinden.

Das Minarett erfuhr 1974–1975 einen weiteren großen Eingriff. Es hatte sich nach Osten geneigt und wurde abgetragen und wiederaufgebaut. Neben den überlieferten mittelalterlichen Instandsetzungen der Moschee gehört damit auch ein moderner Wiederaufbau zu seiner Geschichte.

Welche Bedeutung haben das Grabmal in Tillo und sein Lichtmechanismus?

In Tillo gab İbrahim Hakkı im achtzehnten Jahrhundert nach dem Tod seines Lehrers İsmail Fakirullah dessen Grabmal in Auftrag. Das Denkmal verankert eine persönliche Beziehung im Kulturerbe des Umlands von Siirt: Ein Schüler ließ für seinen Lehrer ein Grabmal errichten.

Das Grabmal und sein Lichtmechanismus wurden am 13. April 2015 für die UNESCO-Tentativliste des Welterbes eingereicht. Dies ist die genaue Bezeichnung des mit dem Antrag verbundenen Status. Der UNESCO-Text hält außerdem fest, dass eine unsachgemäße Restaurierung 1963 dazu führte, dass das Grabmal einen Teil seiner Authentizität verlor.

Der Antrag beschreibt einen zeitlich genau abgestimmten Effekt im Inneren. An den Morgen des 21. März und des 23. September lenkt der Mechanismus ungefähr sechs Minuten lang Sonnenlicht auf das Kopfende von İsmail Fakirullahs Kenotaph. Sowohl die Kalendertage als auch die kurze Dauer gehören zu der dokumentierten Anordnung.

Welche Rolle spielt die Landschaft in Siirts Geschichte?

Der Botan-Tal-Nationalpark (Botan Vadisi Milli Parkı) erstreckt sich über den zentralen Landkreis von Siirt sowie Tillo und Eruh. Er erhielt 2019 den Status eines Nationalparks. Das Kulturportal nennt historische Überreste in dieser Landschaft. Dazu zählen Kirchen in den Dörfern Yerlibahçe, Kayaboğaz, Kalender und Koçlu. Außerdem führt es das Kloster Mor Yakup im Gebiet Deyr auf.

Die Taşbaşı-Höhle (Taşbaşı Mağarası) ergänzt diese Landschaft um einen Beleg für die Nutzung als Wohnraum. Sie liegt etwa vier Kilometer südöstlich von Siirt und blickt aus rund 350 Metern Höhe auf den Botan hinab. Die Höhle wurde bewohnt. Ihre Lage und die dokumentierte Nutzung verbinden das Tal mit dem praktischen Bedürfnis nach einer Unterkunft.

Zeitleiste

  • Siebtes Jahrtausend v. Chr.: Die Siedlungsnachweise am Başur Höyük reichen bis in diese Zeit zurück.
  • 3100–2800 v. Chr.: Aus diesem Zeitraum stammen die untersuchten Bestattungen auf dem Gräberfeld von Başur Höyük.
  • 639: Siirt kam unter islamische Herrschaft.
  • 1085: Fahrüddevle İbn Cehîr nahm Siirt für die Großseldschuken ein.
  • 1129: Für die Große Moschee ist eine Instandsetzung überliefert.
  • 1231: Mongolische Truppen verwüsteten Siirt.
  • 1260: Die Große Moschee wurde instand gesetzt und erweitert. Eine Medrese kam hinzu.
  • Nach 1514: Siirt wurde Teil des Osmanischen Reiches.
  • Achtzehntes Jahrhundert: İbrahim Hakkı gab das Grabmal von İsmail Fakirullah in Tillo in Auftrag.
  • 1884: Siirt wurde der Provinz Bitlis zugeordnet.
  • 1927: Für das Stadtzentrum wurden 14.830 Einwohner verzeichnet.
  • 1963: In Siirt fanden Geländebegehungen zur Erforschung der Vorgeschichte statt.
  • 1974–1975: Das geneigte Minarett der Großen Moschee wurde abgetragen und wiederaufgebaut.
  • 2015: Das Grabmal in Tillo und sein Lichtmechanismus wurden für die UNESCO-Tentativliste eingereicht.
  • 2019: Das Botan-Tal wurde zum Nationalpark.

Details, die du in Reiseführern nicht findest

Die traditionellen Häuser von Siirt verbinden den Alltag mit der Vergangenheit. Sie bestehen aus einem gipshaltigen Baustoff namens cas. Von außen wirken ihre Dächer flach, im Inneren zeigen sie Kuppeln. Stell dir vor, du betrachtest dein eigenes Haus von der Straße aus und schaust danach im Inneren zur Decke. Bei diesen Häusern zeigen Außenansicht und Innenraum unterschiedliche Dachformen.

Der Minbar der Großen Moschee aus Walnussholz bewahrt ungewöhnlich genaue Angaben. Er wird im Ethnografischen Museum Ankara ausgestellt und trägt die Datierung 1214–1215. Außerdem nennt er acht Künstler und den Verwalter. Das Objekt überliefert damit neben seinem Datum auch die Namen der Beteiligten.

Die in drei Gräbern von Başur Höyük untersuchten Überreste gehörten zu mindestens elf Menschen. Ihr Alter reichte von elf Jahren bis ins junge Erwachsenenalter. Dieses Detail gibt der zeitlichen Einordnung des Gräberfelds eine menschliche Dimension. Zugleich bleibt der Befund auf die konkret untersuchten Gräber bezogen.

Bei Taşbaşı ermöglicht eine kleine Fensteröffnung zwischen zwei Höhlen den direkten Durchgang im Inneren. Neben der überlieferten Nutzung der Höhlen als Wohnraum zeigt diese Öffnung konkret, wie die Räume miteinander verbunden sind.

FAQ

Was bedeutet der Name Siirt?

Eine Theorie verbindet ihn mit dem chaldäischen Keert oder Kaa’rat für „Stadt“. Die Provinzdirektion führt außerdem Erklärungen zu „drei Orten“ und zum türkischen Wort sırt auf.

Wie alt sind die archäologischen Zeugnisse rund um Siirt?

Nach Einschätzung der Grabungsleitung reichen die Siedlungsnachweise am Başur Höyük bis ins siebte Jahrtausend v. Chr. zurück. Die untersuchten Bestattungen auf dem Gräberfeld stammen aus der Zeit von 3100–2800 v. Chr.

Wurde die Große Moschee 1129 erbaut?

Die ausführliche Darstellung der Provinzdirektion nennt für 1129 eine Instandsetzung durch Mugīsüddin Mahmûd. Für 1260 verzeichnet sie eine weitere Instandsetzung und Erweiterung.

Was geschieht am Grabmal von İsmail Fakirullah?

Der UNESCO-Antrag beschreibt, wie an den Morgen des 21. März und des 23. September etwa sechs Minuten lang Sonnenlicht das Kopfende des Kenotaphs erreicht.

Quellen

  1. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus von Siirt — Geschichte siirt.ktb.gov.tr
  2. TDV-Enzyklopädie des Islams — Siirt islamansiklopedisi.org.tr
  3. Türkische Wikipedia — Siirt tr.wikipedia.org
  4. Ege-Universität — Mit den Ausgrabungen der Ege-Universität auf den Spuren der Vergangenheit egekitap.ege.edu.tr
  5. Natural History Museum — Neue Belege für Kinderopfer in der Antike in der Türkei gefunden nhm.ac.uk
  6. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus von Siirt — Historische Große Moschee siirt.ktb.gov.tr
  7. UNESCO-Welterbezentrum — Grabmal von Ismail Fakirullah und sein Lichtbrechungsmechanismus whc.unesco.org
  8. Kulturportal — Botan-Tal-Nationalpark kulturportali.gov.tr
  9. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus von Siirt — Taşbaşı Deliklitaş siirt.ktb.gov.tr

FAQ

Was bedeutet der Name Siirt?

Eine Theorie verbindet Siirt mit dem chaldäischen Keert oder Kaa’rat, das „Stadt“ bedeutet. Die Provinzdirektion für Kultur und Tourismus führt außerdem Erklärungen zu „drei Orten“ und zum türkischen Wort sırt an.

Wie alt sind die archäologischen Zeugnisse rund um Siirt?

Nach Einschätzung der Grabungsleitung reichen die Siedlungsnachweise am westlich von Siirt gelegenen Başur Höyük bis ins siebte Jahrtausend v. Chr. zurück. Die untersuchten Bestattungen auf dem dortigen Gräberfeld stammen aus der Zeit von 3100–2800 v. Chr.

Wurde Siirts Große Moschee 1129 erbaut?

Die ausführliche Darstellung der Provinzdirektion für Kultur und Tourismus nennt für 1129 eine Instandsetzung durch Mugīsüddin Mahmûd. Für 1260 verzeichnet sie eine weitere Instandsetzung und Erweiterung durch Mücâhid İshak.

Was geschieht am Grabmal von İsmail Fakirullah in Tillo?

Laut dem UNESCO-Antrag lenkt ein Mechanismus an den Morgen des 21. März und des 23. September etwa sechs Minuten lang Sonnenlicht auf das Kopfende von İsmail Fakirullahs Kenotaph.

Image: Siirt Ulu Camii 1543.jpg — Dosseman, CC BY-SA 4.0

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