Wurzeln der Städte

Geschichte von Kars: Name und Entwicklung 928-1921

Kars ist eine Grenzstadt, die von den Bagratiden über die Saltukiden, Osmanen und Russen 1921 zum türkischen Staat kam. Für ihren Namen gibt es zwei konkurrierende Erklärungen: ein georgisches Wort für „Tor“ und einen Stammesnamen; keine davon ist abschließend geklärt.

9 Min. Lesezeit15 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Geschichte von Kars: Name und Entwicklung 928-1921
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Kars ist eine Grenzstadt in der Türkei. Ihre Vergangenheit besteht aus vielen Schichten: eine Hauptstadt der Bagratiden, eine Festung aus der Saltukidenzeit, eine osmanische Brücke, von Russen geplante Straßen und ein Vertrag, der ihren Platz auf der Landkarte festlegte. Hier gehst du diese Schichten der Reihe nach durch. Den Anfang macht der Name. Seine Herkunft ist bis heute nicht sicher geklärt.

Woher kommt der Name Kars?

Zwei Theorien stehen einander gegenüber. Bewiesen ist keine.

Die erste führt ins Georgische. Das georgische Wort kari bedeutet „Tor“. Der Name Kariskalaki wird als „Stadt am Tor“ gedeutet. Nach dieser Auffassung hängt Kars mit diesem älteren Namen zusammen.

Die zweite ist die Karsak-Theorie. Sie leitet den Namen vom Stamm der Karsak ab, der zu den bulgarischen Türken gehört haben soll. Dieser Stamm soll im 2. Jahrhundert v. Chr. in die Region gekommen sein.

Die Karsak-Theorie ist auf Kritik gestoßen. Der türkische Wikipedia-Artikel weist darauf hin, dass sie in der wissenschaftlichen Literatur keine allgemeine Anerkennung gefunden hat. Kritiker halten sie für unvereinbar mit den historischen Fakten.

Der ehrliche Befund lautet deshalb: Die Herkunft des Namens ist ungeklärt. Die Erklärung mit dem „Tor“ passt gut zu einer Grenzstadt. Du solltest sie aber als Theorie betrachten.

Geschichte von Kars in der Türkei: von der Bagratidenhauptstadt zur osmanischen Festung

928 wurde Kars zur Hauptstadt des armenischen Bagratidenreichs. Zwischen 932 und 937 ließ König Abas am Fuß der Burg die Apostelkirche (Havariler Kilisesi) errichten. Heute ist sie die Kümbet-Moschee (Kümbet Camisi).

Das nahe gelegene Ani, das heute zur Provinz Kars gehört, gelangte im 10. und 11. Jahrhundert zu Wohlstand. Damals war es die Hauptstadt der Bagratiden. Die Stadt kontrollierte einen Zweig der Seidenstraße.

Auch spätere Jahrhunderte hinterließen ihre Spuren an der Burg von Kars (Kars Kalesi). Eine auf 1153 datierte Inschrift dokumentiert eine Instandsetzung. Auftraggeber war Fîrûz, der Wesir des Saltukidenherrschers İzzeddin Saltuk.

Dann kam die Zerstörung. Timur zerstörte die Burg 1386. Auf Befehl von Sultan Murad III. (Murat III.) wurde sie 1579 unter Lala Mustafa Pascha wiederaufgebaut.

Die TDV-Enzyklopädie des Islam datiert die endgültige Eingliederung von Kars in das Osmanische Reich auf das Wirken von Dulkadırlı Mehmed Han im Jahr 1537. Der osmanische Wiederaufbau der Burg erfolgte also mehr als vier Jahrzehnte später.

Im selben Jahr, 1579, errichtete Lala Mustafa Pascha auch die Steinerne Brücke (Taş Köprü) über den Fluss Kars. Sie besteht aus behauenem Basalt und hat drei gewölbte Bögen. Ein Teil stürzte ein. Karahanoğlu Hacı Ebübekir baute die Brücke 1725 wieder auf.

1664 folgte die Yusuf-Pascha-Moschee (Yusuf Paşa Camisi). Seyit Yusuf Pascha, der Beylerbey von Kars, ließ sie aus grauem und weißem Basalt errichten.

Die russische Zeit, 1828-1918

Russische Truppen eroberten Kars 1828, 1855 und 1877. Die letzte Eroberung hatte die weitreichendsten Folgen. Nach dem Russisch-Osmanischen Krieg von 1877-1878 wurde die Region als Oblast Kars Teil des Russischen Reiches. Diese Provinz stand unter Militärverwaltung. Die russische Herrschaft dauerte bis 1918.

Die Russen stationierten nicht nur Truppen in der Stadt. Zwischen 1878 und 1918 siedelten sie mehrere Bevölkerungsgruppen in der Region an: Armenier, Kaukasusgriechen, Russen, Georgier, Deutsche und Molokanen (Malakanlar).

Sie planten die Stadt auch neu. Der neue Stadtgrundriss entwickelte sich um die Viertel Yusufpaşa, Ortakapı und Cumhuriyet. Die Straßen kreuzten sich im rechten Winkel. Zwischen 1890 und 1917 entstanden dort Steinhäuser im baltischen Stil. Sie hatten ein, zwei und seltener drei Geschosse. Nach Angaben der Provinzverwaltung von Kars wurde dafür behauener Basalt verwendet.

Wenn du heute durch das Zentrum gehst, erkennst du dieses Raster aus der russischen Stadtplanung. Die Straßen verlaufen gerade, weil sie so angelegt wurden.

Kars für Kinder: die Stadtgeschichte in fünf Schritten

Stell dir ein Tor an einer langen Straße vor. So lässt sich eine der Erklärungen für den Namen Kars veranschaulichen. Hier kommt die Geschichte in fünf Schritten.

  1. 928 wurde Kars eine Hauptstadt. Die Könige der Bagratiden regierten von hier aus.
  2. Über der Stadt stand eine Burg. Timur zerstörte sie 1386. Lala Mustafa Pascha baute sie 1579 wieder auf.
  3. Eine Steinbrücke führte über den Fluss. Ihre drei Bögen bestehen aus Basalt.
  4. Vierzig Jahre lang, von 1878 bis 1918, herrschten die Russen über die Stadt. Sie bauten gerade Straßen.
  5. 1920 rückten türkische Soldaten unter Kâzım Karabekir in Kars ein. Ein Vertrag von 1921 sicherte den Verbleib der Stadt bei der Türkei.

Ein trauriges Kapitel: die Belagerung von Kars 1855

Das traurigste Kapitel ist die Belagerung von 1855. William Fenwick Williams war an der Leitung der Verteidigung von Kars beteiligt. Die Garnison hielt der Belagerung stand. Dann zermürbten Kälte, Hunger und Cholera die Verteidiger. Am 26. November 1855 kapitulierte die Garnison vor der russischen Armee.

Das National Army Museum in London bewahrt ein Objekt mit dem Titel „Die Kapitulation von Kars“ auf. Der zugehörige Katalogeintrag ist eine Quelle für diese Angaben.

Die Kapitulation war nicht allein die Folge einer verlorenen Schlacht. Die Soldaten innerhalb der Mauern froren, hungerten und erkrankten.

Wer hat Kars erobert?

Die Antwort hängt vom Jahr ab. Kars wechselte häufig den Herrscher.

  • 1386: Timur zerstörte die Burg.
  • 1828, 1855 und 1877: Russische Truppen eroberten Kars.
  • 30. Oktober 1920: Türkische Truppen unter Kâzım Karabekir nahmen Kars den armenischen Truppen ab.

Der letzte Wechsel wurde vertraglich festgeschrieben. Der Vertrag von Moskau vom 16. März 1921 und der Vertrag von Kars vom 13. Oktober 1921 regelten den Grenzverlauf. Dadurch blieb Kars innerhalb des neuen türkischen Staates.

Zeittafel

  1. 928 Kars wurde Hauptstadt des armenischen Bagratidenreichs.
  2. 932-937 Die Apostelkirche, die heutige Kümbet-Moschee, wurde erbaut.
  3. 1153 Eine Inschrift in der Burg von Kars dokumentierte eine Instandsetzung aus der Saltukidenzeit.
  4. 1386 Timur zerstörte die Burg von Kars.
  5. 1537 Die TDV-Enzyklopädie des Islam datiert die endgültige Eingliederung von Kars in das Osmanische Reich auf dieses Jahr.
  6. 1579 Lala Mustafa Pascha baute die Burg wieder auf und errichtete die Steinerne Brücke.
  7. 1664 Die Yusuf-Pascha-Moschee wurde erbaut.
  8. 1725 Karahanoğlu Hacı Ebübekir baute die Steinerne Brücke wieder auf.
  9. 1828 Russische Truppen eroberten Kars.
  10. 26. November 1855 Die Garnison von Kars kapitulierte vor der russischen Armee.
  11. 1877-1878 Nach der russischen Eroberung wurde die Region Teil des Russischen Reiches.
  12. 1890-1917 Entlang der neuen Straßen entstanden Steinhäuser im baltischen Stil.
  13. 1918 Die russische Herrschaft in Kars endete.
  14. 30. Oktober 1920 Türkische Truppen unter Kâzım Karabekir nahmen Kars ein.
  15. 13. Oktober 1921 Der Vertrag von Kars wurde unterzeichnet.
  16. 1953 M. Fahrettin Kırzıoğlus Kars Tarihi erschien.
  17. 1964-1981 Laut dem Kulturportal diente die Kümbet-Moschee als Museum von Kars.
  18. 1985 Die Fethiye-Moschee (Fethiye Camisi), zuvor Kirche und Sporthalle, wurde zur Moschee.
  19. 2016 Die archäologische Stätte Ani wurde in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Details, die du nicht im Reiseführer findest

Heizungen in Kaminform. In den Steinhäusern aus der russischen Zeit gibt es Heizsysteme namens peç. Sie haben die Form von Kaminen. Denk an dein eigenes Zuhause im Winter. Die Heizung prägte diese Gebäude ebenso stark wie der Baustil.

Zwölf Gesichter an einer Kuppel. Der Tambour unter der Kuppel der Kümbet-Moschee trägt zwölf Menschenreliefs. Sie stellen die zwölf Apostel Jesu dar. Von 1964 bis 1981 diente das Gebäude als Museum von Kars.

Ein Gebäude, drei Nutzungen. Die Fethiye-Moschee im Viertel Ortakapı wurde während der russischen Zeit als Kirche errichtet. In der Zeit der Republik diente sie als Sporthalle. 1985 wurde sie zur Moschee.

Ein Dorf mit dem Namen einer Fabrik. Boğatepe hieß früher Zavot. Das Wort bedeutet im Russischen Fabrik oder Produktionsstätte. Der Name hängt mit der Käseherstellung im Dorf während der Zeit der Molokanen zusammen. Wenn du dir beim nächsten Frühstück eine Scheibe Käse abschneidest, denk daran: Ein Dorf in Kars trug wegen seiner Käseproduktion einst den Namen einer Fabrik.

Ein Buch mit großer Zeitspanne. M. Fahrettin Kırzıoğlus Kars Tarihi erschien 1953 in Istanbul. Der Bibliothekskatalog der Türkischen Historischen Gesellschaft verzeichnet XX+608 Seiten. Die enthaltene Chronologie reicht von 1534 bis 1921.

Eine Straße wird restauriert. Das SERKA-Projekt „Kars mit seiner historischen Identität“ sah vor, die Fassaden von 22 denkmalgeschützten und 12 nicht denkmalgeschützten Gebäuden an der Haydar-Aliyev-Straße (Haydar Aliyev Caddesi) aufzuwerten. Außerdem sollte eine touristische Route von etwa 680 Metern entstehen.

Noch immer tauchen Münzen auf. Bei einem Einsatz der Gendarmerie in Sarıkamış wurden am 6. Oktober 2025 drei Goldmünzen und 322 Bronzemünzen sowie weitere Gegenstände sichergestellt. Sie wurden der Museumsdirektion von Kars übergeben.

FAQ

Was bedeutet der Name Kars?

Eine eindeutige Bedeutung ist nicht gesichert. Eine Theorie verbindet ihn mit dem georgischen Wort kari für „Tor“ und dem Namen Kariskalaki, der als „Stadt am Tor“ gedeutet wird. Eine andere führt ihn auf einen Stamm namens Karsak zurück. Kritiker halten diese Behauptung jedoch für unvereinbar mit den historischen Fakten.

Seit wann gehört Kars zur Türkei?

Türkische Truppen unter Kâzım Karabekir nahmen Kars am 30. Oktober 1920 ein. Der Vertrag von Moskau vom 16. März 1921 und der Vertrag von Kars vom 13. Oktober 1921 regelten anschließend die Grenzen. Kars blieb damit innerhalb des neuen türkischen Staates.

Wer hat Kars erobert?

Russische Truppen eroberten Kars 1828, 1855 und 1877. Timur zerstörte die Burg 1386. Türkische Truppen unter Karabekir nahmen die Stadt 1920 den armenischen Truppen ab.

Warum gibt es in Kars so viele Steinhäuser im russischen Stil?

Kars stand von 1878 bis 1918 unter russischer Herrschaft. Die Russen entwarfen einen neuen Stadtplan mit Straßen, die sich im rechten Winkel kreuzten. Zwischen 1890 und 1917 errichteten sie ein-, zwei- und seltener dreigeschossige Gebäude im baltischen Stil aus behauenem Basalt.

Gehört Ani zu Kars?

Ani liegt in der Provinz Kars. Im 10. und 11. Jahrhundert war es die Hauptstadt der Bagratiden. Die UNESCO nahm die 250,7 Hektar große archäologische Stätte 2016 in die Welterbeliste auf.

Quellen

  1. TDV-Enzyklopädie des Islam — Kars islamansiklopedisi.org.tr
  2. Wikipedia — Kars tr.wikipedia.org
  3. Wikipedia — Provinz Kars en.wikipedia.org
  4. Stadtverwaltung Kars — Burg von Kars kars.bel.tr
  5. Die Enzyklopädie des Islam — Kars (İSAM) isamveri.org
  6. National Army Museum — Die Kapitulation von Kars collection.nam.ac.uk
  7. Türkische Historische Gesellschaft — Unabhängigkeitskrieg ttk.gov.tr
  8. Provinzverwaltung Kars — Baltische Architektur kars.gov.tr
  9. Kulturportal — Kümbet-Moschee, Apostelkirche kulturportali.gov.tr
  10. Kulturportal — Kümbet-Moschee kulturportali.gov.tr
  11. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Kars — Moscheen und Kirchen kars.ktb.gov.tr
  12. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Kars — Brücken kars.ktb.gov.tr
  13. UNESCO — Archäologische Stätte Ani whc.unesco.org
  14. Bibliothek der Türkischen Historischen Gesellschaft — Kars Tarihi kutuphane.ttk.gov.tr
  15. Entwicklungsagentur Serhat — Das Projekt „Kars mit seiner historischen Identität“ hat begonnen serka.gov.tr

FAQ

Was bedeutet der Name Kars?

Eine eindeutige Bedeutung ist nicht gesichert. Eine Theorie verbindet ihn mit dem georgischen Wort kari für „Tor“ und dem Namen Kariskalaki, der als „Stadt am Tor“ gedeutet wird. Eine andere führt ihn auf einen Stamm namens Karsak zurück. Kritiker halten diese Behauptung jedoch für unvereinbar mit den historischen Fakten.

Seit wann gehört Kars zur Türkei?

Türkische Truppen unter Kâzım Karabekir nahmen Kars am 30. Oktober 1920 ein. Der Vertrag von Moskau vom 16. März 1921 und der Vertrag von Kars vom 13. Oktober 1921 regelten anschließend die Grenzen. Kars blieb damit innerhalb des neuen türkischen Staates.

Wer hat Kars erobert?

Russische Truppen eroberten Kars 1828, 1855 und 1877. Timur zerstörte die Burg 1386. Türkische Truppen unter Karabekir nahmen die Stadt 1920 den armenischen Truppen ab.

Warum gibt es in Kars so viele Steinhäuser im russischen Stil?

Kars stand von 1878 bis 1918 unter russischer Herrschaft. Die Russen entwarfen einen neuen Stadtplan mit Straßen, die sich im rechten Winkel kreuzten. Zwischen 1890 und 1917 errichteten sie ein-, zwei- und seltener dreigeschossige Gebäude im baltischen Stil aus behauenem Basalt.

Gehört Ani zu Kars?

Ani liegt in der Provinz Kars. Im 10. und 11. Jahrhundert war es die Hauptstadt der Bagratiden. Die UNESCO nahm die 250,7 Hektar große archäologische Stätte 2016 in die Welterbeliste auf.

Image: Church of Saint Gregory the Illuminator.jpg — Panegyrics of Granovetter, CC BY-SA 2.0

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