Die Weltwirtschaftskrise war ein wirtschaftlicher Zusammenbruch, der 1929 begann. Weltweit brachte sie Produktionseinbrüche, Massenarbeitslosigkeit und Armut. Vielleicht denkst du dabei an einen einzigen dramatischen Tag an der Wall Street. Die tatsächliche Geschichte ist länger und ungewöhnlicher.
Was war die Weltwirtschaftskrise von 1929?
Die Weltwirtschaftskrise, auf Türkisch Büyük Buhran, erschütterte ab 1929 die Weltwirtschaft. Ihre Folgen waren sinkende Produktion, Massenarbeitslosigkeit und weitverbreitete Armut.
Der Börsencrash, der zum öffentlichen Sinnbild der Krise wurde, ereignete sich im Oktober 1929 an der New Yorker Börse. Doch die US-Wirtschaft schrumpfte bereits seit August 1929, also vor dem berühmten Crash. Die Börse war ein Symbol der Probleme. Ihr Absturz war nicht das erste Anzeichen dafür.
Weltwirtschaftskrise: Zeitraum und wichtige Daten
Die meisten Bücher datieren die Weltwirtschaftskrise auf 1929–1939. Beginn, Schwere und Erholung unterschieden sich jedoch von Land zu Land.
Die Federal Reserve setzt für die Vereinigten Staaten einen anderen Zeitraum an. Sie datiert die US-Depression auf 1929–1941. Die Rückkehr zu voller Produktion und Vollbeschäftigung verortet sie in der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
Wenn du nach dem Zeitraum der Weltwirtschaftskrise suchst, findest du deshalb keine einheitliche Antwort. Viele Lehrbücher nennen 1929–1939, für die USA gilt auch 1929–1941. Hinzu kommen unterschiedliche Zeiträume für die einzelnen Länder.
Wie die Aktienkurse stiegen und dann abstürzten
Zuerst kam der Boom. Der Dow Jones Industrial Average stand im August 1921 bei etwa 63 Punkten. Bis September 1929 hatte er 381 Punkte erreicht. Damit war er innerhalb von acht Jahren auf ungefähr das Sechsfache gestiegen.
Viele Aktienkäufe wurden mit geliehenem Geld finanziert. Bei solchen kreditfinanzierten Käufen zahlten Anleger vor 1929 oft nur 10 Prozent des Kaufpreises aus eigenen Mitteln. Den Rest liehen sie sich.
Selbst manche Experten fühlten sich sicher. Der Ökonom Irving Fisher erklärte kurz vor dem Oktobercrash, die Aktienkurse hätten ein dauerhaft hohes Niveau erreicht.
Die Federal Reserve hatte eine andere Sorge. Sie erhöhte 1928–1929 die Zinsen, um die Spekulation einzudämmen. Das bremste die US-Wirtschaft. Zugleich setzte es Länder, die an den Goldstandard gebunden waren, unter wirtschaftlichen Schrumpfungsdruck.
Schwarzer Donnerstag, Schwarzer Montag, Schwarzer Dienstag
Im Oktober 1929 brach die Panik aus. Der Schwarze Donnerstag am 24. Oktober 1929 war einer der wichtigsten Tage der Börsenpanik, die zum Sinnbild der Weltwirtschaftskrise wurde.
Die stärksten Verluste folgten danach. Am Schwarzen Montag, dem 28. Oktober, fiel der Dow um etwa 13 Prozent. Am folgenden Tag, dem Schwarzen Dienstag, verlor er etwa 12 Prozent.
Der Kursverfall ging weiter. Am 8. Juli 1932 sank der Dow auf 41,22 Punkte. Damit lag er etwa 89 Prozent unter seinem Höchststand vom September 1929.
Weltwirtschaftskrise: Zeitstrahl
- August 1929: Die US-Wirtschaft beginnt zu schrumpfen.
- September 1929: Der Dow Jones erreicht mit etwa 381 Punkten seinen Höchststand.
- 24. Oktober 1929: Börsenpanik am Schwarzen Donnerstag.
- 28.–29. Oktober 1929: Der Dow fällt zunächst um etwa 13 Prozent, dann um etwa 12 Prozent.
- 17. Juni 1930: Das Smoot-Hawley-Zollgesetz wird verabschiedet.
- Herbst 1930: In den USA beginnen Bankenpaniken.
- September 1931: Großbritannien gibt den Goldstandard auf.
- 8. Juli 1932: Der Dow fällt auf 41,22 Punkte.
- Herbst 1932: In Deutschland und Japan beginnt die Erholung.
- 4. März 1933: Franklin D. Roosevelt tritt sein Amt an.
- 6. März 1933: Eine landesweite vorübergehende Schließung der Banken wird angeordnet.
- 16. Juni 1933: Mit dem Bankengesetz wird die FDIC gegründet.
- 1. Januar 1934: Die staatliche Einlagensicherung tritt in Kraft.
- Mai 1937–Juni 1938: Eine erneute Rezession trifft die USA.
- 1938: In Frankreich beginnt eine anhaltende Erholung.
- 1941: Ende der US-Depression nach der zeitlichen Einordnung der Federal Reserve.
- November 1954: Der Dow erreicht wieder seinen nominalen Höchststand von 1929.
Bankenpaniken und schrumpfende Geldmenge
Der Börsencrash war erst der Anfang. Im Herbst 1930 begannen Bankenpaniken. Zusammen mit nationalen und internationalen Finanzkrisen von 1931 bis 1933 verschärften sie den Abschwung in den USA.
Die Zahlen sind drastisch. Zwischen 1930 und 1933 stellten etwa 9.000 Banken in den Vereinigten Staaten ihren Betrieb ein.
Von 1929 bis 1933 sank die reale Wirtschaftsleistung der USA um etwa ein Drittel. Die Geldmenge schrumpfte um mehr als 30 Prozent.
1930 folgte ein weiterer Schlag. Das am 17. Juni 1930 verabschiedete Smoot-Hawley-Zollgesetz erhöhte die Einfuhrzölle. Nach Einschätzung der meisten Wirtschaftshistoriker verschlimmerte es die Weltwirtschaftskrise.
Wie hoch war die Arbeitslosigkeit in der Weltwirtschaftskrise?
Die Arbeitslosigkeit in den USA erreichte 1933 ihren Höchststand. Sie lag bei 24,9 Prozent der Erwerbspersonen. Das entsprach etwa 12 Millionen 830 Tausend Menschen ohne Arbeit.
Stell dir das so vor: Von vier Menschen, die arbeiteten oder Arbeit suchten, war ungefähr einer arbeitslos.
Die US-Präsidenten während der Weltwirtschaftskrise: Hoover und Roosevelt
Als die Krise begann, war Herbert Hoover Präsident der USA. Franklin D. Roosevelt gewann die Wahl von 1932 und trat sein Amt am 4. März 1933 an.
Zwei Tage später, am 6. März, ordnete Roosevelt eine landesweite Bankenpause an. Die Banken mussten vorübergehend schließen.
1933 folgte der New Deal. Das Civilian Conservation Corps (CCC) gab arbeitslosen jungen Männern Arbeit. Die Tennessee Valley Authority (TVA) führte Projekte zur Stromversorgung ländlicher Gebiete und zur Schaffung von Arbeitsplätzen durch.
Dann kam eine dauerhafte Reform. Das Bankengesetz vom 16. Juni 1933 schuf die FDIC. Die Einlagensicherung begann am 1. Januar 1934 und schützte bis zu 2.500 Dollar pro Person.
Das berührt auch deinen Alltag. Wenn du dein Gehalt ohne Angst auf einem Bankkonto lässt, vertraust du auf einen Gedanken aus diesen Jahren: Wer Geld bei einer Bank einzahlt, soll bei deren Zusammenbruch nicht alles verlieren.
Wo fand die Weltwirtschaftskrise statt?
Die Weltwirtschaftskrise begann mit einem Abschwung in den USA. Danach breitete sie sich auf Volkswirtschaften aus, die durch den Goldstandard miteinander verbunden waren. Die Länder erholten sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
- Großbritannien: Der Abschwung endete kurz nach der Aufgabe des Goldstandards im September 1931. Eine deutliche Erholung setzte Ende 1932 ein.
- Deutschland und Japan: Ihre Volkswirtschaften begannen sich im Herbst 1932 zu erholen.
- Frankreich: Die schweren Folgen trafen das Land später als viele andere Staaten. Erst 1938 begann eine anhaltende Erholungsphase.
- Türkei: Um den Außenhandel unter den Bedingungen der Weltwirtschaftskrise aufrechtzuerhalten, setzte die Türkei ab 1933 auf Verrechnungs- und Tauschabkommen.
Wenn du durch die Türkei reist und über die 1930er-Jahre liest, gehört diese Handelsgeschichte zur selben weltweiten Krise.
Essen und Rezepte während der Weltwirtschaftskrise
Häufig wird nach Lebensmitteln und Rezepten aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise gesucht. Zwei Einzelheiten sind gut dokumentiert.
In North Carolina erstellte der landwirtschaftliche Beratungsdienst einen Gartenkalender und einen Einkochplan. Familien, die Unterstützung erhielten, lernten, wie sie Gemüsegärten anlegen und Lebensmittel für den Winter einkochen konnten.
Das Archiv What America Ate der Michigan State University sammelt etwa 200 lokale Kochbücher und Tausende Lebensmittelanzeigen aus den 1930er-Jahren. Wenn du Originalrezepte aus dieser Zeit suchst, bietet dir dieses Archiv einen Einstieg.
Details, die du nicht in Reiseführern findest
- Zehn Prozent Eigenanteil: Vor 1929 zahlten Anleger oft nur 10 Prozent des Aktienpreises aus eigenen Mitteln. Den Rest liehen sie sich.
- Das Vertrauen eines Experten: Irving Fisher erklärte kurz vor dem Börsencrash im Oktober 1929, die Kurse hätten ein dauerhaft hohes Niveau erreicht.
- Eine sehr lange Wartezeit: Erst im November 1954 erreichte der Dow wieder seinen nominalen Höchststand von 1929.
- Ein erneuter Einbruch: Von Mai 1937 bis Juni 1938 sank das reale Bruttoinlandsprodukt während der Erholungsphase um 10 Prozent. Die Arbeitslosigkeit erreichte 20 Prozent.
- Ein Gartenkalender: Der landwirtschaftliche Beratungsdienst in North Carolina zeigte Familien, die Unterstützung erhielten, wie sie Gemüse anbauen und Lebensmittel für den Winter einkochen konnten.
Früchte des Zorns (The Grapes of Wrath, türkisch: Gazap Üzümleri) wurde 1940 verfilmt. Das Werk handelt von umherziehenden Bauern, die während der Weltwirtschaftskrise und der als Dust Bowl bekannten Staubsturmkatastrophe verarmten.
Was beendete die Weltwirtschaftskrise?
Darüber sind sich Historiker bis heute uneinig. Christina Romers Studie von 1991 führt fast die gesamte wirtschaftliche Erholung der USA vor 1942 auf eine Ausweitung der Geldmenge zurück, die durch Goldzuflüsse gestützt wurde.
Robert Gordon und Robert Krenn vertreten eine andere Sicht. Ihr Modell von 2010 schreibt 89,1 Prozent der US-Erholung zwischen Anfang 1939 und Ende 1941 fiskalpolitischen Neuerungen zu.
Die Federal Reserve wiederum verortet die Rückkehr zu voller Produktion und Vollbeschäftigung in der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
FAQ
Wann begann und endete die Weltwirtschaftskrise?
Meist wird sie auf 1929–1939 datiert. Die Zeiträume unterschieden sich jedoch von Land zu Land. Die Federal Reserve datiert die US-Depression auf 1929–1941.
Wie hoch war die Arbeitslosenquote?
In den USA erreichte sie 1933 einen Wert von 24,9 Prozent. Das entsprach etwa 12 Millionen 830 Tausend Menschen.
Wer war US-Präsident?
Zu Beginn der Krise war es Hoover. Roosevelt trat sein Amt am 4. März 1933 an.
Wo fand die Krise statt?
Sie begann in den USA und breitete sich weltweit aus, unter anderem auf Großbritannien, Deutschland, Japan, Frankreich und die Türkei.
War der Börsencrash die alleinige Ursache?
Nein. Die US-Wirtschaft begann bereits im August 1929 zu schrumpfen. Bankenpaniken und Finanzkrisen verschärften den Abschwung.
Quellen
- Wikipedia — Weltwirtschaftskrise en.wikipedia.org
- Christina D. Romer — Weltwirtschaftskrise (Text des Britannica-Eintrags, UC Berkeley) eml.berkeley.edu
- Federal Reserve History — Die Weltwirtschaftskrise federalreservehistory.org
- Federal Reserve History — Börsencrash von 1929 federalreservehistory.org
- FDR Presidential Library & Museum — Fakten zur Weltwirtschaftskrise fdrlibrary.org
- FDIC — Historischer Zeitstrahl fdic.gov
- Federal Reserve Bank of Minneapolis — Wirtschaftliche Stabilität erreichen: Lehren aus dem Börsencrash von 1929 minneapolisfed.org
- Federal Reserve History — Rezession von 1937–38 federalreservehistory.org
- NBER — Christina D. Romer, Was beendete die Weltwirtschaftskrise? nber.org
- NBER — Robert J. Gordon und Robert Krenn, Das Ende der Weltwirtschaftskrise 1939–41 nber.org
- Vikipedi — Weltwirtschaftskrise tr.wikipedia.org
Image: Lange-MigrantMother02.jpg — Dorothea Lange, Public domain






