Was verrät die Geschichte von Muş?
Die Geschichte von Muş reicht von urartäischen Überresten in Kayalıdere bis zu mittelalterlichen Moscheen und osmanischen Bauten. Auch der Stadtname hat seine eigene Geschichte. Muş erscheint in einem geografischen Werk des 10. Jahrhunderts. Erklärungen zu seiner Herkunft verweisen entweder auf die Muški oder auf Muşel Mamigonyan.
Wenn du Muş erkundest, solltest du zwischen der Stadt und der größeren Provinz unterscheiden. Manzikert (Malazgirt), der Schauplatz der Schlacht von 1071, gehört zur Provinz Muş. Die Arak-Kirche (Arak Kilisesi) steht im Dorf Kepenek im zentralen Landkreis, etwa 5 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Diese Orte erschließen unterschiedliche Teile der regionalen Vergangenheit.
Woher kommt der Name Muş?
Vor der islamischen Zeit bezeichneten Quellen die Ebene von Muş und ihre Umgebung als Taraunitis, Taraun oder Daron. In islamischer Zeit stand Tarûn sowohl für die Region als auch für die Stadt. Diese überlieferten Formen belegen eine Namensgeschichte, die über den heutigen Namen hinausreicht.
Muş selbst erscheint im Aḥsenü’t-teḳāsîm, einem Werk des Geografen al-Muqaddasī (Makdisî) aus dem 10. Jahrhundert. Diese Erwähnung belegt die Verwendung des Namens. Für sich genommen erklärt sie jedoch nicht, wie er ursprünglich entstand.
Eine Erklärung verbindet Muş mit den Muški, die in assyrischen Quellen erwähnt werden. Die türkischsprachige Wikipedia stellt diesen Zusammenhang her. Er ist als Theorie zur Namensherkunft zu verstehen, nicht als gesicherte Herleitung.
Mithat Esers Studie von 2014 stützt eine andere Erklärung. Er vermutet, dass Muslime den Namen im 8. oder 9. Jahrhundert aus Muşel Mamigonyan gebildet haben könnten. Zudem benennt er Probleme anderer Erklärungen, die sich auf sprachliche Herleitungen oder einen vermeintlichen Stadtgründer stützen.
Wenn du über den Namen schreibst, halte diese Aussagen auseinander. Das Vorkommen von Muş im 10. Jahrhundert ist dokumentiert. Die Verbindung zu den Muški und Esers Erklärung über Muşel Mamigonyan bleiben konkurrierende Deutungen seiner Herkunft.
Wie weit reichen die archäologischen Spuren zurück?
Die Burg Kayalıdere (Kayalıdere Kalesi) liefert Belege für die urartäische Vergangenheit der Region. Die Forschenden, die ihre Rettungsgrabungen von 2018–2019 veröffentlichten, schlagen eine Datierung des Bauwerks in das späte 9. oder frühe 8. Jahrhundert v. Chr. vor. Ihre Einschätzung beruht auf der Architektur und einer begrenzten Zahl von Radiokarbonanalysen.
Diese vorgeschlagene Datierung betrifft die Burg. Daraus lässt sich kein genaues Gründungsdatum der Stadt Muş ableiten. Die archäologische Chronologie von Kayalıdere und die schriftliche Geschichte des Stadtnamens beantworten unterschiedliche Fragen.
Die ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen in Kayalıdere fanden 1965 statt. Seton Lloyd und Charles A. Burney leiteten das Team. Die späteren Rettungsgrabungen lieferten zusätzliche Erkenntnisse zur Architektur und Keramik des Fundorts.
Wie kam Muş unter seldschukische und osmanische Herrschaft?
Die Schlacht von Manzikert fand 1071 in Manzikert statt, innerhalb der heutigen Provinz Muş. Kurz danach kam Muş während der Regierungszeit von Sultan Alp Arslan (Alparslan) unter seldschukische Herrschaft. Die Stadt und ihr Umland wurden Emîr Sanduk als Iqta zugewiesen.
Die osmanische Verwaltung in Muş begann 1515. Vorausgegangen waren der Sieg bei Tschaldiran und die Vertreibung der safawidischen Truppen durch lokale Herrscher. Dieses Datum bezeichnet einen späteren politischen Übergang. Er ist von der seldschukischen Machtübernahme nach 1071 zu unterscheiden.
1929 wurde Muş zum Zentrum einer Provinz, die durch Abtrennung von Bitlis entstand. Wenn du die Verwaltungsgeschichte nachvollziehst, gehört dieses Datum neben die mittelalterlichen und osmanischen Veränderungen. Es erklärt die Stellung der Stadt als Provinzzentrum in der Zeit der Republik.
Zeitleiste
- Spätes 9. bis frühes 8. Jahrhundert v. Chr.: Forschende schlagen vor, die Burg Kayalıdere anhand architektonischer Befunde und Radiokarbonanalysen in diesen Zeitraum zu datieren.
- 10. Jahrhundert: Al-Muqaddasī verzeichnet den Namen Muş im Aḥsenü’t-teḳāsîm.
- 1071: Die Schlacht von Manzikert findet im Gebiet der heutigen Provinz Muş statt.
- Nach 1071: Muş kommt unter Sultan Alp Arslan unter seldschukische Herrschaft.
- Zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts: Architektonische Merkmale sprechen für diesen Bauzeitraum der Großen Moschee von Muş (Muş Ulu Camii).
- 1515: Die osmanische Verwaltung in Muş beginnt.
- 1571: Ein Stiftungsregister nennt die Große Moschee auch Ferhad-Bey-Moschee (Ferhad Bey Camii).
- 1747–1748: Die Alaeddin-Bey-Moschee (Alaeddin Bey Camii) wird erbaut. Grundlage ist die in Şehrimiz Muş wiedergegebene Inschrift.
- 1929: Muş wird zum Zentrum der von Bitlis abgetrennten Provinz.
- 1965: Lloyd und Burney leiten wissenschaftliche Ausgrabungen in Kayalıdere.
- 2020: Ein Projekt zur Lokalisierung und Untersuchung des Schlachtfelds von Manzikert beginnt.
Was erzählen dir die Moscheen über die Stadt?
Die Große Moschee von Muş hat einen rechteckigen Grundriss und besteht aus Bruchsteinmauerwerk. Ihre architektonischen Merkmale sprechen für eine Datierung in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts. Diese Einordnung beruht auf einer architektonischen Bewertung. Die Datierung sollte deshalb als solche gekennzeichnet bleiben.
Die Moschee erscheint auch unter einem anderen Namen. Ein Stiftungsregister von 1571 führt sie als Ferhad-Bey-Moschee. Ihr durch Erdbeben beschädigtes Minarett wurde 1968 und 1972 unter Beibehaltung seiner ursprünglichen Form repariert.
Die Hacı-Şeref-Moschee (Hacı Şeref Camii) im Arslanlı Han wirft eine Datierungsfrage auf. Die Provinzdirektion für Kultur und Tourismus ordnet sie dem 17. Jahrhundert zu. Die TDV İslâm Ansiklopedisi verzeichnet bereits für 1571 ein Gebetshaus gleichen Namens. Diese Angaben dürfen nicht zu einem einzigen gesicherten Baudatum zusammengezogen werden.
Die Ergänzungen der Moschee haben eigene Datierungen. Das Minarett kam 1902 hinzu. Der Gebetsbereich am Eingang folgte 1997. Wenn du das Gebäude betrachtest, helfen dir diese Daten, spätere Ergänzungen von der Frage nach dem ursprünglichen Bau zu unterscheiden.
Für die Alaeddin-Bey-Moschee liegt eine genauere Angabe zur Entstehung vor. Şehrimiz Muş, herausgegeben von der Bildungsdirektion von Muş, zitiert ihre Inschrift. Diese nennt Alaeddin Bey, den Sohn von Kasım Ağa, als Bauherrn und datiert den Bau auf 1747–1748.
Was ist an der Murat-Brücke historisch belegt?
Die historische Murat-Brücke (Murat Köprüsü) überquert den Fluss Murat. Die Provinzdirektion für Kultur und Tourismus bezeichnet sie als seldschukisches Bauwerk. Die veröffentlichten Maße betragen 143 Meter Länge und 4,77 Meter Breite. Die Brücke hat 12 Bögen.
Zur Veranschaulichung kannst du dir ihre Breite von 4,77 Metern als die Strecke von einer Brückenseite zur anderen vorstellen, während du darübergehst. Dieses einfache Maß macht die Größe des Bauwerks im Alltag greifbar. Ihre Länge von 143 Metern beschreibt eine wesentlich längere Überquerung.
Bei der Reparaturinschrift ist Vorsicht geboten. Die Tourismusseite der Provinz liest ihr Datum als 1817. Eine Seite des Gouverneursamts vom 19. April 2019 liest es als 1871. In einer Darstellung der Brücke darf keine dieser Lesungen die andere stillschweigend ersetzen.
Das Gouverneursamt erzählt außerdem eine Legende über ein wohlhabendes armenisches Mädchen, das die Brücke in Auftrag gegeben habe. Der Geschichte zufolge vergrub sie einen Krug mit Gold in einem Pfeiler. Die historische Darstellung derselben Institution ordnet die Brücke der Seldschukenzeit zu. Die Erzählung über den Bauauftrag gehört daher zur Sagenwelt der Brücke.
Diese Überlieferung hatte eine konkrete Folge. Laut Gouverneursamt setzten Schatzsucher bei der Suche nach dem sagenhaften Gold Sprengstoff an den mittleren Brückenpfeilern ein. Der Schaden verbindet eine Geschichte über vergrabenen Reichtum mit der Zerstörung historischer Bausubstanz.
Details, die du nicht in Reiseführern findest
Die Keramik aus den Ausgrabungen von 2018–2019 in Kayalıdere enthält kleine Hinweise auf Gebrauch und Kennzeichnung. Bildzeichen auf den Gefäßen geben überwiegend Maße an. Unter den Stempelabdrücken finden sich Pferde- und Wildziegenmotive. Diese Details ergänzen die architektonischen Überreste der Burg um eine weitere Perspektive.
Auch die jüngeren Untersuchungen in Manzikert gehen über das bekannte Schlachtdatum hinaus. 2020 begann mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Tourismus ein Projekt zur Lokalisierung des Schlachtfelds. Es verbindet historische Forschung mit archäologischen Oberflächenuntersuchungen.
Am 4. Oktober 2023 berichtete der wissenschaftliche Berater Adnan Çevik, dass ungefähr 700 Metallobjekte aus den Untersuchungen an die Museumsdirektion von Ahlat übergeben worden seien. Das ist eine berichtete Gesamtzahl von Funden. Sie darf nicht automatisch als Zahl von Gegenständen gelten, die nachweislich zur Schlacht gehören.
Forschende öffneten außerdem 30 Gräber im Dorf Afşin bei Manzikert. Proben aus einigen Gräbern ergaben durch Kohlenstoff-14-Datierungen eine Einordnung in das 11. Jahrhundert. Diese Ergebnisse allein belegen nicht, dass die Bestatteten in der Schlacht von 1071 starben. Eine Datierung auf ein Jahrhundert und der Nachweis eines Todes in einer bestimmten Schlacht sind unterschiedliche Schlussfolgerungen.
FAQ
Woher kommt der Name Muş?
Zwei Theorien verbinden ihn mit den Muški aus assyrischen Quellen oder mit Muşel Mamigonyan. Mithat Eser unterstützt die zweite Erklärung. Er vermutet, dass Muslime den Namen im 8. oder 9. Jahrhundert gebildet haben könnten.
Wann erscheint Muş in schriftlichen Quellen?
Al-Muqaddasī verwendet Muş in seinem Aḥsenü’t-teḳāsîm aus dem 10. Jahrhundert. Zu den älteren regionalen Namen gehören Taraunitis, Taraun und Daron. Tarûn diente später sowohl als Name der Region als auch der Stadt.
Wann begann die osmanische Herrschaft in Muş?
Die osmanische Verwaltung begann 1515. Lokale Herrscher hatten nach dem Sieg bei Tschaldiran die safawidischen Truppen vertrieben. Unter seldschukische Herrschaft war Muş viel früher gekommen, kurz nach 1071.
Welche historischen Bauwerke helfen, Muş zu verstehen?
Die Burg Kayalıdere steht für die urartäische Archäologie der Region. Die Große Moschee, die Hacı-Şeref-Moschee und die Alaeddin-Bey-Moschee bewahren Zeugnisse unterschiedlicher Bauperioden. Bei der Murat-Brücke kommen die Zuordnung zur Seldschukenzeit, widersprüchliche Reparaturdaten und eine dokumentierte lokale Legende hinzu.
Quellen
- TDV İslâm Ansiklopedisi — Muş islamansiklopedisi.org.tr
- Türkischsprachige Wikipedia — Muş tr.wikipedia.org
- Mithat Eser — Muş İsminin Menşei Üzerine Bir Değerlendirme, EKEV Akademi Dergisi, 2014 dergipark.org.tr
- ARAS — Kayalıdere Kalesi 2018–2019 Yılı Kurtarma Kazıları: İlk Notlar dergipark.org.tr
- Van Yüzüncü Yıl Universität AVESİS — Kaylıdere Kalesi Urartu Çanak Çömleği avesis.yyu.edu.tr
- Wikipedia — Provinz Muş en.wikipedia.org
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus von Muş — Brücken mus.ktb.gov.tr
- Gouverneursamt Muş — Historische Murat-Brücke mus.gov.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus von Muş — Moscheen mus.ktb.gov.tr
- Bildungsdirektion von Muş — Şehrimiz Muş, Seite 116 mus.meb.gov.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus von Muş — Reiserouten durch Muş mus.ktb.gov.tr
- Anadolu Ajansı — Ungefähr 700 Metallobjekte bei Untersuchungen des Schlachtfelds von Manzikert gefunden aa.com.tr
FAQ
Woher kommt der Name Muş?
Zwei Theorien verbinden ihn mit den Muški aus assyrischen Quellen oder mit Muşel Mamigonyan. Mithat Eser vertritt die zweite Erklärung und vermutet eine Entstehung im 8. oder 9. Jahrhundert.
Seit wann ist der Name Muş belegt?
Der Name erscheint im Aḥsenü’t-teḳāsîm des Geografen al-Muqaddasī (Makdisî) aus dem 10. Jahrhundert. Frühere Quellen nennen die Ebene und das umliegende Gebiet Taraunitis, Taraun oder Daron.
Wann kam Muş unter seldschukische und osmanische Herrschaft?
Muş kam kurz nach der Schlacht von Manzikert (Malazgirt) im Jahr 1071 unter seldschukische Herrschaft. Die osmanische Verwaltung begann 1515, nachdem lokale Herrscher die safawidischen Truppen vertrieben hatten.
Wurde die Murat-Brücke in der Seldschukenzeit gebaut?
Die Provinzdirektion für Kultur und Tourismus von Muş bezeichnet sie als seldschukisches Bauwerk. Für ihre Reparaturinschrift gibt es widersprüchliche Lesungen: 1817 auf der Seite der Direktion und 1871 auf der Seite des Gouverneursamts.
Image: Sulukh Bridge 002.jpg — Ben Men Lyun, CC BY-SA 4.0
