Kocaeli liegt am Golf von İzmit. Seine Geschichte führt von griechischen Kolonisten über römische Kaiser bis zu osmanischen Grenzfürsten. Schon hinter dem Namen stecken zwei Geschichten. Die eine erklärt den Namen der Provinz, die andere den ihrer Hauptstadt. Hier erfährst du, wie beide entstanden sind und welche Bauwerke heute noch stehen.
Woher kommt der Name Kocaeli?
Der Name Kocaeli geht auf die Bezeichnung „Koca-ili“ zurück. Sie verweist auf Akçakoca, einen osmanischen Grenzfürsten, der in der Region Eroberungen machte. Gemeint sind sein Heimatgebiet oder seine Ländereien.
Dabei ist die zeitliche Abfolge wichtig. Akçakoca starb 1328 bei Kandıra. Damals stand İzmit, die wichtigste Stadt der Region, noch nicht fest unter osmanischer Herrschaft. Der Name ehrt also einen Mann, der die Region prägte, dessen Eroberungen aber noch nicht abgeschlossen waren.
Heute kannst du sein Gedächtnisgrab auf dem Babadağ besuchen. Auch im Alltag erinnert die Stadt an ihn: In İzmit gibt es einen Stadtteil namens Akçakoca.
Eine Verbindung besteht auch zwischen der alten und der heutigen Verwaltung. Die Provinz Kocaeli führt den osmanischen Sandschak Kocaeli fort. Ihr Verwaltungszentrum ist İzmit.
Warum die Hauptstadt İzmit heißt
Der Provinzname ist türkisch-osmanischen Ursprungs. Der Stadtname ist deutlich älter.
Gegen Ende des achten Jahrhunderts v. Chr. gründeten Siedler aus Megara eine griechische Kolonie namens Astakos. Sie ist die antike Vorgängersiedlung von İzmit. Die Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Kocaeli hält diese Gründung fest.
Die alte Siedlung wurde später zerstört. Im Jahr 264 v. Chr. gründete König Nikomedes I. an dieser Stelle eine neue Stadt. Er gab ihr seinen eigenen Namen: Nikomedia. Könige jener Zeit benannten Städte häufig nach sich selbst. Nikomedes tat genau das.
Daraus entwickelte sich der heutige Name. Einer Erklärung zufolge entstand İzmit durch eine sprachliche Umformung von Nikomedia in Verbindung mit dem griechischen Richtungswort „eis“. Griechischsprachige Menschen sagten, sie gingen „eis Nikomedeian“, also nach Nikomedia. Über die Jahrhunderte verkürzte sich diese Wendung zu İzmit.
Wenn du das nächste Mal „İzmit“ auf einem Straßenschild liest, begegnet dir also eine verkürzte griechische Wendung für ein Reiseziel.
Nikomedia: eine römische Hauptstadt
Nikomedia war mehr als eine Provinzstadt. Im Jahr 286 n. Chr. wurde die Stadt unter Kaiser Diokletian zur östlichen Hauptstadt des Römischen Reiches. Diese Stellung behielt sie bis 324.
Damit stand sie 38 Jahre lang im Zentrum der Reichspolitik. Die Stadt, die du heute auf der Autobahn durchquerst, beherbergte einst den Hof eines Kaisers.
Die Belege stehen nicht nur in Büchern. Nach dem Erdbeben von 1999 wurde im Gebiet Çukurbağ in İzmit ein römischer Kaiserbau identifiziert. Das Archäologische Museum Kocaeli führte dort zwischen 2001 und 2016 Rettungsgrabungen durch. Eine Rettungsgrabung ist eine Ausgrabung, die wegen einer Gefährdung der Fundstelle zügig erfolgen muss.
Zu den Funden gehören farbige Reliefs und ein Opus-sectile-Boden. Für einen solchen Boden werden Marmorstücke unterschiedlicher Farben und Größen zugeschnitten und zu geometrischen Mustern zusammengesetzt. Er besteht nicht aus winzigen Mosaiksteinchen.
Osmanische Herrschaft ab 1337
İzmit kam 1337 unter Orhan Gazi fest in osmanische Hand. Danach wurde die Region zu einem Durchgangsraum. Die Straße von Istanbul nach Damaskus und Bagdad führte durch das Gebiet. Die Bauten entlang der Strecke waren auf Reisende und Heere ausgerichtet.
Gebze: der Çoban-Mustafa-Paşa-Komplex
Die Moschee des Çoban-Mustafa-Paşa-Komplexes (Çoban Mustafa Paşa Külliyesi) in Gebze trägt eine Inschrift mit dem Hidschra-Jahr 930. Das entspricht 1523–1524. Der Komplex diente Karawanen auf dem Weg nach Anatolien und Iran, Pilgern sowie Heeren auf Feldzug. Er umfasste eine Moschee, eine Medrese, eine Bibliothek, eine Karawanserei, ein Krankenhaus und eine Suppenküche.
Wer ihn entworfen hat, ist umstritten. Dokumente im Zusammenhang mit Sinan schreiben ihm das Werk zu. Das frühe Baudatum führte jedoch zu Einwänden gegen diese Zuschreibung. Nach einer anderen Auffassung vollendete Sinan den Bau oder wirkte als assistierender Architekt daran mit.
İzmit: der Pertev-Mehmet-Paşa-Komplex
Den Pertev-Mehmet-Paşa-Komplex (Pertev Mehmet Paşa Külliyesi) in İzmit errichtete Mimar Sinan. Er ist auch als Neue Freitagsmoschee (Yeni Cuma Camii) bekannt. Der Komplex liegt an der Heer- und Karawanenstraße Istanbul–Damaskus–Bagdad und wurde 1579 fertiggestellt. Nur die Moschee und der Brunnen sind in ihrer ursprünglichen Form erhalten.
Ein Badehaus und Holzhäuser
Das Süleyman-Paşa-Bad (Süleyman Paşa Hamamı) wurde von Süleyman Paşa, einem Sohn Orhan Gazis, errichtet. Es ist ein Doppelbad mit getrennten Bereichen. Es heißt auch Dere-Bad (Dere Hamamı) und Yukarı-Pazar-Bad (Yukarı Pazar Hamamı). Das Erdbeben von 1999 beschädigte den Bau. Die Großstadtverwaltung Kocaeli restaurierte ihn 2012.
Wenn du einen Eindruck vom osmanischen Alltag gewinnen möchtest, geh zur Kapanca-Straße (Kapanca Sokak) im Stadtteil Akçakoca. Ihre Holzhäuser zeigen die Architektur des neunzehnten Jahrhunderts. 18 von ihnen sind durch einen Beschluss des Denkmalschutzrats als Baudenkmäler eingetragen. Im Stadtteil Veliahmet zeigt das Saatçi-Ali-Efendi-Herrenhaus (Saatçi Ali Efendi Konağı) hölzerne Fensterläden, vergitterte Fenster und Malereien an den Innen- und Außenwänden.
Eskihisar: eine byzantinische Festung
Nicht alle Bauten an der Küste sind osmanisch. Die Burg Eskihisar (Eskihisar Kalesi) in Gebze ist eine byzantinische Festung. Sie wurde zum Schutz des Hafens und der Küste am Golf von İzmit errichtet. Ihr Grundriss ist rechteckig. Sie besitzt zehn Türme und vier Tore.
Von der Befreiung zur Industrie
İzmit wurde am 28. Juni 1921 von der Besatzung befreit. 1924 wurde die Stadt zum Verwaltungszentrum einer Provinz.
Danach wandte sich die Stadt der Industrie zu. Die SEKA-Papierfabrik İzmit nahm 1936 den Betrieb auf. 2016 wurde die Fabrik zum SEKA-Papiermuseum (SEKA Kağıt Müzesi) umgebaut. Das Museum eröffnete am 6. November 2016.
Zeittafel
- Spätes 8. Jahrhundert v. Chr.: Siedler aus Megara gründen die Kolonie Astakos.
- 264 v. Chr. Nikomedes I. gründet Nikomedia.
- 286 n. Chr. Nikomedia wird unter Diokletian zur östlichen Hauptstadt des Römischen Reiches.
- 324 Nikomedias Zeit als östliche Hauptstadt endet.
- 1328 Akçakoca Bey stirbt bei Kandıra.
- 1337 İzmit kommt fest unter osmanische Herrschaft.
- 1523–1524 Datierung der Moschee-Inschrift des Çoban-Mustafa-Paşa-Komplexes.
- 1579 Der Pertev-Mehmet-Paşa-Komplex wird fertiggestellt.
- 28. Juni 1921 İzmit wird von der Besatzung befreit.
- 1924 İzmit wird zur Provinz.
- 1936 Die SEKA-Papierfabrik İzmit nimmt den Betrieb auf.
- 2001–2016 Rettungsgrabungen in Çukurbağ.
- 2007 Das Museum für Archäologie und Ethnografie eröffnet in den historischen Bahnhofsgebäuden.
- 2012 Das Süleyman-Paşa-Bad wird restauriert.
- 6. November 2016 Das SEKA-Papiermuseum eröffnet.
- 2020 Die ethnografische Abteilung zieht in das Atatürk-Redif- und Ethnografiemuseum um.
- August 2024 Das Relief aus Çukurbağ mit zwei einander umarmenden Kaisern wird erstmals gezeigt.
Museen, die du besuchen kannst
Das heutige Archäologische Museum Kocaeli (Kocaeli Arkeoloji Müzesi) eröffnete 2007. Dafür wurden Werkstätten, ein Hangar, ein Wassertank, Unterkünfte und Lagergebäude des historischen Bahnhofs İzmit umgebaut. 2020 zog seine ethnografische Abteilung in das Atatürk-Redif- und Ethnografiemuseum (Atatürk Redif ve Etnografya Müzesi) um. Das bisherige Museum für Archäologie und Ethnografie wurde daraufhin als Archäologisches Museum Kocaeli neu organisiert.
Ein weiteres großes Ziel ist das SEKA-Papiermuseum. Es nutzt die ehemalige Papierfabrik, die 1936 eröffnet wurde, und zeigt frühere Produktionsmaschinen.
Details, die du nicht im Reiseführer findest
- Zwei Datierungen an einer Moschee. An der Çoban-Mustafa-Paşa-Moschee steht auf der Marmorinschrift 1523–1524. Die hölzernen Türflügel tragen die Datierung 1522–1523.
- Der Imam mit dem Schwert. Für die Orhan-Moschee (Orhan Camii) in İzmit berichtet die Stadtverwaltung von einer Tradition: Seit mehr als 120 Jahren besteigen Imame die Kanzel zur Freitagspredigt mit einem Schwert.
- Ein Boden aus zugeschnittenem Marmor. In Çukurbağ wurde ein Opus-sectile-Boden gefunden. Er besteht aus Marmorstücken unterschiedlicher Farben und Größen, die geometrische Muster bilden.
- Zehn zerbrochene Teile. Das Relief aus Çukurbağ zeigt Diokletian und Maximian bei einer Umarmung. Es wurde aus 10 Bruchstücken restauriert. Im August 2024 wurde es erstmals für Besucher zugänglich gemacht.
- Ein Museum mit 18 Sälen. Das SEKA-Papiermuseum erstreckt sich über 12.345 Quadratmeter und besitzt 18 Säle. Dort sind auch alte Produktionsmaschinen ausgestellt.
FAQ
Woher kommt der Name Kocaeli?
Er geht auf „Koca-ili“ zurück. Die Bezeichnung bezieht sich auf Akçakoca, der in der Region Eroberungen machte. Gemeint sind sein Heimatgebiet oder seine Ländereien.
Ist İzmit dasselbe wie Nikomedia?
İzmit liegt dort, wo Nikomedia lag. Die antike Vorgängersiedlung war Astakos. Der Name İzmit wird als sprachliche Umformung von Nikomedia erklärt.
Wann nahmen die Osmanen İzmit ein?
İzmit kam 1337 unter Orhan Gazi fest unter osmanische Herrschaft.
Was solltest du zuerst besichtigen?
Beginne in İzmit mit dem Archäologischen Museum, um die römische Epoche kennenzulernen. Besuche danach den Pertev-Mehmet-Paşa-Komplex und das Süleyman-Paşa-Bad für einen Einblick in die osmanischen Jahrhunderte. Den Abschluss bildet das SEKA-Papiermuseum.
Quellen
- Großstadtverwaltung Kocaeli, Historisches und kulturelles Erbe kocaeli.bel.tr
- Wikipedia, Provinz Kocaeli en.wikipedia.org
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Kocaeli, Geschichte kocaeli.ktb.gov.tr
- Wikipedia, İzmit en.wikipedia.org
- Kulturportal der Türkei, Çoban-Mustafa-Paşa-Komplex kulturportali.gov.tr
- TDV-Enzyklopädie des Islam, Çoban-Mustafa-Paşa-Komplex islamansiklopedisi.org.tr
- Kulturportal der Türkei, Pertev-Mehmet-Paşa-Moschee kulturportali.gov.tr
- Großstadtverwaltung Kocaeli, Moscheen, Baukomplexe, Grabmäler kocaeli.bel.tr
- Kulturportal der Türkei, Süleyman-Paşa-Bad kulturportali.gov.tr
- Kulturportal der Türkei, Saatçi-Ali-Efendi-Herrenhaus kulturportali.gov.tr
- Generaldirektion für Kulturerbe und Museen, Museumsdirektion Kocaeli kvmgm.ktb.gov.tr
- Journal of Mosaic Research, Gedük und Noei, 2024 dergipark.org.tr
- Anadolu Agency, Umarmungsszene römischer Kaiser aa.com.tr
- Großstadtverwaltung Kocaeli, SEKA-Papiermuseum kocaeli.bel.tr
- Ministerium für nationale Bildung, Burg Eskihisar okuldisiogrenme.eba.gov.tr
FAQ
Woher kommt der Name Kocaeli?
Er geht auf „Koca-ili“ zurück. Die Bezeichnung bezieht sich auf den osmanischen Grenzfürsten Akçakoca, der in der Region Eroberungen machte. Gemeint sind sein Heimatgebiet oder seine Ländereien.
Wie hieß İzmit in der Antike?
Die Vorgängersiedlung hieß Astakos. Siedler aus Megara gründeten diese griechische Kolonie im späten achten Jahrhundert v. Chr. Im Jahr 264 v. Chr. gründete König Nikomedes I. Nikomedia. Der Name İzmit wird als spätere sprachliche Umformung dieses Namens erklärt.
Wann wurde İzmit osmanisch?
İzmit kam 1337 unter Orhan Gazi fest unter osmanische Herrschaft. Akçakoca war bereits 1328 gestorben.
War Nikomedia einmal römische Hauptstadt?
Ja. Im Jahr 286 n. Chr. wurde Nikomedia unter Kaiser Diokletian zur östlichen Hauptstadt des Römischen Reiches. Diese Stellung behielt die Stadt bis 324.
Was kannst du heute in Kocaeli besichtigen?
Du kannst das Archäologische Museum Kocaeli, das SEKA-Papiermuseum, das Süleyman-Paşa-Bad, die Pertev-Mehmet-Paşa-Moschee in İzmit, den Çoban-Mustafa-Paşa-Komplex in Gebze und die byzantinische Festung Eskihisar besuchen.
Image: Gebze square and mosque view, Kocaeli, Turkey.jpg 02.jpg — Gundemce, CC BY-SA 4.0
