Wenn du nach der Geschichte von Bayburt suchst, stößt du auf eine kleine Stadt mit einer langen Vergangenheit. Bayburt liegt am Fluss Çoruh im östlichen Schwarzmeergebiet der Türkei. Die Stadt ist das Zentrum der gleichnamigen Provinz. Römer, Byzantiner, Seldschuken, Ilchane, Safawiden, Osmanen und Russen prägten ihre Geschichte.
Dieser Artikel führt dich der Reihe nach durch diese Vergangenheit. Am Anfang steht das Rätsel um den Namen. Danach geht es durch die Jahrhunderte bis zu den Orten, die du heute noch besuchen kannst.
Bayburts Geschichte auf einen Blick
Hier findest du die wichtigsten Stationen.
- Nach der Teilung des Römischen Reiches 395 blieb Bayburt im östlichen Reichsteil.
- In byzantinischer Zeit gehörte es zur Provinz Chaldia (Haldia).
- Die anatolischen Seldschuken eroberten die Stadt 1202.
- Unter den Ilchanen war sie eine Station an der Handelsstraße zwischen Täbris (Tebriz) und Trapezunt (Trabzon).
- Osmanische Truppen eroberten sie im Oktober 1514 von den Safawiden.
- Russische Truppen hielten sie 1829 für kurze Zeit besetzt.
- 1989 wurde Bayburt eine Provinz.
Die folgenden Abschnitte erläutern diese Stationen genauer.
Die Herkunft des Namens Bayburt
Der Name nahm im Laufe der Zeit viele Formen an. Das zeigen die Aufzeichnungen der Menschen, die hier vorbeikamen.
- In mittelalterlichen armenischen Aufzeichnungen steht Payberd.
- Byzantinische Quellen verwenden Payper, Paypert und Babert.
- Arabische Quellen schreiben Bâbirt.
- Osmanische Quellen schreiben Bayburd.
Diese Formen ähneln sich stark. Stell dir einen Ortsnamen vor, der auf einem Busticket anders geschrieben wird als auf einem Straßenschild. Du erkennst trotzdem, dass derselbe Ort gemeint ist.
Was bedeutet der Name? Die ehrliche Antwort ist kurz: Niemand weiß es mit Sicherheit. Der Bestandteil berd wird mit dem armenischen Wort für Festung erklärt. Das passt zu einer Stadt mit einer Burg. Die Bedeutung des ersten Bestandteils und die genaue Herkunft des gesamten Namens sind unbekannt.
Evliya Çelebis Geschichte
Der osmanische Reisende Evliya Çelebi bot eine andere Erklärung an. Er leitete den Namen von bay für reich und yurt für Heimat ab. Das ist eine schöne Geschichte. Wikipedia weist jedoch darauf hin, dass sie nicht zur historischen Chronologie passt. Betrachte sie als Reiseerzählung, nicht als gesicherte Erklärung.
Von der römischen Reichsteilung zur seldschukischen Herrschaft
Das Römische Reich wurde 395 geteilt. Bayburt blieb im östlichen Teil, also im Oströmischen Reich. In byzantinischer Zeit war die Stadt der Provinz Chaldia zugeordnet.
Das nächste große Ereignis folgte 1054. Tuğrul Bey führte in diesem Jahr einen Feldzug nach Anatolien. Dabei griffen seldschukische Truppen Bayburt an. Erobern konnten sie die Stadt nicht. Bayburt hielt stand.
Der Wechsel kam 1202. In diesem Jahr beendeten die anatolischen Seldschuken die Herrschaft der Saltukiden (Saltuklu). Dabei nahmen sie auch Bayburt ein. Von da an stand die Stadt unter anatolisch-seldschukischer Herrschaft.
Karawanenstation an der Straße zwischen Täbris und Trapezunt
Bayburts Lage erklärt einen großen Teil seiner Geschichte. Während der Ilchanenzeit lag die Stadt an der Handelsstraße zwischen Täbris und Trapezunt. Sie war eines der Zentren, in denen genuesische und venezianische Karawanen Halt machten.
Stell dir das wie eine heutige Autobahnraststätte vor. Reisende kommen müde an, kaufen Vorräte, ruhen sich aus und ziehen weiter. In einer Stadt an einer solchen Straße begegnen sich Händler aus fernen Gegenden. Viele Sprachen sind zu hören. Das erklärt mit, warum Bayburts Name in armenischen, griechischen, arabischen und osmanischen Aufzeichnungen auftaucht.
Die Straße hinterließ auch sichtbare Spuren. Beim Dorf Akşar steht die Korgan-Brücke. Das Kulturportal datiert sie ins 13. und 14. Jahrhundert und verortet sie an der historischen Seidenstraße. Sie besitzt zwei Brückenöffnungen mit Spitzbögen. Die Einheimischen nennen sie Meliğin Köprüsü. Von der Wasseroberfläche bis zum Schlussstein ist ihr Bogen fünf Meter hoch.
Die osmanische Eroberung und die russische Besetzung
Im Oktober 1514 eroberten osmanische Truppen unter Mustafa Bey und Bıyıklı Mehmed Bey Bayburt von den Safawiden. Zahit Efendi ließ 1514–1515 die Zahit-Efendi-Moschee errichten. Sie steht in dem Viertel, das noch heute seinen Namen trägt.
1647 besichtigte Evliya Çelebi die Burg selbst. Er hielt fest, dass sich darin ein Viertel mit 300 Häusern und die Ebü’l-Feth-Moschee befanden. Die Burg war zu seiner Zeit also keine leere Ruine. In ihr lag ein bewohntes Stadtviertel.
Dann kam das Jahr 1829. Am 19. Juli nahmen russische Truppen Bayburt ein. Die Besetzung endete noch im selben Jahr durch den Frieden von Adrianopel (Edirne). Es war eine kurze Unterbrechung der langen osmanischen Herrschaft.
Bayburt wird 1989 eine Provinz
Bayburts Verwaltungsstatus änderte sich 1989. Die Provinz Bayburt entstand aus einem Teil der Provinz Gümüşhane. Wenn du auf eine heutige Karte schaust, erklärt das Bayburts eigene Provinzgrenzen.
Sehenswürdigkeiten als Zeugen der Geschichte
An diesen Orten kannst du durch die Jahrhunderte gehen.
Burg Bayburt
Wegen ihrer seldschukischen Fliesen wird die Burg auch Çinimaçin genannt. Bei der 2017 begonnenen Restaurierung wurden die verlorenen Verzierungen nachgebildet und wieder angebracht. Die Burg besitzt zwanzig arabische Inschriften. Siebzehn davon stammen aus der Zeit von Tuğrul Şah, dem Herrscher von Erzurum.
Die Große Moschee
Nach Angaben der Provinzverwaltung von Bayburt gilt die Große Moschee (Ulu Cami) als Bau aus der Zeit des anatolisch-seldschukischen Sultans Gıyaseddin Mesud II., der von 1282 bis 1298 regierte. Sie wurde 1967 nach ihrem ursprünglichen Grundriss neu errichtet. Vom alten Bau blieben das Minarett, einige Muqarnas-Trompen und zwei Türen zum Gebetssaal erhalten.
In ihrer Nähe steht der dreiteilige Bedesten von Bayburt. Sein Baudatum ist unbekannt. Seine Inschriften gingen nach einem Brand verloren.
Yakutiye-Moschee
Die Yakutiye-Moschee wurde 1913–1915 aus behauenem Stein errichtet. Sie steht an der Cumhuriyet-Straße auf dem Gelände der alten Yakutiye-Medrese.
Çarşı-Hamam
Der Çarşı-Hamam ist auch als Meydan-Hamam bekannt. Er liegt im Viertel Kadızade an der Fabrika-Straße. Laut Inventar ist nur sein Heißraum im Original erhalten. Anbauten aus verschiedenen Zeiten veränderten den Charakter des Gebäudes. Eine Studie von Umut Barış Ustabulut aus dem Jahr 2020 hält fest, dass die Bäder Bent, Çarşı und Paşa noch stehen. Die Bäder Pulur Ferrahşat Bey und Ali Şengül sind nicht erhalten geblieben.
Unterirdische Stadt Aydıntepe
Diese Anlage liegt etwa 2 bis 2,5 Meter unter dem Bezirkszentrum. Sie wurde aus massivem Fels herausgearbeitet. Zu ihr gehören Gänge, gewölbte Räume und weite Flächen. Forschende vermuten, dass sie in spätrömischer bis frühbyzantinischer Zeit zur Verteidigung und als Versteck angelegt wurde. Das amtliche Inventar schränkt diese Einordnung ein. Wegen der Funde aus verschiedenen Epochen sind Bau- und Nutzungszeiten nicht abschließend geklärt.
Sırakayalar
Für eine Pause von den steinernen Bauwerken kannst du die Wasserfälle von Sırakayalar besuchen. Es gibt zwei. Einer liegt am Dorfeingang, der andere im Dorf.
Zeittafel
- 395 Nach der Reichsteilung bleibt Bayburt im Oströmischen Reich.
- 1054 Seldschukische Truppen greifen Bayburt an, erobern es aber nicht.
- 1202 Mit dem Ende des Saltukidenstaates kommt Bayburt unter die Herrschaft der anatolischen Seldschuken.
- 1291 Eine im Namen von Mesud II. geprägte Münze nennt die Stadt Baypırt.
- Oktober 1514 Osmanische Truppen erobern Bayburt von den Safawiden.
- 1514–1515 Die Zahit-Efendi-Moschee wird gebaut.
- 1647 Evliya Çelebi besucht Bayburt.
- 19. Juli 1829 Bayburt fällt an russische Truppen.
- 1829 Der Frieden von Adrianopel beendet die russische Besetzung.
- 1913–1915 Die Yakutiye-Moschee wird gebaut.
- 1967 Die Große Moschee wird nach ihrem ursprünglichen Grundriss neu errichtet.
- 1989 Bayburt wird von Gümüşhane abgetrennt und eine eigene Provinz.
- 2017 Die Restaurierung der Burg Bayburt beginnt. Dazu gehört die Nachbildung des Fliesenschmucks.
- 14. November 2024 Die Ergebnisse eines Einsatzes wegen historischer Artefakte werden bekannt gegeben. Sein Schwerpunkt liegt in Bayburt; er erstreckt sich über 14 Provinzen.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
- Eine Münze zeigt eine andere Schreibweise. Eine 1291 im Namen von Mesud II. geprägte Münze nennt die Stadt Baypırt. Damit ergänzt sie die Liste der Namensformen.
- Die meisten Burginschriften gehören zu einem Herrscher. Siebzehn der zwanzig arabischen Inschriften in der Burg Bayburt stammen aus der Zeit von Tuğrul Şah von Erzurum.
- Ein sternförmiger Heißraum. Im Çarşı-Hamam öffnen sich sechs Iwane zur Mitte des Heißraums. Gemeinsam bilden sie eine Sternform.
Quellen
FAQ
Was bedeutet der Name Bayburt?
Das weiß niemand mit Sicherheit. Der Bestandteil berd wird mit dem armenischen Wort für Festung erklärt. Die Bedeutung des ersten Bestandteils und die genaue Herkunft des gesamten Namens sind jedoch unbekannt.
Wer eroberte Bayburt von den Safawiden?
Osmanische Truppen unter Mustafa Bey und Bıyıklı Mehmed Bey eroberten Bayburt im Oktober 1514 von den Safawiden.
Wann wurde Bayburt eine Provinz?
Bayburt wurde 1989 eine Provinz. Sie entstand aus einem Teil der Provinz Gümüşhane.
Lag Bayburt an einer Handelsroute?
Ja. Unter den Ilchanen lag Bayburt an der Handelsstraße zwischen Täbris und Trapezunt. Genuesische und venezianische Karawanen machten dort Halt.
Ist Evliya Çelebis Erklärung des Namens anerkannt?
Nein. Evliya Çelebi führte den Namen auf bay (reich) und yurt (Heimat) zurück. Wikipedia weist darauf hin, dass diese Geschichte nicht zur historischen Chronologie passt.
Image: Bayburt Fortress.JPG — Serguzesht, CC BY-SA 3.0
