Der Alexandersarkophag in Istanbul: Was siehst du hier?
Der Alexandersarkophag vereint Schlacht, Jagd und antike Farben auf einem Marmorgrab. Er gehört zu den Archäologischen Museen Istanbul. Nach der Datierung des Kulturministeriums entstand er im letzten Viertel des vierten Jahrhunderts v. Chr. Seinen geläufigen Namen verdankt er einer Darstellung Alexanders des Großen. Dessen Sarg war er nicht.
Betrachte zuerst die Form, bevor du dich den Figuren widmest. Der Sarkophag besteht aus einem Kasten und einem Deckel aus pentelischem Marmor. Der Deckel ähnelt einem geneigten Dach mit dreieckigen Giebeln. Du siehst also einen Grabbehälter, dessen Form zugleich an ein Gebäude erinnert. Der Skulpturenschmuck beschränkt sich nicht auf die langen Bildfelder. Er umfasst auch die darüberliegenden Architekturelemente.
Wo steht der Alexandersarkophag: in Istanbul oder im British Museum?
Der originale Alexandersarkophag gehört zur Sammlung der Archäologischen Museen Istanbul, nicht zum British Museum. Für deinen Besuch ist Gülhane der richtige Anlaufpunkt. Das Museum liegt am Osman Hamdi Bey Yokuşu, der von der Alemdar Caddesi abgeht. Damit verbindet seine heutige Adresse den Sarkophag mit dem Namen des Ausgräbers, der ihn in Sidon fand.
Auch das Museumsgebäude gehört zur Geschichte des Sarkophags. Das von Alexandre Vallaury entworfene Hauptgebäude des Archäologischen Museums wurde am 13. Juni 1891 eröffnet. Es entstand, um den Alexandersarkophag und weitere Funde aus Sidon auszustellen. Der Zusammenhang ist unmittelbar: Die Entdeckung lieferte die Werke, für die ein Museumsgebäude errichtet wurde.
Wie wurde der Alexandersarkophag in Sidon entdeckt?
Der Sarkophag wurde 1887 in der königlichen Nekropole des antiken Sidon (Sayda) im heutigen Libanon gefunden. Osman Hamdi Bey leitete die Ausgrabungen. In der Nekropole von Ayaa arbeitete er mit dem Bildhauer Yervant Voskan zusammen. Die Entdeckung verbindet damit den antiken Standort des Grabes in Sidon mit seinem späteren Platz in der Istanbuler Museumssammlung.
Als der Marmor ans Licht kam, hatte er seine antike Bemalung nicht vollständig verloren. Schon während der Ausgrabung 1887 waren Farbreste sichtbar. Wenn du dir die Entdeckung vorstellst, gehört das dazu: Erhalten waren sowohl die gemeißelten Figuren als auch Reste ihrer bemalten Oberflächen.
Für wen war der Alexandersarkophag bestimmt?
Alexanders Bild gibt dem Sarkophag seinen Namen. Es verrät aber nicht, wer darin bestattet wurde. Die meisten Forschenden gehen davon aus, dass das Grab für Abdalonymos, den König von Sidon, angefertigt wurde. Diese Zuordnung ist von der Identifizierung Alexanders in der Schlachtszene zu unterscheiden. Wer auf einem Grab dargestellt ist, muss nicht darin liegen.
Die Frage nach dem ursprünglichen Grabherrn bleibt umstritten. Waldemar Heckel hat statt Abdalonymos den persischen Adligen und Statthalter von Babylon, Mazaeus, vorgeschlagen. Keine Inschrift auf dem Sarkophag nennt den Namen des Grabherrn. Dieser direkte Nachweis fehlt. Das erklärt wesentlich, weshalb der geläufige Name des Sarkophags und die Frage nach seinem Besitzer getrennt betrachtet werden müssen.
Zeigt der Alexandersarkophag die Schlacht bei Issos?
Eine Langseite zeigt einen Kampf zwischen griechischen und persischen Kriegern. Ganz links erscheint Alexander zu Pferd. Auf dem Kopf trägt er ein Löwenfell, das mit Herakles verbunden ist. Wenn du im dicht bevölkerten Relief einen klaren Ausgangspunkt suchst, beginne bei diesem Reiter und seiner auffälligen Kopfbedeckung.
Die Szene wird weithin als Darstellung der Schlacht bei Issos gedeutet, die 333 v. Chr. stattfand. Diese Zuordnung ist nicht allgemein anerkannt. Manche Forschende sehen im Relief eine symbolische Komposition statt der Darstellung einer bestimmten Schlacht. Eine vorsichtige Deutung hält beides fest: Zu sehen ist ein Kampf zwischen Griechen und Persern. Die Zuordnung zu Issos bleibt eine Interpretation.
Die Kleidung hilft dir, die gegnerischen Figuren zu unterscheiden. Griechische Krieger tragen kurze Tuniken und Mäntel. Persische Krieger tragen Hosen und langärmelige Gewänder. Denk daran, wie du im Alltag Menschen an ihrer Kleidung erkennst, bevor du ihre Gesichter genauer wahrnimmst. Hier helfen dir diese Unterschiede, die gemeißelten Gruppen zu verstehen. Du musst dich dafür nicht allein auf die Identifizierung einzelner Personen verlassen.
Was geschieht auf den Jagdreliefs?
Auf der anderen Langseite verändert sich das Verhältnis zwischen den Figuren. Griechen und Perser jagen gemeinsam Löwen und Hirsche. Dieselben übergeordneten Gruppen erscheinen auf den beiden langen Bildfeldern einmal als Gegner im Kampf und einmal als Teilnehmer einer gemeinsamen Jagd. Wenn du beide Seiten betrachtest, erschließen sich dir mehr Themen des Sarkophags als durch die Schlachtszene allein.
Auch innerhalb der Jagdszene kann die Identität einer Figur umstritten sein. Ein makedonischer Reiter, der zu Hilfe kommt, wird entweder als Alexander oder als dessen enger Gefährte Hephaistion identifiziert. Die Handlung ist sichtbar. Welcher Name dem Reiter zugeordnet wird, hängt jedoch von der Deutung ab. Diese Unterscheidung erinnert an die Debatte um den Bezug der Schlachtszene zu Issos.
Eine Schmalseite zeigt eine weitere Jagdszene. Dort greifen fünf persische Figuren einen Leoparden oder Panther an. Dieses Bildfeld ergänzt das umfangreiche Skulpturenprogramm um eine weitere Tierjagd. Es lohnt sich deshalb, auch die Stirnseiten des Sarkophagkastens anzusehen. Ihr Thema ist nicht einfach eine verkleinerte Wiederholung des langen Schlachtreliefs.
War der Alexandersarkophag bemalt? Seine erhaltenen Farben
Ja. Auf seinen Marmoroberflächen sind Spuren antiker Mehrfarbigkeit erhalten. Das Kulturministerium nennt Purpur, Rot, Gelb, Blau, Rotbraun und Flieder als Farben seiner Palette. Das Werk bestand also aus mehr als gemeißeltem Marmor. Aufgetragene Farbe prägte das Aussehen seiner Figuren und seines Dekors mit.
Die erhaltenen Spuren verbinden den heutigen Zustand auch mit dem Moment der Entdeckung. Als der Sarkophag 1887 freigelegt wurde, war Farbe sichtbar. Wenn du seine Oberfläche untersuchst, gehört die Farbe zu den Befunden am Objekt selbst. Sie ist keine bloß erdachte Ergänzung einer Szene, die ansonsten nur durch ihre gemeißelten Formen bekannt wäre.
Details, die du nicht in Reiseführern findest
Die Farbforschung der Liebieghaus Skulpturensammlung hebt den Kontrast zwischen leuchtendem Blau, intensivem Rot und goldenem Ocker in der Farbgestaltung des Sarkophags hervor. Das beschreibt genauer, wie die Farben der umfangreicheren Palette zueinander standen: Kräftige Farben wurden einander gegenübergestellt. Wenn du dir diesen Kontrast merkst, kannst du dir die Reliefs sowohl als bemalte Kompositionen als auch als Anordnungen von Marmorfiguren vorstellen.
Schau oberhalb der erzählenden Bildfelder nach den schützenden Löwen an den Giebelecken. Löwen übernehmen an demselben Monument also unterschiedliche Rollen. In der langen Jagdszene sind sie die verfolgten Tiere. An den Giebelecken haben sie eine Schutzfunktion. Ihre Platzierung gehört zur architektonischen Gestaltung des Grabes.
Die Giebel zeigen außerdem Szenen, in denen makedonische Soldaten gegeneinander kämpfen. Der Skulpturenschmuck besteht somit nicht ausschließlich aus griechisch-persischen Auseinandersetzungen. Auch deshalb solltest du neben dem Kasten den dachförmigen Deckel betrachten. Die oberen Szenen ergänzen die Schlacht- und Jagdthemen darunter um einen anderen Konflikt.
Zeitleiste
- 333 v. Chr.: Die Schlacht bei Issos fand statt. Das lange Schlachtrelief wird weithin mit diesem Ereignis verbunden, auch wenn diese Deutung umstritten ist.
- Letztes Viertel des vierten Jahrhunderts v. Chr.: Nach der Datierung des Kulturministeriums entstand der Alexandersarkophag.
- 1887: Der Sarkophag wurde bei Osman Hamdi Beys Ausgrabungen in der königlichen Nekropole von Sidon entdeckt.
- 13. Juni 1891: Das Hauptgebäude des Archäologischen Museums wurde eröffnet, um den Alexandersarkophag und weitere Funde aus Sidon auszustellen.
FAQ
Steht der Alexandersarkophag im British Museum?
Nein. Das Original gehört zu den Archäologischen Museen Istanbul. Das Museum liegt am Osman Hamdi Bey Yokuşu, der von der Alemdar Caddesi in Gülhane abgeht.
Wurde Alexander der Große darin bestattet?
Nein. Der Name geht auf Alexanders Darstellung im Schlachtrelief zurück. Die meisten Forschenden bringen den Sarkophag mit Abdalonymos, dem König von Sidon, in Verbindung. Auch Mazaeus wurde als möglicher Grabherr vorgeschlagen.
Welche Farben sind auf dem Sarkophag erhalten?
Auf dem Marmor sind antike Farbreste erhalten. Das Kulturministerium nennt Purpur, Rot, Gelb, Blau, Rotbraun und Flieder als Farben seiner Palette.
Zeigt die Schlachtszene eindeutig Issos?
Nein. Die Deutung des griechisch-persischen Schlachtreliefs als Schlacht bei Issos ist weithin anerkannt. Manche Forschende verstehen die Szene dagegen als symbolische Komposition, die keine bestimmte historische Schlacht zum Gegenstand hat.
Quellen
- Ministerium für Kultur und Tourismus — Kulturportal, „Kunst in Stein: Sarkophage“ kulturportali.gov.tr
- Ministerium für Kultur und Tourismus — Archäologische Museen Istanbul muze.gov.tr
- Wikipedia — „Alexandersarkophag“ en.wikipedia.org
- Vikipedi — „İskender Lahdi“ tr.wikipedia.org
- Universität Warwick — Quellenbuch zu Alexander dem Großen warwick.ac.uk
- Tomoyo Nakamura — Zeitschrift für Klassische Studien, 2013 jstage.jst.go.jp
- Liebieghaus Skulpturensammlung — Götter in Farbe newsroom.liebieghaus.de
FAQ
Wo befindet sich der originale Alexandersarkophag?
Das Original gehört zu den Archäologischen Museen Istanbul in Gülhane. Sie liegen am Osman Hamdi Bey Yokuşu, der von der Alemdar Caddesi abgeht. Der Sarkophag befindet sich nicht im British Museum.
Wurde Alexander der Große in dem Sarkophag bestattet?
Nein. Der Sarkophag trägt seinen Namen, weil Alexander auf dem Schlachtrelief dargestellt ist. Die meisten Forschenden bringen das Grab mit Abdalonymos, dem König von Sidon, in Verbindung.
War der Alexandersarkophag bemalt?
Ja. Auf dem Marmor ist antike Farbe erhalten. Das Kulturministerium nennt Purpur, Rot, Gelb, Blau, Rotbraun und Flieder als Farben des Sarkophags.
Zeigt das Relief die Schlacht bei Issos?
Das Schlachtrelief wird weithin als Darstellung der Schlacht bei Issos im Jahr 333 v. Chr. gedeutet. Manche Forschende halten es dagegen für eine symbolische Komposition, die keine bestimmte Schlacht zum Gegenstand hat.
Image: Alexander Sarcophagus, Istanbul Archaeological Museums 2020.jpg — Kingbjelica, CC BY-SA 4.0

