Woher kommt der Name Bingöl?
Bingöl verdankt seinen Namen dem Bingölgebirge (Bingöl Dağı), das für seine vielen Gletscherseen bekannt ist. Der frühere Stadtname Çapakçur hat eine andere Entstehungsgeschichte. Wenn du dich mit Bingöls Geschichte und der Herkunft seines Namens beschäftigst, ist diese Unterscheidung wichtig: Das Gebirge erklärt den heutigen Namen. Für Çapakçur gibt es dagegen mehrere konkurrierende etymologische Deutungen.
Zu den früheren Namen gehören auch die zazaischen Formen Çolik und Çolig sowie die kurdische Form Çewlîg. Mittelalterliche islamische Quellen bezeichnen die ältere Siedlung als Cebelü Cûr. Diese Formen gehören neben Çapakçur zur Namensgeschichte des Ortes. Der heutige Name ersetzt sie in einer Darstellung dieser Geschichte nicht vollständig.
Nach Angaben der Kulturdirektion der Provinz erhielt die Stadt 1945 den Namen Bingöl. Çapakçur bezeichnete weiterhin die alte Siedlung im Tal. In Darstellungen der Stadtentwicklung kannst du deshalb auf beide Namen stoßen. Çapakçur blieb dabei mit einem bestimmten Teil der Siedlung verbunden.
Was bedeutet Çapakçur?
Die Bedeutung von Çapakçur ist weiterhin umstritten. Ercan Çağlayan stellt eine mit Minorsky und Kazvini verbundene Erklärung vor. Sie leitet den Namen aus dem Armenischen ab und deutet ihn als „Ort, an dem sich das Wasser verbreitert“. Bilge Umar schlug dagegen die Bedeutung „trockenes Bachbett“ vor. Es handelt sich um alternative Deutungen des älteren Namens.
Evliya Çelebi hielt eine weitere Erklärung fest. Seine Erzählung verband Çapakçur mit einem „Paradieswasser“, durch das Alexander der Große seine Gesundheit wiedererlangt habe. Das ist eine Legende. Wissenschaftliche Erörterungen führen auch armenische Erklärungen für den Namen an. Die Geschichte vom heilenden Wasser ist daher als Überlieferung zur Namensgebung zu lesen, nicht als gesichertes historisches Ereignis.
Wie weit reicht Bingöls Geschichte zurück?
Obsidian verbindet Bingöl mit dem prähistorischen Austausch von Gütern. Sırrı Tiryaki verortet die wichtigsten Obsidianvorkommen in seiner Studie von 2020 in vulkanischen Gebieten zwischen dem Stadtzentrum, Solhan und Karlıova. Das Material gehörte zu den Rohstoffen, die durch den prähistorischen Handel verbreitet wurden.
Laut der historischen Darstellung des Kulturministeriums gelangte Obsidian aus Bingöl in der Jungsteinzeit nach Göbeklitepe. Damit reicht die frühe Geschichte der Region über ihre eigenen Siedlungen hinaus. Das Material wurde bereits transportiert, bevor jene Verwaltungsänderungen und Stadtnamen entstanden, die ihre spätere schriftlich überlieferte Geschichte prägen.
Archäologische Oberflächenuntersuchungen, die 2019 begannen, wiesen weitere Vorkommen nach. Erfasst wurden sie in Sarı Başak, Kulan und Efendi Deresi. Diese Weiler gehören zum Dorf Yenidal in Solhan. Hinzu kam das Dorf Alatepe im zentralen Landkreis. Die Entdeckungen ergänzten die Erforschung von Bingöls Obsidianvorkommen um konkrete Fundorte.
Die Kübik-Höhle beim Dorf Kübik in Karlıova enthält Überreste, die der Jungsteinzeit und der Bronzezeit zugeordnet werden, sowie Ritzungen an den Wänden. Die Kulturdirektion der Provinz verzeichnet außerdem Funde urartäischer Felsgräber beim Dorf Suçatı in Karlıova. Diese Stätten erweitern das archäologische Bild der Region über den Obsidian hinaus.
Was ist aus römischer und byzantinischer Zeit erhalten?
Die Kulturdirektion der Provinz zählt die Burg Kitharizon beim Dorf İncesu im zentralen Landkreis zu den Festungen an der Ostgrenze Roms. Ihr Platz in Bingöls Geschichte hängt somit mit einer militärischen Grenze zusammen. Die spätere osmanische Verwaltung mit ihrem Zentrum in Çapakçur gehört in einen anderen historischen Zusammenhang.
Das Gouverneursamt datiert die von Menschenhand angelegten Zağ-Höhlen auf das frühe 5. Jahrhundert n. Chr., also die spätrömische bis frühbyzantinische Zeit. Ihre in den Fels gehauenen Räume bieten einen weiteren Zugang zu dieser Epoche. Manche Räume besitzen Vorrichtungen zur Vorratshaltung, die direkt in den Boden eingearbeitet wurden.
Die offiziellen Beschreibungen nennen unterschiedliche Zahlen für die Ebenen von Zağ. Das Gouverneursamt gibt fünf Ebenen einschließlich der Eingangsebene an. Die Kulturdirektion der Provinz beschreibt drei Ebenen mit jeweils 26 Räumen. Wenn du vor einem Besuch Beschreibungen vergleichst, solltest du diese unterschiedlichen Angaben berücksichtigen.
Ein Bericht vom 16. Februar 2024 meldete die Beschlagnahmung von 110 Münzen in Genç und die Festnahme von drei Verdächtigen. Die Münzen wurden für byzantinisch gehalten. Diese Zuordnung war im Bericht vorläufig.
Wie entwickelte sich Çapakçur unter osmanischer Verwaltung?
Während der Herrschaft Selims I. (Yavuz Sultan Selim) wurde Çapakçur zum Zentrum eines Sandschaks mit Yurtluk-Ocaklık-Status. Bis ins 19. Jahrhundert blieb es dem Beylerbeylik Diyarbekir unterstellt. Diese Verwaltungsgeschichte betrifft die als Çapakçur bekannte Siedlung, bevor die moderne Stadt den Namen Bingöl annahm.
Religiöse Stiftungen geben einen näheren Einblick in das örtliche Leben. Yaşar Baş weist in seiner Archivforschung Stiftungsbestimmungen vom Mai 1548 für die Moschee und die Zaviye von İsfahan Bey im Dorf Abtor nach. Das Dokument regelte den Betrieb dieser Einrichtungen. Es liefert damit einen datierten Beleg für ihre Organisation.
Die spätere İsfahan-Bey-Moschee ist im Inventar der Provinz mit Maßen von ungefähr 15,6 mal 15,6 Metern verzeichnet. Sie wurde 1918 umfassend instand gesetzt. Zu ihrer Geschichte gehört auch die Wiederverwendung von Baumaterial aus der verfallenen Moschee in Abtor. Dadurch ist der spätere Bau mit der älteren Stiftung verbunden.
Die Balaban-Bey-Moschee in Kiğı erscheint in Stiftungsunterlagen als Cami-i Kebir. Eine Inschrift über ihrem Eingang trägt die Jahreszahl 1402. Der Bau bietet damit einen datierten architektonischen Bezugspunkt für die weitere Region. Dieser steht unabhängig von den Unterlagen zur Stiftung İsfahan Beys.
Weitere Bauwerke ergänzen das Bild. Das Kulturinventar verzeichnet die Selenk-Brücke über den Perisuyu am Eingang von Kiğı als osmanische Brücke. Ursprünglich besaß sie drei Bögen, von denen der mittlere größer war. Im Dorf Kale in Solhan versank eine historische Moschee unter dem Wasser des Kaleköy-Stausees. Sie war aus grob behauenen Steinen und Horasan-Mörtel errichtet worden.
Details, die du in keinem Reiseführer findest
In Zağ befinden sich in manchen Raumböden verputzte, krugförmige Gruben. Sie dienten zur Lagerung von Getreide und Flüssigkeiten. Hier kannst du die Felsräume mit einer alltäglichen Aufgabe verbinden: der Vorratshaltung. Die Vertiefungen zeigen direkt in den Räumen, wie Vorräte praktisch aufbewahrt wurden.
Nach Yaşar Baş transportierten Bewohner von Çevlik in den 1750er-Jahren Baumaterial aus der verfallenen Moschee in Abtor. Damit errichteten sie eine neue Moschee in Aşağı Çarşı. Der Neubau behielt den Namen İsfahan Beys. Die Darstellung verbindet die beiden Moscheestandorte durch den Transport und die Wiederverwendung von Baumaterial.
In der Balaban-Bey-Moschee in Kiğı trägt der Mihrab drei rote Tulpenmotive auf grünem Grund. Dieses kleine Dekorationselement ergänzt das konkrete Bild eines Bauwerks, dessen Eingangsinschrift die Jahreszahl 1402 nennt.
Vital Cuinet beschreibt Çapakçur im späten 19. Jahrhundert mit 450 Haushalten, acht Läden und einer einzigen Bäckerei. Diese Zahlen zeigen die Siedlung anhand ihrer Haushalte und des alltäglichen Handels. Die Bäckerei schafft eine besonders unmittelbare Verbindung zwischen der schriftlich festgehaltenen Stadtgeschichte und dem täglichen Leben.
Wann wurde aus Çapakçur die moderne Stadt Bingöl?
In der Zeit der Republik gehörte Çapakçur nacheinander zu mehreren Provinzen. 1924 wurde es zum Zentrum eines Landkreises in der Provinz Genç. 1927 gehörte es zu Elazığ und 1929 zur neu gegründeten Provinz Muş. Diese Wechsel erfolgten vor seiner Erhebung zur Provinzhauptstadt.
Das Gesetz Nr. 2885 wurde am 7. Dezember 1935 verabschiedet und am 4. Januar 1936 veröffentlicht. Es schuf die Provinz Bingöl und machte Çapakçur zu ihrer Hauptstadt. Die Gründung der Provinz und die Umbenennung der Stadt waren zwei getrennte Ereignisse. Die offizielle örtliche Geschichtsdarstellung datiert die Umbenennung auf 1945.
Zwischen 1950 und 1955 fiel die Entscheidung, die Stadt aus ihrem alten Zentrum im Tal auf die flachere Terrasse oberhalb zu verlegen. Überschwemmungen und von den Hängen herabstürzende Felsblöcke beeinflussten diese Entscheidung. Die Lage der modernen Stadt erklärt sich deshalb sowohl aus dem Umgang mit Naturgefahren als auch aus ihrer Verwaltungsentwicklung.
Zeitleiste
- Jungsteinzeit: Obsidian aus Bingöl gelangte zu weit entfernten Siedlungen. Nach der Darstellung des Kulturministeriums gehörte dazu Göbeklitepe.
- Frühes 5. Jahrhundert n. Chr.: Das Gouverneursamt datiert die Zağ-Höhlen auf diese Zeit.
- 1402: Diese Jahreszahl steht über dem Eingang der Balaban-Bey-Moschee in Kiğı.
- Herrschaft Selims I.: Çapakçur wurde zum Zentrum eines Sandschaks mit Yurtluk-Ocaklık-Status.
- Mai 1548: Stiftungsbestimmungen regelten den Betrieb der Moschee und der Zaviye von İsfahan Bey in Abtor.
- 1750er-Jahre: Nach Yaşar Baş entstand in Aşağı Çarşı eine neue Moschee mit dem Namen İsfahan Beys. Dafür wurde Baumaterial aus der verfallenen Moschee in Abtor verwendet.
- 1918: Die İsfahan-Bey-Moschee wurde umfassend instand gesetzt.
- 1924–1929: Çapakçur gehörte nacheinander zu Genç, Elazığ und Muş.
- 1935–1936: Das Gesetz zur Gründung der Provinz Bingöl wurde verabschiedet und veröffentlicht.
- 1945: Die offizielle örtliche Geschichtsdarstellung datiert die Umbenennung der Stadt in Bingöl auf dieses Jahr.
- 1950–1955: Die Behörden beschlossen, die Stadt aus dem Tal auf die Terrasse zu verlegen.
- 2019: Neue Oberflächenuntersuchungen zur Erforschung der Obsidianvorkommen begannen.
- 16. Februar 2024: Ein Bericht meldete die Beschlagnahmung von 110 Münzen in Genç.
FAQ
Woher kommt der Name Bingöl?
Er stammt vom Bingölgebirge, das für seine vielen Gletscherseen bekannt ist. Die Kulturdirektion der Provinz datiert die Übernahme des Namens durch die Stadt auf 1945.
Hieß Bingöl früher Çapakçur?
Ja. Çapakçur war der frühere Name der Stadt. Nach der Umbenennung blieb er für die alte Siedlung im Tal gebräuchlich. Weitere überlieferte Formen sind Çolik, Çolig und Çewlîg.
Ist die Geschichte über Alexander den Großen historisch belegt?
Evliya Çelebis Erzählung verbindet Çapakçur mit Alexanders Genesung durch heilendes Wasser. Sie ist eine Legende. Wissenschaftliche Erörterungen führen alternative Erklärungen an, die den Namen aus dem Armenischen ableiten.
Warum wurde die Stadt aus dem Tal verlegt?
Überschwemmungen und von den umliegenden Hängen herabstürzende Felsblöcke beeinflussten die Entscheidung zur Verlegung zwischen 1950 und 1955. Als neuer Standort wurde die flachere Terrasse oberhalb des alten Zentrums gewählt.
Quellen
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Bingöl — Bingöl bingol.ktb.gov.tr
- Türkische Wikipedia — Bingöl tr.wikipedia.org
- Ercan Çağlayan — Armenisch-muslimische Beziehungen in Bingöl (Çapakçur) und Umgebung atauni.edu.tr
- Metin Tuncel, TDV-Enzyklopädie des Islam — Bingöl islamansiklopedisi.org.tr
- Sırrı Tiryaki — Neue Bewertungen der Obsidianvorkommen von Bingöl dergipark.org.tr
- Kulturportal der Türkei — Bingöl kulturportali.gov.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Bingöl — Geschichte Bingöls bingol.ktb.gov.tr
- Gouverneursamt Bingöl — Zağ-Höhlen bingol.gov.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Bingöl — Höhlen bingol.ktb.gov.tr
- Yaşar Baş — Die Stiftung der İsfahan-Bey-Moschee und -Zaviye in Çapakçur (Bingöl) dergipark.org.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Bingöl — Historische Moscheen bingol.ktb.gov.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Bingöl — Kulturinventar Bingöls bingol.ktb.gov.tr
FAQ
Woher kommt der Name Bingöl?
Der Name stammt vom Bingölgebirge, das für seine vielen Gletscherseen bekannt ist.
Wie hieß Bingöl früher?
Zu den früheren Namen gehören Çapakçur, die zazaischen Formen Çolik und Çolig sowie die kurdische Form Çewlîg. Mittelalterliche islamische Quellen nennen die ältere Siedlung Cebelü Cûr.
Was bedeutet Çapakçur?
Die Bedeutung ist umstritten. Eine mit Minorsky und Kazvini verbundene Erklärung führt den Namen auf das Armenische zurück und deutet ihn als „Ort, an dem sich das Wasser verbreitert“. Bilge Umar schlug dagegen „trockenes Bachbett“ vor.
Wann wurde aus Çapakçur Bingöl?
Nach Angaben der Kulturdirektion der Provinz wurde die Stadt 1945 in Bingöl umbenannt. Durch ein am 4. Januar 1936 veröffentlichtes Gesetz war sie zuvor zur Provinzhauptstadt geworden.
Image: Yüzen adalar ve bulut.jpg — Fatih YILMAZ, CC BY-SA 4.0
