Algerien (Cezayir) erkämpfte seine Unabhängigkeit von Frankreich (Fransa) durch bewaffneten Widerstand, politische Umbrüche und Verhandlungen. Die Nationale Befreiungsfront, kurz FLN, begann am 1. November 1954 mit Angriffen. Der Konflikt trug zum Sturz der Vierten Republik in Frankreich bei. Verhandlungen führten schließlich im März 1962 zu den Abkommen von Évian. Ein Referendum und die Unabhängigkeit folgten im Juli.
Wenn du verstehen möchtest, wie Algerien seine Unabhängigkeit erreichte, musst du die Kämpfe und die Entscheidungen über die Souveränität zusammen betrachten. Die militärische Repression durch Frankreich ging während des Krieges weiter. Frankreichs politische Haltung änderte sich jedoch. Charles de Gaulle wandte sich im September 1959 der Selbstbestimmung zu. Bis Juli 1962 hatte Frankreich ein unabhängiges Algerien anerkannt.
Was waren die Ursachen des algerischen Unabhängigkeitskriegs?
Frankreich begann 1830 mit der Invasion Algeriens. Diese Eroberung schuf die kolonialen Strukturen, gegen die sich später die Unabhängigkeitsbewegung richtete. Ab 1848 wurde Algerien als Teil Frankreichs behandelt und in drei Départements gegliedert: Alger, Oran und Constantine. Für die Unabhängigkeit mussten deshalb die Regelungen aufgehoben werden, die Algerien als französisches Staatsgebiet definierten.
Auch Ungleichheit prägte die Kolonialgesellschaft. Das CHRD-Museum in Lyon beschreibt die gesellschaftliche Trennung vor dem Krieg anhand von ungefähr neun Millionen Muslimen und einer Million europäischen Siedlern. Diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Trennung. Die Frage der Unabhängigkeit betraf eine Bevölkerung, deren politische Ordnung durch die französische Kolonialherrschaft geprägt war.
Die gewaltsame Unterdrückung nationalistischer Demonstrationen verschärfte diese Ausgangslage. Am 8. Mai 1945 schlugen französische Behörden Demonstrationen in Sétif, Guelma und Kherrata nieder. Diese Ereignisse lagen vor dem bewaffneten Aufstand von 1954. Neben der kolonialen Eroberung und der Ungleichbehandlung gehören sie zu den Ursachen des Krieges.
Wie begann der Algerienkrieg 1954?
Die FLN begann am 1. November 1954 mit den Angriffen, die den Unabhängigkeitskrieg eröffneten. In ihrer Gründungserklärung forderte sie die Anerkennung der algerischen Souveränität. Außerdem verlangte sie die Aufhebung der Regelungen, die Algerien als französisches Gebiet behandelten. Ihr Ziel war ein Wechsel der staatlichen Souveränität. Es ging damit um mehr als um Anpassungen innerhalb des Kolonialsystems.
Der bewaffnete Arm der FLN trat als ALN auf. Die Abkürzung steht für Nationale Befreiungsarmee. Wenn du über den Konflikt liest, begegnen dir beide Kürzel. Die FLN war die Nationale Befreiungsfront, die ALN ihr bewaffneter Arm. Diese Unterscheidung hilft dir, das Verhältnis zwischen der Unabhängigkeitsbewegung und ihrem militärischen Kampf zu verstehen.
Wie führte Frankreich den Algerienkrieg?
Im März 1956 erhielt die französische Regierung Sondervollmachten. Diese erlaubten ihr außergewöhnliche Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung in Algerien. Am 7. Januar 1957 bekam General Jacques Massu die uneingeschränkte Polizeigewalt in der Stadt Algier. Das verstärkte die militärische Repression während der Schlacht um Algier.
Die Folter warf auch die Frage nach der Verantwortung des Staates auf. Pierre Vidal-Naquet belegte in seinem 1962 erschienenen Buch La Raison d’État anhand von Dokumenten, dass die Verantwortung für die Folter in Algerien bis zum französischen Staat reichte. Es ging deshalb sowohl um das Verhalten einzelner Beteiligter als auch um die Institutionen, die die französische Herrschaft lenkten und aufrechterhielten.
Zwischen 1957 und 1960 vertrieb das französische Militär durch Umsiedlungsmaßnahmen mehr als zwei Millionen Algerier aus ihren Dörfern. Um dir die Bedeutung dieser Zahl für den Alltag vorzustellen, denke daran, du müsstest dein eigenes Zuhause verlassen. Die Vertreibung dieser Dorfbewohner zeigt, wie unmittelbar der Krieg in die Wohn- und Lebensverhältnisse der Menschen eingriff.
Wie veränderte der Algerienkrieg Frankreich?
Der Algerienkonflikt stand im Zentrum der politischen Krise, die Frankreichs Vierte Republik zu Fall brachte. 1958 wurde die Fünfte Republik gegründet. Der Streit um Algerien veränderte damit auch die Regierungsordnung in Frankreich selbst. Seine Folgen reichten über das Gebiet hinaus, in dem die Unabhängigkeitsbewegung ihre Angriffe begonnen hatte.
De Gaulle wandte sich im September 1959 dem Grundsatz der algerischen Selbstbestimmung zu. Im Januar 1961 stimmten die französischen Wähler diesem Grundsatz mit großer Mehrheit zu. Diese Entscheidungen eröffneten einen politischen Weg, auf dem die Algerier ihre Zukunft selbst bestimmen konnten. Zugleich veränderten sie die Rahmenbedingungen für Frankreichs Verhandlungen.
Der Widerstand ging weiter. Die im Februar 1961 gegründete Geheimorganisation OAS versuchte, die Unabhängigkeitsverhandlungen zwischen der französischen Regierung und der FLN zu behindern. Am 22. April 1961 unterbrach ein Putschversuch von Generälen in Algerien den Verhandlungsprozess. Die Zustimmung zur Selbstbestimmung führte also weder sofort noch ohne Widerstand zu einer Einigung.
Wie führten die Verhandlungen zur Unabhängigkeit Algeriens?
Im Mai 1961 begannen die Gespräche in Évian. Louis Joxe leitete die französische Delegation, Krim Belkacem die algerische. Diese Verhandlungen folgten auf das französische Referendum zur Selbstbestimmung und den Putschversuch der Generäle. Der Weg zur Unabhängigkeit führte über förmliche Gespräche zwischen Vertretern der gegnerischen Seiten.
Die Abkommen von Évian wurden am 18. März 1962 unterzeichnet. Sie regelten einen Waffenstillstand, die Übertragung der Souveränität und die künftigen Beziehungen zwischen Frankreich und dem unabhängigen Algerien. Dieser Umfang erklärt ihre zentrale Bedeutung für den Ausgang des Konflikts. Sie schufen die Regelungen für dessen Beendigung und die Übergabe der Staatsgewalt.
Die Übergangsbestimmungen sahen einen französischen Hochkommissar vor. Neben ihm sollte eine provisorische algerische Exekutive mit muslimischer Mehrheit amtieren. Der Waffenstillstand zwischen Frankreich und der FLN trat am 19. März in Kraft. Die Unterzeichnung der Abkommen und der Beginn des Waffenstillstands waren zwei getrennte Ereignisse an aufeinanderfolgenden Tagen.
Algerienkrieg: Die wichtigsten Daten im Zeitstrahl
- 1830: Frankreich begann mit der Invasion Algeriens.
- 1848: Algerien wurde als Teil Frankreichs behandelt und in drei Départements gegliedert: Alger, Oran und Constantine.
- 8. Mai 1945: Nationalistische Demonstrationen in Sétif, Guelma und Kherrata wurden gewaltsam niedergeschlagen.
- 1. November 1954: Angriffe der FLN eröffneten den Unabhängigkeitskrieg.
- Oktober 1956: Französische Streitkräfte zwangen das Flugzeug mit Ben Bella und weiteren nationalistischen Anführern zur Landung und verhafteten sie.
- 7. Januar 1957: Massu erhielt die uneingeschränkte Polizeigewalt in Algier.
- 1958: Die Algerienkrise trug zum Zusammenbruch der Vierten Republik in Frankreich bei.
- September 1959: De Gaulle wandte sich der Selbstbestimmung zu.
- Januar 1961: Die französischen Wähler stimmten der Selbstbestimmung zu.
- 22. April 1961: In Algerien begann der Putschversuch der Generäle.
- Mai 1961: In Évian begannen die Verhandlungen.
- 18. März 1962: Die Abkommen von Évian wurden unterzeichnet.
- 19. März 1962: Der Waffenstillstand trat in Kraft.
- 1. Juli 1962: Im algerischen Referendum wurde die Unabhängigkeit angenommen.
- 3. Juli 1962: Frankreich erkannte Algeriens Unabhängigkeit an.
- 5. Juli 1962: Algerien erklärte seine Unabhängigkeit.
Wer gewann den Algerienkrieg und was war das Ergebnis?
Die algerische Unabhängigkeitsbewegung erreichte ihr zentrales Ziel: staatliche Souveränität. Beim Referendum am 1. Juli 1962 erhielt die Unabhängigkeit ungefähr 99,7 Prozent Zustimmung. Frankreich erkannte die Unabhängigkeit am 3. Juli an. Algerien erklärte am 5. Juli seine Unabhängigkeit. Dieses Datum wurde zum Unabhängigkeitstag des Landes.
Wenn du die Daten vergleichst, unterscheide zwischen dem Waffenstillstand im März und der Unabhängigkeitserklärung im Juli. Der Waffenstillstand begründete eine Vereinbarung zwischen Frankreich und der FLN, die Kämpfe einzustellen. Die Anerkennung und die Unabhängigkeitserklärung folgten später. Vergeltungsaktionen, Bombenanschläge und Massaker gingen nach dem 19. März weiter. Der Waffenstillstand beendete somit nicht jede Gewalt.
Opferzahlen im Algerienkrieg: Warum weichen die Angaben voneinander ab?
Über die Gesamtzahl der algerischen Toten besteht keine Einigkeit. Die FLN schätzte sie auf 1,5 Millionen. Einige französische Berechnungen gehen dagegen von ungefähr 350.000 aus. Diese Schätzungen stehen einander gegenüber. Eine der Zahlen als unbestrittene Opferzahl darzustellen, würde die Uneinigkeit über die menschlichen Verluste des Krieges verdecken.
Die Vertreibungen zeigen ein weiteres Ausmaß dieser Folgen. Mehr als zwei Millionen Algerier wurden zwischen 1957 und 1960 bei französischen Umsiedlungsaktionen aus ihren Dörfern entfernt. Diese Zahl erfasst Vertriebene, keine Getöteten. Die Unterscheidung ist wichtig, wenn du Angaben zu den Opferzahlen und den weiterreichenden Folgen für die Zivilbevölkerung vergleichst.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Im Oktober 1956 zwangen französische Streitkräfte ein marokkanisches Flugzeug zur Landung in Algerien. An Bord waren Ahmed Ben Bella und weitere nationalistische Anführer. Sie verhafteten die Passagiere. Der Vorfall zeigt, dass neben militärischen Operationen auch die Reisen und die Inhaftierung nationalistischer Anführer Teil des Konflikts waren.
Der Schweizer Diplomat Olivier Long half ab November 1960 dabei, Kontakte zwischen Frankreich und der Provisorischen Regierung Algeriens herzustellen. Sein Einsatz ging dem Beginn der Gespräche von Évian im Mai 1961 voraus. Den förmlichen Verhandlungen waren somit Bemühungen vorausgegangen, die Parteien miteinander in Kontakt zu bringen.
Wenn du Fotos zum Algerienkrieg suchst, ist Jean-Jacques Eppes Aufnahme der Barrikaden in Algier vom 26. Januar 1960 ein genau nachgewiesenes Beispiel. ECPAD führt sie unter ALG 60-38 R22. Datum, Fotograf und Archivsignatur ermöglichen es dir, gezielt nach diesem Archivbild zu suchen.
Eine Karte von Sciences Po für den Zeitraum 1957–1963 erfasst die Opfer kriegsbezogener Anschläge in Frankreich. Sie verzeichnet für Lyon 290 und für Lille 266 getötete oder verletzte Menschen. Diese Zahlen fassen Tote und Verletzte zusammen. Sie zeigen, dass die mit dem Konflikt verbundene Gewalt auch Städte in Frankreich betraf.
Bücher und ein Film zum Algerienkrieg
Der französische Soldat Noël Favrelière desertierte mit einem Gefangenen, von dem er glaubte, dass er getötet werden würde. Er schilderte die Ereignisse in Le Désert à l’aube, das im Oktober 1960 erschien. Zusammen mit Vidal-Naquets La Raison d’État bietet das Buch einen Zugang zum Krieg über einen persönlichen Bericht und eine dokumentarische Untersuchung staatlicher Verantwortung.
Das ehemalige FLN-Mitglied Saadi Yacef spielte in Gillo Pontecorvos Film Schlacht um Algier von 1966 mit und war dessen Koproduzent.
FAQ
Wer gewann den Algerienkrieg?
Die algerische Unabhängigkeitsbewegung erreichte die staatliche Souveränität. Frankreich erkannte Algeriens Unabhängigkeit am 3. Juli 1962 an. Am 5. Juli folgte Algeriens Unabhängigkeitserklärung.
Wann begann und endete der Algerienkrieg?
Er begann am 1. November 1954. Der Waffenstillstand trat am 19. März 1962 in Kraft. Im Juli folgte die Unabhängigkeit. Die Gewalt ging jedoch nach dem Waffenstillstand weiter.
Was waren die wichtigsten Ursachen?
Den Hintergrund bildeten die französische Kolonialherrschaft, Ungleichheit und die Unterdrückung nationalistischer Forderungen. Die FLN verlangte Souveränität und ein Ende der Behandlung Algeriens als französisches Staatsgebiet.
Wie viele Algerier starben?
Die Gesamtzahl bleibt umstritten. Die FLN schätzte die Zahl der algerischen Toten auf 1,5 Millionen. Einige französische Berechnungen gehen von ungefähr 350.000 aus.
Quellen
- Wikipedia — Algerienkrieg en.wikipedia.org
- CHRD-Museum — Der Algerienkrieg: Hintergrund chrd.lyon.fr
- Französisches Verteidigungsministerium — Der Algerienkrieg defense.gouv.fr
- Vikipedi — Algerischer Unabhängigkeitskrieg tr.wikipedia.org
- Französisches Verteidigungsministerium — Die Ursachen des Konflikts und die Anfänge des bewaffneten Kampfes defense.gouv.fr
- CHRD-Museum — Die Folter und das Versagen des Staates chrd.lyon.fr
- Französisches Verteidigungsministerium — 5. Dezember defense.gouv.fr
- Französisches Verteidigungsministerium — Évian: Die Zeit der Verhandlungen defense.gouv.fr
- Chemins de mémoire — 1962: Kriegsende in Algerien cheminsdememoire.gouv.fr
- Historisches Lexikon der Schweiz — Abkommen von Évian hls-dhs-dss.ch
- Vie publique — Die Unterzeichnung der Abkommen von Évian vie-publique.fr
- Élysée — Ansprache von François Hollande, 19. März 2016 elysee.fr
- ImagesDéfense / ECPAD — Die Barrikaden wachsen weiter imagesdefense.gouv.fr
- Sciences Po — Opfer von Anschlägen in Frankreich während des Algerienkriegs sciencespo.fr
FAQ
Wer gewann den Algerienkrieg?
Die algerische Unabhängigkeitsbewegung erreichte ihr zentrales Ziel: staatliche Souveränität. Frankreich erkannte Algeriens Unabhängigkeit am 3. Juli 1962 an. Algerien erklärte am 5. Juli seine Unabhängigkeit.
Wann begann und endete der Algerienkrieg?
Der Krieg begann mit Angriffen der FLN am 1. November 1954. Am 19. März 1962 trat ein Waffenstillstand in Kraft, doch die Gewalt ging danach weiter. Algerien erklärte am 5. Juli 1962 seine Unabhängigkeit.
Was waren die Ursachen des algerischen Unabhängigkeitskriegs?
Den Hintergrund bildeten die französische Kolonialherrschaft, die Ungleichheit zwischen der muslimischen Bevölkerung und europäischen Siedlern sowie die Unterdrückung nationalistischer Forderungen. Die FLN verlangte Algeriens Souveränität und die Aufhebung der Regelungen, die Algerien als französisches Staatsgebiet behandelten.
Wie viele Algerier starben im Krieg?
Die Gesamtzahl bleibt umstritten. Die FLN schätzte die Zahl der algerischen Toten auf 1,5 Millionen. Einige französische Berechnungen gehen dagegen von ungefähr 350.000 aus.
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