Wurzeln der Städte

Tekirdağ: Geschichte und Herkunft des Stadtnamens

Tekirdağ ist eine Hafenstadt am Marmarameer, die auch Rhaidestos, Rodosto, Rodosçuk und Tekfurdağı hieß. Dieser Artikel verfolgt ihre Geschichte von prähistorischen Spuren über die osmanische Herrschaft bis 1922 und stellt die Erklärungen für ihren Namen vor.

6 Min. Lesezeit13 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Tekirdağ: Geschichte und Herkunft des Stadtnamens
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Tekirdağ ist eine Hafenstadt am Nordufer des Marmarameers (Marmara Denizi). Sie entstand an den Hängen des Ördeklidere-Tals. Ihre Geschichte reicht weit zurück. Ihr Name änderte sich mehrfach.

Die Geschichte von Tekirdağ im Überblick

Eine frühe Spur stammt aus dem westlichen Teil von Menekşe Çatağı. Die dortigen Funde gehören zur Toptepe-Kultur und werden auf etwa 4300 v. Chr. datiert. Das liegt ungefähr 6.300 Jahre zurück.

Auch spätere Epochen hinterließen Spuren. In Karaevlialtı legten Ausgräber auf der Akropolis von Heraion Teikhos ein Kult- und Heilzentrum frei. Es stammt aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Grabungsleiterin Neşe Atik beschrieb es in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Osmanen eroberten die Stadt etwa 1357–1358. Die TDV-Enzyklopädie des Islam verbindet dies mit einem Feldzug unter Prinz Murad. Danach wuchs die Stadt unter osmanischer Herrschaft als Hafen mit einer vielfältigen Bevölkerung.

Die Namen von Tekirdağ

Die Stadt trug viele Namen. Die TDV-Enzyklopädie des Islam nennt Rhaidestos, Rodosto, Rodosçuk und Tekfurdağı.

Einige dieser Namen haben eine griechische Form, andere eine türkische. In osmanischen Aufzeichnungen findest du Rodosçuk, eine Form von Rodosto. Die Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts verwenden diesen Namen.

Welcher Name der älteste ist, bleibt umstritten. Nach der traditionellen Auffassung hieß Tekirdağ zunächst Bisanthe. Eine andere Auffassung verortet diese antike Stadt in Barbaros. Sie setzt das Zentrum von Tekirdağ mit Resisto gleich, auch Resisthon geschrieben. Die Forschung hat diese Frage bislang nicht geklärt.

Woher kommt der Name Tekirdağ?

Der heutige Name entwickelte sich aus Tekfurdağı. Das Wort tekfur stammt vom armenischen Wort tagavor, das „Kronenträger“ bedeutet. Im Osmanisch-Türkischen wurde daraus ein Titel für christliche Herrscher.

Tekfurdağı bedeutet also ungefähr „Berg des Tekfur“. Evliya Çelebi erklärte den Namen mit den Weinbergen der byzantinischen Tekfure und den Bergen rund um die Stadt. Das ist seine Darstellung. Die Quellen geben sie als Erklärung weiter, nicht als Beweis.

Für die Form Tekirdağ aus der Zeit der Republik gibt es zwei Erklärungen. Die eine geht von einem Lautwandel aus Tekfurdağı aus. Die andere verbindet den Namen mit einem „Tekir Dağı“. Beide werden in den Quellen genannt. Welche zutrifft, klären die Quellen nicht.

Du kannst dir als Faustregel merken: Der alte Name verweist auf einen Herrscher. In der heutigen Schreibweise ist dieser Bezug verborgen.

Eine Stadt vieler Gemeinschaften

Osmanische Register zeigen, wie vielfältig Rodosçuk war. Die Erhebung von 1515 verzeichnet vier muslimische und sieben nichtmuslimische Stadtviertel. Bei dieser Zählung gab es mehr nichtmuslimische als muslimische Viertel.

Das Steuerregister von 1661 nennt Haushaltszahlen. Es führt 710 armenische Haushalte, 86 Haushalte karamanischer Griechen und 28 jüdische Haushalte auf. Die Armenier waren die größte Gruppe in dieser Aufstellung.

Diese Vielfalt ist der Schlüssel zum Charakter der Stadt.

Rüstem Paşa und das osmanische Stadtbild

Das bekannteste osmanische Bauwerk ist die Rüstem-Paşa-Moschee (Rüstem Paşa Camii). Sie ist ein Werk von Mimar Sinan und wurde für Großwesir Damat Rüstem Paşa errichtet. Beim Baujahr widersprechen sich die Quellen. Die Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Tekirdağ nennt 1553. Das Kulturportal nennt 1554.

Die Moschee wurde 1841 unter Sultan Abdülmecit instand gesetzt. Damals erhielt ihr Hof einen marmornen Brunnen für rituelle Waschungen mit fünf Säulen. Die Tür am Eingang ist mit Elfenbeineinlagen in Walnussholz verziert.

Zum Komplex gehörte auch ein Badehaus. Es war ein Doppelbad mit getrennten Bereichen für Frauen und Männer.

Hinzu kommt der Rüstem-Paşa-Bedesten (Rüstem Paşa Bedesteni), eine überdachte Markthalle. Er misst 25,5 × 19 Meter. Sein Grundriss ist rechteckig, und er besitzt sechs Kuppeln. Stell dir darunter die Einkaufspassage seiner Zeit vor. Hier hättest du Stoffe und Waren gekauft, ähnlich wie heute in einem Einkaufszentrum.

Populäre Darstellungen zählen den Bedesten zum Baukomplex. Eine Archivstudie von Murat Alkan aus dem Jahr 2020 widerspricht dem. Alkan kommt zu dem Schluss, dass er erst nach dem Tod des Paschas errichtet und anschließend der Stiftung hinzugefügt wurde.

Eine weitere Moschee im Zentrum ist die Alte Moschee (Eski Cami). Sie wurde 1830 erbaut. Getreideminister Ahmet Ağa ließ sie errichten.

Der ungarische Fürst in Tekirdağ

Der ungarische Fürst Franz II. Rákóczi (Ferenc II Rákóczi) lebte von 1720 bis 1735 in Tekirdağ. Fünfzehn Jahre sind ein langer Aufenthalt für einen Gast.

Das Rákóczi-Museum wurde am 25. September 1982 eröffnet. Es ist in einem Gebäude im Besitz der ungarischen Regierung untergebracht und zeigt persönliche Gegenstände des Fürsten. Wenn du die Stadt besuchst, ist das ein guter Ausgangspunkt.

Besetzung und Rückkehr

Das 20. Jahrhundert brachte einen tiefen Einschnitt. Tekirdağ wurde 1912 von Bulgarien besetzt. Etwa acht Monate später wurde die Stadt zurückerobert.

Nach dem Türkischen Unabhängigkeitskrieg wurde sie am 13. November 1922 wieder der türkischen Verwaltung übergeben.

Zeittafel

  • Etwa 4300 v. Chr.: Siedlungsspuren der Toptepe-Kultur im westlichen Menekşe Çatağı.
  • 1. Jahrhundert v. Chr.: Datierung des Kult- und Heilzentrums auf der Akropolis von Heraion Teikhos.
  • Etwa 1357–1358: Prinz Murad bringt Tekirdağ unter osmanische Herrschaft.
  • 1515: Eine Erhebung von Rodosçuk verzeichnet vier muslimische und sieben nichtmuslimische Stadtviertel.
  • 1553/1554: Bau der Rüstem-Paşa-Moschee; die Quellen nennen unterschiedliche Jahre.
  • 1720–1735: Franz II. Rákóczi lebt in Tekirdağ.
  • 1830: Ahmet Ağa lässt die Alte Moschee errichten.
  • 1841: Die Rüstem-Paşa-Moschee wird unter Abdülmecit instand gesetzt.
  • 1912: Beginn der bulgarischen Besetzung.
  • 13. November 1922: Rückkehr unter türkische Verwaltung.
  • 25. September 1982: Eröffnung des Rákóczi-Museums.
  • 1993: Bau des Namık-Kemal-Hauses.
  • 2007: Rettungsgrabung am Askertepe-Tumulus.
  • 2009: Ausarbeitung von Restaurierungsprojekten für die historischen Beşevler.

Details, die du in keinem Reiseführer findest

Eine Werkstatt für Arzneimittel. In Heraion Teikhos fanden Ausgräber einen Spatel, eine Pinzette, einen Ohrlöffel und Messlöffel. Außerdem entdeckten sie tandoorförmige Ofenanlagen, die zur Herstellung von Arzneimitteln gedient haben sollen. Atik deutet die Funde als Beleg dafür, dass aus dem Gehäuse, den Sekreten und dem Fleisch der stacheligen Meeresschnecke Arzneimittel hergestellt wurden.

Eine Markthalle als Lagerraum. In den Jahren 1949–1950 diente der Rüstem-Paşa-Bedesten der Bildungsdirektion als Materiallager.

Ein Haus, das nicht das Original ist. Das Namık-Kemal-Haus (Namık Kemal Evi) ist ein 1993 errichteter Gedenkbau. Es steht in der Nähe des Hauses, in dem der Dichter 1840 geboren wurde. Seine Gestaltung orientiert sich an alten Häusern aus Tekirdağ.

Ein geplündertes Grab. Am Askertepe-Tumulus (Askertepe Tümülüsü) nahe dem Dorf Beyoğlu in Şarköy durchbrachen Schatzgräber die Südwand des Grabes. Zwei von ihnen gegrabene Tunnel beschädigten auch die übrigen Wände. 2007 folgte eine Rettungsgrabung unter Leitung der Museumsdirektion Tekirdağ.

Alte Häuser, neue Pläne. Für die historischen Beşevler (Tarihi Beşevler) im Viertel Ertuğrul in Süleymanpaşa wurden 2009 Restaurierungsprojekte ausgearbeitet.

FAQ

Wie hieß Tekirdağ früher?

Zu den historischen Namen gehören Rhaidestos, Rodosto, Rodosçuk und Tekfurdağı.

Wann eroberten die Osmanen Tekirdağ?

Die TDV-Enzyklopädie des Islam verbindet die Eroberung mit dem Feldzug von Prinz Murad und datiert sie auf etwa 1357–1358.

Wann kam Tekirdağ nach der bulgarischen Besetzung wieder unter türkische Verwaltung?

Die Stadt wurde 1912 von Bulgarien besetzt und etwa acht Monate später zurückerobert. Am 13. November 1922 übernahm die türkische Verwaltung.

Welcher ungarische Fürst lebte in Tekirdağ?

Fürst Franz II. Rákóczi lebte dort von 1720 bis 1735. Das Rákóczi-Museum wurde am 25. September 1982 eröffnet.

Wer entwarf die Rüstem-Paşa-Moschee?

Sie ist ein Werk von Mimar Sinan und wurde für Großwesir Damat Rüstem Paşa errichtet. Die Quellen nennen 1553 oder 1554 als Baujahr.

Quellen

  1. TDV-Enzyklopädie des Islam — Tekirdağ islamansiklopedisi.org.tr
  2. Wikipedia — Tekirdağ tr.wikipedia.org
  3. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Tekirdağ — Moscheen tekirdag.ktb.gov.tr
  4. Kulturportal — Rüstem-Paşa-Moschee kulturportali.gov.tr
  5. Kulturportal — Rüstem-Paşa-Bedesten kulturportali.gov.tr
  6. Murat Alkan — Der Rüstem-Paşa-Baukomplex in Tekirdağ im historischen Verlauf dergipark.org.tr
  7. Kulturportal — Historische Beşevler kulturportali.gov.tr
  8. Nachrichtenagentur Anadolu — Türkisch-Ungarisches Jahr im Fürst-Rákóczi-Museum aa.com.tr
  9. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Tekirdağ — Rákóczi-Museum tekirdag.ktb.gov.tr
  10. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Tekirdağ — Namık-Kemal-Haus tekirdag.ktb.gov.tr
  11. Nachrichtenagentur Anadolu — Hera wirft Licht auf die Medizingeschichte aa.com.tr
  12. İstanbul Rumeli Üniversitesi — Rumeli-Post, September 2022 rumeli.edu.tr
  13. Şahin Yıldırım — Anadolu/Anatolia 36, 2010, Askertepe-Tumulus dergipark.org.tr

Image: TRevmfnD2 rustem pasa camii.jpg — Sevim Fidan, CC BY-SA 4.0

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