Wurzeln der Städte

Geschichte von Bitlis: Stadtgeschichte und Namensherkunft

Bitlis entwickelte sich in einem engen Gebirgstal an einer Karawanenroute, die al-Dschazira mit Iran und dem Kaukasus verband. Überlieferte Namen, mittelalterliche Herrscher, osmanische Bauten und archäologische Funde eröffnen unterschiedliche Zugänge zur Vergangenheit der Stadt.

9 Min. Lesezeit16 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Geschichte von Bitlis: Stadtgeschichte und Namensherkunft
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Geschichte von Bitlis: ein Tal an einer Karawanenroute

Bitlis entwickelte sich am Bitlis-Bach in einem engen Tal des Südöstlichen Taurusgebirges. Die Stadt liegt auf 1.400–1.450 Metern Höhe. Durch ihre Lage gehörte sie zu einer Karawanenroute, die al-Dschazira mit Iran und dem Kaukasus verband. Diese Route bietet dir einen Ausgangspunkt, um die Entwicklung der Stadt zu verstehen. Wann die Besiedlung begann, ist ungewiss.

Zur Geschichte von Bitlis gehören die oströmische Herrschaft, eine islamische Eroberung, die Herrschaft der Seldschuken, örtliche Dynastien und die Eingliederung ins Osmanische Reich. Die erhaltenen Bauwerke liefern genauere Jahresangaben. Eine Inschrift dokumentiert Instandsetzungsarbeiten an der Ulu Cami im Jahr 1150. Eine weitere datiert ihr freistehendes Minarett auf 1492. Der Şerefiye-Komplex trägt das Stiftungsdatum 1529.

Dabei muss zwischen Stadt und Provinz unterschieden werden. Die heutige Provinz Bitlis trägt den Namen ihrer Hauptstadt. Ahlat gehört mit seinem mittelalterlichen Friedhof und seiner Steinmetztradition zur Provinz. Seine Denkmäler erweitern das historische Bild über das Tal hinaus, in dem die Stadt Bitlis entstand.

Wie hieß Bitlis früher?

Ältere armenische Quellen bezeichnen Bitlis als Bagesh. Das ist ein historisch überlieferter Name der Stadt. Er steht neben den vorgeschlagenen Erklärungen für den Namen Bitlis, darf aber nicht mit ihnen verwechselt werden. Ein belegter Name und eine Erzählung zur Erklärung eines Namens sind unterschiedliche Arten von Zeugnissen.

Die bekannteste Namenslegende handelt von Badlis. Darin befiehlt Alexander der Große einem Feldherrn dieses Namens, die Burg zu errichten. Der Stadtname wird dann auf diesen Feldherrn zurückgeführt. Die Erzählung verbindet den Namen, die Festung und Alexander zu einer einzigen Gründungsgeschichte. Die TDV İslâm Ansiklopedisi betont jedoch, dass die ersten Bewohner der Burg unbekannt sind.

Diese Geschichte wurde wissenschaftlich kritisiert. In einer 2007 veröffentlichten Studie vertrat Mehmet Demirtaş die Auffassung, dass die Gründung der Burg durch Alexanders Feldherrn Badlis wahrscheinlich nicht der historischen Wirklichkeit entsprach. Wenn du auf diese Erklärung stößt, ist ihr Charakter als Legende ebenso wichtig wie die Erzählung selbst.

Eine andere Theorie liest den Namen als Bit-Liz. Sie deutet den Ausdruck aus dem Assyrischen als „Heim des Liz“. Das ist eine alternative Etymologie und keine weitere Fassung der Feldherrnlegende. Beide Erklärungen schlagen unterschiedliche sprachliche und historische Wege zum heutigen Namen vor. Auch das Gouverneursamt von Bitlis hält fest, dass die genaue Herkunft des Namens unbekannt ist.

Von Ostrom zu den Seldschuken und örtlichen Herrschern

Nach der Teilung des Römischen Reiches im Jahr 395 blieb Bitlis auf oströmischem Gebiet. Im Jahr 641 eroberte Iyad ibn Ghanm die Stadt während des Kalifats von Umar. Diese Jahreszahlen markieren bedeutende politische Veränderungen lange vor der osmanischen Zeit.

1085 kam Bitlis unter die Herrschaft der Großseldschuken. Die Stadt wurde Dilmaçoğlu Mehmed Bey als Iqta zugewiesen und zum Zentrum des Fürstentums der Dilmaçoğulları. Im Zuge der seldschukischen Expansion diente sie damit als Sitz eines örtlichen Herrscherhauses.

Im 14. Jahrhundert regierten die Şerefoğulları über Bitlis. Nach einer siebzehnmonatigen Belagerung kam die Stadt 1473 unter die Herrschaft der Akkoyunlu. Die Dauer der Belagerung macht deutlich, welcher militärische Kampf hinter dem Herrschaftswechsel stand.

Die Eingliederung ins Osmanische Reich verlief in mehreren Schritten. Die Beys von Bitlis erklärten 1514 ihre Treue zum Reich. 1534 wurde die Stadt endgültig in das osmanische Staatsgebiet eingegliedert. Im Frieden von Amasya erkannten die Safawiden 1555 die osmanische Herrschaft an. Diese Daten bezeichnen jeweils die Treueerklärung, die Eingliederung und die Anerkennung.

Zeitleiste

  • 395: Nach der Teilung des Römischen Reiches blieb Bitlis auf oströmischem Gebiet.
  • 641: Iyad ibn Ghanm eroberte Bitlis während des Kalifats von Umar.
  • 1046: Nasir-i Chusrau besuchte die Stadt und berichtete von einer beträchtlichen Honigproduktion.
  • 1085: Bitlis kam unter die Herrschaft der Großseldschuken und wurde zum Zentrum des Fürstentums der Dilmaçoğulları.
  • 1150: Die in der Inschrift der Ulu Cami dokumentierte Instandsetzung fand statt.
  • 1473: Eine siebzehnmonatige Belagerung endete mit der Übernahme von Bitlis durch die Akkoyunlu.
  • 1492: Das freistehende Minarett der Ulu Cami wurde errichtet.
  • 1514: Die Beys von Bitlis erklärten ihre Treue zum Osmanischen Reich.
  • 1529: Şerefhan IV. gab den Şerefiye-Komplex in Auftrag.
  • 1534: Bitlis wurde endgültig in das osmanische Staatsgebiet eingegliedert.
  • 1555: Im Frieden von Amasya wurde die osmanische Herrschaft über Bitlis anerkannt.
  • 25. Mai 1915: Das osmanische Innenministerium verlangte regelmäßige Berichte über geräumte armenische Dörfer und deportierte Einwohner.
  • 1929: Bitlis wurde zu einem Muş unterstellten Kreiszentrum.
  • 1936: Bitlis wurde erneut Provinzhauptstadt.
  • 2000: Die Stätte mit den mittelalterlichen Grabsteinen von Ahlat wurde für die UNESCO-Vorschlagsliste des Welterbes eingereicht.
  • 2022: Die traditionelle Steinmetzkunst von Ahlat wurde in die UNESCO-Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
  • 2024: Bei Ausgrabungen in der Burg wurden ein Schlüssel und eiserne Schlossteile gefunden. Sie wurden als mögliche Beschläge einer Palasttür gedeutet.

Bauwerke und Wohnhäuser als Zeugnisse der Stadtgeschichte

Die Ulu Cami besitzt zwei getrennt datierte Bauteile beziehungsweise Bauphasen. Ihr ursprüngliches Baudatum ist unbekannt. Ihre Inschrift dokumentiert eine Restaurierung durch Ebu’l Muzaffer Muhammed im Jahr 1150. Das Minarett steht getrennt vom Hauptgebäude und trägt die Jahreszahl 1492. Bei einem Besuch kannst du anhand dieser Daten die dokumentierte Instandsetzung vom späteren Minarett unterscheiden.

Laut seiner Inschrift gab Şerefhan IV. den Şerefiye-Komplex 1529 in Auftrag. Er besteht aus einer Moschee, einer Medrese, einer Imaret und einem Grabmal. Die Moschee gehört damit zu einer größeren Baugruppe und entstand nicht als einzelner Bauauftrag.

Traditionelle Wohnhäuser in Bitlis wurden aus regelmäßig behauenen Steinen errichtet. Sie hatten flache Erddächer. Zur Straße waren sie meist durch hohe Mauern abgeschirmt. Ihre Räume und Anlagen öffneten sich zu Höfen und Gärten. Hier findest du das häusliche Gegenstück zu den Moscheen und der Burg: Die Häuser bewahren eine andere Größenordnung historischen Lebens.

Ein am 2. Dezember 2020 aktualisierter Eintrag im Kulturportal verzeichnete 193 registrierte Häuser im Zentrum von Bitlis und 51 in Ahlat. Neuere Arbeiten legten außerdem historische Bauwerke am Bach frei. Laut einem DHA-Bericht vom 26. August 2024 wurden im Projekt „Historisches Stadtzentrum“ 50.000 Quadratmeter saniert und neun historische Brücken freigelegt.

Armenier, Provinzverwaltung und administrative Veränderungen

Im späten 19. Jahrhundert bestand die Provinz Bitlis aus den Sandschaks Bitlis, Muş, Siirt und Genç. Armenier bekleideten Ämter in der Provinzverwaltung, darunter die des stellvertretenden Gouverneurs und des Unterbezirksleiters. Diese Ämter zeigen die Beteiligung armenischer Einwohner an den Regierungsinstitutionen der Provinz.

Ein Telegramm des osmanischen Innenministeriums vom 25. Mai 1915 richtete sich an Provinzregierungen, darunter die von Bitlis. Es verlangte regelmäßige Berichte mit den Namen geräumter armenischer Dörfer, der Zahl der Deportierten und deren Zielorten. Das Dokument hält fest, welche Verwaltungsberichte über diese Deportationen gefordert wurden.

Später änderte sich der Verwaltungsstatus von Bitlis erneut. 1929 wurde die Stadt zu einem Muş unterstellten Kreiszentrum. Die Provinz wurde 1936 wiedererrichtet, und Bitlis wurde erneut ihre Hauptstadt. Die heutige Funktion als Provinzhauptstadt war zwischen diesen beiden Jahren somit unterbrochen.

Weniger bekannte historische Einzelheiten

Der iranische Reisende Nasir-i Chusrau berichtete bei seinem Besuch 1046 von einer reichlichen Honigproduktion. Wenn du zum Frühstück Honig isst, bietet dir seine Beobachtung einen alltäglichen Bezug zum mittelalterlichen Bitlis. Neben der politischen Chronologie bewahrt sein Bericht damit auch eine Einzelheit zur Produktion.

Evliya Çelebis Beschreibung aus dem 17. Jahrhundert nennt nach der Darstellung des Kulturministeriums einen Palast, einen Basar, einen überdachten Markt, ein Badehaus, zwei Moscheen und 300 Häuser innerhalb der Burg von Bitlis. Diese Aufzählung beschreibt Wohnbauten sowie gewerbliche und religiöse Gebäude innerhalb der Festung.

Die Ausgrabungen in der Burg ergänzen dieses architektonische Bild um kleinere Gegenstände. 2021 barg das Grabungsteam 80 Münzen. Grabungskoordinator Korkmaz Şen beschrieb außerdem einen früheren Fund: eine auf 1519 datierte Münze. Ihre Inschrift weist darauf hin, dass sie in Bitlis geprägt wurde.

2024 wurden neben einem Burgturm in fünf Metern Tiefe ein Schlüssel und eiserne Schlossteile gefunden. Sie wurden als mögliche Beschläge einer Palasttür gedeutet. Diese Zuordnung bleibt eine archäologische Interpretation der Gegenstände und ihres Fundkontexts.

Auch Essen kommt in einer historischen Erzählung vor. Nach dem von TRT Haber wiedergegebenen Bericht aus dem Seyahatname wurde Murad IV. (IV. Murat) während des Revan-Feldzugs 1635 in der Stadt Bitlis-Büryan serviert.

Ahlat und das Steinmetzerbe der Provinz

Die mittelalterlichen Grabsteine von Ahlat erweitern den Blick über die Stadt Bitlis hinaus. Die Stätte mit Steinen aus dem 12. bis 15. Jahrhundert wurde am 25. Februar 2000 für die UNESCO-Vorschlagsliste des Welterbes eingereicht. Der Seldschukenfriedhof von Ahlat umfasst 210.000 Quadratmeter. Einige Grabsteine erreichen fast vier Meter Höhe.

Die Inschriften bewahren mehr als die Namen der Verstorbenen. Manche nennen auch die Meister und Handwerker, die die Steine fertigten. Die traditionelle Steinmetzkunst von Ahlat verwendet Vulkangestein, das an den Hängen des Nemrut gewonnen wird. 2022 wurde dieses Handwerk in die UNESCO-Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

FAQ

Wie hieß Bitlis früher?

Ältere armenische Quellen nennen die Stadt Bagesh. Die heutige Provinz trägt den Namen ihrer Hauptstadt Bitlis.

Woher kommt der Name Bitlis?

Die Badlis-Legende verbindet ihn mit einem Feldherrn Alexanders des Großen. Eine andere Theorie deutet Bit-Liz aus dem Assyrischen als „Heim des Liz“. Das sind vorgeschlagene Erklärungen. Die genaue Herkunft des Namens ist unbekannt.

Wann wurde Bitlis osmanisch?

Die Beys erklärten 1514 ihre Treue zum Osmanischen Reich. Die endgültige Eingliederung folgte 1534. Im Frieden von Amasya erkannten die Safawiden 1555 die osmanische Herrschaft an.

Wie alt ist die Ulu Cami?

Ihr ursprüngliches Baudatum ist unbekannt. Eine Inschrift dokumentiert ihre Instandsetzung durch Ebu’l Muzaffer Muhammed im Jahr 1150. Ihr freistehendes Minarett besitzt eine eigene Inschrift, die es auf 1492 datiert.

Quellen

  1. TDV İslâm Ansiklopedisi — Bitlis, Metin Tuncel islamansiklopedisi.org.tr
  2. Wikipedia — Provinz Bitlis en.wikipedia.org
  3. Gouverneursamt Bitlis — Geschichte von Bitlis und Überblick bitlis.gov.tr
  4. Mehmet Demirtaş — Die Bevölkerung der Provinz Bitlis in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dicle.edu.tr
  5. Vikipedi — Bitlis tr.wikipedia.org
  6. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Bitlis — Moscheen und Kuppelgräber bitlis.ktb.gov.tr
  7. Kulturportal — Häuser von Bitlis kulturportali.gov.tr
  8. Demirören Haber Ajansı — Projekt „Historisches Stadtzentrum von Bitlis“ dha.com.tr
  9. Kasım Ertaş — Armenier in der Provinz Bitlis vor 1915 dergipark.org.tr
  10. TBMM Offener Zugang — Übersetzung von BOA DH.ŞFR. 53/113 acikerisim.tbmm.gov.tr
  11. Kulturportal — Burg von Bitlis kulturportali.gov.tr
  12. Anadolu Ajansı — Münzen und Keramik aus den Ausgrabungen in der Burg von Bitlis aa.com.tr
  13. Anadolu Ajansı — Schlüssel und Beschläge in der Burg von Bitlis gefunden aa.com.tr
  14. UNESCO-Welterbezentrum — Die Grabsteine von Ahlat, der urartäischen und osmanischen Zitadelle whc.unesco.org
  15. Ministerium für Kultur und Tourismus — Seldschukenfriedhof von Ahlat muze.gov.tr
  16. UNESCO Immaterielles Kulturerbe — Traditionelle Steinmetzkunst von Ahlat ich.unesco.org

FAQ

Wie hieß Bitlis früher?

Ältere armenische Quellen nennen die Stadt Bagesh. Die heutige Provinz Bitlis trägt den Namen ihrer Hauptstadt.

Woher kommt der Name Bitlis?

Eine Legende verbindet ihn mit Badlis, einem Feldherrn Alexanders des Großen. Eine andere Theorie deutet Bit-Liz aus dem Assyrischen als „Heim des Liz“. Beides sind vorgeschlagene Erklärungen.

Wann wurde Bitlis osmanisch?

Die Beys von Bitlis erklärten 1514 ihre Treue zum Osmanischen Reich. Die Stadt wurde 1534 endgültig in dessen Staatsgebiet eingegliedert. Im Frieden von Amasya erkannten die Safawiden 1555 die osmanische Herrschaft an.

Wie alt ist die Ulu Cami in Bitlis?

Ihre Inschrift dokumentiert eine Instandsetzung durch Ebu’l Muzaffer Muhammed im Jahr 1150. Eine eigene Inschrift datiert das freistehende Minarett auf 1492.

Image: Bitlis Montage.jpg — See above, CC BY-SA 4.0

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