Chichén Itzá in Mexiko: Wo liegt die Stadt?
Chichén Itzá ist eine präkolumbische Maya-Stadt auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Du findest sie zwischen Valladolid und Mérida. Wenn du sie auf einer Karte suchst, dienen dir diese beiden Städte als Orientierung.
Laut UNESCO entstand die Stadt nahe zwei natürlichen Einsturzlöchern, sogenannten Cenoten. Sie ermöglichten den Zugang zum Grundwasser. Dieses Wasser erklärt mit, warum sich hier Menschen ansiedelten.
Chichén Itzá: Bedeutung und Aussprache
Der Name stammt aus der Maya-Sprache. Er bedeutet ungefähr „am Rand des Brunnens der Itza“. Der Brunnen ist der entscheidende Hinweis: Der Name verweist direkt auf das Wasser.
Sprich den Namen auf Spanisch aus: [tʃiˈtʃen iˈtsa]. Betone jeweils die letzte Silbe. Als deutsche Aussprachehilfe: tschi-TSCHEN i-TSA, nicht tschi-tschen IT-sa.
Die Pyramide von Chichén Itzá: Was ist die Kukulkán-Pyramide?
Die berühmte Pyramide der Stadt ist der Tempel des Kukulkán, des gefiederten Schlangengottes der Maya. Sie heißt auch El Castillo. Das ist Spanisch und bedeutet „die Burg“.
Das gesamte Bauwerk ist etwa 30 Meter hoch. Darin enthalten ist der etwa 6 Meter hohe Tempel an der Spitze. Jede Seite der quadratischen Grundfläche misst etwa 55,3 Meter.
Der Baukörper besteht aus neun abgestuften Ebenen. An jeder der vier Seiten führt eine Treppe hinauf.
Zeitleiste
- 750–900 n. Chr.: Der Kern von Chichén Itzá entstand.
- 832 n. Chr.: Aus diesem Jahr stammt die früheste datierte Hieroglypheninschrift, die in der Stadt gefunden wurde.
- 10. Jahrhundert: Chichén Itzá stieg zur regionalen Hauptstadt auf.
- 998 n. Chr.: Aus diesem Jahr stammt die späteste bekannte datierte Inschrift. Sie befindet sich am Osario-Tempel.
- 1930er-Jahre: Im Inneren von El Castillo wurde eine ältere Pyramide entdeckt.
- 1960er–1970er-Jahre: Veröffentlichungen von Rivard und Arochi machten die herabgleitende Schlange einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.
- 1972: Aus diesem Jahr stammt Mexikos Bundesgesetz zum Denkmalschutz, auf dem der Schutz der Stätte beruht.
- 1986: Ein Präsidialdekret erklärte Chichén Itzá zum archäologischen Denkmal.
- 1988: Die UNESCO nahm die Stätte in die Welterbeliste auf.
- 16. November 2016: UNAM und INAH gaben die Entdeckung einer zweiten inneren Pyramide mithilfe elektrischer Tomografie bekannt.
- 15.–29. März 2017: Eine Fotoserie dokumentierte das Lichtmuster rund um die Tagundnachtgleiche.
- 2018: Casares Contreras veröffentlichte eine Deutung des Lichteffekts, die sich auf Kalendersymbolik und die Venus bezieht.
Das Geheimnis der Schlange: So entsteht der Schatten
In der Zeit um die Tagundnachtgleichen geht die Sonne hinter dem abgestuften Baukörper der Pyramide unter. Die Schatten der neun Plattformen fallen auf die Balustrade der Nordtreppe. Dort lassen sie sieben Lichtdreiecke hervortreten.
Am Fuß dieser Treppe befindet sich ein steinerner Schlangenkopf. Das Licht- und Schattenmuster an der Treppe verbindet sich mit diesem Kopf. Zusammen erwecken sie den Eindruck, eine Schlange gleite die Pyramide hinab.
Stell dir vor, wie eine Jalousie am späten Nachmittag ein Zickzackmuster aus Licht auf eine Küchenwand wirft. Das Muster entsteht allein durch Sonne, Kanten und Winkel. Hier bilden die neun Plattformen die Kanten. Die Treppe übernimmt die Rolle der Wand.
Der Effekt zeigt sich nicht nur an einem Tag
Viele Besucher erwarten einen einzigen magischen Moment. Die Belege zeigen etwas anderes. Laut Exploratorium ist der Schlangeneffekt etwa eine Woche vor und nach den Tagundnachtgleichen im Frühling und Herbst sichtbar.
Eine Fotoserie belegt denselben Zusammenhang. Miguel Ángel Cab Uicab fotografierte vom 15. bis 29. März 2017 in Abständen von fünf Minuten. Die Bilder zeigten, dass das schlangenähnliche Muster über diese 15 Tage weitgehend ähnlich blieb.
Wenn du eine Reise planst, musst du also nicht genau am Tag der Tagundnachtgleiche dort stehen. Das Zeitfenster ist größer.
War der Effekt beabsichtigt?
Darum dreht sich die eigentliche Debatte. Niemand kann diese Frage mit Sicherheit beantworten.
Das Exploratorium zählt die großen Schlangenköpfe am Fuß der Treppen zu den Hinweisen auf eine bewusste Gestaltung des Lichteffekts. Es betont aber, dass sich die Absicht der Erbauer nicht sicher feststellen lässt.
Die Archäoastronomen Ivan Šprajc und Pedro Francisco Sánchez Nava widersprechen in einem Punkt. Die sieben Dreiecke erscheinen vor und nach der Tagundnachtgleiche. Aus ihrer Sicht kann das Muster deshalb keine Markierung sein, die den Tag der Tagundnachtgleiche exakt festlegt.
Eine dritte Deutung stammt vom INAH-Forscher Orlando J. Casares Contreras. In einem Artikel von 2018 schlug er vor, das Lichtphänomen mit Kalendersymbolik und der Beobachtung der synodischen Perioden der Venus zu verbinden.
Die heutige Bekanntheit der herabgleitenden Schlange ist vergleichsweise jung. Sie wuchs nach den Beschreibungen, die Jean-Jacques Rivard und Luis Arochi in den 1960er- und 1970er-Jahren veröffentlichten.
Ein Kalender aus Stein
Die Zahlen an den Treppen lassen sich leicht nachprüfen. Jede der vier Treppen hat 91 Stufen. Viermal 91 ergibt 364. Zählst du die oberste Plattform hinzu, kommst du auf 365: die Zahl der Tage eines Sonnenjahres.
Diese Zählung funktioniert wie die aufgedruckten Tage eines Wandkalenders. Du kannst sie mit deinen eigenen Füßen überprüfen, wenn du die Stufen hinaufsteigst und mitzählst.
Details, die du nicht im Reiseführer findest
- Eine kleinere Pyramide im Inneren. In den 1930er-Jahren wurde in El Castillo eine ältere Pyramide entdeckt. Sie besitzt eine einzige Treppe an der Nordseite. Im Tempel an ihrer Spitze befanden sich ein roter Jaguar und eine Chac-Mool-Skulptur.
- Eine zweite Pyramide darin. Am 16. November 2016 gaben Forschende von UNAM und INAH bekannt, dass eine dreidimensionale elektrische Tomografie ein noch älteres Bauwerk innerhalb der bereits bekannten inneren Pyramide nachgewiesen hatte. Es ist etwa 10 Meter hoch.
- Wasser darunter. Dieselbe UNAM-Mitteilung berichtete von einem wassergefüllten Hohlraum, einer Cenote, unter der Kukulkán-Pyramide.
- Der Vogel in der Treppe. Stell dich vor die nordnordöstliche Treppe und klatsche in die Hände. Der Schall wird von den Stufen zurückgeworfen. Das Echo klingt wie der Ruf eines Quetzals.
- Eine Stadt voller Straßen. Laut Smithsonian verbinden 75 Straßen mehr als 20 Gebäudegruppen in Chichén Itzá.
Was gibt es in Chichén Itzá noch zu sehen?
Die Pyramide ist nicht der einzige Grund für einen Besuch. In der Stadt liegt der größte Ballspielplatz Mesoamerikas.
El Caracol verdankt seinen Namen der Wendeltreppe im Inneren des Gebäudes. Der spanische Name bedeutet „Schnecke“.
Die UNESCO hebt hervor, dass die Architektur Bautechniken der Maya mit Elementen aus Zentralmexiko verbindet. Diese Mischung ist einer der Gründe für die Aufnahme in die Welterbeliste.
Denkmalschutz und UNESCO-Welterbe
Chichén Itzá wurde 1988 nach den kulturellen Kriterien i, ii und iii in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Der Schutz beruht auf Mexikos Bundesgesetz zum Denkmalschutz von 1972. Ein Präsidialdekret erklärte das Gebiet 1986 zum archäologischen Denkmal.
FAQ
Wie spricht man Chichén Itzá aus?
Die spanische Aussprache lautet [tʃiˈtʃen iˈtsa]. Betont wird jeweils die letzte Silbe der beiden Wörter.
Was bedeutet Chichén Itzá?
In der Maya-Sprache bedeutet der Name ungefähr „am Rand des Brunnens der Itza“.
Wo liegt Chichén Itzá?
Die Stadt liegt auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán, zwischen Valladolid und Mérida.
Wann sieht man die Schlange an der Kukulkán-Pyramide?
Um den Sonnenuntergang in der Zeit um die Tagundnachtgleichen im Frühling und Herbst. Der Effekt ist auch etwa eine Woche vor und nach jeder Tagundnachtgleiche sichtbar.
Wurde die Schlange für den Tag der Tagundnachtgleiche geplant?
Das ist umstritten. Laut Exploratorium lässt sich die Absicht der Erbauer nicht feststellen. Šprajc und Sánchez Nava argumentieren, dass das Muster den genauen Tag nicht markieren kann, weil es auch davor und danach erscheint.
Quellen
- Englische Wikipedia — Chichen Itza en.wikipedia.org
- Türkische Wikipedia — Chichén Itzá tr.wikipedia.org
- UNESCO — Präkolumbische Stadt Chichen-Itza whc.unesco.org
- Smithsonian National Museum of the American Indian — Die lebendige Zeit der Maya maya.nmai.si.edu
- Exploratorium — Antike Observatorien: El Castillo dev-annex.exploratorium.edu
- Arqueología Mexicana — Die Sonne in Chichén Itzá und Dzibilchaltún arqueologiamexicana.mx
- INAH — Maßnahmen zur Frühlings-Tagundnachtgleiche 2026 inah.gob.mx
- INAH, Arqueología — Die archäoastronomischen Untersuchungen von El Castillo in Chichén Itzá revistas.inah.gob.mx
- UNAM — El faro, Ausgabe 188 elfaro.cic.unam.mx
- UNAM — Universitätsforschende entdecken eine zweite Pyramide im Inneren der Kukulkán-Pyramide dgcs.unam.mx
Image: Chichen Itza 3.jpg — Daniel Schwen, CC BY-SA 4.0






