Wenn du heute durch Istanbuls Altstadt gehst, kannst du fast überall einen Kaffee bestellen. 1633 war es riskant, damit ein Geschäft zu betreiben. Sultan Murad IV. (IV. Murad) hatte gerade die Schließung der Kaffeehäuser angeordnet. Außerdem setzte er ein Tabakverbot mit der Todesstrafe durch. Hier erfährst du, was die Quellen bestätigen und was spätere Erzähler hinzufügten.
Murad IV.: Wer war dieser Sultan?
Murad IV. wurde am 27. Juli 1612 im Topkapı-Palast in Istanbul geboren. Sein Vater war Sultan Ahmed I. Seine Mutter war Kösem Sultan.
Am 10. September 1623 wurde er der 17. osmanische Sultan. Er löste seinen Onkel Mustafa I. ab. Murad war 11 Jahre alt.
Ein Kind konnte nicht allein regieren. Von 1623–1632 prägte die Regentschaft seiner Mutter Kösem Sultan die Staatsführung.
Im Mai 1632 änderte sich das. Murad setzte Großwesir Topal Receb Pascha ab und nahm die Regierung selbst in die Hand. Vor allem diese verbleibenden etwa acht Jahre seiner Herrschaft sind im Gedächtnis geblieben.
Murad IV. und Kaffee: Was geschah 1633?
Das entscheidende Dokument ist eine Anordnung vom 2. September 1633, über die der Wissenschaftler İdris Bostan berichtet. Die Beamten sollten zuerst die Kaffeehäuser in Istanbul schließen, danach auch in anderen osmanischen Städten.
Zwei religiöse Autoritäten trieben die Entscheidung voran. Die eine war der Prediger Kadızâde Mehmed Efendi. Die andere war Scheichülislam Ahîzâde Hüseyin Efendi. Er erließ eine Fatwa gegen Kaffee und Tabak.
Die Anordnung wurde vor Ort umgesetzt. In Eyüp, Topçular, Yedikule, Alibeyköy und den umliegenden Gebieten wurden 120 Kaffeehäuser geschlossen und ihre Feuerstellen abgerissen. Diese Einzelheit stammt aus einem Aufsatz von Fatma Gül Karagöz aus dem Jahr 2020.
Die Akten nennen auch die Verantwortlichen für die schriftliche Erfassung. Der Richter von Eyüp, Müftizâde İsmail Fahreddin, und der oberste Sappeur Mir Abdülkerim erstellten das Verzeichnis der Kaffeehäuser und ihrer Betreiber.
Achte dabei auf die genaue Formulierung. Nach Karagöz’ Archivstudie wurden die Kaffeehäuser geschlossen. Der Kaffeehandel wurde aber nicht grundsätzlich verboten, wie es beim Tabakhandel geschah. „Murad verbot Kaffee“ ist eine Vereinfachung.
Warum ging er gegen Tabak vor?
Eine verbreitete Erzählung verbindet das Verbot mit einem Brand im Stadtviertel Cibali im Jahr 1633. Demnach soll das Rauchen in Kaffeehäusern den Brand ausgelöst haben. Diese Ursache ist umstritten. Der TDV-Eintrag über Murad macht stattdessen einen Schiffskalfaterer für das Feuer verantwortlich.
Unstrittig ist dagegen die Strafe. Nach dem Chronisten Naîmâ sah das Tabakverbot unter Murad für Menschen, die weiterrauchten, siyaseten katl vor: die Hinrichtung als staatliche Strafmaßnahme.
Das Verbot ging härter vor als die Schließung der Kaffeehäuser. Die eine Maßnahme richtete sich gegen einen Ort. Die andere richtete sich gegen eine Gewohnheit und bedrohte das Leben der Betroffenen.
War Murad IV. grausam?
Historiker sind sich darüber nicht einig. Folgendes ist überliefert.
- Am 7. Januar 1634 ließ er Scheichülislam Ahîzâde Hüseyin Efendi erdrosseln. Er war der erste osmanische Sultan, der einen obersten religiösen Würdenträger töten ließ. Es war derselbe Mann, dessen Fatwa das Kaffee- und Tabakverbot gestützt hatte.
- Während seiner Feldzüge von 1635 und 1638 wurden seine Brüder Bayezid, Süleyman und Kasım hingerichtet. Dadurch sank die Zahl der männlichen Mitglieder der Dynastie.
- Kritiker wie Kâtib Çelebi und Solakzâde verurteilten die harte Durchsetzung der Verbote.
- Naîmâ erklärte die Härte anders. Seiner Darstellung zufolge sollte sie Gewaltherrscher und Banditen unterdrücken.
„Mit eiserner Faust“ beschreibt seine Methoden also treffend. Ob sie gerechtfertigt waren, darüber stritten bereits die damaligen Chronisten.
Murad IV. als Feldherr: Bagdad 1638
Murad regierte nicht nur vom Palast aus. Er führte den Feldzug gegen Bagdad 1638 persönlich an. Die Stadt war seit 1624 in safawidischer Hand. Der Feldzug brachte sie wieder unter osmanische Herrschaft.
Bagdad kapitulierte am 24. Dezember 1638. Der Krieg mit den Safawiden endete mit dem Frieden von Qasr-e Schirin, der am 17. Mai 1639 unterzeichnet wurde.
Diese Leistung verschafft ihm selbst bei Menschen Respekt, die seine Methoden ablehnen.
Murads Körpergröße und sein Streitkolben
Wie groß war Murad IV.? Eine Zahl kann dir niemand nennen. Börekçi beschreibt ihn als groß und außergewöhnlich stark. Eine Körpergröße in Zentimetern gibt er nicht an.
Noch gewaltiger fallen die Geschichten über seinen Streitkolben aus. Der TDV-Eintrag wiederholt zeitgenössische Berichte, nach denen Murad einen Streitkolben von 200 Okka führte. Die türkischsprachige Wikipedia (Vikipedi) erzählt von einem 60 Kilogramm schweren Streitkolben. Die beiden Angaben widersprechen sich. Keine davon darf als bestätigter Messwert eines tatsächlich vorhandenen Gegenstands gelten. Sicher lässt sich daraus nur ableiten, dass seine Kraft zur Legende wurde.
Murads Frau und Kinder
Von seinen Gemahlinnen ist nur eine mit eindeutigem Namen und Titel bekannt: Ayşe Sultan. Sie war eine Haseki, die bevorzugte Gemahlin des Sultans. Andere Namen sind in den hier verwendeten Quellen nicht sicher belegt.
Auch die Zahl seiner Kinder ist umstritten. Evliya Çelebi nennt 32. Laut TDV-Enzyklopädie lassen sich etwa 16 nachweisen. Fünf davon waren Söhne.
Diese fünf Söhne hießen Süleyman, Mehmed, Alâeddin, Ahmed und Mahmud. Alle starben vor ihrem Vater. Börekçi bestätigt das, nennt aber nicht für jedes Kind eine Todesursache.
Deshalb ging der Thron an einen Bruder über. Nach Murads Tod wurde sein jüngerer Bruder Ibrahim 1640 Sultan.
Woran starb Murad IV.? Die Todesursache
Murad starb am 8. Februar 1640 in Istanbul. Er war 27 Jahre alt.
Die Todesursache ist umstritten. Eine Erklärung lautet Leberzirrhose. Die englischsprachige Wikipedia führt auch Quellen an, die eine langjährige Gichterkrankung verantwortlich machen. Eine abschließend gesicherte Antwort gibt es nicht. Sei deshalb vorsichtig, wenn ein Artikel eine Ursache als sicher darstellt.
Murad liegt in Istanbul im Mausoleum seines Vaters Ahmed I. begraben, neben der Sultan-Ahmed-Moschee. Wenn du die Moschee besuchst, findest du sein Grab direkt daneben.
Zeitleiste
- 27. Juli 1612 Geburt in Istanbul.
- 10. September 1623 Besteigt anstelle von Mustafa I. den Thron.
- Mai 1632 Übernimmt selbst die Regierung.
- 1633 Kaffeehäuser werden geschlossen und das Tabakverbot wird verschärft.
- 7. Januar 1634 Scheichülislam Ahîzâde Hüseyin Efendi wird getötet.
- 24. Dezember 1638 Bagdad kapituliert.
- 17. Mai 1639 Der Frieden von Qasr-e Schirin wird unterzeichnet.
- 8. Februar 1640 Stirbt in Istanbul; sein Bruder Ibrahim folgt ihm auf den Thron.
Einzelheiten, die du nicht im Reiseführer findest
- Bei seiner Beerdigung wurden die drei Pferde, die er auf Feldzügen geritten hatte, verkehrt herum gesattelt und vor seinem Sarg geführt.
- Nachdem das Hochwasser von 1630 die Kaaba beschädigt hatte, ließ er sie instand setzen. Die Arbeiten erfolgten durch den Richter Mehmed Efendi und den Architekten Rıdvan Ağa.
- Er komponierte Musik. Seine Stücke finden sich in Ali Ufkî Beys Mecmûa-i Sâz ü Söz und im Musikbuch von Kantemiroğlu.
- Sein Kaffeehausverbot bestand nicht über die Jahrhundertmitte hinaus. Es wurde in den ersten Regierungsjahren Mehmeds IV. aufgehoben. Dessen Herrschaft begann 1648.
Murad IV. im Film
Wenn du eine dramatisierte Darstellung sehen möchtest: Burak Sergen spielt Murad IV. im Film İstanbul Kanatlarımın Altında.
FAQ
Hat Murad IV. wirklich Kaffee verboten?
Er ordnete 1633 die Schließung der Kaffeehäuser an. Nach Karagöz’ Archivstudie wurde der Kaffeehandel jedoch nicht grundsätzlich verboten, wie es beim Tabakhandel der Fall war.
Woran starb Murad IV.?
Er starb am 8. Februar 1640 mit 27 Jahren in Istanbul. Eine Erklärung lautet Leberzirrhose. Eine andere ist Gicht; dafür führt die englischsprachige Wikipedia Quellen an. Die Todesursache ist nicht abschließend geklärt.
Wie viele Kinder hatte er?
Evliya Çelebi nennt 32. Laut TDV-Enzyklopädie lassen sich etwa 16 nachweisen. Fünf davon waren Söhne, die alle vor ihm starben.
Wo ist er begraben?
Im Mausoleum von Ahmed I. neben der Sultan-Ahmed-Moschee in Istanbul.
Wog sein Streitkolben wirklich 200 Okka?
Keine Quelle bestätigt das Gewicht durch einen überprüfbaren Nachweis. Die TDV nennt 200 Okka, die türkischsprachige Wikipedia 60 Kilogramm. Beide Angaben solltest du als Legende verstehen.
Quellen
- TDV-Enzyklopädie des Islam — Murad IV islamansiklopedisi.org.tr
- Fatma Gül Karagöz, „17. Yüzyılda Kahvehânelerin Kapatılması ve Tütün Yasaklarının Uygulanması,“ 2020 dergipark.org.tr
- Günhan Börekçi, „Murad IV,“ Enzyklopädie des Osmanischen Reiches (Ágoston und Masters) psi424.cankaya.edu.tr
- Wikipedia — Murad IV en.wikipedia.org
- Vikipedi — IV. Murad tr.wikipedia.org
Image: Murad IV.jpg — Wikimedia Commons, Public domain






