Rom und Byzanz · MÖ 753 – 1453

Justinianbrücke: Wo liegt Sakaryas antike Brücke?

Die Justinianbrücke steht im Bezirk Serdivan in Sakarya und führte einst eine strategisch wichtige Straße über den Fluss Sakarya. Dessen Hauptlauf liegt heute etwa 3 km weiter östlich, während der kleinere Çark Deresi unter einem westlichen Brückenbogen hindurchfließt.

8 Min. Lesezeit7 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Justinianbrücke: Wo liegt Sakaryas antike Brücke?
Sangarius Bridge. Drawing 02-2.jpg

Wo liegt die Justinianbrücke?

Die Justinianbrücke (Justinianus Köprüsü) steht im Stadtviertel Beşköprü Mahallesi im Bezirk Serdivan in Sakarya. Sie liegt ungefähr 5 km südwestlich von Adapazarı. Die Kalksteinbrücke überspannte einst den Sakarya. Heute verläuft der Hauptlauf des Flusses etwa 3 km weiter östlich. Deshalb steht die mächtige Brücke inzwischen über deutlich kleineren Wasserläufen.

Wenn du unter den Bögen einen großen Fluss erwartest, schau zum westlichen Ende. Unter einem der westlichen Bögen fließt der Çark Deresi. Dieser Bach führt Wasser aus dem Sapanca-See (Sapanca Gölü) ab und hieß in der Antike Melas. Die Brücke steht noch an ihrem ursprünglichen Platz. Der Hauptfluss, für dessen Überquerung sie gebaut wurde, hat dagegen seinen Lauf verändert.

Das Bauwerk ist unter mehreren Namen bekannt. Die englische Wikipedia nennt es Sangarius Bridge und führt Bridge of Justinian als alternative Bezeichnung auf. Türkische Kulturbehörden verwenden den Namen Justinianus Köprüsü. Alle diese Namen bezeichnen dieselbe historische Flussquerung in Sakarya.

Liegt die Justinianbrücke in Tarsus?

Wenn du die hier beschriebene kaiserliche Brücke suchst, ist der Bezirk Serdivan in Sakarya dein Ziel. Ihre Adresse lautet Beşköprü Mahallesi. Kültür Portalı führt sie unter Serdivan–Adapazarı. Verwende diese Ortsangabe, wenn du nach der Brücke suchst, die mit Justinian, dem Sangarios und dem verlagerten Lauf des Sakarya verbunden ist.

Die Entfernungsangaben beziehen sich auf unterschiedliche Ausgangspunkte. Die Brücke liegt ungefähr 5 km südwestlich von Adapazarı. Kültür Portalı nennt eine Entfernung von 8 km vom Stadtzentrum und gibt an, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Stadtverkehr erreichbar ist. Achte bei deiner Anreise darauf, auf welchen Ausgangspunkt sich die jeweilige Angabe bezieht.

Warum heißt sie Justinianbrücke?

Die Brücke trägt den Namen des oströmischen Kaisers Justinian I., der von 527 bis 565 regierte. Er ließ sie bauen, um Verkehr und Nachrichtenübermittlung zwischen Konstantinopel und den östlichen Provinzen des Reiches zu verbessern. Sie verband damit die kaiserliche Hauptstadt mit Gebieten, die der Bedrohung durch die Sasaniden ausgesetzt waren.

Über die Brücke führte eine strategisch wichtige Heerstraße über den Sakarya. Diese Straße verlief vom Bosporus in Richtung der östlichen Provinzen. Die Steinbrücke erfüllte damit einen konkreten Zweck: Sie sicherte die zuverlässige Überquerung eines großen Flusses entlang einer wichtigen Reichsstraße.

Prokopios (Procopius) beschreibt eine ältere hölzerne Schwimmbrücke, die Hochwasser immer wieder fortgerissen hatte. Stell dir vor, eine Flussquerung auf deinem täglichen Weg wäre bei jedem Hochwasser unbenutzbar. Genau solche wiederkehrenden Unterbrechungen verursachte die Vorgängerbrücke. Justinians Steinbau löste ein Verkehrsproblem, das die Nachrichtenübermittlung und den Verkehr nach Osten beeinträchtigte.

Die türkische Schreibweise unterscheidet sich auf offiziellen Internetseiten. Quellen des Kulturministeriums verwenden Justinianus Köprüsü. Die Seite des Bezirksgouverneurs von Serdivan nennt sie in ihrer Überschrift Justinyen Köprüsü. Zusammen mit Sangarius Bridge erklären diese Formen, warum du das Denkmal in Sakarya unter verschiedenen Titeln findest.

Warum überspannt die Brücke keinen großen Fluss mehr?

Der entscheidende Grund ist die Verlagerung des Sakarya. Sein heutiger Hauptlauf liegt ungefähr 3 km östlich der Brücke. In seinem wissenschaftlichen Aufsatz von 1985 beschreibt Michael Whitby das Bauwerk als eine Brücke, die ursprünglich den großen Sangarios überqueren sollte. Dieser Fluss heißt heute Sakarya.

Der von der Türkei eingereichte und von der UNESCO veröffentlichte Vorschlag verortet die Verlagerung nach Osten im späteren Teil des 13. Jahrhunderts. Demnach könnte der Fluss damals seinen heutigen Lauf erreicht haben. Diese Einschränkung ist wesentlich: Der vorgeschlagene Zeitraum erklärt die räumliche Trennung. Der genaue Zeitpunkt bleibt jedoch unsicher.

Der Çark Deresi erklärt, was du heute unter der Brücke siehst. Er ist der Abfluss des Sapanca-Sees und verläuft unter einem westlichen Bogen. Neben diesem kleineren Gewässer wirkt das breite Steinbauwerk überdimensioniert. Seine ursprüngliche Aufgabe als Brücke über den Sakarya erklärt seine Größe.

Die Brücke besitzt außerdem Öffnungen für Hochwasser. Zu den sieben Hauptbögen kommen zwei kleinere Bögen im Westen und drei im Osten. Diese zusätzlichen Durchlässe zeigen, dass die Konstruktion auch Wasser außerhalb der eigentlichen Flussöffnungen berücksichtigte.

Wie alt und wie groß ist die Brücke?

Die Angaben zur Bauzeit unterscheiden sich. Kültür Portalı nennt 558–560. Die englische Wikipedia gibt als möglichen Baubeginn 559–560 oder etwa 554 an und datiert die Fertigstellung auf 562. Der deutlichste feste Anhaltspunkt in dieser Abfolge sind die Gedichte aus dem Jahr 562, die die vollendete Brücke feiern.

Paulus Silentiarius und Agathias würdigten ihre Fertigstellung beide in diesem Jahr. Ihre Gedichte liefern einen datierten literarischen Bezug zum vollendeten Bauwerk. Wenn du etwa für den Unterricht eine Zeitleiste erstellst, ist 562 deshalb ein hilfreicher Bezugspunkt für die Fertigstellung. Die vorgeschlagenen Daten für den Baubeginn erfordern mehr Vorsicht.

Kültür Portalı beschreibt die Brücke als 365 m lang und 9.85 m breit. Sie besitzt zwölf Bögen. Das Bauwerk besteht aus Kalksteinblöcken und erreicht ungefähr 10 m Höhe. Diese Zahlen vermitteln dir seine beachtlichen Ausmaße, auch wenn der Sakarya heute nicht mehr darunter fließt.

Bei der Länge stimmen die Quellen nicht überein. Die türkische Wikipedia nennt ungefähr 430 m, Kültür Portalı dagegen 365 m. Diese Angaben müssen deshalb ihrer jeweiligen Quelle zugeordnet bleiben. Die Anordnung der zwölf Bögen lässt sich unmittelbarer beschreiben: sieben Hauptbögen und fünf kleinere Öffnungen für Hochwasser.

Zeitleiste

  • 559–560: Einer der möglichen Baubeginne laut englischer Wikipedia. Das Datum des Baubeginns bleibt umstritten.
  • 562: Gedichte von Paulus Silentiarius und Agathias feiern die fertiggestellte Brücke.
  • 13. Jahrhundert: Der UNESCO-Vorschlag verortet die Verlagerung des Sakarya nach Osten im späteren Teil dieses Jahrhunderts.
  • 1838: Léon de Laborde zeichnet die Brücke und ihren heute verlorenen westlichen Triumphbogen.
  • 1995: Bei Reparaturarbeiten der Generaldirektion für Fernstraßen wird die Brücke für den Fahrzeugverkehr gesperrt.
  • 2. Mai 2018: Der Vorschlag zur Aufnahme der Brücke als Kulturerbestätte wird auf der UNESCO-Vorschlagsliste für das Welterbe verzeichnet.
  • 2018–2025: Ausgrabungen im Zusammenhang mit der Restaurierung bringen Münzen und Inschriftenfragmente zutage.
  • 5. August 2026: DHA berichtet, dass die Brücke nach der Restaurierung wieder geöffnet wurde.

Details, die du nicht im Reiseführer findest

Laut Kültür Portalı leitet sich Beşköprü nicht von einer Zahl von fünf Bögen ab. Das Portal erklärt den Namen durch eine Veränderung von Pontogephyra zu Pentegephyra. Diese Unterscheidung hilft bei einem Bauwerk, für das zwölf Bögen verzeichnet sind.

Die Hauptpfeiler haben eine ungewöhnliche Form mit klarer Ausrichtung. Ihre südlichen Seiten, auf die die Strömung trifft, sind abgerundet. Die nördlichen Seiten laufen spitz zu. Das unterscheidet sie von den meisten römischen Brücken, deren stromaufwärts gerichtete Wellenbrecher spitz sind. Wenn du das Mauerwerk genauer betrachtest, lohnt sich ein Blick auf diese besondere Pfeilerform.

Am westlichen Zugang stand einst ein Triumphbogen. Er ist auf Léon de Labordes Zeichnungen von 1838 zu sehen, heute aber verloren. Die Zeichnungen dokumentieren damit ein Eingangsbauwerk, das nicht mehr zum erhaltenen Bestand der Brücke gehört.

Am östlichen Ende steht ein Bauwerk mit Apsis, das ungefähr 11 m hoch ist. Seine Funktion bleibt ungeklärt. Es wird als möglicher Sakralbau unter freiem Himmel oder als schmückendes Gegenstück zum westlichen Triumphbogen gedeutet. Keine dieser Deutungen darf als gesicherte Bestimmung gelten.

Eine Agathias zugeschriebene griechische Inschrift stellt den Sakarya als eine Macht dar, die von den steinernen Bögen des Kaisers bezwungen wurde. Diese Sprache verbindet die praktische Flussquerung mit dem Lob des Herrschers. Die Beherrschung eines schwierigen Flusses erscheint darin als eine mit Justinian verbundene Leistung.

Gehörte die Brücke zu einem Kanalprojekt?

Frank Gardner Moore vertrat die These, Justinian habe den Sakarya zum Sapanca-See umleiten wollen. Nach dieser Deutung war die Brücke Teil eines Wasserstraßenprojekts, das die Nutzung des Bosporus vermeiden sollte. Es handelt sich um eine Theorie über den größeren Zusammenhang und den Zweck des Bauwerks.

Michael Whitby widersprach dieser Deutung. Er argumentierte, der betreffende Flussarm des Sakarya sei für die Schifffahrt ungeeignet gewesen. Außerdem könnten die Formen der Wellenbrecher allein kein Kanalprojekt belegen. Das vermutete Vorhaben muss deshalb von der dokumentierten Funktion der Brücke als Flussquerung unterschieden werden.

Was haben Restaurierung und Ausgrabungen ergeben?

Während der Reparaturarbeiten der Generaldirektion für Fernstraßen im Jahr 1995 wurde die Brücke für Fahrzeuge gesperrt. An beiden Enden kamen jeweils drei Stufen hinzu. Diese Veränderungen gehören zu ihrer jüngeren Geschichte und erklären die Gestaltung der Zugänge.

DHA berichtet am 5. August 2026 von der Wiederöffnung nach Restaurierungsarbeiten und archäologischen Untersuchungen, die 2018 begonnen hatten. Zu den Funden der Ausgrabungen von 2018–2025 gehörten fünfzehn Bronzemünzen, zwei Fragmente von Marmorinschriften, ein Bronzespachtel, ein Ring und Nadeln.

Bei Ausgrabungen im Umfeld der Brücke wurde außerdem ein spät­römischer bis frühbyzantinischer Badekomplex freigelegt. Eine Zisterne versorgte das Bad mit Wasser. In der Nähe kamen Gewölbebauten zum Vorschein. Diese Überreste erweitern das archäologische Bild über die Brückenpfeiler und die Fahrbahn hinaus.

Durch einen auf den 2. Mai 2018 datierten Vorschlag in der Kategorie Kulturerbe gelangte die Brücke auf die UNESCO-Vorschlagsliste für das Welterbe. Ihr verzeichneter Status ist der Eintrag auf dieser Vorschlagsliste. Für deinen Besuch ist außerdem die datierte DHA-Meldung vom August 2026 hilfreich: Ihr zufolge war die restaurierte Brücke wieder geöffnet.

FAQ

Wo genau liegt die Justinianbrücke?

Sie liegt in Beşköprü Mahallesi, Serdivan, Sakarya. Die Brücke steht ungefähr 5 km südwestlich von Adapazarı. Kültür Portalı nennt öffentliche Verkehrsmittel im Stadtverkehr als Möglichkeit für die Anreise.

Welches Gewässer fließt heute darunter?

Der Çark Deresi, der Abfluss des Sapanca-Sees, fließt unter einem westlichen Bogen hindurch. Der Hauptlauf des Sakarya liegt heute ungefähr 3 km östlich der Brücke.

Wie viele Bögen hat die Brücke?

Kültür Portalı verzeichnet zwölf Bögen. Es gibt sieben Hauptbögen sowie zwei kleinere westliche und drei kleinere östliche Bögen für Hochwasser.

Ist die Brücke wieder geöffnet?

DHA berichtete am 5. August 2026 über ihre Wiederöffnung. Vorausgegangen waren Restaurierungsarbeiten und archäologische Untersuchungen, die 2018 begonnen hatten.

Quellen

  1. UNESCO-Welterbezentrum — Die Justinianbrücke whc.unesco.org
  2. Wikipedia — Sangariosbrücke en.wikipedia.org
  3. Michael Whitby, The Journal of Hellenic Studies — Justinians Brücke über den Sangarios und die Datierung von Prokopios’ De Aedificiis cambridge.org
  4. Kültür Portalı — Justinianbrücke kulturportali.gov.tr
  5. Türkische Wikipedia — Justinianbrücke tr.wikipedia.org
  6. DHA — Justinianbrücke wieder für Besucher geöffnet dha.com.tr
  7. Bezirksgouverneursamt Serdivan — Justinianbrücke serdivan.gov.tr

FAQ

Wo liegt die Justinianbrücke?

Sie steht im Stadtviertel Beşköprü Mahallesi im Bezirk Serdivan in Sakarya, ungefähr 5 km südwestlich von Adapazarı.

Warum führt die Justinianbrücke nicht mehr über den Sakarya?

Der Sakarya verlagerte seinen Lauf nach Osten. Sein Hauptlauf liegt heute ungefähr 3 km östlich der Brücke. Unter einem der westlichen Bögen fließt der Çark Deresi.

Wann wurde die Justinianbrücke gebaut?

Die Quellen nennen unterschiedliche Bauzeiten. Kültür Portalı gibt 558–560 an. Andere Darstellungen datieren die Fertigstellung auf 562, als Paulus Silentiarius und Agathias die Brücke in Gedichten feierten.

Kann man die Justinianbrücke besichtigen?

DHA berichtete am 5. August 2026, dass die Brücke wieder für Besucher geöffnet sei. Vorausgegangen waren Restaurierungsarbeiten und archäologische Untersuchungen, die 2018 begonnen hatten.

Image: Sangarius Bridge. Drawing 02-2.jpg — Sangarius_Bridge._Drawing_02.jpg: Léon de Laborde
derivative, Public domain

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt. Jede Angabe wurde mit den Quellen abgeglichen; Sätze ohne Quelle wurden nicht veröffentlicht. Wenn Sie einen Fehler finden, schreiben Sie uns. Unsere Quellengrundsätze · Schreib uns →