Geschichte von Niğde und Herkunft des Namens
Niğdes Geschichte reicht von den Bauerngemeinschaften am Köşk Höyük über die römischen Aquädukte von Tyana bis zu den mittelalterlichen Bauwerken der Stadt. Die Geschichte des Namens lässt sich gesondert anhand von Inschriften und schriftlich überlieferten Formen verfolgen. In Andaval nennt eine luwische Inschrift des Königs Saruanis einen Ort na-hi-ti-ia. Diese Form wird mit dem antiken Namen Niğdes in Verbindung gebracht.
Wenn du Niğde verstehen möchtest, solltest du die Stadt und die umliegenden Siedlungen gemeinsam betrachten. Köşk Höyük bewahrt Spuren von Ackerbau und Viehhaltung. Kestel und Göltepe belegen die Zinngewinnung. Die Alâeddin-Moschee (Alâeddin Camii), die Akmedrese und der Sokullu-Mehmet-Paşa-Bedesten führen die Geschichte ins Mittelalter und in die osmanische Zeit.
Woher kommt der Name Niğde?
Die Inschrift von Andaval bietet einen konkreten Ausgangspunkt für die Namensgeschichte. Ihre Form na-hi-ti-ia wird mit dem älteren Namen Nahita verbunden. Die Inschrift ist besonders aufschlussreich, weil sie eine tatsächlich verwendete Schreibweise überliefert. Sie liefert keine nachträgliche Erklärung dafür, was der Name bedeuten könnte.
Die vermutete Verbindung zur Göttin Anahita verlangt eine vorsichtigere Formulierung. Die türkischsprachige Wikipedia schreibt diese Erklärung Avram Galanti zu. Es handelt sich um eine Deutung der Namensherkunft, keine gesicherte Herleitung. Du solltest die Verbindung zu Anahita deshalb als einen Galanti zugeschriebenen Vorschlag verstehen.
Die TDV İslâm Ansiklopedisi behandelt Naghita und Nagidos im Zusammenhang mit den mittelalterlichen Formen Nekîdâ und Nekîde. Sie verweist auch auf unterschiedliche Ansichten zur Herkunft. Diese Formen gehören zur Diskussion. Sie ergeben aber keine einfache, allgemein anerkannte Abfolge vom antiken zum heutigen Namen.
Im 14. Jahrhundert erscheint in einem schriftlichen Werk eine Schreibweise, die Niğde schon deutlich näherkommt. Hamdullah el-Müstevfî verzeichnete in seinem Nüzhetü’l-kulûb die Formen Nîgde oder Nîkde. Damit erhält die Namensgeschichte neben der wesentlich älteren Inschrift von Andaval einen weiteren zeitlich einzuordnenden Beleg.
Früher Ackerbau, Zinnbergbau und eine befestigte Stadt
Ausgrabungen am Köşk Höyük in Bahçeli belegen Gemeinschaften, die zwischen 6050 und 4911 v. Chr. von Ackerbau und Viehhaltung lebten. Diese Befunde betreffen die weitere Region Niğde. Sie sind von der späteren Stadtgeschichte und den schriftlichen Belegen für den Stadtnamen zu unterscheiden.
Das Museum Niğde (Niğde Müzesi) macht den häuslichen Alltag am Köşk Höyük anschaulich. In seinem ersten Saal steht die Rekonstruktion eines kupferzeitlichen Hauses in Originalgröße. Das Haus wird auf 4883 v. Chr. datiert. Wenn du dir lange Zeiträume schwer vorstellen kannst, gibt dir die Rekonstruktion einen konkreten Einblick in die Wohnwelt dieser frühen Vergangenheit.
Auch die Produktion gehört zur Geschichte der Region. Nahe dem Dorf Celaller in Çamardı lieferten die Stollen des Bergwerks Kestel und das Bergbaudorf Göltepe Belege für Zinngewinnung im 3. Jahrtausend v. Chr. Neben Ackerbau und Viehzucht ist damit auch Bergbau nachgewiesen.
Am Göllüdağ nahe dem Dorf Kömürcü ist eine spätere Siedlung erhalten. Die befestigte späthethitische Stadt wird ins 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. datiert. Sie liegt auf einem Vulkangipfel in 2.172 Metern Höhe, auf dem sich auch ein Kratersee befindet. Ihre Mauern und die Gipfellage unterscheiden sie von der Hausrekonstruktion im Museum Niğde.
Tyanas Wasserversorgung und religiöse Stätten rund um Niğde
Die Überreste des antiken Tyana liegen unter weiten Teilen des heutigen Kemerhisar. Wenn du dir die antike Siedlung vorstellst, ist das entscheidend: Ihre Reste erstrecken sich unter einem heute bewohnten Ort. Die Aquädukte gehörten zu einem Versorgungssystem, das Wasser vom Römischen Becken (Roma Havuzu) in Bahçeli nach Tyana leitete.
Diese Aquädukte stammen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Über die Wasserversorgung stellen sie eine Verbindung zum antiken Alltag her. Neben Grabbauten, Moscheen und Inschriften zeigen sie eine praktische Aufgabe in Niğdes Geschichte: Wasser von seiner Quelle zu einer Siedlung zu bringen.
Nahe Aktaş steht die Alte Kirche von Andaval (Eski Andaval Kilisesi). In seinem 1842 veröffentlichten Reisebericht beschrieb W. J. Hamilton sie als eine Helena geweihte Kirche. Das ist eine datierte Beschreibung der Kirche und ihrer Widmung. Ein Baudatum lässt sich daraus nicht ableiten.
Das Kloster Gümüşler (Gümüşler Manastırı) liegt ungefähr acht Kilometer von Niğde entfernt. Es wurde in ein großes Felsmassiv gehauen. Seine Entstehung wird gewöhnlich zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert angesetzt. 1973 wurde die Anlage als archäologisches Schutzgebiet ausgewiesen.
Mittelalterliches Niğde: Geschichte in Bauwerken
Für die Alâeddin-Moschee ist das Baujahr 1223 gesichert. Auftraggeber war Niğdes Bey Ziynettin Beşare. Die Inschrift nennt auch die Architekten: Üstat Sıddık und seinen Bruder Gazi. Das Bauwerk bewahrt damit sowohl die Namen seiner Baumeister als auch den seines Auftraggebers.
Das Hüdavend-Hatun-Mausoleum (Hüdavend Hatun Türbesi) überliefert ebenfalls eine konkrete Stiftung. Laut seiner Inschrift gab Hüdavend Hatun den Bau 1312–1313 in Auftrag. Sie war die Tochter des seldschukischen Sultans Rükneddin Kılıç Arslan IV. Ihr Name verbindet das Bauwerk mit einer einzelnen Stifterin und einer Herrscherfamilie.
Die Sungur-Bey-Moschee (Sungur Bey Camii) wird gewöhnlich auf etwa 1335 datiert. Als Auftraggeber gilt Sungur Bey, der Statthalter von Niğde. Eine Bauinschrift fehlt. Ihre ungefähre Datierung unterscheidet sich deshalb von den inschriftlich belegten Daten der Alâeddin-Moschee und des Hüdavend-Hatun-Mausoleums.
Die Akmedrese gehört in die Zeit der Karamanoğlu. Ihre Bauinschrift datiert sie auf 1409–1410 und nennt als Stifter Alâeddin Ali Bey, den Sohn von Karamanoğlu Alâeddin. An diesen erhaltenen Bauwerken kannst du mehrere datierte Stationen von Niğdes mittelalterlicher Geschichte nachvollziehen.
Osmanisches Niğde: Stadtviertel, Handel und Bäder
Niğde kam während der Karaman-Feldzüge von Sultan Mehmed II., genannt Fatih (Fatih Sultan Mehmed), unter osmanische Verwaltung. Die vollständige osmanische Kontrolle über die Region setzte sich in einem Prozess durch, der bis 1475 dauerte. Die osmanische Erfassung von 1500 verzeichnete anschließend 29 Stadtviertel und 731 Haushalte.
Der Sokullu-Mehmet-Paşa-Bedesten (Sokullu Mehmet Paşa Bedesteni) im Zentrum von Niğde wird anhand einer Stiftungsurkunde von 1574 datiert. Er ist als Arasta angelegt, also als Ladenzeile, und misst ungefähr 14,70 mal 76,50 Meter. Ein Bericht des Kommunikationspräsidiums vom 4. April 2025 hält fest, dass die Stadtverwaltung Niğde ihn zum Stadtmuseum umgestaltet hat.
Bäder geben einen weiteren Einblick in den städtischen Alltag. Das Paşa Hamamı im Stadtviertel Sırali wird ins 17. Jahrhundert datiert und Murat Paşa und seinem Sohn Ali Paşa zugeschrieben. Das ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammende Çarşı Hamamı gehört zur Gruppe der Bäder mit vier Iwanen und Eckräumen.
Für Niğde im späten 19. Jahrhundert verzeichnete Vital Cuinet eine Bibliothek, 36 Medresen, drei Kirchen und sechs Bäder. Sein Bericht ergänzt das Bild der Handelsbauten und Badeanlagen um Bildungsstätten und religiöse Einrichtungen.
Zeittafel
- 6050–4911 v. Chr.: Am Köşk Höyük lebten Gemeinschaften, die Ackerbau und Viehhaltung betrieben.
- 3. Jahrtausend v. Chr.: Rund um Kestel und Göltepe wurde Zinn gewonnen.
- 8.–7. Jahrhundert v. Chr.: In diese Zeit gehört die befestigte späthethitische Stadt am Göllüdağ.
- 2. Jahrhundert n. Chr.: Die Aquädukte von Tyana wurden gebaut.
- 8.–12. Jahrhundert: Vermuteter Entstehungszeitraum des Klosters Gümüşler.
- 1223: Die Alâeddin-Moschee wurde gebaut.
- 1312–1313: Das Hüdavend-Hatun-Mausoleum wurde in Auftrag gegeben.
- Etwa 1335: Angenommenes Baudatum der Sungur-Bey-Moschee.
- 1409–1410: Die Akmedrese wurde gebaut.
- 1475: Bis in dieses Jahr zog sich die Durchsetzung der vollständigen osmanischen Kontrolle hin.
- 1574: Aus diesem Jahr stammt die Stiftungsurkunde, anhand derer der Sokullu-Mehmet-Paşa-Bedesten datiert wird.
- 1939–1950: Die Akmedrese diente als Depot des Archäologischen Museums Istanbul.
- 1973: Das Kloster Gümüşler wurde zum archäologischen Schutzgebiet erklärt.
- 13. April 2012: Die historischen Bauwerke von Niğde wurden für die UNESCO-Tentativliste eingereicht.
Details, die du nicht in Reiseführern findest
Die Inschrift von Andaval hat eine eigene Museumsgeschichte. Das Original mit dem Namen Nahita wird im Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara (Anadolu Medeniyetleri Müzesi) ausgestellt. Ein Abguss ist im Museum Niğde zu sehen. Bei einem Besuch in Niğde kannst du somit eine Nachbildung dieses Belegs für den Namen betrachten.
Ausgrabungen am Köşk Höyük zwischen 1985 und 2002 brachten 13 mit Lehm übermodellierte Schädel zutage. Sie gehörten einem Kind und 12 Erwachsenen. Diese genau erfasste Fundgruppe ergänzt das Bild einer Stätte, die auch für ihre Bauerngemeinschaften und das rekonstruierte Haus bekannt ist.
An der Alâeddin-Moschee wird ein Schatten am östlichen Monumentalportal mit dem Kopf einer gekrönten Frau verglichen. Er erscheint im Sommer ungefähr zwischen 09:30 und 11:00 Uhr. Das Ostportal der Sungur-Bey-Moschee bewahrt ein anderes Detail: eine Steuerinschrift aus dem Jahr 874 nach der Hidschra beziehungsweise 1469–1470 n. Chr.
Angesichts der Gefahren des Zweiten Weltkriegs erhielt die Akmedrese eine weitere Aufgabe. Zwischen 1939 und 1950 diente sie als Depot des Archäologischen Museums Istanbul (İstanbul Arkeoloji Müzesi). Das durch seine mittelalterliche Bauinschrift datierte Gebäude gehört damit auch zur Geschichte der Sicherung von Museumssammlungen.
FAQ
Wie hieß Niğde in der Antike?
Niğde wird mit dem älteren Namen Nahita in Verbindung gebracht. Die Inschrift von Andaval überliefert na-hi-ti-ia. In Darstellungen zum mittelalterlichen Namen erscheinen auch Nekîdâ und Nekîde. Nîgde oder Nîkde steht in Hamdullah el-Müstevfîs Werk aus dem 14. Jahrhundert.
Ist Niğde nach Anahita benannt?
Die Erklärung über Anahita ist ein Vorschlag, den die türkischsprachige Wikipedia Avram Galanti zuschreibt. Auch die TDV İslâm Ansiklopedisi nennt unterschiedliche Ansichten zur Namensherkunft. Die Verbindung ist deshalb als Deutung darzustellen.
Seit wann ist die Region Niğde besiedelt?
Köşk Höyük belegt Gemeinschaften, die zwischen 6050 und 4911 v. Chr. Ackerbau und Viehhaltung betrieben. Weitere datierte Befunde betreffen die Zinngewinnung rund um Kestel und Göltepe im 3. Jahrtausend v. Chr.
Gehören Niğdes Bauwerke zum UNESCO-Welterbe?
Die historischen Bauwerke von Niğde wurden am 13. April 2012 für die Tentativliste des UNESCO-Welterbes eingereicht.
Quellen
- Wikipedia — Provinz Niğde en.wikipedia.org
- Regionaldirektionen für die Erhaltung von Kulturgut — Niğde korumakurullari.ktb.gov.tr
- Türkischsprachige Wikipedia — Niğde tr.wikipedia.org
- TDV İslâm Ansiklopedisi — Niğde islamansiklopedisi.org.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Niğde — Archäologische Stätten nigde.ktb.gov.tr
- Ministerium für Kultur und Tourismus, DÖSİMM — Niğde dosim.ktb.gov.tr
- Ministerium für Kultur und Tourismus — Kloster und unterirdische Stadt Gümüşler muze.gov.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Niğde — Moscheen nigde.ktb.gov.tr
- Kulturportal — Hüdavend-Hatun-Mausoleum kulturportali.gov.tr
- TDV İslâm Ansiklopedisi — Akmedrese islamansiklopedisi.org.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Niğde — Gasthäuser, Bedestene und Karawansereien nigde.ktb.gov.tr
- Kommunikationspräsidium — Sokullu-Mehmet-Paşa-Bedesten iletisim.gov.tr
- Kulturportal — Paşa Hamamı kulturportali.gov.tr
- Anadolu Agency — Mit Lehm übermodellierte Schädel im Museum Niğde aa.com.tr
- Kulturportal — Akmedrese kulturportali.gov.tr
- UNESCO-Welterbezentrum — Historische Bauwerke von Niğde whc.unesco.org
FAQ
Woher kommt der Name Niğde?
Der Name wird mit älteren Formen wie Nahitiya und Nahita in Verbindung gebracht. Eine luwische Inschrift des Königs Saruanis in Andaval gibt den Ortsnamen als na-hi-ti-ia wieder. Die vermutete Verbindung zur Göttin Anahita ist umstritten.
Seit wann ist die Region Niğde besiedelt?
Ausgrabungen am Köşk Höyük in Bahçeli belegen Gemeinschaften, die zwischen 6050 und 4911 v. Chr. Ackerbau und Viehzucht betrieben.
Welche Bauwerke zeigen das mittelalterliche Niğde?
Die Alâeddin-Moschee stammt von 1223, das Hüdavend-Hatun-Mausoleum von 1312–1313 und die Sungur-Bey-Moschee von etwa 1335. Die Akmedrese entstand 1409–1410.
Gehören Niğdes historische Bauwerke zum UNESCO-Welterbe?
Die historischen Bauwerke von Niğde wurden am 13. April 2012 für die UNESCO-Welterbe-Tentativliste eingereicht. Es handelt sich um eine Aufnahme in die Vorschlagsliste.
Image: NigdeKale1.jpg — Klaus-Peter Simon, CC BY-SA 3.0
