Weltgeschichte

Eremitage in Sankt Petersburg: Vom Zarenpalast zum Weltmuseum

Aus dem Kauf von 225 Gemälden durch Katharina II. im Jahr 1764 entwickelte sich die Eremitage zu einem staatlichen Museum mit mehr als drei Millionen Objekten. Ihre Geschichte verbindet die kaiserliche Sammeltätigkeit, die Öffnung für das Publikum, die Revolution und die Evakuierung im Krieg mit den Gebäuden und Sammlungen, die du heute erkunden kannst.

9 Min. Lesezeit16 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Eremitage in Sankt Petersburg: Vom Zarenpalast zum Weltmuseum
Hermitage West facade Saint Petersburg.jpg

Wo liegt die Eremitage in Russland?

Die Staatliche Eremitage liegt an der Newa in Sankt Petersburg, Russland. Sie erstreckt sich über historische Gebäude, darunter den Winterpalast. Ihre Sammlungen umfassen mehr als drei Millionen Kunstwerke und Kulturobjekte. Dabei begann alles deutlich kleiner: mit dem Kauf von 225 Gemälden durch Katharina II. im Jahr 1764.

Wenn du die Eremitage verstehen möchtest, lohnt sich zuerst ein Blick auf das Zusammenspiel von Räumen und Sammlungen. Der Winterpalast entstand bereits vor Katharinas Gründungskauf. Später kam die Neue Eremitage hinzu. 1852 wurden die kaiserlichen Sammlungen für die Öffentlichkeit geöffnet. Palastarchitektur und Museumsgeschichte entwickelten sich gemeinsam, haben aber unterschiedliche Eckdaten.

Wie wurde aus Katharinas II. Sammlung die Eremitage?

1764 kaufte Katharina II. eine Kunstsammlung des Berliner Kaufmanns Johann Ernst Gotzkowsky. Diesen Kauf betrachtet das Museum als seine Gründung. Nach seiner eigenen historischen Darstellung bestand die Sammlung aus 225 Gemälden, vor allem niederländischer und flämischer Meister. Gemälde bildeten den Anfang einer Institution, die heute auch archäologische Objekte, Skulpturen und Münzen bewahrt.

Der Name erinnert an Katharinas private Welt. Das französische Wort ermitage bezeichnet einen Rückzugsort. In der Kleinen Eremitage traf sich Katharina mit ihrem engsten Kreis. Der mit diesem Ort verbundene Name ging schließlich auf den gesamten Museumskomplex über. So wurde ein Wort für den Rückzug zum Namen einer öffentlichen Institution.

1852, während der Herrschaft von Nikolaus I., erhielten Besucher Zugang zu den Sammlungen. Mit der Eröffnung der Neuen Eremitage wurden die kaiserlichen Bestände öffentlich zugänglich. Dieses Datum steht für einen anderen Meilenstein als 1764. Das eine bezeichnet den Gründungskauf. Das andere markiert die Öffnung der Sammlungen für das Publikum.

Vom Winterpalast zur Neuen Eremitage

Francesco Bartolomeo Rastrelli errichtete den Winterpalast zwischen 1754 und 1762. Er gehört zu den Hauptgebäuden der Eremitage. Sein Bau fällt somit in die Zeit vor Katharinas Kauf der Sammlung Gotzkowsky. Wenn du den Palast als Teil des Museums betrachtest, siehst du ein Gebäude, dessen Geschichte vor der offiziellen Sammlungsgründung begann.

1837 verwüstete ein großer Brand den Winterpalast. Anschließend gestaltete Wassili Stassow die Innenräume neu. Zur Geschichte des Gebäudes gehören damit sowohl der ursprüngliche Bau als auch ein erheblicher Eingriff nach dem Brand. Der Palast hatte bereits tiefgreifende Veränderungen erfahren, bevor er Teil des staatlichen Museums wurde.

Die Neue Eremitage entstand zwischen 1842 und 1851. Leo von Klenze entwarf sie. Wassili Stassow und Nikolai Jefimow leiteten die Bauarbeiten. Ihre Fertigstellung ging der öffentlichen Eröffnung von 1852 voraus. Diese Daten zeigen, wie der Ausbau der Museumsgebäude die Öffnung der kaiserlichen Sammlungen ermöglichte.

Revolution, Verkäufe und die Bewahrung der Sammlungen

Nach der Oktoberrevolution von 1917 wurden die Eremitage und der Winterpalast zu staatlichen Museen erklärt. Verstaatlichte Privatsammlungen vergrößerten den Bestand. Der Wandel betraf sowohl die Eigentumsverhältnisse als auch die Inhalte der Institution. Zuvor private Sammlungen wurden Teil des staatlichen Museums.

Es verließen aber auch Werke die Eremitage. 1931 kaufte Andrew Mellon 21 Kunstwerke aus dem Museum. Sie gehörten später zum Kernbestand der Gründungssammlung der National Gallery of Art in Washington. Zur internationalen Geschichte der Eremitage zählen deshalb neben Erwerbungen auch Abgänge aus der Sammlung.

1941 wurde vor Beginn der Leningrader Blockade ein erheblicher Teil der Sammlung evakuiert. Zwei Züge brachten die Werke nach Swerdlowsk, dem heutigen Jekaterinburg. Die ausgelagerten Objekte kehrten im Oktober 1945 zurück. Im November 1945 öffnete die Eremitage wieder. Mit der Rückkehr der Sammlungen wurde auch der öffentliche Zugang wiederhergestellt.

Ein weiterer großer Zugang folgte 1948. Nach der Schließung des Museums für Neue Westliche Kunst in Moskau erhielt die Eremitage 316 Werke. Darunter waren Arbeiten von Matisse und Picasso. Auch nach der Evakuierung und Rückkehr im Zusammenhang mit dem Krieg veränderten sich die Bestände weiter.

Zeitleiste

  • 1754–1762: Rastrellis Winterpalast wurde errichtet.
  • 1764: Katharina II. kaufte die Sammlung Gotzkowsky. Dieser Kauf gilt als Gründung der Eremitage.
  • 1837: Ein großer Brand verwüstete den Winterpalast.
  • 1842–1851: Die Neue Eremitage wurde errichtet.
  • 1852: Die kaiserlichen Sammlungen wurden für die Öffentlichkeit geöffnet.
  • 1914: Die Eremitage erwarb Leonardo da Vincis Madonna Benois.
  • 1917: Nach der Revolution wurden die Eremitage und der Winterpalast zu staatlichen Museen.
  • 1931: Andrew Mellon kaufte 21 Kunstwerke aus der Eremitage.
  • 1941: Zwei Züge brachten einen erheblichen Teil der Sammlungen zur Evakuierung nach Swerdlowsk.
  • November 1945: Nach der Rückkehr der evakuierten Sammlungen öffnete das Museum wieder.
  • 1948: Die Eremitage erhielt 316 Werke aus dem Moskauer Museum für Neue Westliche Kunst.
  • 1950: Der 1949 entdeckte Pasyryk-Teppich kam in die Sammlung.

Was kannst du in der Eremitage sehen?

Leonardo da Vincis Madonna Benois kam 1914 in die Eremitage. Das Gemälde wird auf etwa 1478–1480 datiert und misst 49,5 mal 33 Zentimeter. Diese Maße lassen sich gut mit dem Alltag vergleichen: Ein weltberühmtes Museumsbild kann an deiner Wand zu Hause weniger Platz einnehmen, als du vielleicht erwartest. Die Größe der Institution bestimmt nicht die Größe jedes einzelnen Objekts.

Auch Rembrandts Die Rückkehr des verlorenen Sohnes gehört zur Sammlung. Der Freundeskreis der Eremitage bezeichnet das Werk als eines der Wahrzeichen des Museums. Gemeinsam mit Leonardos Gemälde bietet es einen konkreten Einstieg, wenn du dich der Eremitage über ihre Malerei nähern möchtest.

Die Sammlungen des französischen Impressionismus und Postimpressionismus umfassen Werke von Monet, Renoir, Van Gogh und Gauguin. Sie werden im Ostflügel des Generalstabsgebäudes gezeigt. Wenn du deinen Besuch auf diese Künstler ausrichtest, ist das Gebäude ebenso wichtig wie der Name des Museums. Ihre Werke sind in einem bestimmten Teil der Institution ausgestellt.

Der Pasyryk-Teppich führt über die Malerei hinaus. Das Museum datiert diesen geknüpften Wollteppich auf das 5.–4. Jahrhundert v. Chr. Er misst 183 mal 200 Zentimeter und trägt die Inventarnummer 1687-93. Sergei Rudenko fand ihn 1949 bei Ausgrabungen im fünften Pasyryk-Kurgan im Altai. 1950 kam er in die Eremitage.

Details, die du nicht im Reiseführer findest

Die Eremitage feiert ihren Gründungstag am 7. Dezember, dem Gedenktag der heiligen Katharina. Als Gründung gilt der Kauf von 1764. Die jährliche Feier hat dagegen diesen festen Platz im Kalender. Der Jahrestag bewahrt die Verbindung zwischen dem Museum und Katharina.

Die Katzentradition des Museums reicht bis etwa 1745 zurück. Kaiserin Elisabeth ließ Katzen in den Palast bringen, um Nagetiere zu bekämpfen. Diese praktische Lösung für ein Problem im Haushalt wurde Teil der Geschichte der Eremitage. Die Tradition begann bereits vor Katharinas Gründungskauf.

James Cox fertigte die Pfauenuhr in den 1770er-Jahren. Ihr Zifferblatt ist im Hut eines Pilzes innerhalb der Komposition verborgen. Die Uhr kam 1781 in Einzelteilen nach Sankt Petersburg. Der russische Mechaniker Iwan Kulibin brachte sie wieder zum Laufen. Ihre Geschichte verbindet dekorative Pracht mit der praktischen Arbeit am Zusammenbau eines Mechanismus.

Während der Leningrader Blockade führte der Museumsmitarbeiter Pawel Gubtschewski Besucher durch Räume, deren Gemälde evakuiert worden waren. Anhand der leeren Rahmen beschrieb er die Bilder. Die Objekte fehlten, doch die Führungen gingen mit mündlichen Beschreibungen der Gemälde weiter. Diese Episode macht die menschliche Seite der Evakuierung im Krieg greifbar.

Wie groß ist die Eremitage?

Die Eremitage bewahrt mehr als drei Millionen Kunstwerke und Kulturobjekte. Zu ihren Sammlungsbereichen gehören Malerei, Grafik, Skulptur, Kunsthandwerk, Archäologie und Numismatik. Diese Vielfalt erklärt, warum sich das Museum nicht allein über seine Gemälde verstehen lässt. Der Pasyryk-Teppich und die Pfauenuhr gehören zur selben Institution wie die Werke von Leonardo und Rembrandt.

Culture.ru nennt rund 350 Ausstellungssäle. Um sie alle zu durchlaufen, sind demnach mindestens 20 Kilometer zurückzulegen. Diese Entfernung hilft dir, Schwerpunkte für deinen Besuch zu setzen. Der Winterpalast, die Gemälde im Generalstabsgebäude und einzelne Objekte wie der Pasyryk-Teppich bieten unterschiedliche Anlaufpunkte.

Eremitage: Eintrittspreise und Öffnungszeiten

Auf der am 25. Oktober 2026 geprüften offiziellen Ticketseite kostete der Eintritt in den Hauptmuseumskomplex 500–1.200 Rubel. Für das Generalstabsgebäude wurden 700 Rubel angegeben. Elektronische Eintrittskarten gehen etwa eine bis vier Wochen vor dem Besuchstermin in den Verkauf. An den Kassen gibt es ausschließlich Karten für denselben Tag.

Laut den am selben Datum geprüften offiziellen Öffnungszeiten war der Hauptmuseumskomplex dienstags, freitags und samstags von 11:00–20:00 Uhr geöffnet. Mittwochs, donnerstags und sonntags galten Öffnungszeiten von 11:00–18:00 Uhr. Montags sowie am 1. Januar und am 9. Mai bleibt der Komplex geschlossen. Die Kassen schließen eine Stunde vor Besuchsende.

Kinder unter 14 Jahren können den Hauptmuseumskomplex an seinen Öffnungstagen unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit kostenlos besuchen. Für einen Familienbesuch gehört diese Regel ebenso zur Planung wie die Öffnungszeiten und der Kartenkauf. Die offiziellen Besuchs- und Ticketseiten liefern die dafür nötigen Informationen.

Eremitage: Fotos und virtuelle Rundgänge

Beim offiziellen virtuellen Rundgang kannst du unter anderem die Jordantreppe im Winterpalast erkunden. Auch die Galerie zur Geschichte der antiken Malerei in der Neuen Eremitage ist enthalten. Diese Onlineansichten ermöglichen es dir, bestimmte Innenräume vor einem Besuch anzusehen oder später erneut aufzusuchen. Sie verbinden außerdem die Architekturgeschichte des Museums mit Räumen, die du am Bildschirm erkunden kannst.

FAQ

Wo liegt die Eremitage?

Die Staatliche Eremitage liegt in Sankt Petersburg, Russland, an der Newa. Zu ihren historischen Gebäuden gehört der Winterpalast.

Wann wurde sie zu einem öffentlichen Museum?

Die kaiserlichen Sammlungen wurden 1852 unter Nikolaus I. für die Öffentlichkeit geöffnet. Vorausgegangen war der Bau der Neuen Eremitage zwischen 1842 und 1851.

Was kosten die Eintrittskarten?

Auf der am 25. Oktober 2026 geprüften offiziellen Seite kosteten Eintrittskarten für den Hauptmuseumskomplex 500–1.200 Rubel. Der Eintritt in das Generalstabsgebäude kostete 700 Rubel.

Kannst du sie online erkunden?

Ja. Der offizielle virtuelle Rundgang zeigt neben weiteren Museumsräumen die Jordantreppe und die Galerie zur Geschichte der antiken Malerei.

Quellen

  1. Staatliche Eremitage — Die Eremitage in Zahlen und Fakten hermitagemuseum.org
  2. Staatliche Eremitage — Die Sammlungen der Eremitage, 1764–1852 hermitagemuseum.org
  3. Staatliche Eremitage — Die Geschichte der Eremitage hermitagemuseum.org
  4. Staatliche Eremitage — Jahresbericht 2015 hermitagemuseum.org
  5. Wikipedia — Eremitage tr.wikipedia.org
  6. Wikipedia — Eremitage en.wikipedia.org
  7. Culture.ru — Der Hauptpalast des Russischen Kaiserreichs culture.ru
  8. Hermitage Foundation UK — Madonna Benois hermitagefoundation.co.uk
  9. Freundeskreis der Eremitage — Ausstellung Lk 15, 11–32 support.hermitagemuseum.org
  10. Staatliche Eremitage — Pasyryk-Teppich hermitagemuseum.org
  11. Google Arts & Culture — Warum leben Katzen in der Eremitage? artsandculture.google.com
  12. Staatliche Eremitage / Google Arts & Culture — Die Pfauenuhr artsandculture.google.com
  13. Staatliche Eremitage — Die Eremitage im Krieg hermitagemuseum.org
  14. Staatliche Eremitage — Offizielle Website und virtueller Rundgang hermitagemuseum.org
  15. Staatliche Eremitage — Online-Tickets hermitagemuseum.org
  16. Staatliche Eremitage — Besuchsinformationen hermitagemuseum.org

FAQ

Wo liegt die Eremitage?

Die Staatliche Eremitage liegt in Sankt Petersburg in Russland. Ihre historischen Gebäude stehen an der Newa.

Wann wurde die Eremitage für die Öffentlichkeit geöffnet?

Die kaiserlichen Sammlungen wurden 1852 unter Nikolaus I. mit der Eröffnung der Neuen Eremitage für die Öffentlichkeit zugänglich.

Was kosten Eintrittskarten für die Eremitage?

Auf der am 25. Oktober 2026 geprüften offiziellen Ticketseite kostete der Eintritt in den Hauptmuseumskomplex 500–1.200 Rubel. Für das Generalstabsgebäude wurden 700 Rubel angegeben.

Kannst du die Eremitage online erkunden?

Der offizielle virtuelle Rundgang zeigt unter anderem die Jordantreppe im Winterpalast und die Galerie zur Geschichte der antiken Malerei in der Neuen Eremitage.

Image: Hermitage West facade Saint Petersburg.jpg — This Photo was taken by Wolfgang Moroder.

Feel free to us, CC BY-SA 3.0

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt. Jede Angabe wurde mit den Quellen abgeglichen; Sätze ohne Quelle wurden nicht veröffentlicht. Wenn Sie einen Fehler finden, schreiben Sie uns. Unsere Quellengrundsätze · Schreib uns →

Ähnliche Artikel