Seldschuken und Beyliks · 1037 – 1500

Schlacht von Dandanaqan 1040: Geburt der Seldschuken

1040 besiegten die Seldschuken den ghaznawidischen Sultan Masud I. (I. Mesud) bei Dandanaqan (Dandanakan), einer Wüstenstadt an der Straße zwischen Merw (Merv) und Serachs (Serahs) im heutigen Turkmenistan. Der Sieg beendete die Herrschaft der Ghaznawiden (Gazneliler) in Chorasan (Horasan) und führte dazu, dass die seldschukischen Beys Toghril Beg zu ihrem ersten Sultan ausriefen.

7 Min. Lesezeit7 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Schlacht von Dandanaqan 1040: Geburt der Seldschuken
Seljuk Empire correct locator map.png

Am 23. Mai 1040 trafen zwei Heere im Sand der Karakum-Wüste aufeinander. Das eine war ein ghaznawidisches Heer unter einem Sultan. Das andere war eine seldschukische Streitmacht unter zwei Brüdern. Am Ende hatten die Ghaznawiden Chorasan verloren, und die Seldschuken hatten einen Staat. Hier erfährst du, wie die Schlacht verlief, wo sie stattfand und warum sie bis heute wichtig ist.

Die Schlacht von Dandanaqan 1040 im Überblick

Die Schlacht von Dandanaqan wurde 1040 zwischen den Seldschuken und den Ghaznawiden geschlagen. Die Seldschuken gewannen.

Die Encyclopaedia Iranica datiert den entscheidenden Sieg auf den 8. Ramadan 431, also den 23. Mai 1040. Nach der TDV İslâm Ansiklopedisi dauerte die offene Feldschlacht vor der Festung Dandanaqan drei Tage.

Toghril Beg und Tschaghri Beg führten die seldschukischen Truppen. Das ghaznawidische Heer stand unter Sultan Masud I.

Die Folgen reichten weit über das Schlachtfeld hinaus. Der Sieg beendete die ghaznawidische Herrschaft in Chorasan und öffnete die Region für die Herrschaft der Seldschuken.

Dandanaqan auf der Karte: Wo fand die Schlacht statt?

Dandanaqan lag im heutigen Turkmenistan. Der Ort befand sich in der Karakum-Wüste, an der Straße zwischen Merw und Serachs.

Mittelalterliche Geografen beschrieben ihn als eine Stadt, die der Verwaltung von Merw unterstand. Ihre Entfernung zu Merw gaben sie mit 10 Farsach an.

Wenn du Dandanaqan auf einer heutigen Karte suchst, orientiere dich am Wüstenabschnitt zwischen diesen beiden Orten. Erwarte dort keine geschäftige Stadt. Dandanaqan war eine Kleinstadt in einer sandigen Landschaft. Diese Lage prägte die gesamte Schlacht.

Ein Ausgrabungsbericht von B. Zahoder in Belleten, der Zeitschrift der Türkischen Historischen Gesellschaft (Türk Tarih Kurumu), beschreibt die Ruinen. Mauern, Gipssäulen und alte Gegenstände liegen im Sand der Karakum. Dem Bericht zufolge entdeckte eine Militäreinheit sie zufällig.

Der Weg nach Dandanaqan

Die Seldschuken kamen nicht als unerfahrene Außenseiter nach Dandanaqan. Sie hatten die Ghaznawiden bereits 1035 und erneut 1038 besiegt. Laut der TDV İslâm Ansiklopedisi erschütterten diese Siege die ghaznawidische Stellung in Chorasan.

Dann folgte ein Rückschlag. Im Juni 1039 konnten sich die Seldschuken beim Zusammenstoß von Talhab gegen das ghaznawidische Heer nicht behaupten. Sie zogen sich in die umliegenden Wüsten zurück.

Vor dem Feldzug von 1040 berieten die seldschukischen Anführer über ihr weiteres Vorgehen. Ein Vorschlag lautete, sich in den westlichen Iran zurückzuziehen. Tschaghri Beg widersprach. Er setzte sich dafür ein, den Kampf in Chorasan auszutragen.

Damit fiel die Entscheidung für ein Gelände, das die Seldschuken für sich nutzen konnten. Die Wüste war für sie kein leerer Raum. Sie war eine Waffe.

Wie die Seldschuken Sultan Masuds Heer zermürbten

Der ghaznawidische Sultan marschierte mit einem großen, schwer bewaffneten Heer auf Merw zu. Dazu gehörten auch Kriegselefanten. Auf offenem Gelände wirkt das wie ein Vorteil. In einer Wüste kann es zur Belastung werden.

Während des Marsches vermieden die Seldschuken einen direkten Zusammenstoß. Ihre Reiter griffen immer wieder an und zogen sich zurück. Die englischsprachige Wikipedia beschreibt, wie diese Angriffe das ghaznawidische Heer zermürbten. Die Seldschuken unterbrachen auch dessen Nachschubverbindungen.

Hinzu kam die Wasserversorgung. Nach der TDV İslâm Ansiklopedisi machten seldschukische Einheiten die Brunnen entlang der Marschroute unbrauchbar. Das verschärfte den Durst im ghaznawidischen Heer auf seinem Weg nach Merw.

Die Encyclopaedia Iranica nennt einen weiteren Faktor. Hungersnot und Dürre in der Region verringerten die Kampfkraft von Masuds schwer bewaffnetem Heer erheblich.

Stell dir eine lange Autofahrt vor: Der Wagen ist voller Gepäck, unterwegs gibt es keine Tankstellen und keine kalten Getränke. Du kannst das größte Fahrzeug auf der Straße haben. Trotzdem kommst du müde und durstig an. Masuds Heer befand sich in einer weit härteren Variante dieser Lage.

Wer führte die Heere, und wie viele Männer kämpften?

Auf dem Papier waren die beiden Seiten unterschiedlich stark. Die Zahlen sind allerdings umstritten.

Die Encyclopaedia Iranica beziffert die seldschukischen Turkmenen, die bei Dandanaqan kämpften, auf etwa 16.000.

Die Stärke der ghaznawidischen Seite lässt sich schwerer bestimmen. Die TDV İslâm Ansiklopedisi berichtet, Masud sei zum Feldzug von 1040 mit einem Heer von 100.000 Mann aus Nischapur aufgebrochen. Diese Angabe bezieht sich auf das Heer des Feldzugs. Die englischsprachige Wikipedia führt andere Schätzungen zusammen und nennt für die ghaznawidischen Truppen 16.000 bis 50.000 Mann.

Verstehe die 100.000 deshalb als Angabe zum gesamten Feldzugsheer. Sie ist keine Zählung der Männer in der entscheidenden Schlacht. Die Quellen weichen voneinander ab. Eine ehrliche Antwort muss diese Spannweite nennen.

Was nach dem Sieg geschah

Nach der Niederlage entkam Sultan Masud laut der TDV İslâm Ansiklopedisi mit 100 Reitern vom Schlachtfeld.

Die politische Folge war weitreichender. Die ghaznawidische Herrschaft in Chorasan war beendet. Die Region stand nun den Seldschuken offen.

Nach dem Sieg riefen die seldschukischen Beys Toghril Beg zum ersten Sultan des neuen Staates aus. Deshalb betrachten Historiker Dandanaqan als den Wendepunkt, an dem das Großseldschukenreich entstand.

Auch das Herrschaftsgebiet wurde aufgeteilt. Nach der UNESCO-Publikation Geschichte der Zivilisationen Zentralasiens erhielt Tschaghri Beg Chorasan mit Merw als Zentrum.

Die Ghaznawiden verschwanden nicht. Die UNESCO hält fest, dass Maudud (Mevdud) nach Masud die ghaznawidische Macht zumindest im östlichen Afghanistan wiederherstellte.

Zeitleiste

  • 1035: Die Seldschuken erringen einen Sieg über die Ghaznawiden.
  • 1038: Ein weiterer seldschukischer Sieg erschüttert die ghaznawidische Stellung in Chorasan.
  • Juni 1039: Nach dem Zusammenstoß von Talhab ziehen sich die Seldschuken in die Wüsten zurück.
  • 23. Mai 1040: Die Seldschuken gewinnen bei Dandanaqan. Dieses Datum nennt die Encyclopaedia Iranica.
  • 1040, nach dem Sieg: Toghril Beg wird zum Herrscher ausgerufen. Ein Siegesbrief geht an den abbasidischen Kalifen.
  • 1040, nach dem Sieg: Merw wird zum Verwaltungszentrum Tschaghri Begs in Chorasan.

Details, die du nicht im Reiseführer findest

Das Siegel mit Pfeil und Bogen. Der Siegesbrief an den abbasidischen Kalifen al-Qa’im bi-Amr Allah (Kāim-Biemrillâh) trug das Pfeil-und-Bogen-Symbol der Türken. Es zeigt, wie sich die neuen Herrscher darstellen wollten.

Das bekannte Bild stammt nicht von 1040. Die Schlachtszene auf der türkischsprachigen Wikipedia entstand nicht im Jahr 1040. Sie stammt aus einer Abschrift des Tarikh-i Abu’l-Khair Khani, die 1543 in Samarkand (Semerkant) geschrieben wurde. Das Bild zeigt also, wie sich eine spätere Epoche den Kampf vorstellte.

Ein Augenzeuge auf der Verliererseite. Baihaqi (Beyhakī), der ghaznawidische Sekretär und Historiker, nahm persönlich an Masuds Feldzug teil, der mit der Niederlage bei Dandanaqan endete.

Ein Moschee-Mihrab im Museum. Dandanaqan besaß einst eine Moschee. Von ihrer Gebetsnische, dem Mihrab, sind Gipsfragmente erhalten. Berechnungen zufolge war sie etwa 3 Meter hoch. Die Fragmente stammen aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Laut der kommentierten Ausstellungsliste zu Court & Cosmos des Metropolitan Museum of Art befinden sie sich im Staatlichen Museum des Staatlichen Kulturzentrums Turkmenistans in Aschgabat.

Warum die Schlacht für Reisende und Studierende wichtig ist

Wenn du auf den alten Seidenstraßenrouten Zentralasiens reist, zeigt dir Dandanaqan, wie die Geografie Geschichte bestimmte. Die Größe des Heeres entschied die Schlacht nicht. Entscheidend waren Reiter, die das Gelände kannten, die Kontrolle über das Wasser und ein Anführer, der den Kampf in Chorasan austragen wollte.

Wenn du dich mit den Seldschuken beschäftigst, liegt hier der Ausgangspunkt. Vor 1040 waren sie eine Streitmacht, die in und um Chorasan Raubzüge und Kämpfe führte. Danach hatten sie einen Sultan, ein Kerngebiet und eine Hauptstadtregion um Merw.

Wenn du spätere Kapitel über die Seldschuken liest, weißt du nun, wo ihr Staat begann. Sein Anfang lag in der Wüste zwischen Merw und Serachs, in einer kleinen Stadt, deren Ruinen noch immer im Sand liegen.

FAQ

Wann fand die Schlacht von Dandanaqan statt?

Die Encyclopaedia Iranica datiert den entscheidenden Sieg der Seldschuken auf den 8. Ramadan 431, also den 23. Mai 1040. Nach der TDV İslâm Ansiklopedisi dauerte die offene Feldschlacht vor der Festung drei Tage.

Wer kämpfte bei Dandanaqan?

Toghril Beg und Tschaghri Beg führten die Seldschuken. Das ghaznawidische Heer stand unter Sultan Masud I.

Wo liegt Dandanaqan heute?

Der Ort lag im heutigen Turkmenistan, in der Karakum-Wüste an der Straße zwischen Merw und Serachs. Mittelalterliche Geografen gaben seine Entfernung zu Merw mit 10 Farsach an.

Warum gewannen die Seldschuken?

Schnelle Reiterangriffe mit anschließendem Rückzug zermürbten die Ghaznawiden und unterbrachen ihre Nachschubwege. Unbrauchbar gemachte Brunnen verschärften den Durst. Dürre und Hungersnot schwächten Masuds schwer bewaffnetes Heer zusätzlich.

Was änderte sich nach der Schlacht?

Die ghaznawidische Herrschaft in Chorasan endete. Toghril Beg wurde zum ersten Sultan des neuen Staates ausgerufen. Tschaghri Beg erhielt Chorasan mit Merw als Zentrum.

Quellen

  1. Türkischsprachige Wikipedia — Schlacht von Dandanaqan tr.wikipedia.org
  2. Encyclopaedia Iranica — DANDĀNQĀN iranicaonline.org
  3. TDV İslâm Ansiklopedisi — Ali Sevim, Schlacht von Dandanaqan islamansiklopedisi.org.tr
  4. Englischsprachige Wikipedia — Schlacht von Dandanaqan en.wikipedia.org
  5. UNESCO — Geschichte der Zivilisationen Zentralasiens, Bd. IV, Teil 1 unesdoc.unesco.org
  6. Türk Tarih Kurumu Belleten — B. Zahoder, Dendanekan belleten.gov.tr
  7. The Metropolitan Museum of Art — Kommentierte Ausstellungsliste zu Court & Cosmos libmma.contentdm.oclc.org

Image: Seljuk Empire correct locator map.png — MapMaster 2008 first version, Nihil scimus 2025 update., Public domain

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt. Jede Angabe wurde mit den Quellen abgeglichen; Sätze ohne Quelle wurden nicht veröffentlicht. Wenn Sie einen Fehler finden, schreiben Sie uns. Unsere Quellengrundsätze · Schreib uns →